Etwas müde blickte Claudia Roth schon drein, als sie live aus Ausgburg zur Grünen-Aktion “3-Tage-Wach” geschaltet wurde. Zehntausende Kilometer hat sie, wie auch Jürgen Trittin und Renate Künast, in den vergangenen neun Wochen zurückgelegt, um die potentielle Wählerschaft zu überzeugen. Doch jetzt heißt es durchhalten. Die Parteien setzen zum großen Schlussspurt an. Was bei ihnen drei wache Tage bedeutet, heißt bei der Union 72 Stunden. Aber das ist noch längst nicht alles, was zum Countdown aufgefahren wird. Ein Rundgang durchs Netz.
Bis 18.00 Uhr am Wahlsonntag stellt sich also das Team der Grünen den Fragen der Zuschauer. Via Livestream kann ihnen direkt über die Schulter geschaut werden, während sie wild in ihre Rechner tippen und von Zeit zu Zeit einen prominenten Gast interviewen. Die jungen Leute beteiligen sich scheinbar sehr rege. Selbst mitten in der Nacht reisst das Engagement nicht ab. So fragt zum Beispiel Patrick um 0:00 Uhr: “Wie kann man mehr Gelder für Bildung mobilisieren? Und was möchten die Grünen im Bereich Bildung tun oder ändern?” Die Antwort: “Guten Morgen (…), als Antwort würde ich Ihnen sagen,dass in einer solidarischen Gesellschaft diejenigen, die mehr haben und mehr verdienen auch mehr bezahlen sollten. Genau dafür setzen wir uns ein. Hoffe die Frage ist beantwortet. Lg dein 3tw-team nach SW-Meck-Pomm” Groß wurde die Aktion mit “Augenring-Gefahr” angekündigt. Auf dem StudiVZ-Edelprofil der Partei ist ein beeindruckender Banner zu finden und Frau Roth präsentiert sich in ihrem jüngsten Youtube-Video in voller Dirndl-Pracht, um noch einmal auf das Vorhaben aufmerksam zu machen. Die Grüne Jugend präsentiert sich da schon gediegener. In ihrem “Motivations-Spot” fassen sie noch einmal wesentliche Ziele zusammen.
“Jetzt geht’s ums Ganze!”
Ähnlich turbulent geht es derzeit wohl bei der Union zu. Sie läuten eine 72-Stunden-Schlusskampagne” ein. Seit dem gestrigen Donnerstag, 18.00 Uhr gibt es vielfältige Aktionen in ganz Deutschland, die noch einmal die Werbetrommel für Kanzlerin Angela Merkel und ihr Programm rühren sollen. So startete Ronald Pofalla zusammen mit dem Unterstützer-Team eine Telefonaktion und erklärt das Ganze dann noch einmal auf dem hauseigenen Youtube-Kanal CDU.TV. teAM Deutschland selbst lässt derweil Emotionen walten. Sie sagen per Clip “Danke!” an alle, die mitgemacht haben und auch Frau Merkel selbst greift zum Mikrofon. Denn: “Jetzt geht’s ums Ganze!” Und auch, wenn es noch nicht wie bei Barack Obama läuft, Bundestagskandidat Dr. Frank Steffel ist sich sicher: “Über das Internet können wir Menschen erreichen, die wir mit der klassischen Parteiveranstaltung nicht erreichen.”
Letzte Kraftanstrengungen im Web 2.0
Eigene, aufwendig gestaltete Homepages, Facebook und Co. sind zur neuen Werkzeuge der Politik geworden. Dazu gehört nun auch Twitter. Der Mikroblogging-Dienst, der den Kandidaten 140 Zeichen für ihre Botschaften zur Verfügung stellt, wird gerade in diesen Stunden ausgiebig genutzt. So lässt zum Beispiel Daniel Bahr (FDP) seine Leser wissen: “Ex #SPD Wolfgang Clement ruft zur Wahl von #FDP Chef Westerwelle auf. Die FDP versteht halt besser, wie Arbeitsplätze geschaffen werden.” Während Steffi Lemke (Die Grünen) twittert: “New blog post: Riesen Medienandrang bei 3 Tage Wach http://bit.ly/Bfr6Q” Auch Annette Schavan (CDU) nutzt das schnelle Kommunikationsmittel und lädt online kurzerhand zu einigen offline-Veranstaltungen ein.
Doch so kurz vor dem großen Wahltag engagieren sich nicht nur die Parteien, sondern auch StudiVZ. Das führende soziale Netzwerk, das hier auf der Readers Edition seit Wochen im Fokus steht und allerhand unterhaltende Aktionen im Zusammenhang mit der Bundestagswahl an den Start gebracht hat, informiert nun in Zusammenarbeit mit politik.de die junge Wählerschaft. So finden sich in der “Wahlzentrale” nun zum Beispiel Zeitleisten und historische Wahlergebnisse. Auch alle Wahlwerbespot der Parteien werden noch einmal gezeigt. Neben den Machern des Portals werden jedoch die Kommentatoren in den einzelnen Gruppen aktiv. “Es kommt auf jede Stimme an!“, tönt es da etwa aus den Reihen der Jungen Union. Es gilt Vorschläge zu sammeln, wie kurz vor knapp noch einmal auf die eigene Partei aufmerksam gemacht werden kann. Bei den JuLis sieht es ähnlich aus. Mit Wahlpartys und einem “Last-Minute-Center, indem Fragen beantwortet werden, versuchen sie auf Stimmenfang zu gehen. Auf dem Edelprofil der Liberalen gibt es darüber hinaus noch einmal einen Rückblick auf die Demo “Freiheit statt Angst” sowie in der dazugehörigen Gruppe die Erinnerung an eine eher außergewöhnliche Aktion, die zuvor schon in der Gruppe der Piratenpartei angesprochen wurde: “Backen für die Bundestagswahl“. Wem das alles noch nicht reicht, den lädt StudiVZ in diesen Stunden erneut zu “Anhalten! Nachdenken! Wählen!” ein.
Es wird also noch einmal richtig bunt. On- wie offline bündeln Kandidaten und Anhänger ihre Kräfte, um die letzten Stunden voll auszunutzen. Wie es dem 3tw-team am Abend des Wahlsonntags ergehen wird, bleibt abzuwarten, ebenso inwieweit ein 72-Stunden-Schlussspurt Früchte tragen wird. Fest steht jedoch: Selten war der Entertainment-Faktor derart hoch wie in diesem Jahr.
http://derstandard.at/1252771838000/derStandardat-Interview-Die-Gruenen-sind-so-scheinheilig
Wenn Sie bitte hier mal schauen möchten.