Readers Edition http://www.buergerinfo09.de



Politik + Wirtschaft

Kopftuchmädchen retten Bundesbank

Donnerstag, den 8. Oktober 2009 um 14:34 Uhr von Holger Finn

Wäre man Verschwörungstheoretiker, stellte man sich folgende Szene vor: Axel Weber, Chef der Deutschen Bundesbank, steht vor schweren Tagen. Er weiß, dass er gestehen muss, der amerikanischen Pleitebank Lehman 10,4 Milliarden Euro geborgt zu haben - bekommen hat er dafür zwar Sicherheiten, die aber sind, wie Weber inzwischen weiß, nichts wert…

Der mächtige Banker sieht alles gefährdet, was eben noch so erreichbar schien: Die ungeliebte Konkurrenz von der Bundesanstalt für die Finanzaufsicht würde er ausbooten können, das hatten ihm die Politiker der neuen großen Koalition der Nationalen Front nach dem Wahlsieg versprochen. Seine Bundesbank würde schlagartig zum einzig wahren Aufsichtsapparat über Banken, Börsen und Versicherungen werden und er, Axel Weber, der viel von der Macht früherer Bundesbanker an die Europäische Zantralbank hatte abgeben müssen, wieder viel viel mächtiger.

Und nun das. Vermutlich 10,4 Milliarden futsch - bei der KfW waren es nur ein paar Millionen und Köpfe rollten.

Weber greift zum Telefon. Er lässt Thilo Sarrazin kommen, den neuen Bundesbank-Vize aus Berlin. “Thilo, wir müssen eine Lösung finden”, sagt er. Sarrazin nickt. Ein Ablenkungsmanöver muss her, irgendwie müssen die Blicke der Öffentlichkeit fortgelenkt werden von der größten Pleite, die die Deutsche Bundesbank je einstecken musste.

Eine halbe Stunde später sind der Ex-Senator aus Berlin und der Bundesbank-Chef sich einig. Sarrazin wird ein Interview geben, das sich gewaschen hat, er wird darin Dinge sagen, die ihm schon lange auf der Seele brennen und mit Worten wie “Kopftuchmädchen” und “türkische Wärmestube” die missglückte Integrationspolitik in Deutschland anprangern. Weber aber wird ganz laut “Haltet den Dieb” rufen in der Hoffnung, dass sich alle Medien Deutschlands reflexhaft auf die Äußerungen seines Vize stürzen werden.

Der Plan, so wissen wir heute, ist aufgegangen. Die 10,4 verschwundenen Bundesbank-Milliarden spielen in der öffentlichen Diskussion keine Rolle: Ganze zwei deutsche Zeitungen bringen eine kurze Meldung irgendwo im Finanzteil, rechte Spalte ganz unten. Alle anderen 1000 beschäftigen sich - wie Netzwerk Recherche hier schön zusammenfasst, wie geplant mit Sarrazins Interview in einer französischen Kulturzeitschrift, die niemand gelesen hat.

Die Große Koalition der Nationalen Verantwortung beschließt, der Bundesbank wie vereinbart alle Kontrollvollmachten über Banken und Börsen zu geben. Axel Weber steht am Fenster, schaut übers Land und reibt sich die Hände.

Quelle: politplatschquatsch.com

  • diesen Artikel drucken
  • E-Mail This Post/Page
4.1
  • derzeit 4.07 Sterne
  • 1
  • 2
  • 3
  • 4
  • 5
  • 6
 
 

Schlagwörter

Share it!

6 Reaktionen zu “Kopftuchmädchen retten Bundesbank”

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

  1. Otto-Werner Hinrichs

    am 8. Oktober 2009 um 15:39 Uhr | Link | Kommentar melden

    Three cheers

    so kann´s kommen in einer gleichgeschalteten rechten Medienwelt in der immer einer vom anderen abpinselt und in der eigenes Denken und recherchieren mit sofortigem Entzug aller Drogen und noch aktiven Gehirnzellen bestraft wird.

  2. Bernd Stichler

    am 8. Oktober 2009 um 19:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    Wer sich ohne äußeren Zwang idiotisch benimmt, der muß auch damit rechen, daß er verarscht wird. Sarrazin ist aber damit nicht gemeint !

    Lieber Holger Finn, können Sie erkennen, was Herr Hinrichs uns hier sagen will ?
    Ich leider nicht. Was S i e uns sagen wollen habe ich - wie immer - sofort verstanden. Weiter so.

  3. Holger Finn

    am 8. Oktober 2009 um 20:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    keine ahnung, da kann ich auch nicht helfen. aber hauptsache, er weiß es.

  4. Raif

    am 9. Oktober 2009 um 00:32 Uhr | Link | Kommentar melden

    Ehrlich gesagt, verstehe ich die Beiträge von Holger Finn auch nicht; auch nicht seine website politquatsch oder wie das heißen soll. EINS WEISS ICH, VOLLKOMMEN ÜBERFLÜSSIGES GEREDE

  5. ppq

    am 9. Oktober 2009 um 11:13 Uhr | Link | Kommentar melden

    Hallo Raif! Einfach weiter versuchen, das wird schon! Bei “politplatsch” fehlt Ihnen hinten nur noch das “quatsch”, das sind sechs Buchstaben, wenn Sie mal ein paar Tage üben, wird das, da bin ich sicher. Und danach machen wir uns zusammen an die langen Texte, okay?

  6. Alfons Huber

    am 9. Oktober 2009 um 19:55 Uhr | Link | Kommentar melden

    Zu dieser Geschichte gibt es eben verschiedene Blickwinkel, auch hier macht man sich Gedanken darüber: http://forum.fdp-bundesverband.de/read.php?4,1212330

Einen Kommentar schreiben

Kommentare für diesen Artikel als RSS-Feed abonnieren.

Hinweis: Alle Kommentare werden moderiert und müssen freigeschaltet werden.

Erlaubte Tags: <a href="" title=""> <abbr title=""> <acronym title=""> <b> <blockquote cite=""> <code> <em> <i> <strike> <strong>

Als Kommentator akzeptieren Sie die Teilnahmebedingungen der Readers Edition.