Die Mär vom billigen Atomstrom ist tot

Während meiner Kindheit galt Atomkraft noch als wahre Wunderenergie schlechthin. Sauber sei damit erzeugter Strom. Und obendrein noch billig. Das Jahr 2000 erschien damals noch unermesslich weit. Doch wir waren uns sicher: dank günstigen Atomstroms könnte man dann in puncto Stromverbrauch unbedenklich sozusagen aus dem Vollen zapfen. Von Atommüll und

fdgaffr.jpgWährend meiner Kindheit galt Atomkraft noch als wahre Wunderenergie schlechthin. Sauber sei damit erzeugter Strom. Und obendrein noch billig. Das Jahr 2000 erschien damals noch unermesslich weit. Doch wir waren uns sicher: dank günstigen Atomstroms könnte man dann in puncto Stromverbrauch unbedenklich sozusagen aus dem Vollen zapfen. Von Atommüll und wie der zu entsorgen wäre, schwieg der Politiker Höflichkeit in jenen hoffnungsvollen Jahren. Im Osten wie im Westen.

Nach Tschernobyl hätten wir klüger sein müssen – doch es locken saftige Profite

Spätestens nach dem Reaktorunfall von Tschernobyl hätten wir allesamt klüger sein müssen. Hätten? Waren es vielleicht auch ein wenig. Bis heute. Da wittert die Atomlobby wieder Morgenluft. Selbst jetzt noch, da Pannen in Krümmel und anderswo, sowie Endlagersorgen wie Asse II, Morsleben und Gorleben eine andere Sprache sprechen und zur Warnung vor Atomenergie Anlaß genug geben. Stattdessen macht die Oberatomlobby ordentlich Dampf und sich Hoffnung auf eine Regierung, die ihnen zu Willen ist. Selbst alte Atommeiler sollen noch ein paar Jahre weitergrummeln dürfen. Ein Schelm, wer böses dabei denkt. Weiter so, also? Selbst wenn da im AKW irgendwelche Dübel krachen gehen oder Trafos vor sich hin schmoren. Warum? Ganz einfach: Weil Atomkraftwerke den Energiekonzernen ohne großen Aufwand saftig Geld auf die Konten scheffeln! Die Vorfreude darauf lässt bei den Aktionären sicher schon jetzt ordentlich die Korken knallen. Krise? Iwo, doch nicht bei denen!

Atomstrom ist billig. Für die Energiekonzerne

Atomenergie ist nämlich tatsächlich billig! Aber eben nur für die Energiekonzerne. Die kritischen Kosten für Atommüll-Endlager trägt nämlich im wesentlichen der Steuerzahler. Auch ansonsten zeigt der sich, vertreten durch willfährige Regierende, ganz spendabel. Greenpeace präsentiert nun die passende Rechnung dazu. Demnach kostete uns deutschen Bundesbürgern die Nutzung der Atomernergie allein von 1950 bis 2008 rund 165 Milliarden Euro an staatlichen Fördermitteln. Hinzu kämen nach Angaben der Umweltorganisation künftig noch einmal mindestens 92,5 Milliarden Euro an zusätzlichen Ausgaben. Dies ergab eine von Greenpeace beim Forum Ökologisch-Soziale Marktwirtschaft in Auftrag gegebene Studie. Dementegen führen Subventionsberichte der Bundesregierung aus wohl durchsichtigen Gründen lediglich Atomsubventionen von weniger als 200 Millionen Euro auf. Greepeace forderte die Bundesregierung unterdessen auf, alle Subventionen für die Atomkraft offen zu legen und Fördermittel in Zukunft nur noch für erneuerbare Energien und effiziente Brennstoffnutzung auszugeben.

Greenpeace: Energieriesen machten seit 2000 100 Mrd. Euro Gewinn – Die Risiken übernimmt die Bundesregierung

Der Energieexperte von Greenpeace, Andree Böhling, zufolge würde mit dem Geld der Steuerzahler die Bankkonten der Atomkonzerne gefüllt. E.on, RWE, Vattenfall und EnBW hätten allein seit 2002 so 100 Mrd. Euro Gewinn eingefahren. Unerträglich sei daran, dass die Bundesregierung erhebliche Kosten und Risiken der Atomkraft übernehme. Darüberhinaus würde die exakte Höhe der Subventionen verschleiert. Rechnet man Forschungsfördermittel und die Kosten für den Betrieb der Atommüllendlager Asse II und Morsleben sowie die der für die Stilllegung ostdeutscher Atommeiler angefallenen hinzu; und berücksichtigt auch noch Steuervergünstigungen und andere Leistungen, dann würde sich der Strompreis laut Greenpeace etwas anders gestalten.

Steuerzahler finanziert jede Kilowattstunde Strom mit ca. 4 Cent!

Die Steuerzahler finanzieren demnach jede Kilowattstunde Strom mit etwa 4 Cent zusätzlich zum regulären Strompreis. Wäre den Betreibern von Atomkraftwerken darüberhinaus noch eine Haftpflichtversicherung für den Fall eines nuklearen Unfalls vorgeschrieben (schließlich ist das für viel weniger gefährliche Betriebe Pflicht), schlüge dies pro Kilowattstunde noch einmal mit zusätzlichen 2,70 Euro zu Buche. Atomstrom würde somit unbezahlbar, noch wäre er wettbewerbsfähig. Soviel zur Mär vom billigen Atomstrom…

Antiatomkraft-Trecker-Protest am Sonnabend in Berlin

Kurz vor der Bundestagswahl hat die Antiatomkraftbewegung noch einmal Fahrt aufgenommen. Im wahrstem Sinne des Wortes: Atomgegner tuckern gemeinsam mit Bauern aus dem Wendland auf Treckern gen Berlin, wo sie am morgigen Sonnabend ankommen und an einer Antiatom-Kundgebung teilnehmen wollen. Man will sich halt von der Atomlobby und den Energiekonzernen, die mit “billigem” Atomstrom weiterhin – und sei es auf Kosten unser aller Sicherheit – Profit machen wollen, kein X vorm U vormachen lassen. Das ist auch gut so. Und eigentlich müsste auch die studierte Physikerin Dr. Angela Merkel wissen: Was man uns während unserer Schulzeit über die Wunderenergie Atomkraft erzählte, war eben nur die halbe Wahrheit. Und Tschernobyl unbekannte und das Jahr 2000 fern. Ach, glaubten wir dazumal nicht auch noch an den Weihnachtsmann? Mit dem Glauben ist und bleibt es ein wunderlich Ding. In Deutschland soll es sogar noch Leute geben, die glauben, Angela Merkel, Physikerin a. D., sei die Bundeskanzlerin aller Deutschen. Der Glaube soll ja Berge versetzen…

Photo/Quelle: Kurt Michel via Pixelio.de

Kommentare

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  1. Atomstrom ist tatsächlich nicht verantwortbar und wie der Autor unter Bezug auf die Ermittlungen von Greenpeace eindeutig darstellt auch noch viel zu teuer.

    Bezeichnend ist, dass niemand mehr daran erinnert, dass Asse erst in der Zeit, in der “Kohls Mädchen” Angela Merkel die Umweltministerin spielte, Asse so richtig voll geschüttet wurde – die Entscheidungen trafen nicht irgendwelche untergeodnete Chargen, sondern Merkel persönlich, die auch auf Fragen der Wahrheit zuwider behauptete, Asse sei gründlich geprüft und sei absolut sicher! Ihre Art des Umgangs mit Problemen hat sich seither nicht verändert. Es ist genau die herablassende Art, in der die Funktionäre der SED das Volk düpiert haben.