Rindfleisch- und Milchmarkt: Ein Vergleich von Äpfel und Birnen?

War die Liberalisierung des Rindfleischmarktes seit 1992 ein Negativ-Beispiel für die bevorstehende Liberalisierung des Milchmarktes 2015? Als ob die schlechten Milchpreise nicht schon genug auf die Stimmung drücken, scheint die Lust auf weitere Negativ-Meldungen ungebrochen zu sein. Negativ-Meldungen entwickeln manchmal ein Eigenleben und verdunkeln vor lauter Schwarzmalerei die Fakten. Der

Fleisch_6kl.jpgWar die Liberalisierung des Rindfleischmarktes seit 1992 ein Negativ-Beispiel für die bevorstehende Liberalisierung des Milchmarktes 2015?

Als ob die schlechten Milchpreise nicht schon genug auf die Stimmung drücken, scheint die Lust auf weitere Negativ-Meldungen ungebrochen zu sein. Negativ-Meldungen entwickeln manchmal ein Eigenleben und verdunkeln vor lauter Schwarzmalerei die Fakten.

Der Vorsitzende des Bundesverband Deutscher Milchviehhalter e.V., Romuald Schaber, ist am 30.7.09 auf die Liberalisierung des Rindfleischmarktes eingegangen und zieht daraus Schlüsse auf den Milchmarkt:

Zitat [i]. “Und wir sehen jetzt schon die ersten Anzeichen, dass wir eine gleiche Entwicklung erleben, wie damals bei der Liberalisierung der Fleischmärkte, nämlich dass Europa Marktanteile verliert, dass wir Produktion verlieren. Wir waren früher Nettoexporteur von Rindfleisch. Sind jetzt durch die Liberalisierung des Fleischmarktes zum Netto-Importeur geworden. Und das gleiche zeichnet sich ja jetzt schon im Milchmarkt ab.” Ende Zitat.

Dieser Vergleich und die Vorhersage fallen etwas dunkel aus.

Marktanteile im Rindfleischexport und Produktion wurden nicht wegen der Liberalisierung der Rindfleischmärkte verloren, sondern wegen den Rationalisierungen bei den Milcherzeugern, die immer mehr Milch mit immer weniger Kühen erzeugen. So sank der “Nachschub” für den Rindfleischmarkt. Die Landwirte steigern die Milchleistung pro Kuh (vgl. Grafik 1), brauchen deshalb weniger Kühe (vgl. Grafik 2), um die relativ starren Quotenmengen voll zu bekommen.

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Weniger Kühe bedingen auch weniger Angebot an Bullenkälbern, insgesamt ein Rückgang der anfallenden Rind- und Kalbfleischmengen (vgl. Grafik 3). Noch stärker war allerdings der Rückgang des Rindfleischkonsums (vgl. Grafik 4), so dass die Selbstversorgung, trotz der geringeren Erzeugung, immer noch sank (vgl. Grafik 5 für Deutschland und Grafik 6 für die EU).

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Die Liberalisierung des Rindfleischmarktes 1992 im Zuge der EU ““ Reformen von 1992 (zusammen mit Getreide, “McSharry-Reform” genannt, nach dem damaligen EU-Agrarkommissar) und 1999 (“Agenda 2000″) spielt in dem Zusammenhang eher eine Nebenrolle.

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Der Rückgang des Rindfleischaufkommens aus der Milchkuhhaltung hätte nur über eine starke Ausdehnung der Fleischrinderhaltung ausgeglichen werden können. Dazu sind aber die Flächen hier zu wertvoll, um diese “Mutterkuhhaltung” zu ermöglichen. Dazu braucht man viel billiges Land, das eher in den Ranchen oder Haciendas Amerikas zu finden ist. Der traditionell hohe Rindfleischbedarf kann in diesen Ländern nicht allein als “Nebenprodukt” der Milchkuhhaltung bedient werden, zumal der Milchkonsum, damit die Milchkuhhaltung, in diesen Ländern bei weitem nicht mitteleuropäisches Ausmaß hat. In diesen Ländern spielt die Fleischrinderhaltung manchmal eine bedeutendere Rolle als die Milchkuhhaltung. In deren Statistik gibt es immer zwei große, getrennte Haltungen von Kühen, die Milch-Farmer und Fleisch-Rancher. Die bei uns etwas umständlich “Mutterkuhhaltung” genannte Betriebsform ist nichts anderes als eine Fleischrinderproduktion, wie man sie eher in dünner besiedelten Regionen findet. Unsere “Mutterkuhhaltungen” sind für das dicht besiedelte Deutschland eine relativ neue Betriebsform, oft von ehemaligen Milchbauern auf “Mini-Ranchen” im Nebenerwerb bewirtschaftet, manchmal eher als EU-subventioniertes Hobby zu Lasten der Flächennutzung von landhungrigen Milchviehbetrieben.

Die Liberalisierung des Rindfleischmarktes brachte im ersten Reformschritt 1992 eine Senkung des Interventionspreises für Rindfleisch in 3 Schritten (1994/95/96) um insgesamt 20 Prozent. Diese Absenkung drückte auf die Marktpreise für Rindfleisch, wurde durch neue Prämien (Bullenprämie) nur teilweise abgefedert. Das war schmerzlich für die Erzeuger. Im zweiten Reformschritt wurden der Interventionspreis 2001 bis 2003 nochmals in drei Schritten um insgesamt 35 Prozent abgesenkt. Das hat nicht auf die Marktpreise, die 2001 wegen der BSE-Krise abstürzten, durchgeschlagen. Die Fleischpreise sind seit 2005 erfreulich (vgl. Grafik 7), weit weg von dem Notnetz der Intervention als unterstes Sicherheitsnetz.

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Die Intervention, bleibt, wie bei der Milch auch, als Sicherheitsnetz gegen Preisstürze erhalten, nicht wie früher, als Maßstab für die Märkte. Die Rindfleischintervention mußte letztmals zur BSE-Krise 2001 einsetzen.

Das Fleisch ist für die meisten Milchviehbetriebe die zweite Einkommensgröße.

Insbesondere unser Bullenfleisch oder Mastochsenfleisch (Mast in der Marsch) kann eine für importiertes Gefrierfleisch unerreichbare Qualität erreichen. Der Mythos vom argentinischen Steak zerfällt, wenn man das richtige heimische Fleisch auf dem Teller hat. Die höheren Einkommen in Süddeutschland sind günstig für den Absatz qualitativ hochwertig erzeugten und behandelten Rindfleisches. Eine Marktpflege durch das Fleischerhandwerk ist kontinuierlich nötig. Die guten Stücke mit den hohen Preisen müssen stets vom den geeignetsten Rindern kommen, um die Nachfrage bei der kaufkräftigen Bevölkerungsschicht zu steigern, z.B. bei der Kundschaft in den (nicht billigen) Steakhäusern. Es gibt einen Markt für Steak- und Filet-Kunden und einen für Hackfleisch-Kunden. In Supermärkten ist das schwer zu trennen. Wenn unser Rindfleischkonsum wieder steigen soll, muß beides bedient werden, so dass die “Besserverdienenden” mit Exklusivität und die Durchschnittsverdiener mit guter Ware zum günstigen Preis bedient werden.

Die Fleischer und Molkereien verdienen mit dem bestmöglichen Verkauf auch Ihr Geld als Milchbauern mit. Loben, werben und engagieren Sie sich für ihre Ware. Nur Mehrerlöse, die an der Ladenkasse durchschlagen, können auch bei den Erzeugern landen. Mehrerlöse können langfristig nicht in einer zerstrittenen Erzeugungskette erreicht werden. Vom Erzeuger bis zum Händler muss versucht werden, die Produkte, ob Milch oder Fleisch, als Top-Produkte den Kunden zu präsentieren. Ein Mehrwert wird erzielt, wenn man, zielgenau nach den Wünschen und Möglichkeiten der Kunden, Top-Produkte einer Top-Erzeugungskette offerieren kann.

Die Liberalisierung des Rindfleischmarktes in zwei Reformschritten 1992 und 1999 war notwendig und erfolgreich. Das ist kein Negativ-Beispiel für die bevorstehende Liberalisierung des Milchmarktes. Die Fleischerzeuger verdienen ihr Geld heute am Markt. Die Milchpreiskrise ist bedrückend genug, da muss man nicht noch zusätzlich Tatarenmeldungen verbreiten.

Bei Milch würden der EU Export-Marktanteile sicher verloren gehen, wenn sich die EU mit der Milch abschotten würde, denn ca. 8,9 Prozent der EU-Milcherzeugung landet auf dem Markt außerhalb der EU. Von Außerhalb der EU in die EU kommt nur eine Menge, die 2,2% unserer EU-Erzeugung entspricht (siehe nächstes Bild).

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