Nach dem Zusammenbruch der Sowjetunion zu Beginn der 1990er Jahre waren die USA die einzige verbliebene Supermacht. Diese Ausnahmestellung der USA befindet sich derzeit in einem rapiden Erosionsprozess. Die Anzeichen mehren sich, dass die USA aufgrund der globalen Wirtschafts- und Finanzkrise ihre herausragende Rolle als globaler Hegemon verlieren werden. Barack Obama mag als Nachlassverwalter der von seinem Vorgänger in einer Krise der Überdehnung der amerikanischen Wirtschaft, Politik und ausländischen Militärengagements sich derzeit intensiv darum bemühen einen Ausweg aus dem Dilemma zu finden, er muss aber auch die Grenzen des Machbaren dabei erkennen. Die Warnung die Paul Kennedy, ein britischer Historiker, vor 30 Jahren vor den Gefahren einer strategischen Überdehnung der USA ausgesprochen hat, scheinen sich im Rahmen der anhaltenden Krise zu bewahrheiten. Die herausragende Rolle der US-Wirtschaft, des US-Dollars und die Führungsrolle in der globalen Sicherheits- und Außenpolitik erodiert.
Die USA als reichste Region der Welt
Reichtum und Macht sind schon immer miteinander eng verflochten gewesen. Nun scheint, folgt man den letzten Meldungen der Boston Consulting Group über die globale Verteilung des Reichtums, die USA ihre Spitzenposition an Europa dauerhaft verloren zu haben. Langfristig ist eher die jetzige Spitzenposition Europas durch den ostasiatischen Raum gefährdet als durch eine Rückkehr der USA an ihre ehemals angestammte Position. Die wirtschaftliche und finanzielle Schwäche der USA schlägt sich auch in der weiterhin zunehmenden finanziellen und wirtschaftlichen Abhängigkeit gegenüber den anderen Wirtschaftsregionen insbesondere auch Ostasiens und Europa ab.
Der Konsumkapitalismus amerikanischer Prägung hat aufgrund einer nachhaltigen Schuldenfinanzierung über das Ausland sich in eine zunehmende finanzielle Abhängigkeit gebracht. Die gigantischen Haushaltedefizite der US-Regierung sind ohne finanzielle Unterstützung des Auslands nicht finanzierbar. Offenbar ist jedoch insbesondere die chinesische Regierung, die mit über zwei Billionen US-Dollar an Währungsreserven der Hauptgläubiger der US-Wirtschaft innerhalb einer Dekade geworden ist, zunehmend weniger bereit die Risiken der Finanzanlage in die US-Wirtschaft zu tragen.
Wenn jedoch das Ausland seine Unterstützung zurückziehen würde, droht das auf riesigen Staatsdefiziten des US-Staates basierende Stabilisierungsprogramm der US-Regierung in sich zusammenzufallen. Der US-Staat als Lender-of-last-resort für das weiterhin fragile amerikanische Finanzsystem könnte sich mit seinen Defiziten nicht mehr über den Kapitalmarkt refinanzieren. Der Ausweg über die Notenpresse würde jedoch das Vertrauen in die Geldwertstabilität des US-Dollars rasch nicht nur im Ausland, sondern bei den eigenen Bürgern untergraben.
Der Abstieg des US-Dollars
Der Dollar verliert bereits seit einigen Monaten erneut deutlich an Wert gegenüber der Mehrzahl der anderen Weltreservewährungen. Gegenüber dem Euro hat er derzeit einen erneuten Jahrestiefststand erreicht und es gehört nicht viel Phantasie dazu sich vorzustellen, dass er vor dem Jahresende die Marke von 1,50 Dollar für einen Euro durchbricht. Damit hätte der US-Dollar sich im Jahresverlauf gegenüber dem Euro um rund 20 Prozent abgewertet.
Sorge muss den USA dabei bereiten, dass Peking massiv einen Ausstieg aus dem Dollar vorbereitet. Anstelle von in US-Dollar nominierten Anleihen möchte China zukünftig in Yuan nominierte Werte kaufen und damit das Wechselkursrisiko auf den Emittenten, das heißt insbesondere auch die US-Regierung abwälzen. Zugleich hat die chinesische Regierung den Handel mit Edelmetallen in China zugelassen. Hong Kong hat sogar damit begonnen seine Goldvorräte aus London abzuziehen. Die chinesische Zentralbank stockt fortlaufen seine Goldreserven am internationalen Goldmarkt auf. Alle diese Schritte deuten darauf hin, dass China eine realistische Option für einen Ausstieg aus dem Dollar anstrebt.
Hinzu kommt, dass insbesondere in Ostasien die Diskussion über die Schaffung eines asiatischen Währungssystems sich wachsender Aufmerksamkeit erfreut. Sollte es sich im Rahmen der G20-Initiative erweisen, dass es zu keinen durchgreifenden Reformen der internationalen Finanzarchitektur kommt, die den Interessen der asiatischen Länder insbesondere Chinas Rechnung trägt, dann könnte ein ostasiatischer Regionalismus im Zuge der Einführung eines asiatischen Währungssystems als Alternative gestalt annehmen. Da aber diese Länder inzwischen die wichtigsten Wirtschaftspartner noch vor den Europäern darstellen, käme dies einer Kriegserklärung hinsichtlich der weiteren wirtschaftlichen Zusammenarbeit entsprechend der bisher üblichen Hegemonie der USA gegenüber den übrigen Ländern gleich. China hat bereits in der Vergangenheit verstärkt sich durch direkte Finanzhilfen an asiatische Länder darum bemüht die Rolle des Lenders-of-last-resort in dieser Region dem IWF bzw. der USA-Regierung streitig zu machen.
Bereits die europäische Wirtschafts- und Währungsunion, die in der Einführung des Euro gipfelte, war eine Reaktion auf die aus Sicht der Europäer unverantwortliche Wirtschafts- und Finanzpolitik der USA, die ihre wirtschaftlichen Probleme durch den Export einer Dollarinflation in die Weltwirtschaft zu Lasten der übrigen Mitglieder vorübergehend löste. Sie wurde aber auch von amerikanischen Ökonomen als Herausforderung der amerikanischen Hegemonie angesehen. Diese Erfahrungen über die Bereitschaft der USA im Fall einer Finanzkrise der Staatsfinanzen sich durch eine Dollarinflation zu Lasten der anderen Länder zu entschulden, hat nicht zuletzt auch das Bretton-Woods-System zusammenbrechen lassen.
Militärische Überdehnung der USA muss auch bei Gesichtsverlust beseitigt werden
Vor ähnlichen Problemen stehen die USA jedoch heute erneut. Man hat sich durch eine Überdehnung seiner Interessen hinsichtlich der wirtschaftlichen und politischen Möglichkeiten in eine prekäre Lage gebracht. Jetzt muss die jetzige US-Regierung alles in ihren Kräften stehende unternehmen, um sich aus dieser Situation zu retten. Da dies erneut zu Lasten seiner Wirtschaftspartner und eingegangenen politisch-militärischen Verpflichtungen geschieht, dürften sich hieraus zunehmende internationale Spannungen ergeben.
Anzeichen für eine Trendwende finden sich derzeit beispielsweise im Verzicht auf den Rakentenabwehrschirm, dem Rückzug aus dem Irak und die lauter werdenden Stimmen auch eine Exit-Option für Afghanistan auszuarbeiten. Die Krise der US-Staatsfinanzen lässt übrigens wie auch die von Großbritannien keine teuren Optionen mehr zu. Damit hat der Abstieg der einstmaligen letzten Supermacht bereits begonnen. Es bleibt abzuwarten, wo diese Entwicklung am Ende zum Stillstand kommt.
Wie wenig am Ende vomn G20-Treffen in Pittsburg zu erwarten ist, zeigt das vorangegangene Finanzministertreffen.
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