Zuwenig Kontrolle, zu lasche Aufsicht, Steueroasen, Hedge Funds, Banker, die die von ihnen vertriebenen Produkte nicht verstehen und Manager, die zu hoch bezahlt werden und deshalb nach immer mehr Risiko gieren – so etwa beschreibt die deutsche Politik von Merkel über Steinbrück bis Müntefering die Gemegelage, die zur “größten Krise seit den 20er Jahren” (Merkel) führte. Bundesbank und Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht müssten endlich mehr Rechte für eine härtere Überwachung der Geldinstitute bekommen, lautet die einzig richtige Konsequenz darauf, da sind sich Merkel und Steinbrück sogar mit Lafontaine von der Linkspartei einig.
Seltsam nur, dass genau diese deutsche Bundesbank ganz vorn mitmischte beim großen Zock mit windigen Verbriefungen. Das steht nur auf Seite 14 der gedruckten FAZ und im eher obskuren Hamburger Abendblatt. Dabei hat es die auf Gläubigerrechtsverwertung spezialisierte US-Firma Epiq Systems, die die Milliarden für die Bundesbank eintreiben soll, es selbst öffentlich gemacht: Die deutsche Bundesbank hat der später mit viel Klamauk und Fernsehdiskussionsgebrüll als “marode” enttarnten deutschen Tochter von Lehman Bros. nicht nur 10,4 Milliarden Dollar geliehen. Sondern als Sicherheit für diesen Kredit auch noch Verbriefungen der Art akzeptiert, die seit knapp einem Jahr als finanztechnische Massenvernichtungswaffe gelten, die nur von den dümmsten und gierigsten Vorortsparkassenbeamten an alte Bäuerlein und dröge Hausfrauen verscherbelt wurden.
Die “Sicherheiten”, die die honorigen Bundesbanker für welche hielten, sind nun nicht annähernd genug wert, als dass ihr Verkauf den Ausfall der Rückzahlung durch Lehman ausgleichn könnte. Die Staatsbank, die Aufsicht führen soll, reiht sich damit ein in die Liste der “unverantwortlichen Zockerbanken” (Steinbrück), die Milliarden mit der Anlage in virtuelle Sicherheiten versenkten. Immerhin wird da also jemand ganz hart Pausenaufsicht machen, der früher mal zur Schule gegangen ist.
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Bei der Aushöhlung der einst mal etwas besser funktionierenden Aufsicht und
Kontrolle der Zentralbanken spielten die Medien eine ziemlich meinungsbildende
Rolle. Die Meinungsmacher in diesem Bereich haben sich da auf ihre Weise immer
wieder ausgetobt. Es waren die Wirtschaftsjournalisten, die im Vorjahr, als sich
die Probleme der Banken zu zeigen begannen, den Zentralbanken Versagen
vorwarfen. Nicht weil diese in der Aufsicht versagt hatten sondern man stellte
die als Versager hin. Und hat da ganz entscheidend, im “richtigen” Moment,
als unfähige Schwachköpfe verhöhnt.
Natürlich waren die Zentralbanken nicht fehlerfrei, da kann man allerhand
kritisieren, verfolgen teilweise ein problematische Politik. Aber im entscheidenden
Augenblick hatten die die Meinungsmacher mit ihrer Häme gegen sich.
Jetzt darf sich keiner mehr so hervorwagen, das ist klar. Aber als das mal
wichtig war, haben die von den Medien den Bankern, usw., den Zeitvorsprung
geschaffen. Zeit zu gewinnen war wichtig, das wurde auch geschafft. So entstand dann jene Situation der vollendeten Tatsachen – für die der Steuerzahler
dann so grossartig zur Rettung herangezogen wurde.
Ein paar Stunden in einem Zeitungsarchiv, bzw. in Bibliotheken, in denen
die Zeitungen auf Mikrofilm einzusehen sind, sind da mittlerweile Sache für
Thriller- Autoren. Da findet sich jetzt alles für wirklich spannende Finanzkrimis.
Wie Meinungsmacher in ihrer Urform aussehen und agieren kann man u.a.
dem Video mit Peter Schiff entnehmen, deren message ja eigentlich weltweit
nachgeplappert und nachgeahmt wurde:
http://www.youtube.com/watch?v=2I0QN-FYkpw