Für Schüler verboten, von Abgeordneten erwartet

Immer erreichbar sein! Berlin, 9.9.2009. Moderne Bundestagssitzung. Wer am Dienstag, 8. September 2009, die voraussichtlich letzte Parlamentssitzung des Deutschen Bundestages in dieser Legislaturperiode 16 erlebte, war überrascht, wie zeitgenössisch die Abgeordneten ausgerüstet sind. Was im Schulunterricht den Schülern verboten ist, ist unter den Bundestagspolitikern Pflicht: Die ständige Bereitschaft per Handy,

Immer erreichbar sein!

Berlin, 9.9.2009. Moderne Bundestagssitzung. Wer am Dienstag, 8. September 2009, die voraussichtlich letzte Parlamentssitzung des Deutschen Bundestages in dieser Legislaturperiode 16 erlebte, war überrascht, wie zeitgenössisch die Abgeordneten ausgerüstet sind.

Was im Schulunterricht den Schülern verboten ist, ist unter den Bundestagspolitikern Pflicht: Die ständige Bereitschaft per Handy, Laptop oder IPod mit Gott und die (Internet-) Welt zu kommunizieren.

Und dabei noch vor laufenden Kamaras und mit weltweiter Reichweite. Im Unterschied zu den meisten Schülerinnen und Schülern, hören Abgeordnete trotzdem zu, halten meistens formal fehlerfreie, zum Teil freie Reden mit meistens rechtzeitig ausgeschaltetem Handy. Sie gehen zur rechten Zeit zu den Wahlurnen, ohne Handy am Ohr und stimmen ab zu Entscheidungen, die auch mal mehr als 80 Millionen Menschen betreffen können.

“žPolitik ist keine Castingshow”, sagte Frank-Walter Steinmeier (SPD) am 24. Juli in der gedruckten Bildzeitung. Nein, aber eine Talkshow mit hohen Unterhaltungs- und Bildungswerten war diese Sondersitzung auf jeden Fall.

Das technische Sahnestückchen im 21. Jahrhundert und nach 60 Jahren Bundestag ist die grandiose Idee von Bundestagspräsident und Internetmuffel Norbert Lammert (CDU): Er ließ digitale Informationstafeln großwandig im Plenarsaal anbringen. Damit werden die Besucher und Journalisten zu den Rednern, Tagesordnungspunkten und Redezeiten informiert.

Leider nützt diese zeitgenössische Informationstafel nicht den Abgeordneten im Plenarsaal, daher befindet sich die Idee zur technischen Optimierung schon wieder in der Evaluationsphase. Schade, aber die Abgeordneten klagten über unscharfe Buchstaben und Augenschmerzen, wegen des Lesewinkels. Mal sehen, wie die neue Lösung aussehen wird.

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