Save euer Radio!

Manja ist Musikerin, zieht über die Bühnen Europas mit ihrer Message: Frieden! Und macht beim hiesigen Radio Blau unkommerziell Sendung. Da stehen die Ampeln jedoch gerade auf Halt! Wieso und weshalb und was es zur neuen Platte zu sagen gibt, hier mit Volly Tanner im Interview: Volly Tanner: Hallo Manja

manjt.jpgManja ist Musikerin, zieht über die Bühnen Europas mit ihrer Message: Frieden! Und macht beim hiesigen Radio Blau unkommerziell Sendung. Da stehen die Ampeln jedoch gerade auf Halt! Wieso und weshalb und was es zur neuen Platte zu sagen gibt, hier mit Volly Tanner im Interview:

Volly Tanner: Hallo Manja – schön Dich zu sprechen, jedoch ein schlechter Grund dafür! Die drei freien Radios in Sachsen stehen auf der Kippe. Das standen sie schon oft – aber diesmal blickt keiner mehr so richtig durch warum eigentlich. Wie ist denn der Stand der Dinge?

Manja: Die freien Radios senden mit einer Lizenz bis 2014 auf einer Frequenz mit Apollo-Radio – denen, so sagt man, die Gebühren beim Sendemastbetreiber Media Broadcast zu teuer geworden sind. Und zum 31.12.2009 wollen diese kündigen. Das würde in dem Falle das Aus für Radio Blau in Leipzig, Coloradio in Dresden und Radio T in Chemnitz bedeuten. Uns fehlt momentan Geld und eine genaue Ansage zu dem Thema von den Beteiligten, der Medienrat der Sächsischen Landesmedienanstalt eingeschlossen. Und deshalb brauchen wir Unterstützung! Save euer Radio!!

Volly Tanner: Eines der Probleme ist aber doch auch die Akzeptanz der freien Radios in der Stadt. Halle hat ein 24stundenradio – aber Radio Blau sendet nicht nur kürzer, sondern auch qualitativ eingeschränkt – um es mal nett auszudrücken. Was können die Radiomacher wirklich tun? Entscheidungen sind ja auch immer politisch. Wäre ein qualitativ hochwertigeres Radio nicht viel schwerer abzuschalten???

Manja: Zum gegebenen Anlass wurde der Blog http://radio.fueralle.org ins Leben gerufen, dort kann jeder nachlesen wie der aktuelle Stand ist und was für Aktionen geplant, am Laufen und schon gelaufen sind. Radioblau finanziert sich größten Teils durch seine Mitglieder und Spenden. Über einen längeren Sendebetrieb wird schon seit Monaten verhandelt. Und das ein Bürgerradio, gestaltet von Senioren, Studierten, Künstlern, Müttern, Vätern, Jugendlichen und Kindern von der Stadt nicht so unterstützt wird wie wir es uns wünschen, das ist wie Sand im Getriebe, gerade jetzt.

Volly Tanner: Freies Radio hat natürlich auch eine gesellschaftliche Aufgabe. Es geht um Basisdemokratie und freie Meinungsäußerung. Um ein nebenkommerzielles alternatives Dasein. Hat Radio Blau diese Aufgabe in den letzten Jahren eigentlich erfüllt? Warum gibt es keinen Aufschrei bei der Hörerschaft – und wie sieht diese eigentlich aus?

“Dass Kultur abgeschafft wird ist Routine geworden…”

Manja: Wie du hörst den Aufschrei nicht? Im Moment suchen wir nach effektiven Wegen den Aufschrei ins richtige Ventil zu lenken. Dass Kultur abgeschafft wird ist Routine geworden und wird von vielen achselzuckend registriert … so als müsste ja irgendwer die Finanzkrise ausbaden, über die wir unter anderem in unserer “Aktuell Sendung” täglich berichten. Wir sind bei Demos live vor Ort; übertragen Fußballspiele und von der Buchmesse. Bei uns findet Kultur jeglicher Art statt und Menschen kehren ein und aus, wie sie unterschiedlicher nicht sein können. Und dann bietet das Radio den Mitgliedern selbst ein soziales Netzwerk und das bekommen auch die Hörer zu spüren. Als wäre man hautnah dabei. Wie genau unsere Hörerschaft aussieht werden wir wohl hoffentlich in der nächsten Zeit erfahren. Ich denke aber wie ein Spiegel von uns selbst … Alles dabei.

Volly Tanner: Wie können sich die HörerInnen denn jetzt konkret engagieren? Gibt es Ansprechpartner? Und wie sieht der Ablauf der nächsten Wochen aus? Was muss getan werden?

Manja: Die Hörer könnten dem Medienrat der SLM freundlich gesinnt per Postkarte, e-mail oder Brief mitteilen, das sie uns vermissen würden, generell eben Motivation jeglicher Art, Spenden sind gern gesehen und es gibt “Aktivtreffen” wo jeder sich einfinden kann der RadioBlau unterstützen will. Das ganze online-Sortiment : Blog; Facebook, Myspace; Twitter und natürlich www.radioblau.de bietet Möglichkeiten das Geschehen zu Verfolgen.

Volly Tanner: Nun aber zu etwas Erfreulicherem: “Mein Reggaegefühl”, deine neue CD, ist auf dem Markt und wirklich gut. Roter Faden ist Dein Bedürfnis – und das vieler anderer Menschen – nach Frieden. Besonders ist da auch der Song “Homegrown Terrorist” – hat Reggae an sich etwas mit Kiff zu tun?

Manja: Es wird häufig thematisiert. Funktioniert aber auch prima ohne. Reggae ist so viel mehr. Zum Beispiel Einheit und die Sehnsucht nach Frieden und wenn es der in dir selbst ist, um dann mit offenen Augen die Welt zu sehen. Der Homegrownterrorist ist ja eigentlich der einzige Song der das Thema Beziehung hauptthematisiert. Ich hab meinen Herzterroristen wachsen lassen und im Abgang hat er sich noch selbstgekrönt. Auf dem Markt ist das Album als Downloadalbum erhältlich, da pass ich mich dem Zeitgeschehen im Moment noch an. Wenn ich ein Album auf CD veröffentliche, wird es mehr als nur eine CD. Natürlich gibt es eine kleine limitierte Auflage. So ganz auf das Gefühl wollte ich dann doch nicht verzichten.

Volly Tanner: Du hast ja auch – als Special sozusagen – von Keimzeit “Kling Klang” in den Reggae geholt. Gibt’s da eigentlich Überschneidungen zwischen den Publikumsfronten – Keimzeit sind ja schon seit Anfang der Achtziger auf Tour – Dein Volk ist da eher chilliges Milleniumsozialisiertes?

“Es wird Zeit das Klischee von kiffenden Zahnspangenträgern zu verwerfen.”

Manja: Mein Volk ist familienübergreifend, es wenden sich Eltern und Kinder an mich, die sich bedanken, weil sie einen gemeinsamen Nenner in meinen Liedern finden. Das zeichnet Reggae aus. Er verbindet und tut gut. Es wird Zeit das Klischee von kiffenden Zahnspangenträgern zu verwerfen. Uns dürstet es nach sozialen Werten, viele wissen es nur nicht. Wer bei meiner Musik ankommt, der weiß warum und das beinhaltet oft auch Menschen die vorher mit Reggae nichts anfangen konnten.

Volly Tanner: Du selber hast ja in Deiner musikalischen Karriere auch schon einige Runden gedreht. Du warst Sachsens Vorzeigestar bei Stefan Raabs Songcontest, Du warst (wenn ich richtig informiert bin) bei Four-Music unter Vertrag und nun hat Dich MKZWOrecords im Boot – was ist das denn für eine Truppe?

Manja: MKZWO habe ich früher als kostenloses HipHop/Reggae/Dancehall Magazin in A6 Format gelesen und sie haben u.a. 2003 mit Ganjaman & Junior Randys Album “Die Brandstifter” einen der Meilensteine für deutschsprachigen Reggae/Dancehall gesetzt. Sie boten mir die Möglichkeit, mein Album über sie zu veröffentlichen. Das Indielabels es schwer haben muss ich nicht erwähnen. Das Mag gibt es heute als online Ausgabe und was früher CD & Vinyl war, verkauft sich heut als mp3.Wichtig war für mich, mich nicht zu sehr zu binden und gleichzeitig doch eine Verbindung zu haben. Für Sean Pauls Hit Album “Dutty Rock” hab ich damals die Review geschrieben und jetzt ziere ich ein Cover und habe einen Weg gefunden, dass Nerven, Arbeit & Geld nicht umsonst waren und jeder an “Mein Reggaegefühl” teilhaben kann. Was die musikalische Runde angeht, bin ich gespannt wo es mich als nächstes hinzieht.

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