Eine selbstbestimmte Kulturszene braucht Macher. Menschen, die handeln, statt zu beantragen. Menschen, die sich Verwerfungen entgegenstemmen und standhaft rocken. Veit Valdeig, Organmän beim KAOS e.V. ist so einer und mittlerweile im dritten Jahr mit seinem Rock and Roll Overdose Festival im Anker zugange. Hier spricht er mit Volly Tanner über Leipzig, den Rock und den Citytunnel:
Volly Tanner: Hallo Veit. Schön Dich mal zu sprechen. Da sollten wir auch gleich in die Vollen gehen. Am 25. & 26.09. gibt”™s wieder einmal im ANKER das Rock and Roll Overdose. Zwei Abende Handmademusic. Wer steht denn auf dem Plan?
Veit Valdeig: Zwei Tage vollgepfropft mit handgemachtem Leipziger Rock´n Roll. Am ersten Tag wird die legendäre Ankerbühne von den Bands Etschmoilkröte, Black Wings, Die Coxx, Daniel Orange, und Faced Reality geentert. Am zweiten Tag präsentiert sich dann Fast PM, New Life Report, …Auch!, The Squibs und Yoursort dem hoffentlich zahlreich erscheinenden und tanzwütigem Publikum.
Volly Tanner: Und auf wen freust Du dich persönlich am meisten?
Veit Valdeig: Natürlich freue ich mich auf jede einzelne Band. So ein abwechslungsreiches Line Up hatten wir bei Rock´n Roll Overdose noch nicht am Start. Aber besonders, und das sage ich völlig wertungsfrei, freue ich mich auf Etschmoilkröte und Daniel Orange. Diese beiden Bands habe ich bisher (leider) noch nicht live erlebt und bin doch sehr gespannt. Sowohl die Demoaufnahmen und als auch die Zusammentreffen in der Vorbereitungszeit waren vielversprechend.
“Klinkenputzen”, um potentielle Geldgeber von der Idee des Rock´n Roll zu überzeugen
Volly Tanner: Das RROD III ist ja auch Nachwuchsarbeit. Wie steht’s denn da mit der Unterstützung durch die entscheidenden Stellen in der Stadt?
Veit Valdeig: Für das Projekt “Rock´n Roll Overdose” gibt es keinerlei Unterstützung durch Kulturförderer der Stadt. Das Konzertevent wird einzig von der Kulturwerkstatt KAOS gestemmt. So schön eine Förderung für ein Projekt ist, so bürgt diese auch gewisse Risiken. Was wenn, und das haben wir ja schon oft genug erlebt, einem Projekt die erhoffte Förderung versagt bleibt? Im schlechtesten Fall stirbt es und geht den Bach runter. Dieses Szenario will ich dem Projekt Rock´n Roll Overdose wirklich ersparen. Dazu ist mir die Sache einfach zu wichtig und liegt mir zu sehr am Herzen. Wir haben natürlich jedes Jahr aufs Neue Kosten, die zu tragen sind um ein qualitativ hochwertiges und nachhaltiges Konzertevent abzuliefern. Diese haben wir bisher immer durch Sponsoren der “freien Wirtschaft” abdecken können. Das bedeutet jedes Jahr auf neue “Klinkenputzen” und potentielle Geldgeber von der Idee des Rock´n Roll zu überzeugen. Ein weiterer, nicht unerheblicher Faktor ist das gesponnene Netzwerk zu Musikern, Technikern und musikverrückten Leuten die meine Idee mittragen und bei der Verwirklichung helfen. Ohne diese großartige Hilfe bräuchte ich gar nicht anfangen zu planen.
Volly Tanner: Auf der Straße hört man immer öfter: “Die verbuddeln 900 Millionen Euro im Citytunnel und an allen Ecken und Enden in der sozialen und Bildungsarbeit haperts.” Denkst Du, diese Argumentation hat eine Berechtigung?
Veit Valdeig: Da stichst du bei mir in das vielbesagte Wespennest. So weit ich weiß, wird der Citytunnel nun doppelt so teuer wie ursprünglich geplant. Ich möchte diesmal meinem Arbeitsplatz in der Kaos Villa gegenüberstellen – so weit das überhaupt geht. Dort regnet es rein, ein großer Teil des Hauses kann nicht mehr genutzt werden, weil das Dach einzustürzen droht. Der Standort ist durch diese Situation gefährdet. Die finanzielle Ausstattung der Vereine in freier Trägerschaft wird, und da spreche ich nicht nur vom Kaos, von Jahr zu Jahr bedenklicher. Der freien Szene wird die Kehle mehr und mehr zugedrückt – das Atmen fällt jetzt schon schwer. Jeder Eimer Farbe den man zur Renovierung kauft, wird zum finanziellen Balanceakt. Die inhaltliche Arbeit wird jedoch immer anspruchsvoller und bei weitem nicht weniger. So gesehen kann ich dieses Argument mit den verbuddelten Millionen gut unterschreiben. Nur ein Teil dieses Geldes in den Einrichtungen der Jugend -und Jugendkulturarbeit investiert und eine stete Arbeit wäre gesichert.
Volly Tanner: Du selber bist ja beim KAOS beschäftigt. Was machst Du denn da genau?
Veit Valdei: Ich arbeite seit 2003 als festes Teammitglied in der Kulturwerkstatt Kaos. Mein Aufgabengebiet ist recht breit gefächert. Das beginnt dabei unsere Villa – soweit ich das vermag, in einem gebrauchsfähigen Zustand zu halten. Des Weiteren erledige ich einen Teil der Verwaltungsaufgaben, d.h. mit Ämtern sprechen um etwas zu erreichen. (Der unspektakulärste Teil meiner Arbeit). Ein weiteres Aufgabengebiet ist die Zusammenarbeit mit der Jugendgerichtshilfe und der Staatsanwaltschaft Leipzig. Ich habe immer wieder straffällig gewordene Jugendliche und junge Erwachsene in meiner Obhut. Mein liebstes Kind (…arbeitstechnisch gesehen) ist aber die Betreuung des KAOS Bandprobenraumes und der Musiker die diesen nutzen. Im Augenblick sind es zwölf Bands, die wir am Haus haben. Das fängt (wenn gewünscht) bei der technischen Unterstützung an und hört dabei auf, den aufstrebenden Musikern den einen oder anderen Gig zu verschaffen. Die technische Einrichtung und Betreuung unserer Theateraufführungen gehört ebenfalls zu meinen Aufgaben. Und nicht zu vergessen die Organisation von Rock´n Roll Overdose. Für letzteres habe ich nun schon das zweite Jahr eine helfende Hand an meiner Seite, Miriam Vohla, eine angehende Eventmanagerin, die völlig uneigennützig – nur der Sache selbst wegen, mit mir zusammenarbeitet. Ohne diese Hilfe wäre die Organisation für mich kaum noch durchführbar.
Lindenau ist rocktechnisch nicht verloren
Volly Tanner: Und warum gibt”™s das RAROD dann nicht im KAOS? Lindenau braucht doch auch Kultur jenseits der NPDveranstaltungen in der Odermannstraße?
Veit Valdeig: Ich hatte, als ich mit meiner Konzertreihe anfing, schon vor ein Rockevent (Open Air) im Leipziger Westen, speziell an dem Standort der Kulturwerkstatt zu etablieren. 2006 habe ich damit begonnen, noch unter dem Namen “Rock am See” (das KAOS wird ja von einem solchen umgeben). Als eine Wiederholung 2007 anstand, alles schon organisiert war, die Bands ihre Zusagen hatten, wurde ich mit einer neuen EU-Richtlinie konfrontiert die besagt, dass das Gelände, auf dem sich die Kulturwerkstatt KAOS befindet, ein ausgewiesenes Vogelschutzgebiet der Stadt Leipzig ist. Da konnte man nichts dran rütteln ““ und ich bin mit dem Event in den Anker gezogen. Aber Lindenau ist rocktechnisch nicht verloren – es wird wieder Konzerte im Kaos geben und somit auch eine kulturelle Aufwertung des Stadtteils. Der Auftakt war die MANGO Rekord Release Party. Wir werden so mit auch recht laut demonstrieren, dass es in Lindenau nicht nur das NPD Büro gibt, sondern dass auch durchaus kulturelles Leben einen Platz hat. Gib mir noch etwas Zeit, nach dem Overdose III lassen wir es in Lindenau wieder ordentlich rocken.
Volly Tanner: Nochmal ein paar Worte zum Wochenende 25./26.09. ““ wann geht”™s denn immer los, wie lange spielen die Bands und was kostets den Interessierten?
Veit Valdeig: Das geht schnell. Einlass jeweils 20.00 Uhr und 20.30 geht es dann los. Kosten pro Konzerttag 5,00 Euro. Ähhhm, also 1,00 Euro pro Band – wenn das mal nicht preiswert ist. Spielzeit pro Band 30 Min. + Zugabe(n) wenn gewünscht.
Volly Tanner: Na, da wünsche ich Euch viel Spaß ““ ich ziehe ja an diesem Wochenende um ““ nach Lindenau ““ ins Herz der Dunkelheit. Da sehen wir uns ja dann öfter!
Veit Valdeig: 1000 Dank Volly!!! Rock on!
Weitere Informationen über Veit und das RAROD III:
www.myspace.com/kaos_leipzig
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