“Szene-Schlaglichter”: Gayle San besucht Peppermint Club

Bad Kissinger Newcomer-DJ Damian Duda trifft Techno-Star aus Singapur Ein bisschen nervös war er im Vorfeld schon. Doch spätestens mit dem ersten Händedruck hat sich die Aufregung gelegt. Der bereits vom 14. U&D und Radio “Sunshine Live” bekannte Kissinger Newcomer- und Resident-DJ des “Peppermint Club” Münnerstadt, Damian Duda, traf sich

gayle.jpgBad Kissinger Newcomer-DJ Damian Duda trifft Techno-Star aus Singapur

Ein bisschen nervös war er im Vorfeld schon. Doch spätestens mit dem ersten Händedruck hat sich die Aufregung gelegt. Der bereits vom 14. U&D und Radio “Sunshine Live” bekannte Kissinger Newcomer- und Resident-DJ des “Peppermint Club” Münnerstadt, Damian Duda, traf sich vor gut einer Woche mit der ursprünglich aus Singapur stammenden Londoner DJ-Größe und Labelinhaberin Gayle San. Diese war zur großen Wiedereröffnung des Peppermint Clubs nach der Sommerpause am 12. September in Münnerstadt zu Gast. Neuling und “alter Hase” starteten aus diesem Anlass gemeinsam in die neue Interview-Reihe “Szene-Schlaglichter”.

Dass Jung und Alt voneinander lernen können, ist nicht nur eine Volksweisheit, sondern beweist sich nahezu täglich im privaten wie beruflichen Umfeld. Der Enkel schaut seinem Großvater über die Schulter, der Lehrling dem Meister. Ähnliches hat nun auch Damian Duda im Sinn. In Kooperation mit dem Peppermint Club und der Readers Edition, will er künftig mit einer ganzen Reihe von Interviews für reges Miteinander sorgen. Unter dem Titel “Szene-Schlaglichter”, laden er uns seine Partner von nun an angesagte Größen der Techno-Szene zum Gespräch. Ziel des gemeinsamen Projekts ist eine spannende Gegenüberstellung, aber auch der Austausch eines prominenten DJs mit dem Newcomer. “Ich möchte den Geist und die Hintergründe der elektronischen Tanzmusik, welche sich oftmals im Untergrund bewegen, der breiten Masse präsentieren und die Möglichkeit geben diese Art von Musik, zu welcher Millionen von Menschen weltweit feiern, näher kennen zu lernen und zu verstehen”, macht Duda stellvertretend für alle Beteiligten die Intention dahinter klar. Und mit Gayle San hat er sich hierzu gleich eine besonders hochkarätige Gesprächspartnerin mit langjähriger Erfahrung und breitem Hintergrund an den Tisch geholt.

Bevor die DJane ihre Karriere Anfang der 90er Jahre in London zunächst mit einem dreimonatigem Vertrag begann, war sie in einer völlig anderen musikalischen Ecke zu Hause. lhre Wurzeln liegen nicht etwa im elektronischen Genre, sondern vielmehr bei Bands der 80er Jahre wie etwa Kool & The Gang, Commodores oder Prince, für welche sie oftmals im Vorprogramm für Stimmung sorgen durfte. Doch spätestens seit sie sich in ihrer Heimat Singapur dem Funk widmete, entschloss sie sich, weiter in der musikalischen Welt zu graben. Der House-Stil hatte es ihr angetan. Diesen wollte sie näher kennen lernen. Ein Schritt, der ihr in der britischen Metropole nicht nur die Möglichkeit verschaffte, sich mit unterschiedlichen Stilen der elektronischen Tanzmusik vertraut zu machen, sondern ihr ebenfalls dazu verhalf, einen ganz eigenen Stil zu entwickeln für den die zarte Dame heute weltweit bekannt ist.

Zutaten des elektronischen “žSüßwarenladens” neu gerührt

Trotz ihrer teils recht techno-lastigen Handschrift, liebt sie es, Aspekte aus unterschiedlichen Musikstilen in ihre Sets zu integrieren. Gayle San selbst beschreibt diese Vorgehensweise als eine Art “backen”. Man nehme unterschiedliche Zutaten, welche der “Süßwarenladen” der elektronischen Tanzmusik zu bieten hat, und vermische sie zu einer komplett eigenen Rezeptur. Niemals, so erklärt sie, dürfe ein DJ nur dem aktuellen Trend folgen. Der Künstler müsse sich stets weiterentwickeln und Eigenständigkeit bewahren. Wie ein gutes DJ-Set in ihren Augen aussähe? Ganz einfach: Es dürfe nicht nur aus einem bass-lastigen 4/4-Takt bestehen, sondern sollte sich auch durch “groovige”, flippige und treibende Elemente auszeichnen, aber dabei nicht zur Assoziation mit “Schranz” führen, einem heutzutage veralteten und teilweise negativ besetzen Ausdruck für das so genannte Hardtechno. “Es müssen nicht unbedingt 140 BPM (Beats per Minute = Schläge pro Minute) sein, um das Publikum zum Tanzen zu bringen”, rät sie, “auch 127 BPM können sehr treibend sein.” Oftmals seien es auch die einzelnen Elemente, die das erreichen. So könnten zwei ganz unterschiedliche Platten die gleiche Anzahl an BPM haben. Die eine erscheint dem Zuhörer durch subjektive Wahrnehmung jedoch schneller als die andere, was nur darauf zurückzuführen ist, wie einzelne “Zutaten” aufeinander aufgebaut und vermischt sind. Dabei darf auch gerne ein härterer Bass eingesetzt werden, fügt sie hinzu. Allerdings, so betont sie, seien es die einzelnen Aspekte, die das Ganze ausmachen. Stimmt das Zusammenspiel nicht, klingt das Ergebnis leer, kalt und langweilig.

Nach ähnlichen Prinzipien geht Gayle San auch bei der Auswahl ihrer Produktionspartner, zu welchen unter anderem der Schwede Cari Lekebusch gehört, und dem Betrieb ihres eigenen Plattenlabels “Equator Records” vor. So kann eine potentielle Veröffentlichung nicht am einzelnen Individuum oder an einem bestimmten Stil festgemacht werden, sondern muss ihrer Meinung nach “dieses gewisse Etwas” repräsentieren, welches unter Umständen bereits nach wenigen Sekunden des Reinhörens mit dem Bauchgefühl im Einklang ist und die Entscheidung erleichtert, ob die Produktion eine Katalognummer auf dem Label erhält oder nicht. Vor kurzem ist Gayle Sans neuestes Projekt “Network” auf “Equator Records” erschienen. Eine CD+DVD-Produktion in Kooperation mit den weltweit besten Visual Artists, wie unter anderem Nicolas Bourbaki & Zoozoozoo, welche visuelle Effekte unter exklusiv für dieses Album produzierte Tracks von Gayle San und ihren Produktionspartnern gelegt haben.

Gestern Ungarn, heute Münnerstadt: Gayle San ist immer anders

Schnell wird im Gespräch der beiden deutlich. Gayle San ist Individualistin durch und durch. Einheitsbrei und immer wiederkehrendes Gleiches ist ihr zuwider. Das gilt natürlich auch für die Auswahl ihres DJ-Sets in den verschiedenen Clubs. Eine strikt einzuhaltende Reihenfolge gibt es nicht. Sie entscheidet stets spontan, was gerade passend wäre. Das Ergebnis: jeder Auftritt ist einzigartig. Gestern Ungarn, heute Münnerstadt, morgen Spanien ““ der Zuhörer könnte wohl alle Orte hintereinander besuchen und würde jedes Mal mit einem völlig anderen Erlebnis nach Hause gehen. Auf die Frage ob sie sich noch daran erinnern könnte, welche Platten sie am Vortag gespielt habe, erwidert sie denn auch schmunzelnd: “Ja, das kann ich schon. Aber daran, wie ich diese miteinander vermischt habe, nicht.” Doch “tragisch” findet die Musikern das ganz und gar nicht. Denn ihr nächster Rat für den Newcomer lautet: “Es funktioniert nicht, wenn du nach einer festen Playlist vorgehst. Du musst auf das Publikum zugehen. Jedes ist einzigartig und hat individuelle Erwartungen. Und letztendlich sind es die Clubbesucher, die dich mit Energie während deines Auftritts füttern. Mit einer strikten Reihenfolge kannst du diese Energie nicht zurückgeben. Das ist nicht möglich.”

Die Ratschläge, die sie Damian Duda mit auf den Weg gegeben hat, setzte Gayle San sogleich um. Sie war anlässlich der Wiedereröffnung des Peppermint Clubs bereits zum zweiten Mal zu Gast in der Kissinger Region und wurde auch jetzt nicht enttäuscht. Mehr als 700 Besucher fanden sich an diesem Tag in dem kleinen, aber mit hochkarätigen Booking-Aufträgen-bestückten Club ein, der in Sachen Musikkonzept bekannten Großraumclubs in Frankfurt am Main oder Hamburg in nichts nachsteht. Die konstante Besucherzahl freut Betreiber Gerhard Roßmann sehr und gibt dem Erfolg des Clubs recht, weshalb er und sein Team weiterhin bestrebt sind, den Gästen nur das Beste zu bieten. Trotz seines noch relativ kurzen Bestehens, gilt der Club unter Szene-Insidern bereits jetzt als einer der besten in der Region. Darüber hinausreichende Projekte, wie etwa die von Damian Duda initiierte Interview-Reihe bieten hier eine optimale Ergänzung. “So etwas fördert die gesamte Branche und füllt die Lücke an objektiven Interviews mit angesagten Protagonisten der Szene sowohl im Internet als auch im Fernsehen”, ist er sich sicher. Das nächste “Szene-Schlaglicht” kann also kommen.

Das komplette Video-Interview wird in den kommenden Tagen auf der Readers Edition erscheinen.

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