Lang hat’s gedauert, doch jetzt geht’s weiter: Bis zum 12. Spieltag in der 3. Liga hatte lediglich ein Verein beschlossen, die Reissleine zu ziehen und den Trainer zu entlassen. Gerüchte über körperliche Auseinandersetzungen mit Spielern und ausbleibender sportlicher Erfolg waren das gefährliche Gebräu, an dem sich Falko Götz schließlich bei Holstein Kiel verschluckte. Eine fast schon gespenstisch niedrige Quote im Haifischbecken und Tagesgeschäft Profi-Fußball. Die zweiwöchige Länderspielpause allerdings half den Managern wohl dabei, sich dieser altbekannten Methode wieder zuzuwenden – ganz nach dem Motto: Neue Besen kehren gut.
Boysen verlässt das Schiff freiwillig
Dynamo Dresden reagierte nach dem 0:2 bei den Werder-Amateuren auf die andauernde Talfahrt und die Querfeuer der Bild-Zeitung und feuerte Trainer Ruud Kaiser, mit Matthias Mauksch, dem Trainer der zweiten Mannschaft hat man eine interne Lösung präsentiert. Nicht ganz freiwillig mussten sich die Kickers aus Offenbach auf die Suche nach einem neuen Übungsleiter begeben, hatte doch Hans-Jürgen Boysen für viele völlig überraschend nach einem souveränen 4:0-Erfolg über Jena und dem Sprung auf Tabellenplatz zwei seinen Rücktritt erklärt. Wenige Tage später wurde Boysen als neuer Trainer beim abstiegsbedrohten Zweitligisten und Lokalrivalen FSV Frankfurt vorgestellt. In Offenbach stimmte die Chemie zwischen Manager Andreas Möller (Weltmeister von 1990), der sich nur zu gerne in die sportlichen Belange einmischte und Boysen schon lange nicht mehr. Der Trainer zog es vor, seinen Stuhl von sich aus zu räumen und den gewetzten und lediglich aufgrund des aufkeimenden sportlichen Erfolgs vorübergehend stumpfen Messern von Möller aus dem Weg zu gehen.
Duell der Novizen
Am 13. Spieltag standen sich nun beide Traditionsklubs im frisch ausgebauten und vollständig renovierten Rudolf-Harbig-Stadion, das derzeit als einziger Baustein in Dresden höheren Ansprüchen genügt, gegenüber. Offenbach siegte in einem offenen Spiel mit 4:2 und übernahm erstmals die Tabellenspitze, während Dresden weiter auf einem Abstiegsplatz und vor unruhigen Zeiten steht. Bei den Kickers findet Stürmer Mesic langsam wieder zu alter Form und trifft das Tor wieder, mit Ulm und Zinnow hat er darüber hinaus tatkräftige Unterstützung aus dem offensiven Mittelfeld erhalten. Dresden dagegen zeigte sich in der Defensive hilflos überfordert und baute auch körperlich nach 60 Minuten erschreckend schnell ab. Genau dort wird Trainer Mauksch, intern nur als Interimslösung ausgegeben, ansetzen müssen, will er nicht bald seinen eben erst erworbenen Platz in der unaufhaltsamen Reise nach Jerusalem verlieren. Offenbachs neuer Trainer Steffen Menze dagegen darf sich erstmal Hoffnung machen, einen relativ rutschfreien Sitzplatz erwischt zu haben.
Marc Strasser arbeitet in einer Sportredaktion und bloggt für betfair
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