Gruppe Die Linke: “Sachzwänge…”, “… und sofort kommt die Belohnung von der SPD. Brav, Gysi” – Ein StudiVZler bringt am Wochenende folgende Meldung ins Spiel: “Gysi kündigt Kurskorrektur an. Linke akzeptiert EU-Reform“, so der Titel, der prompt die ersten gespaltenen Reaktionen erzeugte. Mittlerweile (Stand 17.26 Uhr) befinden sich mehr als 60 Wortmeldungen in diesem Thread.
So fragt eine Nutzerin: “Wo ist die Partei der Menschen, die auch dann noch gegen den Lissabon-Vertrag sind, wenn er umgesetzt wurde? Ist doch umso schlimmer! Wir müssen was dagegen tun, dass solche wichtigen Entscheidungen ohne Volksabstimmungen getroffen werden, das ist doch unter anderem der springende Punkt! Ich bin empört.” Ein anderer Diskutant mahnt jedoch zur Ruhe: “Gysi hätte statt ‘akzeptieren’ vielleicht lieber das Wort ‘tolerieren’ verwenden sollen. Akezeptieren bedeutet ja, das man etwas im Prinzip ganz gut findet, tolerieren ja eher, das man etwas erst mal hinnimmt, trotzdem aber auch auf Veränderungen drängen kann. Ich vermute jetzt auch mal, dass Gysi letzteres gemeint hat.”
Einem anderen dagegen sind die angedeuteten Veränderungen und Korrekturen nicht klar. Auch er ist jedoch entspannt und sagt: “Also ich warte erstmal ab. Motzen kann ich dann später noch.” Ein Mitstreiter sieht das allerdings ganz anders. Er schreibt: “Nur weil die Iren jetzt mit Ja gestimmt haben, ist Gysi jetzt auf einmal mit dem Vertrag einverstanden? Ich erkenne nicht im geringsten, wie der Vetrag dadurch besser werden sollte. Europa wird zum Superpolizeistaat ausgebaut und DIE LINKE gibt sich geschlagen? Das ist schon herb. Und dann fällt Gysi auch noch auf die Medienhetze rein, dass jeder, der gegen den Vertrag ist, ein Feind Europas ist. Dabei ist der Vertrag feindlich gegen die EU-Bevölkerung. Aber jetzt redet Gysi Merkel nach dem Mund.” Für ihn habe Gysi damit ausgedient. Dem stimmt ein VZ-Nutzer zu und meint: “Wenn die Linken den Vertrag zustimmen, dann werden sie nicht nur viele Freunde verlieren, sondern den Teil ihrer Basis.”
Doch ist das wirklich so? Nachfolgender StudiVZler schreibt: “Was Gysi da macht ist völlig ok. Man kann gegen einen geplanten Vertrag kämpfen, so lange er noch nicht geschlossen ist. Ist er geschlossen, kann man auch nicht mehr dagegen kämpfen – er ist realität geworden. Hier ist ein Strategiewechsel nötig.” Dem wird nachfolgend zugestimmt: “Der Vertrag von Lissabon ist jetzt praktisch Realität, ob uns das nun passt oder nicht, ändert daran herzlich wenig. Wir können jetzt natürlich eifrig auf den Vertrag schimpfen und immer wieder betonen, dass wir ihn ablehnen. ‘Die Linke. und der Vertrag von Lissabon – Wie linke Fundamental-Oppositionisten gegen Europa kämpfen’ – wäre doch mal wieder eine tolle Spiegel-Schlagzeile.
Oder aber wir fangen an zu differenzieren und schauen, was an Lissabon taugt und wo Nachbesserungen notwendig sind und treten dafür dann mit allen uns zur Verfügung stehenden Mitteln ein.”
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