Design Write. Verseuchte medizinische Forschung.

Nachdem ich hier in der Readers Edition “Von Mietmäulern und Huren in der Gesundheitswerbung” geschrieben hatte, bekam ich von einer befreundeten Ärztin den Hinweis darauf, dass die Unmoral in der Werbung nicht nur in den niederen Bereichen der Gesundheitswerbung, wie ich sie beschrieben habe, weit verbreitet ist, sondern sogar in

Nachdem ich hier in der Readers Edition “Von Mietmäulern und Huren in der Gesundheitswerbung” geschrieben hatte, bekam ich von einer befreundeten Ärztin den Hinweis darauf, dass die Unmoral in der Werbung nicht nur in den niederen Bereichen der Gesundheitswerbung, wie ich sie beschrieben habe, weit verbreitet ist, sondern sogar in den hoch gerühmten international von aller Fachwelt anerkannten Zeitschriften.

Bei diesen hochwissenschaftlichen Fachblättern stammt ein beträchtlicher Prozentsatz der Fachbeiträge aus der Feder von Ghostwritern, zu deutsch Geisterschreibern, die von der Industrie bezahlt werden. Die New York Times berichtet aktuell über folgende Zahlen, die sich aus einer Studie bei den Autoren von 630 solcher hochrangiger Beiträge ergibt. Danach räumten 7,9 Prozent der Autoren die Beteiligung von solchen Helfern aus der Pharmaindustrie und den Produzenten von Gesundheitsprodukten ein.

Akademische Verbrechen großen Ausmaßes

Den höchsten Prozentsatz an “geimpften” oder ganz von Zuarbeitern gefertigten Beiträgen fanden die Forscher dieser Studie, die von den Herausgebern von JAMA, eines der best renommierten Medizinblätter der Welt, unter Führung von Joseph S. Wislar, am Morgen des 10.9.2009 bekannt gemacht wurde, beim ebenso bekannten New England Journal of Medicine. Die Zahlen aller der nach Wislar best geachteten Medizinjournale der Welt lauten:

  • New England Journal of Medicine                         10,9 %        (16,2%)
  • Lancet                                                              7,6 %
  • JAMA                                                                7,6 %
  • (  7,1) %)
  • PloS Medicine                                                     7,6 %
  • The Annals of Internal Medicine                            4,9 %         (15,3) %)
  • Nature Medicine                                                  2,0 %

Eine frühere weniger umfangreiche Studie von teils denselben Forschern (ohne Wislar) aus dem Jahre 1996 hatte teils noch viel höhere Prozentsätze an solchen faulen Beiträgen gezeigt, die in Klammern hinter den neuen Zahlen angegeben sind.

Die Studien haben nach Angaben ihrer Verfasser unterschiedliche Akzeptanz bei den Befragten gehabt, was die Unterschiede leicht erklären kann. Da beide Studien aber keine Doppelblindstudien sind, sondern die bekannten Autoren direkt abgefragt wurden mit einer Antwortrate zwischen 58,3 und 85,9 Prozent, ist damit zu rechnen, dass viele Autoren den Anteil der Inanspruchnahme von Geisterschreibern deutlich untertrieben haben. Dabei wird ““ anders als in der Politik ““ die Inanspruchnahme eines Ghostwriters als ein dem Plagiat ähnliches akademisches Verbrechen angesehen.

Wo Studien, die auf den Selbstauskünften der Autoren dieser hoch geschätzten Blätter beruhen, schon zeigen, dass an die zehn Prozent aller Berichte von der Industrie beeinflusst oder gar ganz geschrieben sind, ist es plausibel anzunehmen, dass es in Wahrheit jede zweite oder mehr ist. So wie im Fall des Schweinegrippenschwindels immer klarer wird, dass die WHO sich in eine Abhängigkeit von der Industrie begeben hat, muss nunmehr befürchtet werden, dass die Gralshüter der medizinischen Wissenschaft zu einem bedeutenden Anteil auch infiziert sind .

Was käme wohl heraus, wenn eine solche Studie einmal gemacht würde beim weniger renommierten Deutschen Ärzteblatt, der täglichen Ärzte Zeitung, der Zeitung Klinik und Forschung, des ZNS-Spektrums, der CO”™Med oder bei den vielen Heilpraktiker-Zeitungen? Dass die Industrie der übergroßen Zahl der Medizinjournalisten die Feder führt, wird sicherlich jedem Leser bewusst, wenn der Empfehlung für bestimmte Wege zur Gesundheit in der Fernsehzeitung oder einer  Apothekenzeitung ein paar Seiten später die Anzeige des Herstellers folgt. Das heißt natürlich nicht, dass das beworbene Produkt schlecht sein muss. Aber das Vertrauen in die Ehrlichkeit der Autoren wird dadurch nicht gefördert. Da ist es schon besser, wenn der Autor mit Namen sagt, welches Produkt er anspricht. Warum sollten nicht letztlich auch die Hersteller direkt öffentliche Beiträge über die wissenschaftlichen Grundlagen ihrer Arbeit schreiben? Das ist ehrlicher als die heimliche Infiltration und Korruption der angeblich unabhängigen wissenschaftlichen Autoren. Dass die Kompetenz in der Medizin weltweit nur in den höchst renommierten Blättern im englischsprachigen Raum gesucht wird, ist allerdings ein seltsames Faktum. In aller Welt, auch in Deutschland, fragt die Rechtsprechung, wenn es auf die Erbringung wissenschaftlicher Nachweise geht, ausschließlich nach der Vorlage von Beiträgen aus diesen anglo-amerikanischen Fachzeitungen. Wer eintscheidet eigentlich, wer besser ist? Und wer entscheidet, was wissenschaftlich und was wahr ist?

Design Write: die Infiltration durch die Industrie hat System

Wie hanebüchen es dort aber wirklich zugeht, zeigt der Fall der amerikanischen Pharma-Firma Wyeth, die für die Unterstützung ihrer künstlichen Hormonpräparate Premarin und Prempro, deren Umsatze mit diesen Mitteln vor Jahren bis auf  satte zwei Milliarden Dollar im Jahr anwuchs, das “Kommunikationsunternehmen” Design Write aus Princeton, N.J., die Beiträge für die großen Blätter entwerfen ließ. Diese gingen dann unter anderen Namen heraus. Inzwischen sind die Umsätze von Wyeth radikal gesunken, weil nachgewiesen ist, dass alle anderen als körperidentische Hormone die Krebsgefahr erhöhen.

Der letzte bekannte Fall ist der, dass Design Write von Wyeth 25.000,00 $ für eine einzige  “Schreibunterstützung” bekam. Allein für 1997/1998 erledigte Design Write für Wyeth die Arbeit für sage und schreibe 30 Beiträge für die Veröffentlichung in renommierten Medizinjournalen. Einer der Präsidenten von Design Write ist Dr. Donald E. Platt, der mit seinem Buch “Die Hormon Revolution”, VAK-Verlag, 2007, auch in Deutschland heftig für die Hormonsubstitution wirbt ““ jetzt aber ausschließlich für bioidentische Hormone.

Zwweifelhafter Beweiswert vor Gericht

Unsere Gerichte sollten wieder dazu übergehen, im Entscheidungsfalle den Nachweis gesundheitlicher Wirkungen nicht bei angeblich unbestechlichen Autoren angeblich großartiger Fachblätter abzulesen, sondern sich selbst unter Berücksichtigung allen verfügbaren Wissens aus allen verfügbaren Quellen unter Nutzung des eigenen Verstandes, gegebenenfalls auch mit Hilfe gerichtlicher Gutachter, sich ihr eigenes Urteil zu bilden. Warum sollen sie nicht auch die Hersteller anhören, die doch oft genug gründlicher forschen als die universitären Kompetenzträger? Seit längerem verlegen sich unsere Gerichte zu Unrecht darauf, dass sie selbst vom Gesetz nicht aufgerufen seien, medizinisch-wissenschaftliche Inhalte zu prüfen und zählen nur zusammen, wer sich wie geäußert hat. Diese  Selbstbeschneidung der Gerichte ist untragbar.

Die Machenschaften auch bei den best renommierten Blättern zeigen den oft zweifelhaften Wert der dort abgedruckten Publikationen. Sie sind eben ebenso wenig gesichert wie die bekanntlich sehr oft erbärmlich schlampigen Studien, bei denen die Gerichte auch dazu neigen, nur die Ergebnisse zu übernehmen statt sich eigene Gedanken zu machen. Diese Art der Justizverweigerung muss endlich ein Ende finden, denn unsere Gerichte können mehr.

Design Write steht inzwischen im Kreuzfeuer der Kritik. Der Finnazausschuss des amerikanischen Senats hat ins Netz gestellt, dass er die Firma aufgefordert hat, alle Aufträge für Wyeth zu dokumentieren. Vielleicht wird dieses schwarze Schaf jetzt geschlachtet. Vielleicht verliert es aber auch nur ein Stück Wolle. Kann man denn zweifeln, dass die Design Write/Wyeth Connection nur die Spitze des Eisberges ist? Nach den anderen Auftraggebern von Design Writ hat der Senatsausschuss nicht gefragt. Er sucht auch nicht nach den anderen Dienstleistern für die Erstellung der wissenschaftlichen Literatur.

Wann wird bekannt, dass Pharmaunternehmen sich ihre eigenen Doktoranden heranziehen und die Inhalte der Doktorarbeiten den von den künftigen Arbeitgebern der Damen und Herren Doktoren  bestimmt werden?!

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