Elisa Steele, Marketingchefin beim Internetriesen Yahoo ist noch nicht lange im Amt. Doch schon ein gutes halbes Jahr nach ihrem Einstieg bekommt sie mal wieder Post – öffentliche Post. Und die Zeilen von Thomas Hawk, die sich derzeit rasant im Netz verbreiten, fallen nicht gerade freundlich aus. Der Grund für sein Ärgernis liegt im Untertitel der neuen, millionenschweren Unternehmenskampagne begründet: “the internet’s under new management yours”, wird da stolz verkündet. Die Realität sieht jedoch völlig anders aus.
“Gestern”, so berichtet der User in seinem Offenen Brief, “vernichtete Eure Flickr Community Managerin Heather Champ eine ganze Flickr-Community, die das zu Hause für mehr als 3000 eingefleischte Yahoo-Nutzer war.” Es sei eine Gemeinschaft von Photographen gewesen, erzählt er, viele von ihnen seien schon Jahre in dieser, wie er sagt, lebendigen Gruppe mit über 5000 laufenden Konversationen vertreten. Es sei ein Ort der freien Rede gewesen, schwärmt Hawks, ein Ort, an dem viele von ihnen “lebten”. Sogar ein gemeinsames Magazin habe die Gruppe herausgegeben und darüber hinaus viele gute Freundschaften hervorgebracht. Doch gestern, während sie sich dort unterhielten, geschah das Unfassbare. Ohne jede Vorwarnung, noch die Möglichkeit selbst zu reagieren, wurden alle Nutzerdaten zerstört. Ein einziger Knopfdruck ließ all das verschwinden, was für die Gruppenmitglieder bedeutungsvoll und wichtig gewesen war.
“I hate your freedom” - Öffentliche Beschimpfung via Twitter
“Das waren Daten, die nicht Yahoo gehörten! Elisa”, schimpft der Autor. Die harte Arbeit der Menschen sei böswillig und herzlos vernichtet worden. “Ihr habt eine Gruppe zerstört, die sich dem freien Austausch verschrieben hatte. Doch noch bezeichnender ist, Ihr habt eine Gruppe vernichtet, in die tausende Menschen ihre emotionale Energie gelegt haben.”
Schlimm genug möchte man meinen, doch Heather Champ setzte dem Fass die Krone auf. Via Twitter ließ sie die ganze Welt wenige Sekunden vor der Vernichtung wissen, was sie eigentlich von den Nutzern hält. Sie schrieb: “I hate your freedom”. Ein Schritt, der Hawks eindeutig zu weit geht. Hat Yahoo ein Problem damit? Offensichtlich, so ist er überzeugt. Marketing und tatsächliche Unternehmenspolitik könnten weiter nicht auseinanderdriften. Das Internet gehört Euch? Nein, Yahoo glaubt, es gehört ihnen.
Viele Mitglieder der zerstörten Gruppe haben daraus ihre Konsequenzen gezogen und sich entschieden, Yahoo nicht länger zu nutzen. FriendFeed ist ihr neues zu Hause geworden. Eine Plattform, die noch nie einen Nutzer zensiert habe. Sie nutzt andere, bessere Wege…
Ist das nicht ein unvorstellbarer Vorgang? Allein schon die Formulierung :”I hate your freedom” ist bodenlos.
Tja, wenn man selber unterdrückt ist …