Für die einen ein Terrorist für die anderen ein Freiheitskämpfer”¦ Welche Verantwortung tragen die Medien?

Ist es übertrieben zu behaupten, dass die Medien in unserer Informationsgesellschaft die wohl effektivste “Waffe” im Kampf um die Köpfe und das Bewusstsein der Menschen darstellen? Irgendwelche Gegenstimmen? Vielleicht, aber deren Zahl dürfte nicht sehr hoch sein. Nun stelle ich mir die Frage, ob die Medien denn dieser immensen Macht

Ist es übertrieben zu behaupten, dass die Medien in unserer Informationsgesellschaft die wohl effektivste “Waffe” im Kampf um die Köpfe und das Bewusstsein der Menschen darstellen? Irgendwelche Gegenstimmen? Vielleicht, aber deren Zahl dürfte nicht sehr hoch sein.

Nun stelle ich mir die Frage, ob die Medien denn dieser immensen Macht zur Beeinflussung des Bewusstseins der Menschen gerecht werden?

Das Wort Verantwortung kann natürlich in diesem Zusammenhang in vielerlei Hinsicht ausgelegt werden, doch ich möchte nicht zynisch sein und verstehe hier Verantwortung als die Pflicht der Medien zur ideologiefreien und unvoreingenommen Darstellung der Geschehnisse. Eine Pflicht, die diese ja durchaus selbst als ihren Auftrag empfinden.

Allzu oft ist jedoch leider in der Tat gegenteiliges der Fall und dies in so vielerlei Hinsicht, dass ich hier nur auf ein, zwei Beispiele eingehen möchte, wobei ich hoffe, dass diese Beispiele das System der Voreingenommenheit verdeutlichen und die Medien als das entlarven, was sie leider allzu oft sind, nämlich der verlängerte Arm ungerechtfertigter, leider allzu oft westlicher Überheblichkeit (und das in einer Zeit, in der jeder spüren und sehen kann wie sich die Pole der Macht global verschieben). Ich bin mir darüber bewusst, dass dererlei Aussagen reflexartig den Vorwurf  nicht vorhandener Objektivität hervorrufen. Bizarr aber raffiniert wird es, wenn zusätzlich gar der Vorwurf einer von mir vorgenommenen Einteilung der Welt in gut und böse erhoben wird”¦

Das ist natürlich grotesk und nichts liegt der Wahrheit ferner. Es muss doch die Frage gestattet sein, welche Aufgabe die Medien denn nun in der Gesellschaft eigentlich erfüllen? Existieren sie nur mehr zur Verbreitung gewisser Klientel-Botschaften, quasi als PR-Maschine der Mächtigen, wobei Klientel hier in vielfältiger Hinsicht interpretiert werden kann? Nicht nur der letzte US-Wahlkampf hat uns dabei erneut vor Augen geführt wie äußerst einflussreich die Medien diesbezüglich sind bzw. sein können, auch Staaten wie der Iran verdeutlichen dies, wenn auch aus anderer Perspektive.

Wie ist es denn zum Beispiel zurzeit um die “Meinungsfreiheit” eines Muammar al Gaddafi und seine mediale Reputation bestellt? Ja, man kann sich ein heiseres, leises Auflachen kaum verkneifen. Kann es denn wirklich sein, dass der Mann tatsächlich so durch und durch bekloppt ist? Wenn dem evtl. nicht so sein sollte, stellt sich wiederum die interessante Frage, warum diese mediale Idiotisierung vorgenommen wird? Nach seiner Rede vor den Vereinten Nationen wurde Gaddafi zumindest in den deutschen Medien erneut ins Lächerliche gezogen. Mann spricht davon, dass er die Staatengemeinschaft wütend beschimpft” hat. Der typische Araber. Sätze wie der Folgende schließen sich in einer bekannten Wochenzeitschrift an:

Mit seiner wütenden Ansprache, in der er den UNO-Sicherheitsrat pauschal verurteilte, löste er bei vielen Gesandten Ärger und Empörung aus.” 

Seine Rede ist also keine überlegte Ansprache, sondern eine pauschalisierende “Wutrede”. “Was für ein Hitzkopf”, denkt man sich wenn man liest, dass der Wüstensohn “sichtlich erregt” war. Es ist auch so, dass er Dinge “behauptet”. Dies impliziert aber doch sehr deutlich, dass er Unrecht hat, oder sich zumindest nicht um eine fundierte Analyse bemüht hat. Ganz der wirre Araber ist er auch hier:

“Er spreche im Namen von 1000 afrikanischen Königreichen, wetterte der Revolutionsführer.”

Nun ist mir Gaddafi keineswegs durch und durch koscher, aber das sind mir die Oberhäupter anderer Staaten, bei allem Respekt, auch nicht. Was für eine schmierige Posse spielt sich, nur als Beispiel, gerade wieder im Reich des “verschlagenen Zwergen” im Elysée Palast ab? Wenn sich Gaddafi zu einer Begründung seiner Aussagen herablässt, dann ist diese “bizarr”. Es heißt:

“Auch bizarre Verschwörungstheorien gab Gaddafi zum Besten. So behauptete er, die Schweinegrippe werde militärisch oder geschäftlich genutzt.”

Wenn die Sache nicht so ernst wäre, könnte man vor sich hin schmunzeln, wenn man sich den Wüstensohn, an Schweinegrippe leidend, im Fieber beim aushecken skurriler Verschwörungstheorien in seinem Beduinenzelt vorstellt. Moment, ist das vielleicht gar die Absicht solcher Sätze? Ist es nicht genau das, wovon ich gerade schreibe? Wer sagt mir, dass es sich tatsächlich um “wirre Verschwörungstheorien” handelt? Wer? Wer sagt mir, dass nicht “wir” hier im Westen diejenigen sind, die immer wieder Opfer von “Verschwörungstheorien” und medialen Manipulationen sind (wurden uns nicht, wiederum nur ein Beispiel, vor der UNO dubioseste Lügen über die Existenz von Massenvernichtungswaffen in Saddams Irak aufgetischt)? Wenn man so denkt wundert einen folgender Satz eigentlich nicht mehr:

“Gaddafis Rede rief bei vielen Delegierten Empörung und Verwunderung hervor, mehrere Delegierte verließen aus Protest den Saal, der sich etwa zur Hälfte leerte.”

Nun stellt sich jedoch die wohl berechtigte und eben objektive Frage, ob derlei Gebaren in den Medien anderer Erdteile etwa nicht existiert?

Diese Frage lässt sich wohl deutlich mit nein beantworten. Ganz gewiss spielen Zensur, staatlich kontrollierte Medien und Einflussnahme in anderen Erdteilen eine unverblümte Rolle im Meinungsgeschäft. Kann bzw. darf sich der eigene Anspruch jedoch dadurch relativieren lassen?

Der Fall Gaddafi ist nur ein Beispiel für die Manipulationstendenzen innerhalb der Medien. Wie ist es um die Darstellung von Migranten oder Menschen anderer Hautfarbe in den (deutschen) Medien bestellt? Wimmelt es hier nicht nur so von Stereotypen und Klischees? Wie oft habe ich mich, vorsichtig ausgedrückt, auch schon darüber gewundert, wie gewalttätig die Geschichte der Menschen anderer Herkunft und Kultur in Kino, Film und  Reportage dargestellt wird, wohingegen die europäische Geschichte wohl zum größten Teil aus “Bravehearts” zu bestehen scheint. Männer die zupacken können, dabei aber immer geleitet sind von einem tiefen Sinn für Fairness, Liebe und Kameradschaft, auch wenn es zwischendurch, na klar, auch mal hoch her geht. Der Westernheld ist ja auch so gestrickt. Nichts zu sehen (im wahrsten Sinne des Wortes) vom tumben Kuhhirten der sich mit seiner alten Büchse selbst in den Bauch schießt und auf den übrigens auch die Erfindung des Skalpierens zurückgeht (oder war es die US-Kavallerie?). Stattdessen wimmelt es überall nur so von Heldengeschichten in Zeiten von Krieg und Ehre. Dadurch wird die westliche Geschichte am Ende doch immer wieder auf subtile Weise glorifizierend gezeichnet. Sind es nicht die Menschen, die in einem derartigen, medial vermittelten Gefühl moralischer Überlegenheit aufwachsen, die später dazu neigen die Welt in gut und böse einzuteilen, in Orte des Lichts und “Schurkenstaaten”? Früher waren der Indianer, der Afrikaner, der Aborigine oder sonstige Kulturen, die den eigenen Begehrlichkeiten im Wege standen, die “Terroristen” und heute ist es der Araber, der Iraker, der Taliban? Wurde “der Taliban” nicht einst am Busen der Vereinigten Staaten im Kalten Krieg gegen das “Reich des Bösen” genährt? Wie war es bislang, ein ganz heißes Eisen, um die Wahrnehmung des Konflikts im Nahen Osten bestimmt?

Der Ton, das Wort und das Bild, machen die Musik, denn in dieser Hinsicht haben auch Bilder und das geschriebene Wort einen Klang, der nachhallt. Doch was man so liest oder sieht klingt doch leider allzu oft immer gleich, sehr einseitig und es fehlt die Vielschichtigkeit die einen gerne zuhören lässt. Doch in der Zwischenzeit haben sich die Pole globaler Macht verschoben. Der früher in Film und Medien oft verlachte “chinesische Reisbauer” (wer hat nicht dieses Bild des gelben Chinesen mit Reishut im Kopf der dauernd Konfuzius zitiert und den Buchstaben “šr”™ nicht über die Lippen bekommt?) schickt sich an, die globale Führungsrolle zu übernehmen. Ich selbst muss allerdings zugeben, dass ich diesem “erwachenden Drachen” ziemlich skeptisch gegenüberstehe. Der Inder wiederum kam früher auch nicht besser weg. Jetzt werden beide Riesenstaaten jedoch zu den neuen globalen Mächten und siehe da, dass bisher vermittelte Zerrbild weicht einer respektvolleren, wenn auch äußerst kritischen Darstellung und Betrachtungsweise. Scheinbar hängen ökonomische (und militärische) Macht und sich einstellende Achtung, auch in den Medien, global sehr eng zusammen. Kann man gar sagen, dass die Medien sich der Macht anbiedern? Kein Wunder, dass die Afrikaner (vor allem die sog. “Schwarzafrikaner”) nach wie vor so äußerst schlecht in der Wahrnehmung wegkommen. Doch ganz allmählich scheint auch diese Front zu bröckeln, die Veränderungen gesellschaftlicher und ökonomischer Natur auf dem afrikanischen Kontinent lassen sich vielleicht immer schwieriger übersehen. Hollywood (global auch längst nicht mehr so einflussreich) ist dabei immer ein recht guter Indikator.

Mir erscheint es auf jeden Fall sehr sinnvoll, die Medien/den Film aufmerksam und kritisch zu begleiten und sich dabei immer im Klaren darüber zu sein, dass es sich immer nur um eine subjektive Betrachtung ergo Darstellung der Welt, des Fremden, der globalen Geschehnisse handelt/handeln kann. Die Welt und die Menschen sind jedoch (leider) wesentlich komplexer, auch wenn wir, aus verständlichen Gründen, allzu oft dazu neigen die Dinge nach Möglichkeit in Schuppladen zu stecken. Wahrscheinlich ist diese Gefahr jedoch wesentlich mehr Menschen bewusst als man vermuten mag. Spannend wird es in diesem Zusammenhang sein zu beobachten, wie die neuen Informationstechnologien/das Internet die Welt audio-visueller Darstellung und Wahrnehmung zusätzlich “šaufmischen”™ und verändern werden.

Kommentare

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  1. Wir erleben keine Manipulationstendenzen, wir werden massiv manipuliert. Was nicht
    weggelogen werden kann, s. Gaddafis Rede, wird veralbert.

    In Europa ärgern wir uns über die Arroganz Amerikas, der rest der Welt muss die vereinte Arroganz der U.S.A. und Europas ertragen!