Einige Journalisten und Internet-Diskutanten von der deutschnationalen Rechten erwecken den Eindruck, als hätten sie noch nicht einmal die Intelligenz und sittliche Reife eines 11-jährigen errreicht. Das haben Sie mit dem Bundesverteidigungsminister Franz-Josef Jung gemeinsam. Statt mit Zinnsoldaten spielen die modernen Strategen heute mit Tanklastzügen und Düsenjets. Während aber früher beim Spiel mit Zinnsoldaten Freund und Feind an den buntlackierten Uniformen klar auszumachen waren, hauen die vorpubertären Krieger mit und ohne Ministeramt heute kurzerhand alles zu Brei, was sich in der Nähe eines verdächtigen Objekts befindet.
Und halten sich dabei für tolle, knallharte Kerle.
Da wird davon schwadroniert, dass die Katastrophe von Kundus eine gute Lehre für die Zivilbevölkerung sei, sich von den Talibans fernzuhalten (CDU-Forum: Thread “Franz-Josef Jung” Autor: Nachtschwärmer am 6.9. 5 Uhr 46). Viele der heutigen Talibans waren früher deren Gegner, Freunde der westlichen Intervention, bis sie miterleben mussten, wie die Warlords und Drogenbarone den Rahm der westlichen Hilfe abschöpften und begannen die Bevölkerung wieder zu terrorisieren. Man lese dazu die Berichte von Ulrich Ladurner in DER ZEIT. Anders als die Herren Struck, Steinmeier und Jung ist Ladurner kein 12-Stunden-Hopplahopp-Ehrengast in Afghanistan, sondern lebt seit Jahren im Land am Hindukusch, nicht kaserniert und abgekapselt wie die NATO-Soldaten, sondern mitten unter der afghanischen Bevölkerung.
Eine Frage an Franz-Josef Jung und seine Jünger: Woran erkennt man Talibans? An der Waffe? Eine Waffe tragen, – angefangen beim Krummdolch -, fast alle männlichen Afghanen. Am Turban? Gleicher Befund. Oder tragen die Talibans eine Tätowierung, an der sie eindeutig vom Rest der Bevölkerung zu unterscheiden sind? Franz-Josef Jung muss es wissen.
Obwohl viele der Opfer von Kundus bis zur Unkenntlichkeit verbrannt sind, weiß der Verteidigungsminister: Das waren alles Talibans. Franz-Josef Jung ist sich sicher: Es hat nur Talibans getroffen. Doch da widersprechen ihm nicht nur die verächtlich als “Gutmenschen” titulierten Mahner vor Ort. Auch der afghanische Gouverneur, auch die afghanischen Behörden, Menschen also, die ursprünglich die Intervention der NATO begrüßt und die sich gegen die Talibans exponiert haben, sprechen von Dutzenden unschuldiger ziviler Opfer.
Frankreichs Außenminister Bernard Kouchner spricht von einem “großen Fehler” und meint weiter: “Wir müssen mit ihnen zusammenarbeiten statt sie zu bombardieren.”
US-General Stanley McChrystal, oberster NATO-Kommandeur in Afghanistan, stellt vor Ort fest: “Für mich ist klar, dass es einige zivile Opfer gab.”
Doch Franz-Josef Jung weiß es besser: Es gab nur Opfer unter den Aufständischen.
Inzwischen hat Nato-Generalsekretär Anders Fogh Rasmussen eingeräumt, dass es bei dem Luftangriff auch Tote in der Zivilbevölkerung gegeben haben könnte. Ein Nato-Sprecher erklärte: In den lokalen Krankenhäusern würden mehrere zivile Opfer behandelt.
Auch sie Blinde, Desinfomierte, Sentimentalisten? Auch sie “Gutmenschen” oder “Rühreier”, wie Rechtsradikale ihre Gegner gern abzuwerten pflegen? In den Augen von Franz-Josef Jung: Ja.
Und noch immer herrscht laut Franz-Josef Jung kein Krieg in Afghanistan. Der Sprecher des Verteidigungsministers erklärte gestern auf eine entsprechende Frage: “Es handelt sich um einen Stabilisierungseinsatz, zugegeben um einen recht robusten Stabilisierungseinsatz, der Kampfhandlungen miteinschließt.”
Inzwischen meldet die Washington Post: Die NATO geht von 125 Opfern aus, mindestens zwei Dutzend Tote sollen Zivilisten gewesen sein. http://www.spiegel.de/politik/ausland/0,1518,647258,00.html
Herr Jung spricht jetzt (Stand heute Morgen, Mo.07.09.) davon, dass “überwiegend” Taliban zu Schaden gekommen seien. An seiner Argumentation ändert das freilich nichts. Er handelt als seien wir im Krieg und will das Pfui-Wort doch vermeiden.
Zwei Drittel der Menschen in Deutschland sind laut Umfragen angeblich gegen diesen “Einsatz”. Ich kann nur alle auffordern zur Wahl zu gehen und sich dabei zu überlegen, ob Parteien die für diesen Krieg sind gewählt werden können.
Eine hohe Wahlbeteiligung wirkt sich negativ auf das Ergebnis der CDU aus. Das zeigen die letzten Landtagswahlen ganz deutlich. Das allein ist doch schon Motivation den Hintern hoch zu bringen.