Im Schatten der Grenze

Kunsthalle Schweinfurt blickt in großer Sonderausstellung auf 20 Jahre Deutsche Einheit Schweinfurts Nähe zur ehemaligen Grenze führte rasch nach deren Öffnung zu vielfältigen geschäftlichen und kulturellen Kontakten mit dem südlichen Thüringen. Dieser Nachbarschaft zollt die von Andrea Brandl kuratierte Ausstellung “20 Jahre Deutsche Einheit 1989 – 2009. Kunst im Schatten

grenze.jpgKunsthalle Schweinfurt blickt in großer Sonderausstellung auf 20 Jahre Deutsche Einheit

Schweinfurts Nähe zur ehemaligen Grenze führte rasch nach deren Öffnung zu vielfältigen geschäftlichen und kulturellen Kontakten mit dem südlichen Thüringen. Dieser Nachbarschaft zollt die von Andrea Brandl kuratierte Ausstellung “20 Jahre Deutsche Einheit 1989 – 2009. Kunst im Schatten der Grenze”, die noch bis 10. Januar in der Großen Halle der neuen Schweinfurter Kunsthalle zu sehen ist, aus der Sicht der Region Franken wie aus dem Blickwinkel der Kunstmetropolen in anregendem Dialog Rechnung.

Im Zentrum der beeindruckenden Schau, die große und weniger bekannte Namen aus Ost und West versammelt, stehen Grenzerfahrungen, die sich in unterschiedlichster Art und Weise in der Kunst widerspiegeln. “Gemeinsames Merkmal der ausgestellten Arbeiten ist die offenkundige wie hintergründige künstlerische, meist sehr emotionale Auseinandersetzung mit und die Reaktion auf die geschichtlich-gesellschaftlichen Veränderungen, die der Mauerbau, der Kalte Krieg und die Wiedervereinigung 1989 hervorgerufen haben”, skizziert Andrea Brandl den roten Faden. Beim Durchwandern der Ausstellung wird schnell klar, dass der Mauerfall als Sieg der Freiheit skeptisch in Frage gestellt und eher kritisch in die Zukunft geblickt wird.

Das zeitliche Spektrum der Schau erstreckt sich von Klassikern wie Karl Hofer, Otto Dix, Gustav Seitz und Bernhard Heiliger zurück bis in die Nachkriegszeit. Arbeiten von Willi Baumeister und dem Informel rücken die Kunstdiskussion um das Abstrakte und Figurative der 1950er Jahre in den Fokus. Mit der Künstlergruppe SPUR und anderen werden die Emanzipationsbewegungen und das Auflehnen gegen die Adenauer-Ära thematisiert.

Als Kerngedanke zeigt die Ausstellung mit Hans Ticha, Johannes Heisig, Claus Weidensdorfer oder Rolf Händler prägnante Beispiele von konfliktbezogener Malerei vor und nach der Wende. Der in Chemnitz agierenden Künstlergruppe “Clara Mosch” ist ein eigener Beitrag, unterstützt durch eine Sonderveranstaltung und einen Katalogbeitrag, gewidmet. Als die eigene Biografie beeinflussend verarbeiteten Rainer Fetting, Jörg Immendorff, Markus Lüpertz, Karl Horst Hödicke oder A. R. Penck, Hartwig Ebersbach, Michael Morgner und Volker Stelzmann die Geschichte der Teilung.

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