Oettinger und seine Klone oder Hohmann II? – Nein, danke!

Zweieinhalb Jahre nach der skandalösen Trauerrede Günther Oettingers am Grabe Hans Filbingers sehen Funktionsträger der CDU im ehemaligen Marinerichter des Dritten Reichs anscheinend immer noch einen Widerstandskämpfer gegen die Nazis und verbreiten diese Ansicht auch im Forum ihrer Partei. Oettinger hatte erklärt, Filbinger sei “kein Nationalsozialist” gewesen, sondern “ein Gegner

Zweieinhalb Jahre nach der skandalösen Trauerrede Günther Oettingers am Grabe Hans Filbingers sehen Funktionsträger der CDU im ehemaligen Marinerichter des Dritten Reichs anscheinend immer noch einen Widerstandskämpfer gegen die Nazis und verbreiten diese Ansicht auch im Forum ihrer Partei.

Oettinger hatte erklärt, Filbinger sei “kein Nationalsozialist” gewesen, sondern “ein Gegner des NS-Regimes”. Und er hatte hinzugefügt: “Es gibt kein Urteil von Hans Filbinger, durch das ein Mensch sein Leben verloren hätte.” Trotz Kritik von seiten angesehener Historiker blieb Oettinger zunächst bei seiner Haltung: “Meine Rede war öffentlich, ernst gemeint, und die bleibt so stehen.”

Der Fall Filbinger 

1978 wurden vier Todesurteile bekannt, die Hans Filbinger als Marinerichter 1943 und 1945 beantragt oder gefällt hatte. Filbinger leugnete zunächst, die Urteile gefällt zu haben, gab sie dann aber zu und meinte, “was damals Rechtens war, kann heute kein Unrecht sein”. Im Fall Walter Gröger beschleunigte er dessen Hinrichtung. Am 16. März 1945 um 14 Uhr verkündete er das Urteil, um 16 Uhr ließ er ihn erschießen. Dabei war er anwesend und gab wahrscheinlich als leitender Offizier den Feuerbefehl.

Erst als das Simon-Wiesenthal-Zentrum in Jerusalem und der Zentralrat der Juden in Deutschland Oettinger zum Rücktritt aufforderten und auch Angela Merkel intervenierte, schwenkte Oettinger um, rang der baden-württembergische Ministerpräsident sich unter Zähneknirschen eine halbherzige “Entschuldigung” ab.

Doch wer den Werdegang Günther Oettingers kennt, der weiß Oettingers Rede war kein Ausrutscher. Oettinger gehört in den Dunstkreis der rechten Unions-Kaderschmiede “Schloss Weikersheim”. Zu den Gründungsmitgliedern des Studienzentrums zählt im Jahr 1979 außer Filbinger auch Paul Carell, NSDAP-Mitglied von 1931 an und Träger des “Winkels für alte Kämpfer”, ehemals jüngster Ministerialdirigent im nationalsozialistischen Regime und SS-Obersturmbannführer.

Zum Präsidium gehören Philipp Jenninger (CDU), ehemaliger Bundestagspräsident, der 1988 wegen einer Bundestags-Gedenkrede zur Reichskristallnacht zurücktreten musste. Ein weiterer stellvertretender Präsident des Zentrums ist Jörg Schönbohm, stellvertretender Ministerpräsident in Brandenburg. Auch Otto Esser, Ex-Arbeitgeberpräsident, gehörte dem Präsidium an.

Am 1. Dezember 1997 hielt Horst Mahler erstmals seit seiner Haftentlassung zum 70. Geburtstag des Weikersheim-Mitglieds Rohrmoser in Stuttgart vor Gästen des Studienzentrums Weikersheim eine Laudatio auf Rohrmoser. Darin forderte er auch, das “besetzte” Deutschland müsse sich von seiner “Schuldknechtschaft” zum aufrechten Gang seiner “nationalen Identität” befreien.

Zum Umfeld von Schloss Weikersheim gehört auch Professor Hans-Helmuth Knütter. Er schreibt Anfang 2000 in dem Buch “Zukunftsmodell”: “Diese jüngeren Leute werden sich, wie Jüngere das tun können, mit persönlichem, mit körperlichem Einsatz für die Durchsetzung der politischen Ziele einsetzen, und das ist gut, das ist hervorragend. Die Älteren können aber auch etwas tun. Man wird auch den hier Anwesenden aufgrund des Alters wohl kaum zumuten können, sich an Saalschlachten und Straßenkämpfen zu beteiligen. Aber was sie tun können, ist natürlich: Geld sammeln, Aktionen ermöglichen.”

Das lobende Vorwort zu diesem Sammelband rechten Gedankenguts stammt übrigens vom hessischen Ministerpräsidenten Roland Koch.

Man sieht: Günther Oettinger ist nicht allein. Wie weit der Einfluss der ganz Rechten in der Union reicht, zeigt auch die Art, wie Oettinger und seine Knappen 2004 den damaligen Ministerpräsidenten Erwin Teufel frühzeitig aus dem Amt drängten. Noch unappetitlicher war das Intrigenspiel Oettingers gegen seine Konkurrentin Annette Schavan.
Doch das nur am Rande.

Günther Oettinger als Exponent der Rechten hat viele Anhänger und Bewunderer. Vor allem unter CDU-Mitgliedern im CDU-Forum übernimmt so mancher CDU-User anscheinen gern die “noch ungeläuterte Sichtweise” des Weikersheim-Freunds Günther Oettinger auf ehemalige Nazi-Größen.

Für ein exponiertes CDU-Mitglied, das im CDU-Forum seit Jahren regelmäßig schreibt, war “Kiesinger kein ‘Spitzennazi’”. (Kiesinger war seit Februar 1933 Mitglied der NSDAP. 1940 trat er eine Stelle im Reichsaußenministerium unter Ribbentrop an. Dort wurde er stellvertretender Leiter der Rundfunkpolitischen Abteilung und war zuständig für die Überwachung und Beeinflussung des ausländischen Rundfunks, hielt Verbindung zum Reichspropagandaministerium von Joseph Goebbels.)

Das gleiche CDU-Mitglied meint – ähnlich wie Oettinger -,Hans Filbinger in die Nähe des Widerstands rücken zu können, indem er behauptet: “Filbinger [sei] von der Widerstandsbewegung gegen die Nazis für eine Verwendung nach dem Stauffenbergattentat vorgesehen” gewesen.

Noch absurder klingt die Rechtfertigung Hans Globkes durch dasselbe CDU-Mitglied.

Hans Globke war als Koreferent beteiligt an der Vorbereitung der Nürnberger Rassegesetze (15. September 1935). Nach 1935 hat Globke sich für eine Verschärfung der Rassengesetze “erfolgreich” eingesetzt: Nicht nur der eigentliche Geschlechtsverkehr zwischen Ariern und Nicht-Arieren wurde bestraft, sondern bereits “beischlafähnliche Handlungen”.

Das im CDU-Forum schreibende CDU-Mitglied sieht das etwas anders, mehr durch die Oettinger-Brille:

“Globke [sei] auf Wunsch der Hitlergegner im Amt gebieben und hat durch seine Kommentierung zu den verabscheuungswürdigen Rassegesetzen versucht, Schlimmeres zu verhindern.”

Die CDU/CSU ist historisch betrachtet ganz grob gesagt ein Konglomerat aus katholischem Zentrum, Deutschnationalen und versprengten Nazis samt Mitläufern. Lange Zeit galt, dass die Union rechtsradikale Kräfte bindet, “umformt und integriert”.

Wenn man jedoch die Aktivitäten der Weikersheimer, die Ansichten Günther Oettingers und seiner Anhänger unter die Lupe nimmt, wird man den Eindruck nicht los, dass da in der Union unter dem Patronat von Roland Koch rechtsradikale Weltbilder und Geschichtsdeutungen gepflegt werden, anstatt sie zu entsorgen.

Die Union sollte sich spätestens nach den Wahlen von Günther Oettinger und seinen Klonen trennen. Die CDU muss endlich begreifen: Schon EIN Fall Hohmann war einer zuviel.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*