Keine Chance für Sevim – LINKE von Anne Will ausgeladen

Die ARD-Sendung “Anne Will” sowie die zuweilen dort angewandten fragwürdigen “Praktiken”(ständiges Unterbrechen, Herabwürdigen, Ablenken, Abwürgen der etc.) der Namensgeberin und Moderatorin der TV-Talk-Runde beim Umgang mit eingeladenen Gästen, die offenbar nicht ins vorgesehene Meinungs-Bild der Redaktion passen, waren schon öfters Anlass zu an dieser Stelle geübter scharfer Kritik. So manch

Die ARD-Sendung “Anne Will” sowie die zuweilen dort angewandten fragwürdigen “Praktiken”(ständiges Unterbrechen, Herabwürdigen, Ablenken, Abwürgen der etc.) der Namensgeberin und Moderatorin der TV-Talk-Runde beim Umgang mit eingeladenen Gästen, die offenbar nicht ins vorgesehene Meinungs-Bild der Redaktion passen, waren schon öfters Anlass zu an dieser Stelle geübter scharfer Kritik. So manch Autor der Readers Edition machte sich dementsprechend Luft. Nun, man hat gelernt damit umzugehen: steigt der Blutdruck dank Anne Will einmal allzu bedrohlich an, bleibt einem ja noch der Ausschaltknopf, um nicht auszuticken.

Manche dringen durch

Dabei bleiben Talk-Glanzpunkte nicht aus. Immerhin gelingt es hin und wieder Rethorik-Assen unter den Talkgästen wie z.B. Oskar Lafontaine oder Gregor Gysi die “Anne Will”-Kritik-Verhinderungs-Strategie dann aber doch einmal kurzzeitig zu durchbrechen. Ich nenne hier stellvertretend auch für andere Betroffene nur deshalb zwei LINKE, weil besagte Anne-Will-Praktiken merkwürdigerweise meist gegenüber politisch links eingestellten Gästen Anwendung finden.

Gast wieder ausgeladen

Immerhin wurden aber solche Gäste bisher wenigstens noch ab und an von der zuständigen Redaktion eingeladen. Und sie durften kommen! Vielleicht zwecks “Garnierung”? Sei’s drum! Wir wollen und können der Redaktion nicht hereinreden, wen sie zu “Anne Will” einladen, oder wen nicht. Wär’ ja auch noch schöner! Nur platzt mir einfach der Papierkragen mit exorbitant lautem Knall, wenn ich erfahre, dass – wie nun geschehen – ein zuvor in die Anne-Will-Sendung eingeladener Gast, kurz vor Toresschluss wieder ausgeladen wird!

Schily gegen seinen Ruf

Das Thema der gestrigen Anne-Will-Runde lautete “Keine Chance für Ali und Ayse – Gemüse verkaufen statt Karriere machen”. Aufs Tapet gehoben, offenbar als “Nachwehe” zu den unsäglichen verbalen Entgleisungen eines Thilo Sarrazin im Interview mit der Zeitschrift “Lettre International”. So weit und gar nicht einmal so schlecht: Über das Thema Integration von Einwanderern kann m. E. nämlich gar nicht genug geredet werden. Es kam wider Erwarten sogar eine halbwegs interessante Diskussion zustande. Als halbwegs staunenswert dürften die Zuseher obendrein noch die verhältnismäßig liberal eingefärbten Wortbeiträge des früheren Bundesinnenministers Otto Schily, dem eher der Ruf des cholerischen law-and-order-Rambos anhaftet, eingeschätzt werden.

Wolfgang Bosbach nahm Anstoß an “Rote-Hilfe”-Mitglied

Den Bösen gab diesmal Talk-Gast Wolfgang Bosbach (CDU). Jedoch schon vor der Sendung: Der Unionsfraktionsvize drängte die Anne-Will-Redaktion die gleich ihm sowie den anderen Gästen in die Sendung eingeladene migrationspolitische Sprecherin der Linksfraktion im Deutschen Bundestag, Sevim Dagdelen, wieder auszuladen. Der CDU-Politiker hatte Anstoß an Dagdelens Mitgliedschaft im Verein “Rote Hilfe e.V.” genommen. Der Verein unterstützt Aktivisten, die auf Grund von politisch als links geltender Tätigkeit mit deutschen staatlichen Organen in Konflikt geraten sind. Die “Rote Hilfe” wird vom Verfassungsschutz beobachtet. Konkrete Vorwürfe gegen den Verein bzw. gegen Personen tauchen in den Berichten bisher jedoch nicht auf. Und gegen Dagdelen liegt nichts Justitiables vor.

Eine Mitgliedschaft in der “Roten Hilfe” hatte auch schon der Juso-Vorsitzenden Franziska Drohsel Schererreien bereitet. Weshalb Drohsel 2007 dem Druck nachgab und aus dem Verein austrat.

Sevim Dagdelen dagegen, die Tochter türkischer Einwanderer, ver.di-Mitglied und als Abgeordnete für NRW in der Bundestagsfraktion von DIE LINKE, denkt keineswegs an diesen Schritt. Das bekam sie zu spüren. Die Anne-Will-Redaktion parierte nämlich brav: Dagdelen wurde postwendend ausgeladen. Eine Ungeheuerlichkeit! Die ARD knickte vor Bosbach staatsfunkmäßig ein. Dieser durfte dafür bei Anne Will seine pauschal-populistische Forderung nach schärferen Sanktionen für hier lebende Migrantinnen und Migranten, die angeblich Integrationskurse verweigern würden, abermals verbreiten.

Sevim Dagdelen selber schuld?

Die hoch engagierte und gut integrierte Sevim hatte am gestrigen Sonntag bei Anne keine Chance, um mit den anderen Gästen in der Sache über die Probleme und Befindlichkeiten von “Ali und Ayse” zu diskutieren. Weil deren Anwesenheit einem Christdemokraten übel aufgestoßen wäre. Sevim Dagdelen hatte wohl einfach Pech. Selbst schuld? Klar! Schließlich hätte sie doch nur widerrufen müssen. Dann hätte sie den Will’schen Gesinnungstest auch bravourös bestanden und beanstandungslos in der Talk-Runde platznehmen können.

Wäre Ähnliches einem Dissidenten im Fernsehen des fernen China widerfahren, Bosbach hätte gewiss nach scharfen Sanktionen gegenüber Peking gerufen. Und irgendein deutscher Fernsehkommentator würde mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit laut und vernehmlich ein Demokratiedefizit bei den Oberen des chinesischen Staatsfernsehens angeprangert haben. Und BILD wär’ medial die Hutschnur geplatzt. Wetten!

Übrigens: Wird nun der Gesinnungstest für Talk-Runden-Gäste eigentlich bald Sender übergreifend und womöglich flächendeckend auch für Interviewpartner bei den übrigen Medien eingeführt? Hat sich doch bewährt, oder? Eben. Dass Illner und Maischberger schon bei Anne Will nachgefragt haben, wie’s genau geht, ist augenblicklich allerdings noch ein Gerücht…

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  1. Der saarländische Ministerpräsident Peter Müller (CDU) befürwortete – ähnlich wie sein Parteikollege Wolfgang Bosbach – Sanktionen für integrationsunwillige Ausländer – . Kritik ernteten sie allein von der Linksfraktion. Im Bewusstsein eigener Unzulänglichkeiten wird durch Projektionen auf konstruierte Versagergruppen eine Entlastung gesucht.

    Das Konzept TV-Talk-Runde sieht vor, dass Teilnehmer X nicht mit den Positionen Y und Ansichten Z konfrontiert werden will. Folglich sieht das Konzept vor, dass der Rest der Runde aus rein “konzeptionellen Erwägungen” zum Teilnehmer X und seinen Vorstellungen passen muss. Das war aber in der deutschen Medienlandschaft immer der Fall, wenn es um „Ausländer, Migranten“ ging. Es verwundert mich auch nicht, dass von vielen türkische oder arabische Medien bevorzugt werden.

    Ein türkisches Sprichwort besagt:

    “Denjenigen, der die Wahrheit spricht, verjagt man aus 9 Dörfern.”

    Original: “Doğruyu söyleyeni dokuz köyden kovarlar.”

    Sinngemäß: “…, denn die Wahrheit will man nicht immer hören.”

    Nach §44a Absatz 3 Aufenthaltsgesetz ‚Verpflichtung zur Teilnahme an einem Integrationskurs‘ gibt es zahlreiche Sanktionsmöglichkeiten. Hierzu zählen, dass die Ausländerbehörde die Teilnahme mit ‚Mitteln des Verwaltungszwangs‘ durchsetzen und bei Verletzung der Teilnahmepflicht die voraussichtliche Kostenbeteiligung durch Gebührenbescheid erhoben werden kann. Eine Aufenthaltsverfestigung und Einbürgerung ist nicht möglich. Die Verlängerung der Aufenthaltserlaubnis kann in bestimmten Fällen abgelehnt werden, d.h. die Betroffenen müssen ausreisen oder werden abgeschoben. Und wenn die Verpflichtung im Rahmen einer Eingliederungsvereinbarung mit dem Sozialhilfeträger (§ 31 SGB II) ausgesprochen wurde, kann dies Leistungskürzungen um 30%, 60% bzw. im Wiederholungsfalle sogar bis zu 100% nach sich ziehen.

    Der Vorwurf gegen CDU lautete: Sanktionen statt Angebote, Ausweitung von Abschiebungen statt Aufenthaltsverfestigung und Eingriffe in Grundrechte statt Ausbau von Rechten.

    Das Buch von Armin Laschet, Integrationsminister NRW, „Die Aufsteiger-Republik – Zuwanderung als Chance“ setzt sich in vorbildlicher Weise mit den Gegebenheiten konstruktiv auseinander.