“Gefühle sind alles andere als pastell”

Junge Damen sollten sich ausprobieren. Bestenfalls kommt dann Kunst heraus. Auch bei Marie aka Zombie Orchidee ist die Richtung eingeschlagen – und bevor sich die Kulturgazetten auf die charmante Malerin und Fotografin stürzen, macht dies in heimeliger Atmosphäre Volly Tanner – schließlich steht ihre erste Ausstellung an: Volly Tanner: Hallo

orchid.jpgJunge Damen sollten sich ausprobieren. Bestenfalls kommt dann Kunst heraus. Auch bei Marie aka Zombie Orchidee ist die Richtung eingeschlagen – und bevor sich die Kulturgazetten auf die charmante Malerin und Fotografin stürzen, macht dies in heimeliger Atmosphäre Volly Tanner – schließlich steht ihre erste Ausstellung an:

Volly Tanner: Hallo Marie – im Netz firmierst Du unter dem Namen Zombie Orchidee – was ist das denn? Eine von den Toten auferstandene Blütenpracht?
Marie: Ja genau, eine zombifizierte Blume, die nach der Weltherrschaft trachtet. Nein Spaß! Der Name ist wie alle meine Bilder entstanden: Es war eine Schnapsidee, Intuition, ein Traumerscheinung. Der Zombie kommt aus einer Gedichtskritzelei von mir, welche mal auf den Weg in die Berufsschule entstanden ist. Die Orchidee ist meine Lieblingsblume. Zombie und Orchidee sind an sich schon sehr schöne Worte und deswegen habe ich sie einfach zusammen gebastelt um eines zu bewirken: Die Leute sollen sich fragen, was ich damit meine, genau dasselbe verlange ich von ihnen, wenn sie sich meine Bilder und Fotos anschauen. Ich beabsichtige nicht irgendwas mit meinen Namen oder Bilder aussagen zu wollen, dass überlasse ich den anderen, darin etwas hinein zu interpretieren, was wiederum von Mensch zu Mensch unterschiedlich ist und genau das ist das Interessante an der ganzen Sache.

Volly Tanner: Deine Malerei ist sehr kraftvoll und farbig – was sind denn Deine Themen?
Marie: Konkrete Themen habe ich nicht, auch wenn ich vor allem die gemalten Bilder der letzten drei Jahre unter der Rubrik “Des Menschen’s Wahnsinn” verwalte. Wie schon erwähnt sind die meisten Bilder Ergebnisse von Träumen, Eingebungen, aber auch Produkt meiner aktuellen Gefühlswelt, Erfahrung oder schlichtweg das was herauskommt, wenn ich Musik höre, die mich berührt. “Des Menschen’s Wahnsinn” ist die Idee, die alles dann zusammenfasst und beschreibt grob die Gefühle und eben den Wahnsinn der Menschheit. Es bedeutet Bewegung und Kontrast. Und ich liebe Kontrast, ob nun mit Farben auf Bildern, in der Bearbeitung von Fotos oder schlichtweg in der Ausdrucksweise von Kleidung. Und genau darum sind meine Bilder kraftvoll und farbig, weil auch gerade Gefühle alles andere als pastellfarbend sind.

Volly Tanner: Fotografisch ist’s jedoch eher sensibel und neblig. Welches ist Dein lieberes Fach? Und warum?
Marie: Ich finde nun nicht, dass meine Fotografie sensibel und nebelig ist, aber das sei dem Betrachter überlassen. Aber stimmt, es gibt auch zarte Bilder. Das muss auch mal sein. Ich bevorzuge eigentlich keines von beiden Genren. Es sind Beides tolle Ausdrucksarten. Manche Dinge lassen sich nicht malen, dafür habe ich die Kamera, und genauso umgekehrt. Aber die Fotografie ist hierbei noch nicht lange mein Fach.

“Ich halte nicht sehr viel davon, Kunst zu theoretisieren”

Volly Tanner: Am 12. Oktober gibt es nun Deine erste Ausstellung im HelHEIM – was unterscheidet Deine Vernissage denn von hergebrachten Konsumentenaufläufen alá HGB-Performance?
Marie: Der Unterschied? Es werden MEINE Sachen ausgestellt. Aber auch die Location, das Helheim, macht den Unterschied zu einer allseits beliebten Massenveranstaltung. Das ist genau nach meiner Vorstellung. Ich schau mir gerne auch andere Kunstausstellungen an. Mich interessiert es aber nicht wirklich, unter welchem Banner die Veranstaltung steht. Mir geht es um die Bilder und ob sie mir gefallen oder nicht. Ich halte nicht sehr viel davon, Kunst zu theoretisieren, nach dem Motto “Der Künstler will uns mit dem Bild dies und jenes sagen…”“. Das ist Unfug. Nach meiner Meinung kann der Künstler eine Message mit dem Bild übermitteln oder es ist schlichtweg ein Abbild seiner Gedankenwelt. Der Betrachter sieht oftmals was ganz anderes darin. Mich persönlich interessiert es sehr, was die Leute in meinen Bildern sehen, ob sie ihnen gefallen oder nicht. Aber ich wehre mich dagegen, dass meine Interpretation oder die von irgendjemand anderen allgemeingültig sein sollte. Wenn nun um manche Künstler ein Hype entsteht, muss es auch berechtigt sein. Ich halte nicht sehr viel von Prestige, nur weil eben jener z.B. an einer Superuni studiert hat oder weil ein anderer berühmter Künstler Mentor war oder so irgendwas.

Kunst ist Unterhaltung und sie kann den Alltag bereichern, sie sollte aber auch nicht mit schimpflichen Hintergedanken ausgeführt werden. Das ist nicht der Sinn der Sache.

Volly Tanner: Wie soll’s denn künstlerisch bei Dir weitergehen?
Marie: Ich hoffe, dass es weiter geht. Ich will auf jeden Fall weiterhin malen und fotografieren und mich ausprobieren, wo es nur geht. Aber vor allem weiterbilden, was Techniken angeht. Die Kunst hat auch viel mit Handwerk zu tun und eben jenes muss auch erlernt werden. Entweder mit Hilfe der guten alten Volkshochschule oder es klappt nächstes Jahr mit der Aufnahme an der Uni hier in Leipzig.

“Ich würde mir wünschen, dass sich noch viel mehr Menschen wieder für Kultur und vor allem für Kunst begeistern könnten.”

Volly Tanner: Irgendwie malt ja derzeit jeder. Ist das nur ein Hype, der wieder vergeht oder bleibt da irgendetwas übrig – was denkst Du?
Marie: Ist doch schön, wenn sich viele fürs Malen interessieren oder? Ich würde mir wünschen, dass sich noch viel mehr Menschen wieder für Kultur und vor allem für Kunst begeistern könnten. Wäre nur schade, wenn sie alle malen, nur um irgendwie mit irgendeinem Farbklecks berühmt werden zu wollen. Wiederum gibt es viele junge Künstler, die einfach nur geniale Sachen machen. Und warum sollte denen keine Chance gegeben werden?

ZOMBIE ORCHIDEE meets MARIE

Vernissage der Ausstellung/ Malerei & Fotografie

Montag, 12.10.09; 20:00 Uhr

HelHEIM, Weißenfelser Str. Leipzig

www.myspace.com/helheimkneipe

Das HelHEIM wird immer mehr zur Trüffelsuchanstalt. Hier werden junge, vom Kunstbetrieb noch nicht zerkratzte Künstler unterstützt. Hier hängen Bilder, die noch nicht durch die Weichzeichnerei zu Schecks herunter gemalt wurden. Kraftvolle Farben, Eigensichten und Kreativität. Laute Stimmen, leise Stimmen. Und im Oktober hängt Marie ihre Werke an die Wände der Metalhochburg, die selber als ZombieOrchidee durch die weltweiten Netzwelten schwirrt und ihre Bildwelten präsentiert.

Die Künstlerin wird natürlich anwesend sein und mit ihren Freunden feiern!

Hier lohnt es sich noch zur Vernissage zu kommen, denn hier geht’s noch um die Bilder und nicht um irgendeine Luftblase mit einem einfallslosen Etikett drauf!

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*