Als Kinder haben wir spektakuläre Türme mit ihnen gebaut. Später hat der Wirt mit ihrer Hilfe unseren Getränkekonsum aufgezeigt. Bis zum 18.10. offeriert das Jugendkulturhaus Cairo nun eine dritte Gebrauchsvariante. “Bierdeckel-Battle” lautet der Titel der aktuellen Ausstellung im Treppenhaus der städtischen Einrichtung, die in Zusammenarbeit mit der Distelhäuser Brauerei, der Streetart-Künstlerin Manou Wahler und dem Team des Design- und Kunstladens “Herr Pfeffer” entstanden ist und die wohl gelungenste Zweckentfremdung des ordinären Pappteilchens zeigt.
40 mal bunte Farben, schräge Kreaturen – von verspielt bis futuristisch beweisen, dass der Abdruck eines Bierglases nicht die einzige Verewigung sein muss. “Die Motive kommen aus den unterschiedlichsten Bereichen”, beschreibt Diplom Sozialpädagoge Steffen Deeg. Unübersehbar sei jedoch die große Zahl der Streetart-Künstler und deren Ausdrucksformen, die von Künstlern aus Würzburg, Deutschland, Europa, Afrika und Neuseeland eingereicht wurden. Auch Peter Grethler, Geschäftsführer der Brauerei, zeigt sich begeistert von so viel Einfallsreichtum: “Es ist toll welch verrückte, kreative Motive dargestellt wurden.” Dass diese nun am Ufer des Mains zu sehen sind, ist für ihn selbstverständlich. Es gibt keinen besseren Ort junge Kunst zu präsentieren als hier, ist er sich sicher. “Die Institution selber ist ‚Kunst’ in Reinform – erlebbar und gestaltbar”, gibt er zu verstehen. Außerdem hätten im Cairo viele Kunstprojekte ihren Ursprung und zwar aller Schattierungen, von darstellenden, über musizierende bis hin zu produzierten. Eben alles, was junge Menschen beflügelt.
Bier und Kunst? – Das geht auf jeden Fall zusammen
Rund 400 Ergebnisse einer solchen “Beflügelung” landeten nun in der Weinstadt. Gut 360 von ihnen wurden Ende September im Zuge eines “Bierdeckel-Bombings” in der Innenstadt “ausgesetzt” – ganz zur Freude der Passanten. Doch Vorlauf hatte das Ganze selbstverständlich etwas länger. “Die Idee wurde Mitte des Jahres entwickelt. Über diverse Kanäle, v.a. das Internet wurden weltweit Künstler aufgerufen, sich zu beteiligen”, erklärt Deeg den Hintergrund der Aktion.
Wie gut diese wirklich war, liegt jetzt in der Hand der Betrachter. Per Voting entscheiden sie über die vier besten Stücke, die anschließend von Distelhäuser in einer Auflage von einer Million Stück gedruckt werden. Neben einer weiteren Ausstellung in Distelhausen ist auch ein Buch zur Aktion geplant. Denn: Bier und Kunst, das geht in den Augen von Grethler natürlich zusammen. “Bierbrauen wie wir es verstehen ist auch Kunst. Handwerkskunst! Hiermit meine ich nicht die Konzerne oder Billigbierproduzenten. Ich spreche von Bierbrauern, die sich mit Leib und Seele diesem tollen Prozess der Herstellung widmen und Ihrem Endprodukt – wie ein Künstler – mit Zuneigung und Liebe begegnen.” Im Cairo, das ist gewiss, ist daraus eine farbgewaltige Symbiose entstanden.
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