Alle Jahre wieder… Auch in diesem Sommer fand das große Fantasy-Filmfest statt. Doch keine Sorge. Das wird aber kein verkappter Werbeartikel.
Was 1987 in einem Hamburger Programmkino als Spartenfestival für Fans des Besonderen begann, entwickelte sich innerhalb von wenigen Jahren zum Tourneefestival für Fans und ist mittlerweile ein bundesweites Kommerzfestival. Mein erstes Fantasy-Filmfest war 1994. Seitdem änderte sich viel beim Festival, beim Spektrum der Filme und in der Medienlandschaft allgemein.
Innerhalb von Frankfurt wechselte das Festival bereits zweimal das Kinocenter; seit 2004 wird es im Frankfurter Metropolis gezeigt, welches zum Cinestar-Konzern gehört. In den letzten fünf Jahren musste es als positiv bemerkt werden, dass zu den beiden Festival-Sälen einer der beiden größten des Kinocenters gehört; in dem Riesenkino mit ca. 650 Plätzen saßen zu manchen Nachmittagsvorstellungen nur wenige Festivalgäste und durch einen zwischenzeitlichen Wechsel hätte das Kino eventuell mehr Geld verdient, indem dort einer der aktuellen Blockbuster gezeigt worden wäre. Dieses Lob entfällt in diesem Jahr. Abgesehen vom Eröffnungsabend sowie jeweils zwei Vorstellungen am Sonntag und am Montag wurden wir in ein Kino mit ca. 350 Plätzen abgeschoben.
Saal 8: ca. 350 Plätze, Saal 6: ca. 650 Plätze, Saal 1: ca. 250 Plätze.
Bei meinen ersten Fantasy-Filmfesten ging ich in jede mögliche Vorstellung. In meinem ersten Jahr gab es keine Dauerkarten mehr. Ich kaufte Einzelkarten für alle Filme. Das kostete damals rund DM 300; eine Einzelkarte kostete nach meiner Erinnerungen DM 8,00. In den drei folgenden Jahren sicherte ich mir rechtzeitig Dauerkarten. Die erste Dauerkarte 1995 kostete DM 160,00 oder DM 170,00; ein Jahr später kostete die Dauerkarte bereits DM 200,00. Jetzt kostet die Dauerkarte € 175,00 und eine Einzelkarte kostet € 8,00. Bereits 1998 ging ich wieder dazu über, Einzelkarten zu kaufen und achtete mit der Zeit darauf, mir die Filme genau auszusuchen.
War das Fantasy-Filmfest noch vor einigen Jahren oft die einzige Möglichkeit, einen Film zu sehen, der dann bei Gefallen nur unter hohem finanziellem und logistischen Aufwand aus dem Ausland zu importieren war, ist das Festival heute ein Durchlauferhitzer für die Videothekenregale. Bei Studium des Filmprogrammes erkennt man mit etwas Erfahrung, welche der Filme demnächst im Kino bzw. auf DVD veröffentlicht werden. Da ist dann als Verleih eine Kinovertrieb, ein DVD-Anbieter oder auch mal das ZDF (ja, wirklich) angegeben. In solchen Fällen ist es die Überlegung wert, den Film in vier, sechs oder acht Wochen für € 1,80 am Tag aus der Videothek zu holen und dafür auf ein ggf. nerviges Publikum zu verzichten. Schöne und sonnige Tage können dann mit anderer Freizeitgestaltung verbracht werden und man kann sich auf die Filme konzentrieren, die keinen Verleih haben.
Es ist auch empfehlenswert, nicht für alle Filme Karten im Vorverkauf zu besorgen. Vor einigen Jahren schwenkte die Festivalleitung trotz vorheriger Ansage, alle Karten könnten umgetauscht bzw. zurückgegeben werden, um und bereits gekaufte Karten wurden weder umgetauscht noch zurückgenommen; das war 2004. Das sorgte für viel Ärger unter den Festivalbesuchern und hinterlässt den Eindruck: Das ist kein Festival mehr für Filmfans, sondern ein rein kommerzielles Festival zum Geld verdienen.
Kommen wir nun aber endlich zu den Filmbesprechungen:
Alle Filme werden in der jeweiligen Originalfassung gezeigt. Filme, die nicht in englischer Sprache gedreht sind, werden mit englischen Untertiteln gezeigt; in wenigen Ausnahmen werden Filme, die bereits auf anderen deutschen Festivals liefen, mit deutschen Untertiteln gezeigt. Für viele Kinobesucher ist das sehr gewöhnungsbedürftig, daher ist die Bezeichnung “Filmfestival für Fortgeschrittene” nicht unberechtigt. Ich vergebe Bewertungen analog von Schulnoten (1 = sehr gut; 6 = unzumutbar).
Mittwoch, 26. August, 20:00 Uhr, Kino 6
USA, englische Originalfassung
Zwei junge Pärchen auf einem staubigen Wüstenhighway, mit reichlich Bier im Gepäck und Surfbrettern auf dem Dach. Ausgelassene College-Freunde auf dem Weg in die Ferien? Ganz im Gegenteil! Denn ein tödliches Virus hat sich der Menschheit bemächtigt und Massensterben zum Alltag werden lassen. Die Welt ist im Untergang begriffen. Mithilfe einer Handvoll selbst auferlegter Regeln hoffen sich die Brüder Ryan und Danny mit ihren Freundinnen an die Küste vorzukämpfen, um dort den Wahnsinn “auszusitzen”. Also gilt: Halte stets einen Sicherheitsabstand zu den Infizierten! Trage bei Kontakt Mundschutz und Handschuhe! Reinige jeden Gegenstand vor Gebrauch peinlich genau! Und vor allem: Habe niemals Mitleid mit den “Trägern”! Sie sind ohnehin so gut wie tot.
Kennt jemand 28 DAYS LATER vom diesjährigen Oscar-Gewinner Danny Boyle? Aus einem Tierversuchslabor wird ein mutiertes Tollwutvirus freigesetzt. 28 Tage später wacht ein junger Mann im Krankenhaus auf und irrt durch die ausgestorbene Stadt London, bevor er von Infizierten verfolgt wird. Das war bedrückende Zivilisationskritik. Daran orientiert sich offensichtlich dieser Reißbrett-Endzeitfilm. Ein paar Leute fahren durch die US-Wüste. Na und? Da bekommt man trotz der Schweinegrippe nicht mal Angst. Den Regisseuren gelingt es nicht, dem Publikum die Personen näher zu bringen; daher kümmert es auch niemand, wenn sie infiziert werden und dahinsiechen. Die Darsteller ““ darunter Chris Pine, der Captain Kirk aus dem neuen Star-Trek-Film – scheinen einer High-School-Komödie entsprungen zu sein und sind mit dem Thema überfordert. Lediglich in einer Szene kann der Film überzeugen. In einem Krankenhaus bereitet ein Arzt einen Giftcoctail für die dort lebenden Kinder vor, um ihnen einen langsamen Tod zu ersparen.
CARRIERS ist der schlechteste Eröffnungsfilm, an den ich mich erinnern kann. Note: 5-
Mittwoch, 26. August, 22:30 Uhr, Kino 6
BRONSON
Großbritannien, englische Originalfassung
“Michael Gordon Peterson ist 19 Jahre alt, als er mit einer abgesägten Schrotflinte loszieht, um ein Postamt auszurauben. Er landet sieben Jahre hinter Gittern. Von den folgenden 34 Jahren verbringt Peterson weitere 30 im Knast ““ in seinem Fall könnte man fast von “Erziehungsanstalt” sprechen, denn erst im Gefängnis vollendet sich seine durch und durch skrupellose Persönlichkeit. Aus dem schwierigen Teenager wird “Charles Bronson”, eine lebende Legende ““ der gewalttätigste Sträfling Großbritanniens! Der dänische Filmemacher Nicolas Winding Refn (PUSHER) hat dem Schwergewicht ein filmisches Denkmal gesetzt, das in seinen besten Momenten, und das sind viele, einem Stanley Kubrick gerecht werden würde.” So weit die die Filmbeschreibung aus dem Programmheft. Der Däne Nicolas Winding Refn ist ein genialer Regisseur; insbesondere seine billigen und schmutzigen Gangsterfilme aus der PUSHER-Trilogie sind genial. Aber an Stanley Kubrick kommt natürlich nichts und niemand heran.
Tom Hardy liefert eine unglaublich überzeugende und intensive Darstellung des gewalttätigen Straftäters ab, die noch lange in Erinnerung bleiben wird. Allerdings werden in der Handlung Bronson keine Gegenfiguren gegenübergestellt. Wir sehen phasenweise seine Mutter während der Kindheitsepisoden und wir sehen später den spanisch-stämmigen Kunstlehrer im Knast, der von Bronson als Geisel genommen wird. Sonst sind da nur zahl- und namenlose Polizisten und Gefängniswärter, die es mit Bronson aufnehmen müssen und ihn ständig halb tot prügeln müssen, um ihn zu überwältigen. Unter diesen Umständen droht der Film, um Bronson bzw. Tom Hardy herum zu implodieren. Zwischen Jugend- und Knastszenen sind Einstellungen eingefügt, in denen Bronson weiß geschminkt auf einer Theaterbühne steht und einem nicht erkennbaren Publikum Episoden und Weisheiten aus seinem Leben erzählt. Diese Szenen geben dem Film etwas Abstraktes und Groteskes, wirken aber interessant.
Insgesamt sehr sehenswert. Note: 3+
Donnerstag, 27. August, 19:00 Uhr, Kino 1
JUST WALKING (SOLO QUIERO CAMINAR)
Spanien, Mexico, Originalfassung, spanisch mit englischen Untertiteln
Die Spanier können es einfach. Der Mix aus Gangsterfilm, Familientragödie und Milleustudie ist unterhaltsam, einfallsreich, abwechslungsreich, sexy und zwischenzeitlich sehr brutal. Die Frauengang nimmt es mit der russischen Mafia und einer mexikanischen Drogenclique auf und wir erfahren unter anderem, wie in wenigen Handgriffen aus einem Moutain-Bike ein Gewehr gebaut werden kann.
Wenn der rauskommt, schaue ich ihn mir auf jeden Fall noch mal an.
Note: 2
Freitag, 28. August, 17:00 Uhr, Kino 8
DREAD
Großbritannien, englische Originalfassung
Eine Kurzgeschichte aus dem Zyklus der “Bücher des Blutes” von Clive Barker wird hier verfilmt. “Was ist deine schlimmste Angst? Für ihren Abschlussfilm suchen Quaid, Stephen und Cheryl freiwillige Interviewpartner zum Thema. Nach einer Reihe von Probanden mit Geständnissen von Bettnässen bis hin zu Phobien und echter Todesangst macht vor allem das ungewöhnliche Martyrium der schüchternen Abby Eindruck auf das Trio. Sie muss die angewiderten Blicke ihrer Umwelt aushalten: Ihr halbes Gesicht und große Teile ihres Körpers sind von einem pechschwarzen Geburtsmal bedeckt. Während Stephen und Cheryl mit dem Projekt allmählich abschließen und sich mehr ihrer eigenen Beziehung zuwenden, ist der angriffslustige Quaid ““ der insgeheim mit seinen eigenen Dämonen kämpft ““ nicht nur von Abbys extremen Äußeren viel zu besessen, um loszulassen. Längst hat er das Experiment zum Selbstversuch erklärt und eine erschreckende Erkenntnis gewonnen: Wem es gelingt, seine innersten Ängste zu überwinden, der hat die absolute Kontrolle “¦”
An die Kurzgeschichte kann ich mich ein bischen erinnern; der Schluss war anders als im Film. Studienleiter Quaid lässt das Mädchen zum Schluss aus dem Verlies frei und wird Opfer seiner eigenen Ängste. Im Film hält er sie weiter gefangen, was deutlich weniger gelungen ist. Aus einer Kurzgeschichte einen langen Film zu machen, ist nicht einfach. Da müssen schon Könner ans Werk. Das hier ist zu lang und leider auch zu langweilig. So oft schaue ich in fast keinem Film auf die Stopuhr, um das Ende des Films zu schätzen.
Note: 5
Freitag, 28. August, 19:15 Uhr, Kino 8
VAN DIEMEN´S LAND
Australien, Originalfassung, englisch und gälisch mit englischen Untertiteln (!)
“1822, ein britisches Straflager mitten in den undurchdringlichen Wäldern des heutigen Tasmanien. Knochenarbeit, Peitschenhiebe und karge Mahlzeiten ““ das ist endlich vorbei für acht der hierhin verbannten Gesetzesbrecher, als ihnen die Flucht gelingt. Doch bald gehen die wenigen erbeuteten Vorräte zur Neige, und es wird klar: Im winterlichen Dickicht und eiskalten Wasser gibt es noch weniger als trocken Brot. Anfangs hält sich die aus Iren, Schotten und Engländern zusammengewürfelte Truppe mit derben Sprüchen und Liebesliedern bei Laune ““ bis sich Verzweiflung und Todesangst breit machen und die Axt zum ersten Mal einen menschlichen Schädel spaltet “¦ Poeten werden zu Raubtieren, Abscheu zu Gier, das Unantastbare zur Regel. Wen wird es als nächstes treffen, wem kann noch vertraut werden? Regisseur Jonathan auf der Heide hat einen niederträchtigen Chiller geschaffen, der sich Szene für Szene weiter unter die Haut bohrt. Er kontrastiert das moralische Dilemma der Männer mit der majestätischen Wildnis des Landes. Und erschreckt uns ein letztes Mal im Abspann ““ mit einem Vierzeiler, der uns in den wahren Abgrund des soeben Durchlittenenen blicken lässt “¦ ”
So weit die Filmbeschreibung aus dem Programm. Um es kurz zu machen. Die geflohenen Häftlinge bringen sich gegenseitig aus Furcht, Missgunst und Hunger um, verspeisen teilweise die Leichen. Und der letzte Überlebende wird hingerichtet ““ das erfahren wir aber nur noch noch in einer Texttafel vor dem Abspann. Die tasmanische Landschaft ist unwirtlich, voller Regen und auch mal Schnee und durchaus stimmungsvoll und gelungen mit der Kamera eingefangen. Die darstellerischen Leistungen sind gut. Gesprochen wird in einem Mischmasch aus schottischem Englisch und Gälisch; dadurch werden die Dialoge so schwer verständlich, dass der Film tatsächlich mit englischen Untertiteln gezeigt werden muss.
Insgesamt gut und sehenswert, aber auch ermüdend. Note: 3+
Freitag, 28. August, 21:30 Uhr, Kino 8
LESBIAN VAMPIRE KILLERS
Großbritannien, englische Originalfassung
In kürzester Zeit schaufele ich mir mein Abendessen rein und komme trotzdem recht spät in die ausverkaufte Vorstellung der LESBIAN VAMPIRE KILLERS. Mir bleibt also nur ein Rasiersitz: erste Reihe ganz links.
Also: Nicht die Vampirkiller sind lesbisch, sondern die Vampire.
“Jimmy und Fletch brauchen dringend eine Auszeit. Der eine hat Stress mit der Ex, der andere verliert seinen Job als Partyclown. Dem Zufallswurf ihres Dartpfeils folgend, finden sich die Freunde ein paar Stunden später mitten in der angelsächsischen Einöde wieder. Genauer gesagt, in Cragwich, einem verschlafenen Nest am Arsch der Welt, in dem sich die wenigen Einwohner eher seltsam benehmen, während der lokale Pub den Staub längst vergangener Zeiten ansammelt. Kaum ist die verfallene Unterkunft am Waldesrand bezogen, das erste Bier geöffnet und die Sonne hinterm Horizont verschwunden, offenbaren sich die Nachteile des spontan gewählten Ausflugsziels: Seit Jahrhunderten wird die Ortschaft von einer Horde weiblicher Blutsauger unter dem Kommando von Vampirkönigin Carmilla heimgesucht, und unsere hormongesteuerten Junggesellen sehen sich plötzlich mit ihrem bisher härtesten Job konfrontiert ““ die Menschheit zu retten “¦ LESBIAN VAMPIRE KILLERS hat alles, was ein zünftiger britischer Vampirspaß braucht: vernebeltes Unterholz, rostige Schwerter, angespitzte Holzpflöcke, schwedische Touristinnen, sachkundige Pfarrer ““ und natürlich jede Menge lesbische Blutsauger.”
Zu den ersten Opfern, der lesbischen Vampire gehören drei Mädels eines schwedischen (oder deutschstämmigen?) Mädchenquartetts in knappen Blusen und kurzen Röckchen, die dann auch schnell zu Blutsaugerinnen mutieren. Die letzte Überlebende tut sich mit Jommy und Fletch zusammen, um die Vampirlesben zurück ins Grab zu bringen. Dabei werden Sie noch von einem Priester ““ einem perfekten Peter-Cushing-Klon – unterstützt. Jimmy ist ““ ohne es zu ahnen ““ der Nachfahre eines edlen Ritters aus dieser Gegend, der vor vielen Jahrhunderten Vampirfürstin Carnilla zum ersten mal unter die Erde brachte. Und so ist Jimmy derAuserwählte, der Carmilla und ihre Brut auch diesmal vernichten muss. Dazu muss auch noch “Dildo”, das legendäre alte Schwert des Ritters mit dem Griff in Form eines ““ na was schon ““ gefunden werden.
Die Computertricks waren mir ehrlichgesagt etwas zu perfekt und mindern so die Stimmung geringfügig. Trotzdem ein klasse Partyfilm, der für tolle Atmosphäre sorgt. Und in einem Dialog sowie in der Schlusseinstellung gibt es noch einen Ausblick auf eine mögliche Fortsetzung, gegen die niemand im Kino etwas einzuwänden hätte: GAY WEREWOLF KILLERS
Das wäre der richtige Eröffnungsfilm gewesen.
Später lese ich auf einer Kommentarwand, die für das Publikum aufgeängt wurden, dass zeitgleich im großen Kino 6 (650 Plätze) keine 50 Zuschauer bei Horst Schlämmer waren. Ja, ganz toll.
Freitag, 28. August, 23:45 Uhr, Kino 8
GIALLO
USA, Italien, englische Originalfassung
Kurzfassung: Model wird von irrem Serienmörder entführt. Die Schwester und ein mies gelaunter Kommissar machen sich auf die Jagd. Mehr ist nicht.
Der Italiener Dario Argento galt in den 70er und 80er Jahren als wichtigster und einflussreichster europäischer Genreregisseur in den Bereichen Horror und Thriller. Seit Anfang der 90er Jahre drehte er fast nur noch Müll. Wenn er will, kann er immer noch. Normalerweise gilt bei Dario Argento aber: Optik = Top, Handlung = Flop. Und ein Jahr vorher gab sich Dario Argento mit MOTHER OF TEARS, dem lange erwarteten Abschluss seiner Drei-Mütter-Trilogie nach SUSPIRIA und INFERNO nochmal richtig viel Mühe. Jetzt ist die Luft ganz raus und es klappt nicht mal mehr mit der Optik und mit der Musik. Dabei hat Argento diesmal zwei richtig prominente Hauptdarsteller. Die Schwester des Opfers wird von Emmanuelle Seigner, Ehefrau und Lieblingsdarstellerin von Regie-Legende Roman Polanski, gespielt. Polanski hat seine Frau und Lieblingsdarstellerin scheinbar als Einziger im Griff; hier wirkt sie völlig hektisch und konfus. Den Kommissar spielt Adrien Brody, der auch als Co-Produzent fungiert. Adrien Brody wurde immerhin vor einigen Jahren mit einem Oscar für den Film DER PIANIST (Regie: ebenfalls Roman Polanski, ebenfalls ein Oscar) ausgezeichnet. Da ist die Hauptrolle in einem altersschwachen Möchtegern-Thriller des ehemaligen Kultfilmers ein deutlicher Abstieg. In jeder Einstellung habe ich das Gefühl, in Adrien Brodys traurigem Blick zu lesen: “Ich bin Oscar-Preisträger.Womit habe ich das verdient?” Immerhin bleiben wir mit italienischen Nebendarstellern verschont, die mieses Englisch sprechen und für Gelächter im Kino sorgen ““ wobei das hier sogar noch die Laune hätte verbessern können.
Bei einem so langweiligen Stück Kintopp war es auch kein Wunder, dass ich zwischenzeitlich immer wieder einschlief ““ das erste mal in dieser Kinowoche.
Der Mist wird wahrscheinlich nur auf DVD rauskommen wie fast alles von Argento in letzter Zeit. Note: 5-
Samstag, 29. August, 13:15 Uhr, Kino 8
IDIOTS AND ANGELS
USA, Keine Dialoge
“Ein Arschloch mit Flügeln steht im Mittelpunkt des neuen Werks vom Enfant Terrible des Animationsfilms, Bill Plympton. Der Protagonist ist ein wirklich übler Zeitgenosse, ein gewalttätiger, rücksichtsloser Waffenhändler, der die meiste Zeit in einer verrauchten Kneipe vor einem Whiskyglas abhängt ““ Charles Bukowski hätte seine Freude an ihm gehabt. Ausgerechnet diesem egoistischen Dreckskerl wachsen eines Tages Engelsflügel auf dem Rücken. Seine blutigen Versuche, die störenden Dinger mit der Kettensäge abzusäbeln, scheitern ““ hartnäckig wachsen sie wieder nach. Und beginnen bald, ein Eigenleben zu entwickeln, das im krassen Gegensatz zu seinem Wesen steht “¦”
Leider komme ich knappe zehn Minuten zu spät. Unglaublich. Der sehr eigenwillige Animationsstil des Amerikaners Bill Plympton ist genau das Richtige für die bizarre Geschichte eines Helden wider Willen. Das kann man nicht beschreiben, das muss man gesehen haben.
Es ist ein Jammer, dass die Werke von Bill Plympton hier nicht auf DVD erhältlich sind bzw. nur in so kleinen Auflagen veröffentlicht werden, dass sie bereits vergriffen sind.
Wann erbartmt sich endlich ein Anbieter?!?
Samstag, 25. August, 15:15 Uhr, Kino 1
PONTYPOOL
Kanada, englische Originalfassung
“Radio ist das Medium ohne Gesicht. Es ist der Rückzugsort des Moderators, der sich ungestört seinen Gedanken hingibt. So wie der schlagfertige Grant Mazzy, lokaler Hörfunkstar des kanadischen Nests Pontypool, der allerdings selten spannendere News als vermisste Katzen und verspätete Schulbusse zu vermelden hat. Doch diese Morningshow wird der Horror: Mazzys Außenreporter berichtet von einem blutdurstigen, durch die Innenstadt marodierenden Mob. Bevor jemand überhaupt kapiert, was los ist, bricht die Verbindung ab. Stecken vielleicht politische Aktivisten dahinter? Terroristen? Ist eine Seuche ausgebrochen? Oder ist alles nur ein schlechter Scherz?”
Bruce McDonald aus Kanada ist eigentlich ein künstlerisch ambitionierter Regisseur und beschäftigt sich in seinen Filmen eher mit dem Horror, der sich in zwischenmenschlichen Beziehungen abspielt. Da muss er schon einen angeblichen Zombiefilm drehen, um es ins Programm des Fantasy-Filmfestes zu schaffen.
Irgendwie interessieren mich in diesem Moment beide Filme auf der 15:00-Uhr-Schiene nicht und ich schaue mir Horst Schlämmer im Kino 6 (650 Plätze) an; dorthin haben sich ca. 20 Zuschauer verirrt, die keine Ahnung von Politik zu haben scheinen, gerade Angela Merkel vom Namen her kennen und den sowieso nicht besonders anspruchsvollen Humor von Hape Kerkeling scheinbar nicht verstehen.
Aber eine Woche später läuft PONTYPOOL im Frankfurter Filmmuseum in der Reihe “Maple Movies ““ Neue Filme aus Kanada“, wo ich ihn mir für € 3,50 anschaue.
Grant, der Lokalmatador im Dudelfunk einer kanadischen Provinzstadt hat zunächst mal jede Menge Stress mit seiner Produzentin und gönnt sich zum Frühstück ein paar mit Whiskey verdünnte Tassen Kaffee. Etwas später erreichen unvollständige und konfuse Außenreportagen das Studio. Eine immer größere Gruppe von Einwohner greift andere Leute an. Es scheint Tote zu geben. Ist es eine Seuche? Ein Anschlag? Eine Geiselnahme? Die Ungewissheit ist der Horror und dieser Horror spielt sich ausschließlich in den Gesichtern der drei Menschen im Studio ab. Überhaupt spielt der gesamte Film bis auf wenige Einstellungen nur im Studio bzw. den Nebenräumen. Bis zur Hälfte hätte der Film auch als Hörspiel funktioniert. Doch dann beginnt die Produktionsassistentin, wirres und unverständliches Zeug zu brabbeln, greift die beiden anderen an und rennt so oft gegen eine Glasscheibe, bis sie Blut kotzt und tot umfällt. Da haben wir dann doch die Ästhetik des klassischen Zombiefilms. Andere Bewohner des Ortes mit ähnlichen Symptomen dringen in das Gebäude ein und verschwinden zwischenzeitlich wieder. Ein Studiogast, der durch das Fenster einsteigt, entwickelt die Theorie, dass die Sprache bzw. einzelne Worte infiziert sind und so die Hörer/innen über deren Hörzentrum im Gehirn angreifen. Dann wird er selbst von der Krankheit befallen und verschwindet wieder durch das Fenster. Aufgrund der Theorie wird überwiegend französisch gesprochen und die englische Sprache wird in einer kaum noch verständlichen Form entfremdet über den Sender verbreitet. Daraufhin scheint die Epedemie eingedämmt zu werden.
PONTYPOOL ist sehr interpretationsbedürftig. Für mich ist das im Kostüm eines Zombiefilms eine durchaus kluge Parabel über die Macht der Worte und das Manipulationspotential von Nachrichten.
Ein lohnender und künstlerisch gelungener Film schafft es nicht einmal, im Spektrum der Programmkinos das Licht der Leinwand zu erblicken, sondern wird laut Werbung im Programmheft direkt auf DVD erscheinen (s. Seite 53).
Samstag, 29. August, 17:00 Uhr, Kino 8
THE SKY CRAWLERS
Japan, Originalfassung, japanisch mit englischen Untertiteln
“Kriegsspiele in einer Zukunft, in der der anhaltende Weltfrieden langweilig geworden ist: Zwei konkurrierende Konzerne, Rostock und Lautern, inszenieren spektakuläre Luftkämpfe, um die Massen bei Laune zu halten. Als Piloten werden “Kildren” eingesetzt ““ Teenager, die nicht altern und somit nie erwachsen werden. Dabei hat Lautern einen Trumpf in der Hand: den legendären Fighter namens Teacher, der als einziger erwachsener Mensch den Himmelsraum verteidigt und unbesiegbar scheint. Als einstiger Überläufer ist er Rostock ein besonderer Dorn im Auge. So formt sich in Kildren-Pilot Yuichi, ebenfalls ein Meister seines Fachs, bald der Wunsch, sich mit dem Feind zu messen. Als Neuankömmling auf der Rostocker Basis hat er das Flugzeug des unter mysteriösen Umständen verstorbenen Jin-Roh übernommen. Seltsam, wie vertraut ihm alles auf der Station vorkommt. Auch seine traurig wirkende Kommandantin, der eine bewegte Vergangenheit nachgesagt wird, übt eine eigentümliche Anziehungskraft auf ihn aus “¦”
Von Mamoru Oshii stammt immerhin der Animationsklassiker GHOST IN THE SHELL. Da sind die Erwartungen sehr hoch. Aber ich bin sowohl inhaltlich wie auch visuell enttäuscht. Die Geschichte fesselt nicht und die Animation ist sehr gewöhnungsbedürftig. In perfekter neuer 3D-Technik sind Hintergründe und Gefechtsszenen am Himmel animiert. Die Figuren sind auf altmodische Weise ““ das gefällt mir besser ““ in 2D erstellt und wirken im 3D-Umfeld wie Fremdkörper.
Note: 4-
Im kleinen Kino 1 läuft in Anwesenheit des Frankfurter Regisseurs Christian Alvart dessen Hollywood Debüt CASE 39 mit Renee Zellweger.
Aber ich gehe trotzdem in:
Samstag, 29. August, 19:30, Kino 8
Dänemark, Originalfassung, dänisch mit englischen Untertiteln
“Johannes zieht mit seiner Frau Pernille und den beiden Kindern hinaus aufs Land. Ein Neuanfang soll es werden ““ eine Flucht aus dem Dunstkreis der hektischen Großstadt; Entschleunigung als Familientherapie. Der gut situierte Akademiker kehrt zurück in jenes beschauliche Dorf in Westjütland, in dem er mit seinem Bruder Lars aufwuchs. Nichts hat sich hier verändert: Die Gemeinschaft hält zusammen, man geht in die Kirche, schwatzt mit den Nachbarn und vergnügt sich nach Feierabend mit einem Krug Bier auf der Kirmes. Doch dann liegt plötzlich die alte Anna auf der Landstraße, totgefahren vom Tunichtgut Lars. Keiner hat”™s gesehen, glaubt Lars, und richtet schnell den Finger anklagend auf Alain, den Flüchtling vom Balkan, den ohnehin jeder im Ort für einen einfältigen Trottel hält. Damit beschwört er ein selbstherrliches Blutgericht herauf. Bevor die Hexenjagd endgültig eskaliert, gewährt der Gutmensch Johannes dem Verletzten Zuflucht unter seinem Dach. Die Polizei, so hofft er, wird die Angelegenheit schon klären. Draußen steigern sich derweil erregte Worte zu rasender Wut ““ und als die Nacht hereinbricht, walzt ein unaufhaltsamer Mob auf das einsam liegende Anwesen zu. Enthemmt und von Hass geblendet fordern Männer und Frauen johlend das Blut des vermeintlich Schuldigen. Um jeden Preis. Wenn am nächsten Morgen die Sonne aufgeht, wird nichts mehr so sein, wie es vorher war “¦ ”
Das wäre kein Bornedal, wenn es so einfach wäre. Bornedal überzeugt mit genauen Psychologisierungen bis in die kleineren Rollen, erstklassigen Darstellern/innen und unerwarteten Überraschungen. So muss Johannes´ Frau bei der Verteidigung des Hauses entsetzt feststellen, dass Johannes durch die Notwehr-Handlungen (u.a. mit Nagelkanone und Brandsätzen) ebenfalls stimuliert wird. Und der Tod der alten Anna spielte sich doch ganz anders ab.
Der Däne Ole Bornedal hatte seinen Durchbruch mit dem Pathologie-Thriller NACHTWACHE, dem Abschussfilm meines ersten Fantasy-Filmfestes 1994. Nach diesem Erfolg arbeitete Bornedal zwischenzeitlich in den USA und drehte dort u.a. eine fast identische aber schwache Neuverfilmung von NACHTWACHE. Letztes Jahr war er auf dem Fantasy-Filmfest mit dem Meisterwerk BEDINGUNGSLOS.
Ole Bornedal ist sowohl erzählerisch als auch optisch ein absoluter Könner. Dabei wird er von seinem Landsmann und langjährigen Kameramann Dan Laustsen unterstützt, der über viel Hollywood-Erfahrung verfügt und u.a. Sean Connery vor der Linse hatte. Wenn Filmkünstler aus anderen Ländern nach Hollywood gehen, bleiben sie meistens für immer dort. Wenn die Dänen nach Hollywood gehen, zurück kommen und solche Filme drehen, beweist das die Klasse des dänischen Kinos.
Note = 1-. Das Minus hinter der 1 gibt es nur, um den Film gegen den komplexer erzählten und noch genialeren BEDINGUNGSLOS abzugrenzen.
Sonntag, 30. August, 17:15 Uhr, Kino 8
DOGHOUSE
Großbritannien, englische Originalfassung
“Sechs Freunde flüchten übers Wochenende vor ihren Beziehungen, und ihr Selbstfindungstrip führt sie, samt ausreichendem Dosenbiervorrat, in das abgelegene Dörfchen Moodley. Auf je einen männlichen Einwohner kommen dort statistisch vier Frauen. Das vermeintliche Paradies entpuppt sich jedoch schnell als bestialisches Höllenloch ““ denn ein von der Armee freigesetzter selektiver Virus hat alle Rockträgerinnen in garstige Furien verwandelt. Ihre eigenen Männer haben sie bereits geschlachtet, und so kommt ihnen die Busladung nichts ahnender Freizeit-Casanovas gerade recht. Überrascht von dem unsanften Empfang, verbarrikadieren sich unsere Helden im örtlichen Spielzeugladen und nehmen unter heftiger Gegenwehr den Geschlechterkampf auf ““ Mann gegen Frau, bis die Fetzen fliegen “¦”
Blutig, matschig, schmutzig, absurd, komisch. So mag es das Publikum hier. Würde gut ins Doppelprogramm mit den lesbischen Vampiren passen.
Prima Partyfilm. Note: 2-
Parallel dazu läuft RED CLIFF von John Woo.
Die Entscheidung ist schwer. Ein Meister seines Fachs, der das moderne Action-Kino wie kaum ein zweiter prägte, kehrt von Hollywood heim nach China, dreht dort einen Monumentalfilm mit Starbesetzung und wahrscheinlich wird kein Kinoanbieter die Eier haben, den Film ins Kino zu bringen. RED CLIFF wird wahrscheinlich direkt auf DVD erscheinen. Das ist wirklich traurig.
Sonntag, 30. August, 19:45 Uhr, Kino 6
DISTRICT 9
USA, Neuseeland, englische Originalfassung
In einem riesigen Auffanglager in Johannesburg, Südafrika leben mehrere Hunterttausend außerirdische Flüchtlinge unter miesen Bedingungen. Sie werden von der Einheimischen Bevölkerung von Anfang an abgelehnt, besonders von den Farbigen. Da die so genannten Prawns (Garnelen ““ auch nicht nett …) auch nicht die besten Manieren haben, fällt die Integration extrem schwer. Der Film beginnt mit einem dokumentarischen Rückblick auf die Landung im Jahr 1984 (!). Ja, 1984, damals existierte noch das rassistische Apartheid-Regime in Südafrika. Im Jahr 2008 soll mit der Umsiedlung der Prawns auf ein größeres Areal in der Wüste begonnen werden. Dabei gibt es einen Unfall und der tapsige Abteilungsleiter Wikus wird mit außerirdischer DNA kontaminiert und mutiert. Da Wikus nun als einziger Mensch die hochentwickelten außerirdischen Waffen bedienen kann, ist er ein begehrtes Forschungsobjekt für das Militär und wird gejagt. Er tut sich mit einem Prawn-Forscher und dessen Sohn zusammen, um den Prawns einerseits die Evakuierung in das gigantische Mutterschiff zu ermöglichen und andererseits von den Prawns geheilt zu werden.
Was so absurd und chaotisch klingt, ist eine wirklich gelungene und pfiffige Gesellschafts-Satire, die das Zeug zu einem Genreklassiker hat.
Die Produzenten sind keine Geringeren als Peter Jackson und Philippa Boyens, die Schöpfer der Herr-der-Ringe-Trilogie. Die kreative Gestaltungsmacht scheint komplett bei den Neuseeländern und den Südafrikanern zu sein ““ wie üblich bei Peter Jackson. Sollte Hollywood hier drin stecken, dann unterschreiben sie nur die Schecks.
Die Effekte sind gelungen und zurückhaltend, ohne die Geschichte zu dominieren.
Note: 2. Klasse
Sonntag, 30. August, 22: 15 Uhr, Kino 6
Südkorea, Originalfassung, koreanisch mit deutschen Untertiteln
“Chan-wook Park, Südkoreas innovativster und aufregendster Filmemacher diesseits von Ki-duk Kim und Ji-woon Kim hat einen Vampirfilm gedreht, der ““ Überraschung! ““ sich mit keiner jemals zuvor gedrehten Arbeit des uralten Horror-Subgenres vergleichen lässt. Was nicht heißen soll, dass der Regisseur bei seiner Geschichte eines Priesters, der sich nach einem medizinischen Experiment in Afrika in einen Blutsauger verwandelt und um jeden Millimeter seiner langsam entschwindenden Menschlichkeit kämpft, den Vorbildern keinen Respekt zollen würde. Das aber nur, um alle Regeln des Sujets zu umgehen ““ und sich ihnen letztlich doch beugen zu müssen …”
Ich mag die Filme von Park Chan-wook sehr. Dieser überzeugt mich aber nicht.
Note: 3-
Montag, 31. August, 23:45 Uhr, Kino 8
SEXYKILLER
Spanien, Originalfassung, spanisch mit englischen Untertiteln
“Barbara führt ein Leben zwischen Glamour und Gore: Tagsüber die brave Medizinstudentin, versucht sie des Nachts ihre Uni im Alleingang von nervigen Zeitgenossen zu säubern. Accessoirebewusst schnippelt die Paris Hilton unter den Serienkillern in ihren Kommilitonen herum oder wirft ihre One-Night-Stands aus dem Fenster ““ köpft, sprengt und hängt, was das Opfer im Einzelfall aushält. Barbara ist recht kreativ, was sie auch gerne mal antwittert, indem sie das Publikum direkt anspricht oder den Film kurzzeitig mit Musicalnummern belebt. Ein soweit angenehmes Studentenleben, hätte die Arme bloß nicht immer soviel Stress an der Backe! Permanent von der weiblichen Konkurrenz auf dem Campus gedisst und erfolglos in Sachen Liebe und Sex, segnet ihr Hund auf einmal das Zeitliche. Als dann auch noch einige ihrer eigentlich schon ausgekühlten Opfer wieder anfangen, fleischeslustig durch die Gegend zu torkeln und die Gäste einer Studiparty mit einem All-you-can-eat-Buffet verwechseln, wird schnell klar: Hier ist gleich die Hölle los!”
Wild, schmutzig, absurd, ideenreich. Gut gelaunte Darsteller, eine Szenerie, die amerikanische High-School-Komödien pfiffig parodiert.
Damit hätte das Kino ausverkauft werden können, aber kurz vor Mitternacht an einem Montag ist das Publikum entsprechend begrenzt.
Sehr gute Unterhaltung: Note 2-
Wie gesagt: Die Spanier haben es drauf. Und so interessiere ich mich sehr für:
Dienstag, 1. September, 15:00 Uhr, Kino 8
PRIME TIME
Spanien, Originalfassung, spanisch mit englischen Untertiteln
“BIG BROTHER mit erzwungener Teilnahme: Hier wird eine Reality-Show mitleidlos zu Ende gedacht, die sowieso schon wenig Skrupel kennt. In bekannter Manier müssen sieben Kandidaten für zwei Wochen in einem Raum zusammenleben und werden von der Kamera rund um die Uhr beobachtet. Es sind allerdings keine Freiwilligen. Die Akteure wurden von einer TV-Guerilla-Einheit gekidnappt, in Säcke gesteckt und in die Sendung verschleppt. Zwar sind sie klug genug, ihre Lage zu erkennen. Aber ihr passiver Widerstand hilft ihnen weder aus der Gefangenschaft heraus, noch erspart er ihnen den Schrecken, plötzlich hilflose Opfer der Medien zu sein. Bezeichnenderweise heißt der Sender “Shock-TV” und erreicht durch diesen Coup eine Quote in Millionenhöhe. Damit es nicht langweilig wird, gibt es zusätzlich ein Zuschauertribunal. Der Sender verrät böse Geheimnisse aus der Vergangenheit der sieben, und das Publikum darf entscheiden, wer Strafe verdient. So werden einerseits die Kandidaten damit konfrontiert, dass das Äußere der Mitspieler wenig über ihren Charakter verrät. Andererseits wird einmal mehr demonstriert, dass die Medien den Verschleiß ihrer “Talente” gern vorantreiben, wenn es den Zuschauern gefällt. Und deren Sensationslust geht sogar weit genug, den Tod anderer Menschen in Kauf zu nehmen ““ solange sie es live auf dem Bildschirm verfolgen dürfen. ”
Der Film hat noch keinen DVD-Anbieter in Deutschland und daher ist die Versuchung sehr groß. Doch es ist sonnig mit 31°C. Daher bleibe ich lieber im Freibad und ärgere mich. Kurz nach 15:00 Uhr ziehen Wolken auf und es kühlt ab. Dumm gelaufen.
Dienstag, 1. September, 21:30 Uhr, Kino 1
BLOOD BROTHERS
Niederlande, Originalfassung, niederländisch mit eglischen Untertiteln
Ausgehend von einem echten Fall aus dem Jahr 1960 erzählt der Film von damaligen einem Mordfall. Einer von vier 14- bis 16-jährigen Schuljungs klaut ein Moped und wird von der Polizei gesucht. Zwei der anderen, ein Bruderpaar, gewähren ihm Asyl und verstecken ihn auf dem Dachboden der geräumigen Villa. Alle drei zusammen versorgen ihn mit Nahrung und Unterhaltung. Doch ihm wird es zu langweilig und er will ausbrechen. Daher planen sie den gemeinschaftlichen Mord.
Die ruhige und stimmungsvolle Erzählweise ohne Mätzchen überzeugt ebenso wie die vier erstklassigen jugendlichen Schauspieler, die keine falsche Bewegung machen.
Allerdings gehen die Darsteller vom Alter nicht ganz durch. 14- bis 16-Jährige von heute wirken reifer und älter als Jungs in diesem Alter vor fast 50 Jahren. Die Darsteller haben alle schon den Stimmbruch und dem ältesten von ihnen hätten vielleicht die Beine rasiert werden sollen, bevor er eine kurze Hose anzieht. Oder es wären 12- und 13-jährige Darsteller ausgewählt worden; die wären aber von der schauspielerischen Leistung her vielleicht noch nicht reif genug für diese Rollen gewesen. Gut, Schluss damit ““ darstellerisch sind die Vier grandios.
Im letzten Jahr lief ein niederländischer Film um einen Serienmörder, der aus der Psychatrie ausbricht. Ein Grüppchen von Zuschauern störte damals zunächst die Vorstellung, in dem sie die niederländische Sprache nachmachten, weil sie das so lustig fanden. Solche Peinlichkeiten blieben in den Vorstellungen, die ich besuchte, glücklicherweise erspart. Auch deswegen war es ein guter Jahrgang mit wenigen negativen und mehreren positiven Überraschungen.
- Filmfestivals für Fortgeschrittene ““ Fantasy Filmfest 2008
- Filmfestivals für Fortgeschrittene ““ Exground 21
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