Die deutschen Agrarminister trafen sich am 18.9.2009 im Kloster Helfta bei Eisleben zu ihrer Herbstkonferenz. Im Teich des Klosters starben danach viele Fische. Die über Polizisten versprühte und mit Wucht gegen ein Polizeiauto geschleuderte Milch der protestierenden Bauern floss in den Klosterteich und erstickte die Goldfische. Dieses Ereignis lenkt trefflich von der Zerstrittenheit der CDU und CSU in Sachen Milch ab.
Es ging auf der Herbsttagung der Agrarminister zu wie in manchen Problemfamilien der Super-Nanny. Vor dem Tor demonstrierten Milchbauern mit Lärm, Gestank und bockigen Blockaden. Blockiert wurden diesmal nicht Molkereien, die BDM-Aktivisten kesselten für mehrere Stunden eine Ministerkonferenz ein. Der Umgang mit der Milch war keine Sympathiewerbung für das edle Produkt. Die Milch zur Sachbeschädigung von Polizeiautos zu benutzen, hätte in der Tat eher in das “chaoserprobte” Hamburger Schanzenviertel oder Berlin-Kreuzberg gepasst. Wer meint, mit inszenierten Wegwerforgien von Milch, sozusagen einer öffentlichen Selbst- und Produktbeschädigung, andere zu etwas erpressen zu können, ist eher ein Fall für den Arzt als für ein Gespräch. Der durchaus robuste Minister aus Mecklenburg-Vorpommern, Till Backhaus, brüllte den Demonstranten entgegen “Das was Sie hier veranstalten, ist das Allerletzte”[i]. Der Staatssekretär Hermann Otto Aeikens aus Magdeburg drückte sich vor der Presse etwas gewählter aus: “Hier wird geltendes Recht eindeutig überdehnt”.
CSU führt CDU am Nasenring umher, biedert sich dem BDM an
Nicht weniger lustig ging es innerhalb der Mauern zu. Man stritt sich und wahrte nach Außen den Schein. CSU und Hessen-CDU gegen die CDU-Minister der anderen Länder und die drei Minister der SPD. Zum Schluss verkaufte man die Öffentlichkeit für dumm, in dem man mit etwas EU-Geschimpfe den grundsätzlichen Konflikt übertünchte. Mit dem einstimmigen Beschluss: “Keine nationalen Alleingänge bei der Milch” täuschte man eine Einigkeit vor, an den sich Bayern nicht einen Tag gehalten hat. Das zeigt, dass Bayern nicht im mindesten die Absicht hatte, diesem Beschluss auch nur irgendeinen Wert zu geben. Bayern hat mit diesem Verhalten die anderen Landwirtschaftminister zu einfältigen Kasperl gemacht, auf die es in keiner Weise ankommt und mit denen man machen kann, was einem passt. Das alles letztlich, weil die “Chefin” ihre Groß-Ankündigung, die Milch zur “Chefsache” zu machen[ii], nicht hält.
Kanzlerin Merkel hat ihren Milchladen nicht im Griff. Es herrscht politisches Milch-Chaos, ausgelöst von der CSU. Dabei ist es fraglich, ob der CSU dieser Schwenk hin zum BDM nutzt. Noch waren auf den Wahlversammlungen eher Plakate wie: “Hast ‘ne Kuh, wähle nicht CDU und CSU zu sehen”. Herr Schaber vom BDM empfahl verklausuliert sogar eher die Grünen und die LINKE[iii], nur nicht die Union oder die SPD. Da ist Herr Schaber noch etwas ungnädig zur CSU, der Heimat vieler Bauernverbands-Anhänger.
Die Kanzlerin als Chef-Lobbyistin statt als Führungsfigur
Frau Merkel sagte auf einer Wahlveranstaltung in Lindau am 20.9.2009 sinngemäß: “Die Politiker wüssten angesichts der verschiedenen Lager von Bauernverband und BDM gar nicht mehr, welche Politik sie in Brüssel vertreten sollen.[iv]” Na wenn das so ist, dass hier die Politik auf die Ratschläge der Verbände wartet, dann kann sie auch auf den Münchner Radlerengel Aloysis und seine himmlischen Ratschläge warten. Eine Milchpolitik, die selber nicht weiß, wo es langgeht, die auf die Ratschläge und die Meinungsbildung oder gar Gemeinsamkeiten der Verbände wartet, ist ein Dilettantenstadl mit Zentrum Bundesministerium für Milchbauern und Sonstiges. Die deutsche Milchpolitik produziert seit dem “Milchstreik” im Mai/Juni 2008 vorwiegend Verwirrung mit dem Ergebnis absurder Aktionen. Im Sinne des Allgemeinwohles darf nicht der Anschein eines Erfolges eines politischen “Streiks” für Preiserhöhungen erweckt werden. Was kommt demnächst: Der Generalstreik für hohe Mindestlöhne oder für die 30-Stunden-Woche zur Anpassung und Lohnsteuerung der Arbeitsnachfrage an das gesunkene Arbeitsangebot? Streiks und Blockaden für niedrigere Rentenbeiträge oder höhere Renten? Dauernde Blockadeaktionen irgendwelcher Spezialverbände oder irgendwelcher freier Spartengewerkschaft. Wer streikt heute im Wasserwerk? Was soll denn aus dem Land werden, wenn die Politik einen beliebigen Eigennutz vorlebt und unterstützt, statt Ideale? Frau Merkel nimmt dies aus Angst vor Bayern in kauf, drückte sich vor der Wahl um vier klare Sätze, mit denen der Landfriede seit dem einstimmigen EU-Ausstiegsbeschluss 2003 gewahrt worden wäre:
1)Â Â Â Â Die Milchquote wird 2015 auf Wunsch der Mehrheit in der EU und auf Wunsch der Mehrheit der deutschen Länder abgeschafft.
2)Â Â Â Â Der Staat hat keinen Einfluss auf die Milchpreise und will ihn auch nicht mehr haben.
3)Â Â Â Â Die Milchmenge wird zukünftig durch den Preis, wie bei allen anderen landwirtschaftlichen Produkten, reguliert.
4)Â Â Â Â Das wird den Strukturwandel beschleunigen, aber zugleich den Milchstandort Deutschland sichern. Zur Absicherung des Strukturwandels werden die Pächter rechtlich gestärkt und eine Renaissance der Flurbereinigung eingeleitet mit weiterem Schwerpunkt Beregnungs-Wasserversorgung.
Diese Punkte heißen nicht, dass es keine Unterstützung der Milch mehr geben wird, aber eben, wie inzwischen bei allen anderen landwirtschaftlichen Produkten auch, nicht mehr über einen garantierten Produktpreis. Als schnell wirkende Maßnahmen sollte zeitlich begrenzt die Verarbeitungs- und Verfütterungsbeihilfe wieder eingeführt werden und eine Werbekampagne mit Erzeugern, Molkereien und Handel für Milch und Milchprodukte gefahren werden. So kann der Verbraucher mithelfen die Erlöse der Molkerei und damit der Erzeuger zu steigern. Die Situation kann nur gemeinsam, Erzeuger, Molkereien, Handel, Industrie und Politik, schnell verbessert werden. Dazu sollten auch realistische Ziele für die Gruppen vorgegeben werden. Es darf aber nicht dazu führen, dass die Politik den Verbrauchern und Steuerzahlern das Geld aus der Tasche zieht, das dann über den Wettbewerb um die Flächen letztlich in den Taschen der Besitzer landwirtschaftlicher Grundstücke landet, statt bei den aktiven Landwirten, so wie aktuell über die hohen gesetzlichen Strompreise für Biogasanlagen.
Am besten wäre es, um dem Dauer-Milchstreit-Schrecken bis 2015 ein schnelles Ende zu setzen, mit diesem Maßnahmenpaket die Superabgabe, die Strafsteuer auf Milch über der nationalen Quote, ab sofort auf Null zu senken und damit der Ausstieg aus der Milchquotenreglung vorzuziehen. Das Anziehen der Milchpreise seit Sommer 2009 böte dazu eine gute Gelegenheit. Wer als Unternehmer heute Milch für den Milchmarkt produzieren will, soll so viel Milch produzieren, wie er wirtschaftlich kann. Tortenstücke vom Markt zuteilen und die Konkurrenz per Gerichtsvollzieher verfolgen, ist nicht die Aufgabe der Politik und führt bei konsequent gerechter Umsetzung für Alle zu “Armut für Alle”, statt Erhard’schen Wohlstand. Zur Planwirtschaft und Pfründen für die eigene Klientel und zur Arbeits- und Perspektivlosigkeit für den Rest. Wenn Arbeit motivieren soll, dann sollte man auch durch Arbeit was erreichen können und nicht über zugeteilte Pfründe.
Wachstumshindernis CSU
Der bayerische Regierungs- und CSU-Chef Seehofer sagte dem “Straubinger Tagblatt”: “Ich mache es jetzt zur Bedingung für meine Unterschrift unter den Koalitionsvertrag einer neuen Bundesregierung, dass die bäuerliche Landwirtschaft in Bayern geschützt wird.” Seehofer warf den anderen Bundesländern vor, bislang die von Bayern geforderten Maßnahmen abgelehnt zu haben, weil sie darauf gesetzt hätten, dass “die kleinen bayerischen Bauern kaputt gehen und sie selbst davon profitieren[v]“. Das erinnert doch sehr an die Regierungserklärung des bayerischen Ministerpräsidenten Alfons Goppel vom Dezember 1962: “Jeder, der in Bayern Bauer bleiben will, soll Bauer bleiben können und wenn er nur 20 Tagwerk (6,7 Hektar) hat.” Wäre das so gekommen, gäbe es heute keine Landwirtschaft in Bayern mehr, denn so plagen wie früher will sich keiner mehr und von der damaligen Betriebsgröße kann heute keiner mehr leben. Es stelle sich bitte jeder Milchbauer mal vor, er würde heute noch so viele Kühe wie 1962 haben. Herr Goppel bekam viel Beifall für den Satz. Es wurde sogar das Motto der bayerischen Agrarpolitik, den “bayerischen Weg”, aber ein Anhalten des Fortschritts wäre 1962 so dumm und schädlich für die Landwirtschaft gewesen, wie er es heute ist. Der Satz taugte 1962 wie heute, nur zum Einlullen der Gemüter. Der Stand der Technik wird die Betriebsgrößen weiter bestimmen, nicht Ankündigungen bayerischer Ministerpräsidenten. Heutige Traktoren könnten auf den Stücken von 1962 kaum wenden. Die nächste Station auf dem bayerischen Weg war dann die Milchquote 1984, die gegen wütende Proteste der bayerischen Bauern eingeführt wurde und auch dazu dienen sollte, “Norddeutsche Milchfabriken” zu bremsen. Die “Norddeutschen Milchfabriken” haben sich heute bis Bayern ausgedehnt, ohne dass den bayerischen Bauern diese “Preußisierung”, Stallgrößen über 45 Kühen, schlecht bekommen wäre. Die Kanzlerin sollte auch diese “Koalitionsbedingung” von Herrn Seehofer als Chance nutzen und sich und der CDU für die nächsten Jahre den Populisten vom Hals halten. Für ein “Weiter” mit der SPD könnte es auch ohne die CSU reichen. Die Milch taugt so wenig wie andere Erzeugnisse dazu, ökologische oder gesellschaftspolitische Ideologien umzusetzen.
Futter für den Kuckuck, Verdrängung für die Schwachen
Aber Frau Merkel ist zu schwach, die abweichende Minderheitenmeinung von Bayern, einzig stets begleitet von dem milch-magersüchtigen Hessen, in die demokratischen Schranken zu weisen. Lieber lässt sie viele Bauern gegen die Wand rennen. Seit 7.11.2008 steht das Votum von 14 Bundesländern zur Milchpolitik eisern gegen Bayern und Hessen. Aber Ministerpräsident Seehofer kann in Sachen Milch anscheinend frei schalten, was dazu führt, dass seine Ministerin Aigner regelmäßig in Brüssel und vor der geschlossenen Front von 14 Bundesländern scheitert. Ministerin Aigner vertritt als deutsche Agrarministerin nicht die deutsche Position, sondern penetrant die Milch-Vorgaben der Bayerischen Staatskanzlei. So kommt es zu großen Verwirrungen über den Kurs der Milchpolitik und damit leider zu sehr viel Streit unter den Landwirten und zu diesen völlig sinnlosen Aktionen. Es wäre mehr als eine Stilfrage gewesen, den Landwirte vor der Bundestagswahl zu sagen, was man ihnen nach dem 27.9.2009 klar und deutlich wird sagen müssen: Deutschland will mehrheitlich, wie die EU, die Milchquoten abschaffen und keine Milchpreise mehr lenken! Es stellt sich hier exemplarisch Frage, ob eine Koalition aus CDU und CSU, mit einer garantierten Sperrminorität der CSU als “obersten” Koalitionspartner, Politik machen kann oder die bleierne Kohl-Zeit wiederkommt. Eine Partei, die für Planwirtschaft und Marktwirtschaft, je nach betroffenem Wählermilieu, steht, für Ministerpräsident Seehofer oder Minister zu Guttenberg, steht für Alles und Nichts, für Sparen und Schuldenmachen, für Volksbildungen und Bildungsvorteile für die eigenen Wähler, für Steuersenkungen bei den einen und bei “Abgaben”-Erhöhungen bei den anderen, für sichere Renten trotz erfolgloser Familienpolitik, für blühende Landschaften und Geisterstädte, wie zu Kanzler Kohls Zeiten.
Milchgipfel reloaded?
Normalerweise gibt es Zweitauflagen nur beim Erfolg der Erstversion. Nun soll es wieder mal einen Milchgipfel geben. Die Geschichte des verstolperten deutschen Milchquotenausstiegs seit 2008 offenbart exemplarisch die Handlungsunfähigkeit der Kanzlerin gegenüber Ministerpräsident Seehofer für die Zukunft. Auf dem “Milchgipfel” am 29.7.2008 hatte der damalige Agrar-Minister Seehofer von den Kollegen, wegen der bevorstehenden Bayernwahl, unernste “Prüfaufträge” zu den bayerischen Milchmarktforderungen mit höchster Hilfe erpresst[vi]. Das reichte Bayern natürlich nicht[vii]. Es sollte aber Streit vor der Bayern-Wahl vermieden werden. Eine Täuschung der Öffentlichkeit, denn die “Prüfaufträge” waren eine allerhöchste Farce aus der Kanzlerin-Not mit Bayern. Minister Seehofer hat diese “Prüfaufträge” einen Tag später in einer Presseerklärung dreist als “Ergebnisse” verkauft[viii], zog damit durch die Lande und säte Unfrieden. Bis nach der Bayern-Wahl. Bei der Bundesratssitzung am 7.11.2008 zahlten ihm die 14 düpierten Ministerkollegen aus den Ländern die Frechheit heim, lehnten alle “Prüfergebnisse” des Ex-Kollegen Seehofer glatt ab[ix]. Seither grollen die Bayern, wollen über den Hebel Bundes-Agrarministerium die deutsche Milchpolitik in eine völlig andere Richtung lenken als die 14 Landesregierungen und die Mehrheit der EU. Aber die 14 Landesregierungen stehen zu den Beschlüssen des Bundesrates vom 7.11.2008, Änderungen der grundsätzlichen Milchpolitik kamen und kommen für sie nicht in Frage, das haben sie immer und jeden gesagt, auch der Kanzlerin.
Trotzdem verficht Agrarministerin Aigner seither unbeeindruckt weiter die gescheiterten Vorschläge Bayerns und schloss mit dieser vermeintlich “deutschen” Position Ende August 2009 sogar ein Bündnis mit Frankreich. Dass sie damit wieder in Brüssel und bei den anderen Ländern auf die Nase fällt, zum Teil heftigst aus den CDU-Länderministerien und vom Bauernverband kritisiert wird, ist Teil der Show für die BDM-Milchbauern in Bayern.
Die zentralen Forderungen des BDM
Der bislang letzte Akt dieser Schmiere spielte im Kloster Helfta zur Herbsttagung der deutschen Agrarminister. Die vor dem Kloster demonstrierende Milchbäuerin Meike Lange forderte in ein Mikrofon des MDR ganz klar die Punkte des BDM[x]: “Wir fordern in der Hauptsache ab sofort die vollständige Abschaffung der Saldierung. Die Überlieferer machen uns kaputt. Grundsätzlich wollen wir die Flexible Mengensteuerung.” Die Überlieferer sind die Milchbauern, die ihr Heil aus der Krise in Rationalisierungen und einer Mehrproduktion von Milch sehen, damit aber mehr als ihre Milchquote produzieren, bzw. das Geld nicht haben, den aufgebenden Milcherzeugern ihre Quote teuer abzukaufen. Im letzten Milchwirtschaftsjahr haben 50 Prozent der deutschen Milchbauern überliefert, im Jahr zuvor 61 Prozent. Jeder Milcherzeuger soll nach dem Wunsch des BDM gezwungen werden, bei Betriebserweiterungen den aufgebenden Milcherzeuger ihr “Lieferrecht” teuer abzukaufen. Das “Lieferrecht” könnte bei einem Wunsch-Milchpreis von 40 Cents ca. zwei Euro pro kg Milch wert sein. Damit hätte der erweiterungswillige Betreibe 15 Jahre lang Mehrkosten von 19 Cents für jedes mehr erzeugte kg Milch zu tragen. Das wollen und wollten die “Zukunftsbetriebe” der Milch nicht. Das hat schon den bis heute gewachsenen Betrieben bisher die unvorstellbare Summe von zehn Milliarden Euro seit 1984 gekostet[xi]. Das will auch die deutsche Milchwirtschaft nicht, denn bei Milchpreisen ab 40 Cents bricht der Absatz ein und es startet eine absurde Abwärtsspirale zu immer weniger Absatz bei immer höheren Erzeugerkosten und immer höheren Importmengen. Auch die Milchwirtschaft ist an zeitgemäß konkurrenzfähigen Milcherzeugern in ihrer Nähe interessiert.
Fortschrittsfeindliches Bayern
Bayern findet diese “Strukturbremse” des BDM gut, obwohl seine Bauern den größten Modernisierungs-Rückstand aller deutschen Länder haben. Die Milchproduktion in Bayern ist wegen 60 Jahre CSU-Politik des Strukturwandelbremsens mit 25 Kühen pro Betrieb die uneffektivste in Deutschland. In keinen Bundesland stehen weniger Milchkühen in modernen, arbeitsgünstigen Laufställen. Die bayerischen Milchbauern können sich wegen Sonder-Zahlungen des Freistaates, einer Politik des Förderns der kleinen Nebenerwerbsbetriebe und einer sehr wettbewerbsfähigen Molkereiwirtschaft mit den höchsten Milchauszahlungspreisen, mühsam halten. In Bayern müsste zur Standortsicherung am dringendsten auf heute technisch mögliche Familienbetriebsgrößen bis 100 Kühe erweitert werden. Dazu werden viele Betriebe, wie seit den 4-Kuh-Betrieben von 1950 gewohnt, ausscheiden. 1950 gab es 1,5 Mio. Betriebe mit Milchkühen in Westdeutschland. Heute produzieren 94.000 Betriebe mehr als die 1,5 Mio. von 1950. Der technische Fortschritt machte die Rationalisierung möglich und nötig zugleich, immer begleitet von einer Weltuntergansmelodie der Verbände und der Parteien. Trotzdem haben wir heute in Deutschland noch mehr Milcherzeuger als in den USA und Kanada zusammen. Den Zwang, mit der Technik mitzuhalten, ist auch den vier bis fünf Prozent aller Betriebe bekannt, die jedes Jahr die Milcherzeugung aufgeben. Diese Betriebe möchten sich aber den Ausstieg aus der Milch von den erweiterungswilligen Berufskollegen über weiter hohe Erlöse aus dem Verkauf von Milchquoten gerne vergolden lassen. Dafür haben die aktiven Milcherzeuger seit 1984, wie gesagt, seit 1984 10 Milliarden Euro auf den Tisch gelegt. Andere hängen der Illusion nach, die abgesetzte Milchmenge in Deutschland wäre ein Datum und mit wenigen Prozent Milch weniger würde das vermeintliche Grundnahrungsmittel Milch in beliebige Preishöhen zu lenken sein. Diese Landwirte haben, wie ihre Verbandsoberen, immer noch nicht realisiert, dass mit den Wohlstandsprodukten Joghurt und Käse inzwischen ein Mehrfaches der Erlöse des Grundnahrungsmittels Trinkmilch erzielt wird.
Das Schmierenstück im Kloster
Mühsam wurde auf der Veranstaltung in Helfta der Ärger der Länderminister über die Bundes- und Bayernpolitik mit neuen Forderungen an die EU vor der Presse übertüncht. Die Bundesministerin hat sich wie immer bei der EU in Auftrag Bayerns verkämpft und so die Chancen auf effektive Hilfsmaßnahmen für die Milch geschmälert. Diese Hilfen, wie der Verarbeitungsbeihilfe für Butter u.a. von den Ländern und dem DBV vorgeschlagene Maßnahmen, haben zwar auch ihre Schönheitsfehler, aber sie würden zumindest schnell helfen. Es nützt nun nichts mehr, den großen Konflikt der 14 Länderminister mit der CSU zu übertünchen. Ministerpräsident Seehofer hat als Bundes-Agrarminister die BDM-Problematik verschlafen und bietet sich nun als Retter für von ihn verursachte Probleme an. Mit Hessen und Bayern sind mit Berlin dann drei Agrarministerien auf BDM-Kurs. Die sinnlosen Aktionen der Milchbauern vor dem Klostertor sind mit ein Ergebnis dieser populistischer Agrarpolitik. Die 14 Länderminister konnten den Ärger darüber nur mühsam beherrschen[xii]. Adressat für diesen Ärger wäre bei der Chefsache Milch aber auch die Kanzlerin gewesen, die durch Ihr Schweigen die sinnlosen Aktionen versprengter Milchbauern und das Chaos in der deutschen Milchpolitik zu verantworten hat. Erfahrungsgemäß kann man sagen, dass eine CSU nicht daran denken wird, sich an Mehrheitsbeschlüsse der Länder, egal wie sie regiert werden, zu halten. Sie wird systematisch und ohne jede Rücksicht auf irgendwelche Mehrheitsbeschlüsse ihre populistische Milchpolitik gegen 14 Bundesländer weitertreiben und sich bei dem sinnlosen Kampf gegen die EU-Windmühlen als edler Ritter von der traurigen Illusion im Kampf gegen die böse EU vor den Milchbauern profilieren wollen. Es ist ja nicht zu erwarten, dass Herr zu Guttenberg Agrarminister wird. Eine Lösung ist nicht in Sicht, da nach der Wahl der Posten des/der deutschen Agrarminister/In wieder von der CSU, sprich Herrn Seehofer, besetzt wird. Es geht bei der Wahl letztlich wohl nur um die Besetzung des Außenministeriums durch die FDP oder die SPD. Dem Staatswohl und dem Landfrieden wäre ohne CSU in dem Falle mehr gedient. Die Vorstellung der CSU passen eher zu den GRÜNEN oder zu der LINKEN. Von der FDP kann man in der Frage nicht viel Standhaftigkeit erwarten. Warum soll man den Bauern nicht die Pfründe der FDP-Apotheker, Chefärzte und Besserverdiener zugestehen? So kann der 30-jährige Wohlstandsverlust Deutschlands wegen Reformunfähigkeit gegenüber den Nachbarländern weitergehen. Hauptsache man schwimmt ober und hat alle vier Jahre einen neuen Jackpot in der Lotterie fürs Wahlvolk.
[i] siehe Video 1 auf: http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/6700270.html
[ii] siehe: http://archiv.sueddeutsche.de/V5c38Q/2911812/Milch-wird-zur-Chefsache.html
[iii] siehe: http://www.welt.de/die-welt/wirtschaft/article4603314/Union-und-SPD-haben-die-Milchbauern-im-Stich-gelassen.html
[iv] siehe: http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=view&id=13615&Itemid=521 und http://szon.de/info-wochenzeitung/nachrichten/fn_markdorf_tettnang/200909210217.html
[v] siehe: http://www.idowa.de/laber-zeitung/container/container/con/633640.html
[vi] siehe: http://www.topagrar.com/index.php?option=com_content&task=view&id=5627&Itemid=519
[vii] siehe: http://www.handelsblatt.com/politik/deutschland/bayern-legt-sich-mit-milchbauern-an;2018784
[viii] siehe: http://www.bmelv.de/cln_102/SharedDocs/Pressemitteilungen/2008/121-Molkereisaldierung.html
[ix] siehe: http://www.n24.de/news/newsitem_4110249.html
[x] siehe Video 1 auf: http://www.mdr.de/sachsen-anhalt/6700270.html
[xi]Â siehe Seite 4: http://www.spdfraktion.de/cnt/rs/rs_datei/0,,5372,00.pdf
[xii] siehe Video: http://www.agrarheute.com/?redid=200866&mode=singleVideo&singleVideo=107974
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