DAS Manifest. Die schriftliche Begründung des Internetjournalismus

Bereits seit längerem wird seitens der Medienmacher darüber diskutiert, inwieweit das Internet zur Gefahr für die Informationsgewährleistung der “žklassischen” Medien wird; der Zeitungsmarkt ist eingebrochen, teilweise diskutieren lange etablierte Blätter, ihre Inhalte nur noch online anzubieten. Öffentlich-Rechtliche Sender bieten Fernseh- und Radiobeiträge online an. Unklar sind scheinbar nur die Finanzierungsmodelle

bild1.jpgBereits seit längerem wird seitens der Medienmacher darüber diskutiert, inwieweit das Internet zur Gefahr für die Informationsgewährleistung der “žklassischen” Medien wird; der Zeitungsmarkt ist eingebrochen, teilweise diskutieren lange etablierte Blätter, ihre Inhalte nur noch online anzubieten. Öffentlich-Rechtliche Sender bieten Fernseh- und Radiobeiträge online an. Unklar sind scheinbar nur die Finanzierungsmodelle ““ sie reichen von Bezahl-Abbos bis zur für den Nutzer kostenfreien Werbefinanzierung. Solche Positionen gehen im Kern von einem konventionellen Journalismus aus, für den das Netz nur eine Erweiterung darstellt.  Nun fordern Journalisten ein völliges Umdenken. Und schrieben ein Manifest.

Aufbruch der medialen Oligopole führt zu mehr Qualität

Das durch die Journalisten Thomas Knüwer und Mario Sixtus ins Leben gerufene Manifest, fordert im Kern nichts Geringeres als einen grundsätzlichen Wandel der Medien. Diese “žmüssen ihre Arbeitsweise der technologischen Realität anpassen, statt sie zu ignorieren oder zu bekämpfen. Sie haben die Pflicht, auf Basis der zur Verfügung stehenden Technik den bestmöglichen Journalismus zu entwickeln ““ das schließt neue journalistische Produkte und Methoden mit ein” heißt es deshalb gleich im ersten Absatz. Statt den Verfall der Oligopole zu bedauern, begrüßt das Manifest, dass es nun ohne große Investitionen möglich ist, Inhalte zu verbreiten. “žZum Glück” sei es nun ausschließlich die journalistische Qualität, die Verbreitung von Journalismus unterscheide.

Forderung einer freiheitlichen, mündigen Kommunikationskultur

Weitere Kernthesen des höchst idealistisch formulierten Grundlagentextes sind die notwendige Dialogisierung der bisher einseitigen Medienkommunikation in Form von “žZuhören und Reagieren” sowie Gleichsetzung von Pressefreiheit und Meinungsfreiheit. Da das Internet die Grenzen zwischen Amateur und Profi aufhebe, gelte nun zwangsläufig für jeden, der zur Erfüllung journalistischer Aufgaben beitrage, das Privileg der Pressefreiheit. Einen visionären Gipfel erreicht das Manifest unter anderem mit der Forderung, dass die Internettechnologie nicht im Sinne von “žwirtschaftlichen oder politischen Einzelinteressen verändert werden [darf], die sich oft hinter vermeintlichen Allgemeininteressen verbergen“. Zudem sei nun somit nicht “žder besserwissende, sondern der kommunizierende und hinterfragende Journalist” nötig.

Jeder ist Journalist

Das Manifest dokumentiert zum einen in deutlicher Weise einen längst erforderlichen Wandel des Selbstverständnisses im professionellen Journalismus, der ohne eine grundsätzliche Wandlung das Informationszeitalter nicht überleben wird. Zum anderen zeigt sich auch hier die zunehmende Verantwortungsübernahme  von Informationserzeugern, -vernetzern und ““verbreitern im Internet für eine bürgerorientierte und gemeinschaftlich gestaltete  Kommunikationskultur, wie sie auch der elementare Grundgedanke des Blogforums Readers Edition ist. Nach diesem Prinzip  hat jeder eine neue Information beizutragen, ist jeder Journalist. Und schreibt Geschichte.

Bildquelle: pixelio (pitlafit)

Kommentare

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  1. Das Manifest hat so lange keine große Bedeutung, wie gerade mal die Interet-Experten Knüwer und Sixtus dahinter stehen und sonst erkennbar kaum jemand. Ob wirklich die herkömmlichen Printmedien untergehen werden, steht doch noch in den Sternen. Auch der Buchmarkt ist noch lange nicht am Ende.

    Bürgerjournalismus sollte herkömmliche journalistische Arbeit nicht ersetzen, sondern
    ergänzen. Dafür braucht man aber kein Manifest. Das muss man einfach nur machen.
    Dennoch hat das Manifest seinen Sinn in der Vorbereitung der zu erwartenden Angriffe gegen die Freiheit des Netzes.