Offener Machtkampf in der SPD

- Bild aus glücklichen Tagen. Muss nach Müntefering auch Steinmeier abdanken? Bild via flickr
Mit der für heute beabsichtigten Wahl von Frank-Walter Seinmeier zum zukünftigen Fraktionschef der Bundestagsfraktion der SPD ist ein offener Machtkampf innerhalb der Partei ausgebrochen. Nachdem bereits Franz Müntefering seinen Rückzug als Parteivorsitzender auf einer gestrigen Pressekonferenz im Willy-Brandt-Haus angedeutet hatte, geht die Auseinandersetzung, wer zukünftig die Führung in der Partei übernehmen soll, in eine neue Runde. Gestern erklärte auch Rudolf Dreßler die Nominierung von Frank-Walter Steinmeier zum zukünftigen Fraktionsvorsitzen der SPD für einen schweren politischen Fehler. Damit würden bereits Fakten geschaffen, die eine Neuorientierung der SPD nach der katastrophalen Wahlniederlage erschweren würde.
Damit wiederholt sich die parteiinterne Auseinandersetzung, die schon im Jahr 1999 begonnen hatte, nachdem Gerhard Schröder das Ruder in der Partei mit seinen Getreuen übernommen hatte. Frank-Walter Steinmeier wird angelastet, dass er zu den Architekten der Agenda 2010 zählt, die zu der nachhaltigen Entfremdung zwischen der Partei, ihrer Wählerbasis und der Politik der SPD-Führung beigetragen habe. Die Berliner SPD hat den SPD-Vorstand öffentlich aufgefordert, geschlossen zurückzutreten. Damit soll wohl verhindert werden, dass sich die Schröder-Fraktion innerhalb der Partei durch entsprechende Rücktritte und Neuberufungen wieder als Führungsspitze der Gesamtpartei etabliert.
Droht der SPD die Spaltung?
Während die Spitzenleute innerhalb der SPD ein Business-as-usual durchzusetzen versuchen, das heißt durch ein personelles Revirement zwar Leute wie Franz Müntefering als gescheiterten Parteiführer austauschen, aber an deren Stelle entsprechende Vertreter der Schröder-Fraktion platzieren, will die SPD-Linke offensichtlich eine solche Verarbeitung des Wahldebakels nicht hinnehmen.
Dies könnte zu einer Zuspitzung führen. In der Vergangenheit fehlte es an Alternativen für linke SPD-Mitglieder, die sich nicht vollständig aus der Parteipolitik zurückziehen wollen. Mit dem Erfolg der Linken unter Oskar Lafontaine existiert jetzt jedoch die Möglichkeit, dass große Teile des linken SPD-Flügels sich von der eigenen Partei abwenden, wenn ihnen ein Richtungswechsel von der Partei-Rechten verweigert wird. Sollte es soweit kommen, würde die SPD in ihrer bisherigen Form in der politischen Bedeutungslosigkeit versinken. Die SPD-Rechte würde wohl in der einen oder anderen Form von den anderen bürgerlichen Parteien absorbiert. Wolfgang Clement ist hierfür ein exemplarisches Beispiel. Er rief sogar vor der Bundestagswahl zur Wahl der FDP auf.
Eine Spaltung der SPD dürfte so die Parteienlandschaft nachhaltig umkrempeln. Es würden nur letztendlich die Konsequenzen aus einer unhaltbaren Ehe gezogen. Während die Macher der Partei immer wieder die Parteibasis unter ein System des Machterhalts unter Aufgabe ihrer eigenen politischen Interessen gezwungen haben, mit dem jetzt vorliegenden Ergebnis, dass innerhalb der letzten elf Jahre die Hälfte ihrer Wähler sich von der Partei abgewendet haben, scheint diese gescheiterte Partnerschaft vor einem dramatischen Ende zu stehen. Man sollte auch nicht auf Dauer etwas zusammenführen wollen, was inhaltlich nicht zusammen gehört. Die Frage bleibt jedoch bestehen, wer verdrängt wen aus der Partei?
Bild: nrwspd_foto via flickr (cc Lizenz)











Bernd Stichler
Das Schiff sinkt und man streitet noch darüber, wer während des Unterganges am Ruder stehen soll. Wirklich lächerlich.
Otto-Werner Hinrichs
Noch bleibt die Hoffnung, dass sich die linke Hälfte der SPD incl. der Jungspunde endlich aufraffen und “Kante” zeigen.
Es bleibt zu hoffen, dass die “halbwegs” einer kommenden Führungsriege zuzuordnenden Herren Gabriel, und Wowereit endlich Flagge zeigen.
Mir persönlich bleibt die Hoffnung, dass Angela Nahles in das fünfte Glied verdammt wird. Ich kann weder Ihre Feixtänze noch Ihre oppurtonistischen Jubelarien vergessen, als Lafontaine Scharping über die Reling hievte. Aber ich kann auch nicht vergessen, mit welchem abgrundtiefen Hass diese Dame in der einen oder anderen Talkshow über Lafontaine hergefallen ist.
So oder so, …. der Weg der SPD wird ein schwerer Weg!
Georg Erber
Das Personalkarussel dreht sich
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:krisenbewaeltigung-gabriel-und-nahles-sollen-spd-spitzenduo-bilden/50016456.html
offen bleiben jedoch auch die inhaltlichen Fragen
Was hällt die neue Parteiführung von Hartz IV, Rente mit 67, etc.?
Otto-Werner Hinrichs
Habe gerade auf Phoenix eine Stellungnahme der stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden Elke Ferner zur Wahl von Steinmeier zum Fraktionsvorsitzenden gehört.
Frau Ferner verteidigt immer noch vehement sowohl Hartz IV als auch die Rente mit 67 Ihrer Meinung nach ist das alles richtig so, da bedarf es keinerlei Änderungen und schlussendlich habe die ganze Partei hinter diesen Beschlüssen gestanden und schon deshalb könne man dies jetzt nicht einer Person (gemeint ist Frank Walter Steinmeier) in die Schuhe schieben.
Man muss davon ausgehen, den Damen und Herren in der SPD, die die vorderen Plätze erobert haben und deren Einkommen zumindesten für die nächsten vier Jahre gesichert ist, das künftige Schicksal Ihrer Partei ca. 10 mtr. am Auspuffrohr vorbei geht.
Georg Erber
Steinmeier verzichtet auf Parteivorsitz. siehe Eilmeldung im Spiegel Online
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652109,00.html
Georg Erber
Die Köpfe rollen. Steinbrück und Heil geben ebenfalls auf.
http://www.spiegel.de/politik/deutschland/0,1518,652077,00.html
Georg Erber
Ein Generationen und Richtungswechsel deutet sich an.
Nahles und Gabriel sollen die Parteiführung übernehmen.
http://www.ftd.de/politik/deutschland/:nach-dem-wahldebakel-steinmeier-verzichtet-auf-spd-vorsitz/50016456.html
Peter Glanzruß
Es scheint genauso zu laufen wie viele sich das wünschen. Dafür garantiert schon die neue Parteispitze. Möge sie auf ihrem neuen Wege recht schnell vorankommen.