Niedersachsen und ehemalige Heimkinder: Wie rückhaltlos wird die Aufklärung?

Schläge, Demütigungen und perverse Strafen – unzählige Kinder haben in der Nachkriegszeit in kirchlichen und staatlichen Heimen bis an die Grenze des Erträglichen gelitten. Damit beschäftigt sich nicht nur ein Runder Tisch des Deutschen Bundestages, damit beschäftigt sich auch ein Gesprächsarbeitskreis “Heimerziehung 1945 bis 1975″ im niedersächsischen Sozialministerium. Heute hat

Schläge, Demütigungen und perverse Strafen – unzählige Kinder haben in der Nachkriegszeit in kirchlichen und staatlichen Heimen bis an die Grenze des Erträglichen gelitten. Damit beschäftigt sich nicht nur ein Runder Tisch des Deutschen Bundestages, damit beschäftigt sich auch ein Gesprächsarbeitskreis “Heimerziehung 1945 bis 1975″ im niedersächsischen Sozialministerium. Heute hat es erneut im Ministerium ein Treffen ehemaliger Heimkinder, der kommunalen Spitzenverbände, der Landesarbeitsgemeinschaft Freie Wohlfahrtspflege, des Caritasverbandes Osnabrück, des Diakonischen Werkes, des Landesarchivs und des Landessozialamtes gegeben.

“Alle Betroffenen benötigen Einsicht in noch vorhandene Akten der staatlichen und freien Heimträger, um ihre ganz persönlichen Heimbiographien aufarbeiten zu können”, sagte Sozialministerin Mechthild Ross-Luttmann. Niedersachsen sei bei der Aktensicherung staatlicher Einrichtungen weiter als andere Bundesländer. So habe das Landesarchiv alle sieben Staatsarchive eingeschaltet, außerdem gebe es Vorermittlungen in allen 79 Amtsgerichten des Landes. Das Justizministerium verhindere die Vernichtung von noch vorhandenen Akten.

Unbürokratischer Zugang

Der Präsident des Niedersächsischen Landesarchivs, Dr. Bernd Kappelhoff, berichtete in der heutigen Sitzung über die Zusammenführung der Aktenbestände aus den ehemaligen Bezirksregierungen und Landesjugendämtern mit den Beständen der vormundschaftsgerichtlichen Akten. Sie sei nahezu abgeschlossen. Den Betroffenen werde ein unbürokratischer Zugang zu ihren Akten ermöglicht.

Der Gesprächsarbeitskreis verabschiedete einen Forschungsauftrag, die Themen: die damaligen Trägerstrukturen, die Einrichtungen in jener Zeit, Unterbringung und Aufsicht, Beschwerden und besondere Vorkommnisse, die Verantwortung des Landes für die Fürsorgeerziehung, die Entwicklung der Heimaufsicht und des Landesjugendheims Göttingen, Entscheidungen der Gerichte und das Verhalten staatlicher Stellen unterhalb der Landesebene.

Runder Tisch zuständig

Für Fragen zum Rentenversicherungsrecht und zu Entschädigungen dagegen ist der Runde Tisch des Deutschen Bundestages zuständig. Anfang nächsten Jahres soll ein Zwischenbericht vorgelegt werden.

Das Schicksal vieler ehemaliger Heimkinder jedoch werden weder der Gesprächsarbeitskreis im niedersächsischen Sozialministerium noch der Runde Tisch des Deutschen Bundestages aufklären können. Groß ist die Zahl derjenigen, die sagen: “Was uns damals angetan worden ist, kann niemand mehr gut machen.” Allzu oft hätten sie erlebt, dass ihre Schilderungen mit dem Hinweis abgetan worden seien: “Das bilden Sie sich alles nur ein.”

Auch in Holzen bei Holzminden hat es ein Kinderheim gegeben. Was dort geschah, verschlug mir bei den Recherchen fast die Sprache. Leserinnen und Leser meiner Broschüre “Zwei Fälle für Kommissar Internet: Holzen und Dalheim” wird es wohl nicht anders ergehen. Lokalzeitungen haben bis heute diese Broschüre mit keinem Wort erwähnt.

Bleibt die Frage: Wie rückhaltlos wird die Aufklärung?

Kommentare

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  1. Na endlich mal wieder ein Beitrag in dieser brisanten Angelegenheit. wer kann schon verstehen, das dieses Thema so unterbuttert wird. Nun hat der Verein der ehemaligen Heimkinder eine Dependance in den USA——hier in Deutschland wird es sowiso kein Recht geben für diese armen Schweine.
    Die Amerikaner machen den Alleingang, weil sie sich in Old Germany nicht ausreichend berücksichtigt und vertreten sehen. (Siehe Artikel im Focus)
    Das ist der richtige Weg—weiter so!
    mysti