Geschwätziges Papier: Die Erklärung der Ev. Landeskirche Hannover vom 07.10.2009
Geschwätziges Papier: Die “Gemeinsame Erklärung der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers und des Diakonischen Werkes der Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers e.V. zu der Situation in Heimen der Jugendfürsorge in den 50er und 60er Jahren”
Eine frohe Botschaft vorweg: Die Unterzeichner der Erklärung haben den Heimopfern einen Neuaufguss des “Stuttgarter Schuldbekenntnisses” erspart. Vor etwa 64 Jahren formulierten evangelische Kirchenmänner folgendes Entschuldigunggestammel für ihr Versagen in der NS-Zeit: “Wohl haben wir lange Jahre hindurch im Namen Jesu Christi gegen den Geist gekämpft, der im nationalsozialistischen Gewaltregiment seinen furchtbaren Ausdruck gefunden hat; aber wir klagen uns an, daß wir nicht mutiger bekannt, nicht treuer gebetet, nicht fröhlicher geglaubt und nicht brennender geliebt haben.”
Allerdings klingt das Gestammel heute ähnlich. Zunächst ist fünf mal festzustellen, dass es die Unterzeichner beschämt, was sie zwei, drei Sätze weiter wieder beschönigen.
Zuvor herrscht kollektive Trauer über die Feststellung, dass in kirchlichen Heimen “schlimmes Unrecht geschehen ist”. Hier wird nicht etwa darüber getrauert, dass in vielen kirchlich geführten Heimen schlimmste, justitiable Verbrechen zwischen ungesetzlichen Prügelorgien und ungesetzlichen sexuellen Verbrechen stattgefunden haben. Einzig und allein der Grund, dass die Opfer sich 40 bis 60 Jahre geschämt haben, über diese Verbrechen, selbst im engsten Familienkreise, zu sprechen, bewahrte tausende Folterknechte unter der Schirmherrschaft der Kirche vor der Anklagebank und erheblichen Strafen. So ist diese Trauer keine ernstzunehmende Gefühlsregung, weil sie den Grund der Trauer unanständig verharmlost.
In Punkt 1 jammern die Unterzeichner, “dass in den 50er und 60er Jahren unser christlicher Anspruch von der Wirklichkeit oft nicht gedeckt wurde.” Dazu ist festzustellen: Die evangelische Kirche hat mit jedem Heimopfer einmal mehr Jesus Christus ans Kreuz genagelt. Sie hat die Bergpredigt in den Dreck gezogen, das Gebot christlicher Nächstenliebe täglich in irgendwelchen ihrer Heime mit Füßen getreten, gegen die meisten der Zehn Gebote verstoßen, - und es bis heute nicht geschafft, gemäß dem Gebet Jesu, das er seinen Jüngern lehrte, dem “Vater unser”, aufrichtig um Entschuldigung zu bitten.
Noch im selben Punkt 1 schwadronieren die Unterzeichner über häufige Gewaltanwendungen, massiven psychischen Druck und, dass “in den Heimen nicht individuell fördernd auf die Kinder und Jugendlichen eingegangen worden ist.” Ehrlich hätte es heißen müssen: Oft wurden Kinder und Jugendliche bis zur Besinnungslosigkeit zusammengeschlagen, man hat sie permanent bedroht und geängstigt und darum keine Zeit gefunden, sie schulisch und beruflich zu fördern.
Danach wieder eine Verharmlosung der Folgen der kirchlich übersehenen Schäden an den Jugendlichen: “Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden.” Aufrichtig hätte es heißen müssen: Wir haben die uns Anvertrauten gebrochen, wir haben ihren Willen gebrochen, wir haben ihre natürliche Wehrhaftigkeit gebrochen und sie aller Chancen für ein würdiges soziales, berufliches und gesundes Leben in der Gesellschaft beraubt. Wir haben sie dazu gedrillt, dass sie heute oft über ihre Mitopfer herfallen und sich gegenseitig zerfleischen, statt sich mit ihren Peinigern auseinander zu setzen.
Unter Punkt 2 schämen sich die Unterzeichner, dass sie Jahrzehnte Einzelschicksale verschwiegen haben. Wahr ist aber auch, dass Opfer, die sich endlich trauten, ihre Peiniger und Gefängnisse namentlich zu nennen, mit Verleumdungsklagen eingedeckt wurden, dass man versuchte, sie mundtot zu machen. Fast wäre es ihnen gelungen. Stiller Helfer der Opfer war und ist das Internet. Heute geraten Verbrechen an Kindern und Jugendlichen nicht darum so schnell in Vergessenheit, weil Buchauflagen in den 60er Jahren ausliefen und die Erinnerung löschten. Zur Wahrheit gehört auch: Die Kirchen geben nur zu, was nicht mehr zu leugnen ist. Selbst dann noch verharmlosen sie, relativieren sie und verniedlichen sie. Aber sie tragen in jeder Stellungnahme die heutige Situation wie eine Monstranz vor sich her, nach der jetzt alles besser sein soll. Schön wäre es. Auch hier belehren uns die Meldungen im Internet eines Besseren.
In Punkt 3 bejammern die Unterzeichner mit der geschwollenen Formulierung “dass Mitarbeitende in den Einrichtungen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe oft unzureichend qualifiziert waren”, dass sie Nieten auf hilflose Kinder und Schlägertrupps auf junge Männer und Frauen losgelassen haben. Sie verschweigen ebenso, dass in den Heimen ein Klima geschaffen und permanent gepflegt wurde, welches die Selbstjustiz und willkürliche Bestrafung der Opfer untereinander förderte, damit sich die angeblich im Dienste Jesu Stehenden nicht immer selbst die Hände schmutzig machen mussten. Fast weinerlich schieben sie hinterher: “Wir achten die Mitarbeitenden, die unter schwierigen Bedingungen Gutes wollten und dies auch erreicht haben. Wir wissen, dass viele ehemalige Mitarbeitende bis heute unter Schuldgefühlen leiden.” Für die Heimopfer bedeuten diese Sätze: Thema verfehlt! Anständiger hätte es wie folgt heißen müssen: “Wir achten die Heimopfer, die unter schwierigen Bedingungen Gutes wollten und dies auch erreicht haben. Wir wissen, dass viele ehemalige Heimkinder und -Jugendliche bis heute unter Schuldgefühlen leiden.”
Unter Punkt 4 sind natürlich wieder andere schuld. Staat und Gesellschaft haben die Betriebe der Kirche zu schlecht finanziert. Fakt ist: Die Kirchen reißen sich stets Aufgabengebiete unter die Nägel, mit denen sie nicht fertig werden. Dabei machen sie von ihrer Macht dem Staat und der Regierung gegenüber keinen Gebrauch; sie fordern nicht die Gelder, die notwendig sind, um ihnen anvertraute Kinder und Jugendliche unter Berücksichtigung der Menschenwürde zu erziehen und sie auf ein Leben in der Gesellschaft vorzubereiten. Eine Verhöhnung ist die mit dem fehlenden Geld gekoppelte Rechtfertigung für Kinderarbeit, für Sklavenarbeit, für Zwangsarbeit. Völlig außer acht gelassen werden die damit verbundenen ständigen Repressalien und Misshandlungen, die in der Konsequenz zu schweren körperlichen und seelischen Behinderungen geführt haben, - für einige bis zu ihrem Lebensende.
Unter Punkt 5 des Jammerns zeigen die kirchlichen Finger anklagend auf die oft leichtfertige staatliche Einweisungspraxis. Weitere Finger auf andere Schuldige richten sich gezielt auf die fehlende Heimaufsicht. Ehrlicher wäre es gewesen, sich dafür zu schämen, “dass wir die staatliche Einweisungspraxis nie kritisch hinterfragt, kritische Einweisungen nicht kritisiert und es unterlassen haben, Einweisungen überhaupt auf den Sinn dieser Einweisung zu überprüfen. Wir haben alles gefressen, was uns vor die Zähne geschmissen wurde. Wir selbst haben unsere Aufsichtspflicht nicht wahrgenommen.”
Unter jedem Punkt finden sich Versprechen darüber, was die Kirche zukünftig alles besser machen will.
Das frechste Versprechen ist die Einladung, die Opfer therapeutisch und seelsorgerlich zu begleiten. Genauso kann man ein Lamm in den Löwenkäfig schmeissen, damit es dort eine Angsttherapie erfährt. Was in dieser Erklärung völlig fehlt: Die Reue, die Buße, auch nur geringste Anzeichen eines Willens zur Wiedergutmachung.
Bischöfin Margot Käßmann hätte den Mitunterzeichner Christoph Künkel am Schlafittchen nehmen, ihn mit zur Regierungschefin schleifen und dort vortragen sollen: Wir haben Mist gebaut, ihr aber auch. Lasst uns den Dreck gemeinsam zusammenkehren. Wir, die Kirche, verkaufen unsere Grundstücke; ihr greift den Wohlstandsbürgern in die Tasche, damit den Opfern ein menschenwürdiges Altern finanziert wird.
Statt dessen haben Käßmann und Künkel nur geschwätziges Papier produziert.
Helmut Jacob
12. Oktober 2009
Anlage Erklärung:
“Mit Trauer stellen wir fest, dass in unseren Einrichtungen der Jugendfürsorge in den 50er und 60er Jahren schlimmes Unrecht geschehen ist.
1. Uns beschämt, dass in den 50er und 60er Jahren unser christlicher Anspruch von der Wirklichkeit oft nicht gedeckt wurde. Insbesondere sehen wir, dass es häufig zu Gewaltanwendungen kam, ein oft massiver psychischer Druck herrschte und in den Heimen nicht individuell fördernd auf die Kinder und Jugendlichen eingegangen worden ist. Dadurch ist die Würde der uns anvertrauten Kinder und Jugendlichen oft nachhaltig verletzt und ihr Leben beschädigt worden.
Wir setzen uns dafür ein, dass in unseren Einrichtungen ohne Gewalt, in einer Atmosphäre des Respekts, einfühlsam und achtsam miteinander umgegangen wird. Wir wollen die Fähigkeiten und Entwicklungspotentiale des Einzelnen fördern.
2. Uns beschämt, dass die bedrückenden Einzelschicksale über lange Jahre verschwiegen und weder aufgearbeitet noch öffentlich gemacht wurden. Die ersten Veröffentlichungen in der Mitte der 60er Jahre wurden nur wenig beachtet. Sie trugen jedoch dazu bei, dass unsere Einrichtungen sich damals pädagogisch neu orientierten. Es sind aber fast vierzig Jahre verstrichen, bis die Betroffenen in einer breiten Öffentlichkeit Gehör gefunden haben.
Wir setzen uns zusammen mit unseren Einrichtungen dafür ein, dass die Betroffenen therapeutisch und seelsorgerlich begleitet werden. Außerdem lassen wir eine wissenschaftliche Dokumentation über die damalige Situation in den Heimen erstellen, auch um weitere Konsequenzen aus den Versäumnissen der Vergangenheit zu ziehen.
3. Uns beschämt, dass Mitarbeitende in den Einrichtungen für ihre verantwortungsvolle Aufgabe oft unzureichend qualifiziert waren, ihre Einbindung in ein streng hierarchisches System oft demütigend und die personelle Besetzung unzureichend war. Wir achten die Mitarbeitenden, die unter schwierigen Bedingungen Gutes wollten und dies auch erreicht haben. Wir wissen, dass viele ehemalige Mitarbeitende bis heute unter Schuldgefühlen leiden.
Wir setzen uns gemeinsam mit unseren Einrichtungen dafür ein, dass unsere Mitarbeitenden qualifiziert ausgebildet sind und ständig entsprechend dem aktuellen Bedarf fortgebildet werden. Dazu brauchen die Teams und die Leitungen der Einrichtungen eine permanente Supervision und ein ständiges Beratungsangebot. Grundvoraussetzung ist, dass unsere Einrichtungen die Besetzung haben, die den berechtigten Ansprüchen der Jugendlichen und Kinder gerecht wird.
4. Uns beschämt, dass die Heime der Jugendfürsorge oft nicht auskömmlich finanziert waren. Deshalb erhielten die dort untergebrachten Kinder und Jugendlichen keine adäquate Ausbildung, sondern mussten für ihre tägliche Versorgung oft hart arbeiten.
Wir setzen uns dafür ein, dass Kinder und Jugendliche in Einrichtungen der Jugendhilfe eine qualifizierende Ausbildung erhalten und alle Kosten ihres Aufenthaltes durch die Solidargemeinschaft gedeckt sind.
5. Uns beschämt, dass die staatliche Einweisungspraxis oft leichtfertig war, dass es an einer kompetenten Heimaufsicht gefehlt hat und das Miteinander von Jugendämtern und Fürsorgeeinrichtungen meist unreflektiert und unkritisch gestaltet wurde.
Wir setzen uns gemeinsam mit dem Gesetzgeber dafür ein, dass die Lebenssituation der Betroffenen und die Arbeitssituation der Mitarbeitenden sowohl durch die staatliche Heimaufsicht als auch durch eine kritische Begleitung und Beratung ständig verbessert werden.
Wir, die kirchlichen und diakonischen Einrichtungen wissen heute, dass bei der Erziehung und Förderung vieler Kinder und Jugendlicher, die uns in den Erziehungseinrichtungen anvertraut waren, vielfach versagt wurde. Wir bitten bei den betroffenen ehemaligen Bewohnerinnen und Bewohnen um Entschuldigung und Vergebung.
Wir haben aus der Vergangenheit gelernt. Deshalb setzen wir uns in unseren Einrichtungen konsequent für eine Pädagogik ein, die erfahrbar von der bedingungslosen Annahme jedes Menschen durch die Liebe Christi geprägt ist.
Landesbischöfin Dr. Margot Käßmann
Diakonie-Direktor Dr. Christoph Künkel
Hannover, 7.Oktober 2009″











Twitter Trackbacks for Readers Edition » Geschwätziges Papier: Die Erklärung der Ev. Landeskirche Hannover vom 07.10.2009 [readers-edition.de] on Topsy.com
[…] Readers Edition » Geschwätziges Papier: Die Erklärung der Ev. Landeskirche Hannover vom 07.10.2009 www.readers-edition.de/2009/10/13/geschwaetziges-papier-die-erklaerung-der-ev-landeskirche-hannover-vom-07102009 – view page – cached Readers Edition ist ein Portal für Bürgerjournalismus in Deutschland. Bürgerjournalisten schreiben über Politik, Wirtschaft, Web 2.0, Social Media, Klimawandel, Wissenschaft und Kultur. — From the page […]
Guillaume
Haben Sie von Frau Käßmann irgend etwas positives erwartet.
Eine üble feministische Schwätzerin, die selbst durch schwere Krankheit nicht von ihrem heuchlerischen und unchristlichen Getue ablassen kann.
Herr vergib ihr denn sie weiss nicht was sie tut…..
Martin Mitchell
Folgende Aussage zum Thema - KERNGEDANKEN: daß Rechenschaftsablegung, authentische Enschuldigung, ein Sühne tun und Widergutmachung und Entschädigung leisten, Hand in Hand gehen ( und dies ALS GANZES nicht länger auf sich warten läßt ! ) - wurde schon ein paar Tage vor der Herausgabe dieser „Erklärung“ von der „Evangelisch-lutherischen Landeskirche Hannovers“ von einem evangelischen Pfarrer gemacht; und ich bin authorisiert diese seine Aussage, auch HIER, an die gesamte EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND und an die gesamte deutsche Gesellschaft weiterzugeben:
Hingegen dem Umgang mit deutschen Kinderheim-Opfern : »Verbrechen im Kinderheim - Die Schotten sparen nicht«
Der evangelisch-lutherische Pfarrer Dierk Schäfer ( Diplom-Pädagoge und Diplom-Psychologe ) im Ruhestand, in seinem Blog »Dierk Schaefers Blog« am 2. Oktober 2009 äußert sich wie folgt:
»Verbrechen im Kinderheim - Die Schotten sparen nicht«
@ http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/10/02/verbrechen-im-kinderheim-%e2%80%93-die-schotten-sparen-nicht/
»»» Verbrechen im Kinderheim - Die Schotten sparen nicht
http://news.bbc.co.uk/2/hi/uk_news/scotland/south_of_scotland/8284419.stm
Die Kinder seien durch sexuellen Mißbrauch „irreparabel“ in ihren Lebensläufen beschädigt. Der Rat ( Dumfries and Galloway Council ) in Südschottland, beschloß, allen überlebenden und nun erwachsenen geschädigten ehemaligen Heimkindern des „Merkland Children’s Home in Moffat“ eine Entschädigung von jeweils £20000 zu zahlen.
abuse victim
[ http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/10/abuse-victim.pdf ]
Wer mit deutschen ehemaligen Heimkindern zu tun hat, merkt sehr schnell, daß viele „irreparabel“ in ihrem Lebenslauf beschädigt sind, selbst die, bei denen man zunächst meint, sie hätten es „gepackt“. Die Berichte solcher Heimkinder liegen in großer Anzahl vor, Betroffenheitsbekundungen auch, allerdings kamen die recht schleppend. Das ist immer noch besser, als die Versuche mancher Einrichtungen, gerichtlich gegen „Verleumdungen“ vorzugehen.
Was fehlt ist jedoch ein Entschädigungsplan, und zwar einer, der die ehemaligen Heimkinder noch zu Lebzeiten erreicht.
Wo bleibt die Einberufung einer „Geber-Konferenz“ ?
Teilnehmen sollten die staatlichen Stellen, die ihrer Aufsichtspflicht nicht nachgekommen sind, dann die staatlichen und kirchlichen Heime bzw. ihre Rechtsnachfolger, dazu die Firmen, die von der Zwangsarbeit in den Heimen profitiert haben.
Der Verantwortungsbereich muß nach meiner Meinung jedoch noch weiter gezogen werden. Was war mit der damaligen Gesellschaft? Man sagt, Gewalt gegen Kinder sei damals eher normal gewesen. Das sagen meist die, die hinzufügen: „Mir hat es nicht geschadet“. Wo die elterliche Erziehungsgewalt verpuffte, wurde unverhohlen gedroht: „Wenn Du nicht brav bist, kommst Du ins Heim!“ Offensichtlich standen dahinter doch die Erwartungen von noch mehr Erziehungsgewalt. Die Gewalt im Heim hat aber vielen geschadet. Doch wen wundert es, daß man sich um die Erziehungsmethoden - und die Exzesse - in den Heimen nicht weiter kümmerte. Dies ist die Mitschuld der damaligen Gesellschaft. Die heutige trägt zwar keine Schuld, aber die Mitverantwortung für die Schulden, die aus den Hilfen für lebensbeschädigte Heimkinder erwachsen. An den Tisch der Geberkonferenz gehören also auch unsere Parlamentsabgeordneten, damit Steuergelder gegeben werden können. Doch bitteschön in dieser Reihenfolge der Verantwortung. Es wäre fatal, wenn sich die Behörden mit ihrer Aufsichtspflichtverletzung und die Heimeinrichtungen, vorweg die kirchlichen, mit ihrer ganz direkten Schuld vornehm zurückhalten würden, um dem Steuerzahler alles aufzubürden. Das klappt nur für die Banken und die Autoindustrie.
BESCHLAGWORTET MIT:
Entschädigung, Geberkonferenz, Heimkinder «««
LABELS: Aufsichtspflichtverletzung, Dierk Schaefers Blog, Dierk Schäfer, Entschädigung, Geberkonferenz, Heimeinrichtungen, Heimkinder, Mitschuld, Verantwortung, Verbrechen im Kinderheim, Zwangsarbeit
Siehe DAZU auch: http://www.heimkinderopfer.blogspot.com und http://heimkinder-forum.de/v2/heim-talk/offener-talk-heime/p128589-verbrechen-in-heimen-„im-namen-des-herrn“-eindeutig-belegt-–-aber-in-den-staatlichen-heimen-in-der-frühen-bundesrepublik-war-es-auch-nicht-anders-was-gibt-es-da-also-noch-viel-zu-„forschen“/
Martin Mitchell
Der evangelisch-lutherische Pfarrer Dierk Schäfer ( Diplom-Pädagoge und Diplom-Psychologe ) im Ruhestand, in seinem Blog »Dierk Schaefers Blog« am 18. Oktober 2009 äußert sich wie folgt – versucht [ m.E. weiterhin vergeblich ! ] die ‘Christen’ in seiner eigenen Kirche und in der Politik betreffend der „Heimkinderproblematik“ eines Besseren zu belehren:
… und ich bin wiederrum authorisiert diese seine Aussage, auch HIER, an die gesamte EVANGELISCHE KIRCHE IN DEUTSCHLAND und an die gesamte deutsche Gesellschaft weiterzugeben
Das Original ist hier zu finden: @ http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/10/18/offener-brief-an-den-prasidenten-des-diakonischen-werkes/
»»» Offener Brief an den Präsidenten des Diakonischen Werkes
[ der ( gesamt ! ) „EVANGELISCHEN KIRCHE IN DEUTSCHLAND“ ( „EKD“ )
Klaus Dieter K. Kottnik ]
Sehr geehrter Herr Präsident,
mir wurde das [ mit ihnen von Katrin Heise geführte ] Interview zugeleitet, das Sie im Programm »Deutschlandradio Kultur« am 15.6.09 gegeben haben ( http://www.dradio.de/dkultur/sendungen/thema/982407/ ).
Dieses Interview hat mich bestürzt. Ich finde es unerträglich, wenn Sie auf die bedrückenden Zeugnisse ehemaliger Heimkinder mit den Erlebnissen anderer Heimkinder antworten, denen es anscheinend besser ergangen ist. Selbst wenn die Mehrheit der Heimkinder im fraglichen Zeitraum nicht unter Zwangsarbeit, Mißhandlung, Mißbrauch und ständigen Demütigungen gelitten haben mag, selbst wenn eine Vielzahl der damaligen Heimkinder dank des Heimaufenthaltes eine positive Wende ihres Lebenslaufes erfahren durften, so ist dies doch nicht gegen die Erlebnisse einer Vielzahl ehemaliger Heimkinder in Stellung zu bringen, deren Heimbehandlung man nur verbrecherisch nennen kann. Diese Leidensberichte sind vielfach nicht nur unter dem Aspekt forensischer Glaubwürdigkeitsbeurteilung authentisch, sondern inzwischen auch für einige Heime wissenschaftlich belegt. Daß es offensichtlich auch Heime oder Gruppen in den Heimen gab, in denen nicht zerstörerisch gearbeitet wurde, verschärft diesen Befund zu einer Anklage: Die »Schwarze Pädagogik« war offensichtlich nicht dem Zeitgeist, den knappen Mitteln oder dem schlecht ausgebildeten Personal geschuldet, denn es ging nachweislich ja auch anders. Insofern kann man Dr. Michael Häusler im Archiv des Diakonischen Werkes nur ermuntern, auch die positiven Fälle in die Öffentlichkeit zu tragen.
Sie haben Recht, wenn Sie sagen, daß es bei aller historischen Aufarbeitung, immer noch nicht klar [ist], um wie viele Menschen es sich tatsächlich handelt. Doch für die vielen, deren schlimmes Heimschicksal nun vorliegt, kann man sich doch bereits Gedanken machen über Entschädigungsmöglichkeiten.
Ihre Interviewpartnerin [ Katrin ] Heise fragte: Also ein Entschädigungsfonds zum Beispiel, gebildet aus dem Staat, den Kirchen und aber auch den Unternehmen, die die Kinder ja haben arbeiten lassen. Wurde so was schon mal gedacht? Und Sie antworteten: Was gäbe es dafür für Kriterien? Die müssten dafür aufgestellt werden. Ich sage es noch einmal: Ich möchte dem Runden Tisch nicht vorgreifen.
Diese Antwort ist unerträglich. Ein ehemaliges Heimkinder schrieb mir, wenn der Runde Tisch planmäßig seinen Bericht im Jahre 2011 vorlegen wird, dürfte aber ein Teil der betroffenen Heimkinder nicht mehr unter uns weilen.
Zudem wurden bereits Kriterien genannt. Am 2. April habe ich dem Runden Tisch im Rahmen der Anhörung ( http://dierkschaefer.wordpress.com/page/3/ ) Vorschläge gemacht ( http://dierkschaefer.files.wordpress.com/2009/04/verfahrensvorschlage-rt.pdf ).
Es mag vielleicht tauben Ohren gepredigt gewesen sein, aber die Vorschläge liegen auf dem Tisch und sind im Internet zugänglich. Das muß man nicht genauso machen, wie ich das vorgeschlagen habe, aber diese Richtung wird gar nicht verfolgt, zumindest nicht erkennbar.
Es gibt einen Tatanteil, der pauschal behandelt werden kann, das ist die nachgewiesene Zwangsarbeit. Ich habe hierfür einen Fonds »Äquivalenzzahlungen für entgangene Rentenansprüche« vorgeschlagen.
Weiter gibt es einen Tatanteil, dessen Folgen therapeutisch angegangen werden können. Die Bezahlung der Therapien kann pauschal beschlossen werden; die Therapiekosten wären dann von den Therapeuten über einen Therapiefonds abzurechnen.
Schließlich - und das, aber nur das, geht nicht mehr pauschal - ist ein Fonds für die Entschädigung einzelner einzurichten. Hier benötigt man die Einzelfallprüfung, die allerdings so ausfallen muß, daß Retraumatisierungen vermieden werden. Auch dafür habe ich Vorschläge gemacht ( http://dierkschaefer.wordpress.com/2009/06/08/die-heimkinder-konnen-auch-selber-forschen/ ).
Sie erwecken mit Ihrer Antwort auf Frau Heise leider den Eindruck, daß hier auf Zeit gespielt wird. Sollte dieser Eindruck falsch sein, entkräften Sie ihn bitte.
Eins noch: Ich bin Pfarrer und vermisse generell das Bemühen um theologische Aufarbeitung der Vorkommnisse in den Heimen. Diese Einrichtungen waren dem christlichen Glauben verpflichtet. Hier wäre der Gedanke des Rettungshauses nicht nur in seiner Negativausprägung, sondern grundsätzlich zu beleuchten; auch die Trias von Demut, Demütigung und Menschenrechten.
Ich vermisse zudem die Bußfertigkeit der Kirchen, eine Bußfertigkeit, die über Lippenbekenntnisse hinausgeht.
Ich vermisse noch etwas. Dietrich von Heymann schreibt unter Bezugnahme auf Herbert Braun »Gott ist nicht, ER geschieht – und zwar in der Begegnung der Menschen, zwischen dem Du und dem Ich.« ( Deutsches Pfarrerblatt, 10/2009, S. 552 ) In so mancher Äußerung von kirchlicher Seite gegenüber Heimkindern erkenne ich leider nicht, daß Gott geschieht. An die Stelle von Gott ist die Abwehr getreten. Die frühe christliche Gemeinde erlebte das Geschehen Gottes in der Erinnerung und Vergegenwärtigung des Gekreuzigten. Sie hat Gott im Leiden eines Menschen erkannt. Warum wehren wir uns so dagegen, in den geschundenen Heimkindern Gott zu erkennen und zu respektieren? Ist es der kirchliche Tatanteil oder nur die schnöde Kostenfrage?
Die Täterschaft trifft wohl niemanden von uns noch persönlich – aber die Verantwortung. Beispielhaft ist für mich der Kniefall von Willy Brandt, der Kniefall eines an den Verbrechen Unschuldigen und stellvertretend auch für uns unschuldige Nachgeborene. Am Mahnmal im Warschauer Ghetto geschah Gott.
Mit freundlichem Gruß
Dierk Schäfer
Freibadweg 35
73087
BESCHLAGWORTET MIT: Diakonie, Entschädigung, Heimkinder, Kottnik «««
Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehn! « Dierk Schaefers Blog
[…] Der Worte sind genug gewechselt, wir wollen endlich Taten sehn! Veröffentlicht in News, heimkinder von dierkschaefer am 19. Oktober 2009 http://www.readers-edition.de/2009/10/13/geschwaetziges-papier-die-erklaerung-der-ev-landeskirche-hannover-vom-07102009/ […]
Mike
Ich wurde nicht nur sexuell missbraucht!
http://schwalmtal.blogspot.com/