Favre das Bauernopfer in Berlin?

Die Entlassung von Lucien Favre bei Hertha BSC wirkt auf den ersten Blick konsequent. Angesichts des katastrophalen Saisonstarts der Berliner, bei dem das desaströse 1:5 bei der TSG Hoffenheim den vorläufigen Höhepunkt bildete, erscheint sie unausweichlich. Die “Alte Dame” als Aufbaugegner für den Rekonvaleszenten Vedad Ibisevic, das hatten sich die

Die Entlassung von Lucien Favre bei Hertha BSC wirkt auf den ersten Blick konsequent. Angesichts des katastrophalen Saisonstarts der Berliner, bei dem das desaströse 1:5 bei der TSG Hoffenheim den vorläufigen Höhepunkt bildete, erscheint sie unausweichlich. Die “Alte Dame” als Aufbaugegner für den Rekonvaleszenten Vedad Ibisevic, das hatten sich die Verantwortlichen um Neu-Manager Michael Preetz und Präsident Werner Gegenbauer selbstverständlich anders vorgestellt. Aussagen von Ex-Co-Trainer Gämperle über angebliche tiefe Zerwürfnisse zwischen Trainerteam und Mannschaft können aber nur einen Teil des Erklärungsansatzes sein.

Das Projekt Favre begann ambitioniert, der Trainer durfte für Hertha-Verhältnisse stattlich einkaufen.

Die Wunschspieler Raffael, Lustenberger und Von Bergen aus der Schweizer Super League setzten sich sofort durch, dazu kam der überragende Gojko Kacar, der sich auf seiner Position als ähnlicher Coup wie Edin Dzeko beim VfL Wolfsburg entpuppen konnte: Günstig eingekauft, Marktwert nahezu verzehnfacht. Diese von Favre geholten Spieler waren beim Schweizer gesetzt, Pantelic, dessen Qualität nun abgeht, wurde dagegen abgesägt. Der Großteil der Mannschaft spielte in der letzten Saison weit über dem Limit und tut sich dementsprechend nun schwer, was nicht die Schuld des Trainers ist.

Auch für Herthas offenkundige finanzielle Schieflage kann Lucien Favre nichts. Dass die Abgänge von Voronin, Pantelic, Chahed und Simunic nicht adäquat ersetzt werden konnten, ist dem Trainer also höchstens in minder schwerer Schuld anzulasten. Selbst ein findiger Talentförderer wie Favre kann einfach nicht jedes Jahr einen neuen Kacar entdecken. Die verpasste Champions-League-Qualifikation, für die Bundesliga sicher nicht besonders tragisch, wog aber offenbar schwerer als gedacht. Die Auflösungserscheinungen, die das Team nun zeigt, können zu einem Gutteil darauf zurückgeführt werden. Und wenn Arne Friedrich sich vor die Fernsehkameras stellt und sich für die Mannschaftsleistung entschuldigt wirkt der Kapitän bemitleidenswert. Gleichzeitig lässt mich jedoch der Eindruck nicht los, dass auch seine unterirdischen Leistungen doch stark gegen den Trainer zielten.

Was bleibt ist die Erkenntnis, dass Hertha BSC auch ohne Dieter Hoeneß das Image des Chaos-Klubs nicht loswerden kann. Ob Kandidaten wie der unerfahrene Eyjólfur Sverrisson, Ex-Bundesberti Vogts oder der traditionell von BILD unterstützte Lothar Matthäus dies zu ändern vermögen, bleibt ungewiss. Denn mit einem Kader, dem die grundlegenden Stützen genommen wurden, ist es für jeden Trainer schwer, eine Saison wie letztes Jahr zu wiederholen.

Max Zierer arbeitet in einer Münchner Sportreaktion und bloggt für betfair.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Sehr geehrte Damen und Herren,

    ich möchte Ihre Aufmerksamkeit gerne auf die aktuelle Gesamtsituation bei Hertha BSC und vor allem deren Ursachen lenken und hoffe, dass Sie sich auch dieser Problematik einmal annehmen können:

    Ist es nicht genau jetzt an der Zeit, endlich einmal klar öffentlich zu benennen, welche Ursachen hinter all dem stecken und was insbesondere die Ära Hoeneß für aktuelle (Schulden, sportliche Situation, totales Chaos im Verein, die Leistung verweigernde – mimosenhafte – Diven-Spieler etc.) und auch zukünftige Schäden und Beeinträchtigungen (Knebelverträge und Sponsorenverträge aus denen die Einnahmen schon ausgegeben sind etc.) für Hertha BSC hinterlassen hat?

    Ist es nicht an der Zeit schonungslos aufzudecken, welche finanziellen Folgen all dies hat und welches Fiasko damit am Beispiel Favre verursacht wurde? Herr Favre wird doch kaum wirklich seine Wunschspieler bekommen haben sondern sollte unbedingt junge Spieler im Wert steigern, um Hertha BSC Transfererlöse zu ermöglichen ohne die es den verein eventuell bald gar nicht mehr gibt, und zwar nicht nur nicht mehr in der 1. Bundesliga. Ist es nicht an der Zeit, dass man das Präsidium von Hertha BSC zu absoluter Ehrlichkeit drängt um auch die “kreative Buchhaltung” des Vereins samt seiner verschachtelten Schuldenstrukturen offen zu legen, die Hertha BSC so oder so am Ende der eigentlichen Hoeneß-Amtszeit 2010 in den Abgrund gerissen hätten? Was wissen die Mitglieder über diese Situation und warum hat man nicht die Handelnden gestoppt bzw. das Präsidium angehalten diese zu stoppen?

    Warum hat man seitens Hertha BSC überhaupt Hoeneß vor diesen seinen Taten mit einem Goldenen Handschlag flüchten lassen statt diesen mit der Erfüllung seines Vertrages unter nach-und-nach Übergabe seiner Amtsgeschäfte klar zuordbar mit der Verantwortung für das jetztige Fiasko zu benennen? Sind nicht all dies Fragen, die ein Club der den Anspruch hat für die Hauptstadt zu stehen und die Menschen aus Berlin und dem Umland hinter sich vereinen will auch beantworten muss – ehrlich und ohne Lügen und Täuschungen? Wo sollte diese Aufklärung in der Breite stattfinden, wenn nicht über die Presse bzw. Medien und die Mitgliederversammlung?

    Muss nicht das auch im Interesse der Medien sein, bevor der Verein Hertha BSC, über den eben diese so viel zu berichten haben, sich im Chaos ganz auflöst und nur eine große Leere hinterlässt in der so schnell nichts neues entstehen kann? Und zu guter letzt: Ist nicht absolute Ehrlichkeit nach außen die vielleicht große Chance, dass sein ein Unternehmen aus dem arabischen Raum, Russlands oder von sonstwo findet, dass den Verein in höchste Not not rettet? Nur so haben doch auch Clubs wie Schalke 04 bisher überhaupt überleben können, von England, Spanien etc. mal ganz abgesehen?

    Ich hoffe mit meinen Darlegungen eine Reaktion für eine Zukunft von Hertha BSC erzeugen zu können – ohne weiter Lügen und Täuschung der Fans etc. Hinsichtlich der Verpflichtung von Spielern muss man ergänzend klipp und klar auf die dafür Verantwortlichen verweisen. Diese hiessen und heissen:

    - Dieter Hoeneß
    - Werner Gegenbauer
    - Michael Preetz.

    Das ist aber nicht das ganze Problem, bzw. eben schlicht und ergreifend nur ein kleinerer Teil des Problems. Ich kann mich des Eindrucks nicht erwehren, dass ein Herr Favre eben die Spieler die er wollte nicht bekam und auf die dritt- bis viertbeste Alternative zurückgreifen durfte. Das mag für Liga 2 reichen, sicher nicht für ein Top-Team in der 1. Bundesliga. Das wiederum liegt an der jahrelang aufgebauten Verschuldung von Hertha BSC sowie den in der Folge abgeschlossenen Knebelverträgen, die dem Verein Hertha BSC absehbar keine Einnahmen außer über die Zuschauerzahlen ermöglichen. Dummerweise ist das als Abschlussprämien für die Knebelverträge erhaltene Geld auch schon lange wieder ausgegeben.

    Hertha BSC steht deshalb jetzt ohne Option auf wirkliche neue Einnahmequellen dar (Zuschauer werden kaum strömen in den kommenden Jahren, Sponsorenplätze sind belegt bzw. kassiert von jeder Sponsorensumme immer Sport Five mit und Einnahmen über sportlichen Erfolg sind mangels Basis erst recht nicht mehr zu erwarten etc.) und selbst die Einnahmen aus noch jahrelang laufenden Sponsorenverträgen sind schon lange ausgegeben.

    Die einzige Chance für Hertha BSC um überhaupt zu überleben dürfte daher der sportliche Erfolg gewesen sein und eben darüber erzielbare Prämien aus Champions League, Platzierungsprämien von Sponsoren und DFL, Pokalprämien etc. Demnach müßte eigentlich unbedingt eine Spitzenmannschaft geformt werden, die eben diese zusätzlichen Einnahmen auch erspielen kann. Nur kann Hertha BSC diese Einnahmen nicht mehr stemmen und den Hoffnungsträger Favre, der ein solches Team mit wenig Geld zusammenstell sollte hat man jetzt abgeschossen, nachdem man diesem schon vorher nicht die Spieler gab, die er eigentlich wollte (z.B. Pedro Geromel/Köln und Lewis Holtby/Schalke).

    Man ist also im wahrsten Sinne des Wortes jetzt endgültig handlungsunfähig bei Hertha BSC – und das vor allem finanziell. Wer trug und trägt dafür die Verantwortung?

    - Dieter Hoeneß
    - Ingo Schiller
    - Werner Gegenbauer – samt dem restlichen Präsidium.

    Wer trägt noch die Verantwortung dafür?

    - Die Mitglieder von Hertha BSC, die über die Mitgliederversammlung hätten diese Entwicklungen aufhalten müssen.
    - Die Berliner Medienlandschaft, die informiert war über die Entwicklungen des Clubs und nicht ausreichend auf die Gefährdungen eingegangen ist.

    Was muss jetzt endlich passieren bzw. ist unbedingt erforderlich, um den kaum noch vorhandenen Glauben an eine Zukunft des Clubs Hertha BSC zurück zu bringen auch und vor allem über die Druckausübung auf die Knebelvertragspartner, die finanzierenden Banken, die Schuldverschreibungsinhaber von Hertha BSC, die Genussscheininhaber von Hertha BSC etc.?

    Die Öffentlichkeit muss endlich breit und ehrlich über die tatsächliche finanzielle Situation von Hertha BSC jetzt und für die Vertragszeiträume der Knebelverträge, Finanzierungen etc. informiert werden. Ohne auch nur eine Beschönigung! Nur so wird der Druck aufbaubar sein, den man braucht, um Hertha BSC vertraglich etc. neu aufzustellen und vielleicht auch einen Retter aus dem Orient oder sonst woher zu finden. Die Karten von Hertha BSC müssen jetzt vollkommen aufgedeckt werden, ansonsten wird der Verein nicht nur in die 2. Liga, sondern ins Bodenlose stürzen.

    Es geht um Hertha BSC.
    Es geht um die 1. Bundesliga.
    Es geht vielleicht um die letzte Chance.

    Hertha steht direkt am Abgrund … finanziell, wie eben auch sportlich.

    Es ist schlicht und ergreifend nicht wirklich schwer, sich eine Übersicht über die Situation des Vereins zu schaffen, allein wenn man sich mit den öffentlich verfügbaren Daten beschäftigt. Finanziell sind damit sind sowohl die diversen Hertha BSC-Gesellschaften gemeint (die einen schwer an ein System der Verschachtelung erinnern und nicht gerade vor Transparenz strotzen), aber auch die in dem Medien – leider vollkommen unzureichend analysierten – aktuelleren Daten von Hertha BSC.

    Dies betrifft sowohl die Versuche die Öffentlichkeit und die Mitglieder über wahre Entwicklungen nicht voll und eindeutig in Kenntnis zu setzen (man verfolge wie versucht wird, die wahren Verbindlichkeiten und zukünftigen Verpflichtungen seitens des Vereins nur ja nicht konkret zu benennen), wie auch den Verkauf der Zukunft des Clubs über Knebelverträge, deren zum Vertragsabschluss erhaltene Prämien sofort wieder ausgegeben worden sind. Selbst das sind und bleiben nur Beispiele und decken bei weitem nicht den tatsächlichen Zustand ab.

    Ich erlaube mir hier mal exemplarisch einfach auf die folgenden Links zu verweisen:

    - http://www.ebundesanzeiger.de (dort “Hertha BSC” als Suchwort eingeben.
    - Hertha und die finanzielle Zukunft vom 14. Juni 2009 http://www.morgenpost.de/printarchiv…html?print=yes
    - Hertha und Genussscheine vom 22. Mai 2009 http://www.morgenpost.de/printarchiv…nt_Zinsen.html
    - Hertha und Spielerberater-Honorare vom 29. Mai 2009 http://www.morgenpost.de/printarchiv…Millionen.html

    Eben deshalb besteht die dringende Bitte, endlich die wirklichen aktuellen Hertha BSC-Verbindlichkeiten samt aller zukünftigen Fälligkeiten (nicht nur die des kommenden Jahres) sowie die Knebelung der Einnahmenseite bis zum Ablauf des letzten dieser die Einnahmen kappenden Knebelverträge offen zu legen.

    Ich finde es gut und wichtig, dass zunehmend zumindest zum Teil die existenzbedrohliche Situation von Hertha BSC angesprochen wird. Nur das allein reicht nicht. Hier sind die Mitglieder von Hertha BSC samt den Medien gefragt.

    Einzelne scheinen dies zu begreifen, wie man diesem Kommentar entnehmen kann:

    Zitat: von FrustriertesHerthaMitglied | 29.9.2009 18:53 Uhr

    Wer hat Schuld? Wir! Die Mitglieder von Hertha BSC.

    Ein gutes Dutzend von uns wuβte bereits in 2006, daβ unsere Hertha spätestens in 2010 oder 2011 vor einem Ruin stehen würde. Wir haben damals die Information, die wir von dritten erhalten haben, nicht für vollgenommen. Oder wir wollten es nicht glauben. Jedenfalls hatte die Angst, sich auf der Mitgliederversammlung zu blamieren, gewonnen.

    Seit fast zwei Jahren trage ich das Gefuehl der Mitschuld mit mir rum. Als eingefleischter Herthafan und Urberliner könnte ich jeden Tag kotzen, wenn ich daran denke, daβ ich unter Umständen die Schuld mittrage, wenn wir bald vor dem Aus stehen.

    Man kann die Schuld auf die Mannschaft schieben. Oder auch auf den Trainer. Tatsache aber ist, daβ man nur Spieler kaufen kann, die man sich leisten kann. Und der Trainer kann noch so viele Wünsche haben, wenn das Geld fehlt, bleiben die Wünsche ein Traum.

    Die heutige Hertha ist das Produkt einer zerfahrenen Finanzpolitik, für die unser “Held” Hoeneβ verantwortlich ist. Dazu gehören Schiller, Gegenbauer, Preetz und Co. Alles Komplizen.

    Die Entlassung kommt Favre zugute. Er kann sein Leben weiterführen und eine Trainerposition annehmen, wo man ihn nicht belügt und die wahre finanzielle Situation verschweigt. Er ist im Endeffekt auch ein Opfer.

    Ich glaube es ist an der Zeit fuer Herrn Gegenbauer entweder zurückzutreten oder einen Urlaub in der Karibik machen.

    Zitat von hier: http://www.tagesspiegel.de/sport/Her…t15527,2911508

    Dazu ist ergänzend das folgende Zitat passen:

    Zitat: von 08-15 | 30.9.2009 10:52 Uhr Finanzen bei Hertha BSC

    Zitat Hermanns: “Herthas neue Führung um Präsident Werner Gegenbauer hat dem Verein einen strikten Kurs der finanziellen Konsolidierung verordnet ““ eine Alternative zu diesem Weg gibt es nicht.”

    Dass es anscheinend keine Alternative gibt, wird ja hier und dort mittlerweile und ganz offen von vielen bezweifelt…

    Ich fänd’s ehrlich gesagt auch gut, wenn’s mal eine vglw. unabhängige Berichterstattung über die vermeintlich tatsächliche Finanzlage bei Hertha BSC geben würde (soweit es das offizielle Zahlenwerk vom Verein hergibt). Wurde ja auch schon mehrfach hier im Forum angeregt. Mich nervt’s langsam, dass wir hier alle irgendwie im Nebel stochern.

    Die einen sagen “klamme Kasse, weiter konsolidieren”, die anderen fordern “kaputt sparen ist Schwachsinn, weiter investieren”. Und keiner kann sich eigentlich ein ernsthaftes Urteil erlauben.

    Also, lieber Tagesspiegel, vielleicht wäre das doch mal eine Aufgabe, der man sich im Sinne der eigenen Reputation und dem Wunsch einer Teilzielgruppe in der Leserschaft folgend annehmen möchte?!

    Zitat von hier: http://www.tagesspiegel.de/sport/Her…t15527,2912134