Nachdem nun nach letzten Mitteilungen Magna als zukünftiger Mehrheitseigner für Opel auch die Zustimmung von General Motors (GM) gefunden hat, geht es um die Realisierung einer Restrukturierung des Unternehmens. Offenbar ist hier weiterhin erheblicher Klärungsbedarf erforderlich. Dies heißt aber auch, der Magna-Deal ist alles andere als endgültig geregelt. Des Weiteren sollte nicht vergessen werden, dass GM seinen Fuß in der Tür behält, da es nicht alle Anteile an Magna abtreten wird.
Opel-Belegschaft bekommt jetzt die Konsequenzen zu spüren
Während der Opel-Belegschaft auch von Gewerkschaftsvertretern vorgegaukelt wurde, dass mit der Übernahme durch Magna zumindest in Deutschland die Arbeitsplätze bis auf einen Personalabbau um 3000 Stellen gesichert seien, geht jetzt der Stuhltanz um die verbleibenden Arbeitsplätze erst richtig los. Nun sollen es allein in Deutschland zunächst 4000 Stellen und in Europa insgesamt 10.500 Stellen sein. Des Weiteren ““ und dies fehlt in dieser Rechnung werden die bisherigen Opelzulieferer insbesondere weil Magna seinen Anteil an der Zulieferung für Opel ausweiten möchte, ebenfalls einen massiven Stellenabbau zwangsläufig betreiben müssen. Der weltweite Automobilmarkt wird ja derzeit nur durch zahlreiche staatliche Fördermaßnahmen zumindest teilweise aufrechterhalten. Eine Rückkehr zu den Zeiten vor der globalen Finanzkrise steht aber hinsichtlich der Verbrauchernachfrage nach PKW in den Sternen. Da bereits vor der Krise weltweit Überkapazitäten aufgebaut worden sind, dürfte sich auch in diesem und im kommenden Jahr eine Konsolidierung der Branche durch zügigen Kapazitätsabbau nicht aufzuhalten sein.
Welthandel beim Automobilbau ist gefährdet
Deutschland, neben Japan als großer Exporteur bei Automobilen, wird sich des weiteren auf verschiedene Handelshemmnisse einstellen müssen. Sei es eine fortgesetzte Euroaufwertung gegenüber anderen Währungen, sei es offene oder versteckte Maßnahmen, um den Marktzutritt insbesondere auch in die USA und China zu erschweren, dürfte die Hoffnung der deutschen Automobilbauer mit einem blauen Auge durch die Krise gekommen zu sein, rasch eintrüben. Barack Obama muss ““ will er GM und Chrysler retten ““ versuchen deren Marktstellung zumindest in den USA zu festigen. Misslingt dieser Versuch, dann werden leicht dreistellige Milliardenbeträge bei der Rettung der US-Automobilindustrie verloren gehen. China ist inzwischen ““ was die Stückzahlen anbelangt ““ größter Automobilmarkt der Welt. Auch hier ist die Neigung inländischer Hersteller oder zumindest ausländische Hersteller mit inländischen Produktionsstätten zu begünstigen unverkennbar. Die chinesische Regierung hat es in den zurückliegenden Jahren jedenfalls hervorragend verstanden die verschiedenen ausländischer Hersteller wirkungsvoll gegeneinander auszuspielen.
Mithin dürfte sich der Marktzutritt der Europäer in diese beiden bedeutendsten Automobilmärkte der Welt mittels Exporten in diese Länder als zunehmend schwierig erweisen.
Kapazitätsabbau in Deutschland unausweichlich
Damit sind aber die bisherigen Kapazitäten der deutschen Hersteller eindeutig zu groß. Dieter Zetsche hat daher durchaus nicht ganz Unrecht, wenn er die staatliche Rettung von Opel als erhebliche Wettbewerbsverzerrung gegenüber anderen deutschen Herstellern attackiert. Es ist daher eine der großen Illusionen im Wahlkampf in Deutschland die breite Masse glauben zu lassen, dass die Milliardenhilfen für Opel am Ende eine Beschäftigungssicherung dort herbeiführen kann. Opel wird sich einem Verdrängungswettbewerb stellen müssen, wenn andere Wettbewerber nicht zu einem freiwilligen Kapazitätsabbau bereit sein sollten.
Und warum sollten sie? Sind ihre Arbeitsplätze in Stuttgart, Wolfsburg, München oder Ingolstadt weniger wertvoll als die in Rüsselheim, Bochum oder Eisenach? Die Milliardenhilfen können so rasch in einem unsinnigen Rabattwettbewerb, der sich bereits abzeichnet, verpulvert werden. Die jeweiligen Autokäufer mag es freuen, der gemeine Steuerzahler trägt am Ende jedoch auch hier die Lasten. Niemand sollte sich daher wundern, wenn Magna wegen Opel im kommenden Jahr bei der dann regierenden Bundesregierung wieder als Bittsteller auf der Matte steht. Die Erfahrungen mit der HRE zeigt, dass auch der Staat erpressbar wird, wenn er erstmal sich mit Milliarden engagiert hat. Das dicke Ende kommt bestimmt.
Absolut überzeugend.
Ich habe zu diesem Thema aber eine Frage: Habe ich das in den Nachrichten richtig verstanden, dass Magma angekündigt hat, von den deutschen Staatsholfen 400 Millionen Euro in Russland zu investieren? Ich habe in Erinnerung, dass der Sprecher dazu erklärt hat, das mache nicht viel aus, weil ja ein Gegenanspruch in Höhe von 200
Millionen entstünde. Mir scheint das keinen Sinn zu machen.