Spanisches Lebensgefühl an grauen Herbsttagen – Mil Santos “Creo”

Es ist kalt geworden da draußen – bitterkalt sogar. Die leichten Kleider sind dicken Pullovern gewichen und die Erinnerungen an unbeschwerte Sommertage beginnen langsam zu verblassen. Ungemütlich ist es. Rückzugspunkte werden immer willkommener. Der seit 1999 in Berlin lebende Kolumbianer Mil Santos kommt da wie gerufen. Mit seiner Debüt-EP “Creo”

milsa.jpgEs ist kalt geworden da draußen – bitterkalt sogar. Die leichten Kleider sind dicken Pullovern gewichen und die Erinnerungen an unbeschwerte Sommertage beginnen langsam zu verblassen. Ungemütlich ist es. Rückzugspunkte werden immer willkommener. Der seit 1999 in Berlin lebende Kolumbianer Mil Santos kommt da wie gerufen. Mit seiner Debüt-EP “Creo” holt er uns das Lebensgefühl längst vergangener Tage zurück.

Also CD-Player an, zurücklehnen und die Augen schließen…

Stellt Euch vor, Ihr sitzt abends in einem kleinen Bistro im Freien. Es ist dunkel. Nur ein paar Laternen schenken Euch ein wenig Licht. Eine kleine Band spielt spanische Musik auf, wozu eine Frau mit schwarzen langen Haaren und einem roten Kleid mit einem Mann im weißen Hemd, schwarzer Hose und Rose im Mund tanzt…

Eine wunderschöne Vorstellung, nicht? Genau dieses Bild hatte ich beim Hören dieser EP vor Augen. Mil Santos alias Mauro versucht sich bei seiner ersten EP an einem Mix aus traditioneller spanischer Musik und modernem Hip Hop …. und das gelingt ihm auf bezaubernde Weise. Der Sommer ist zurück, Buena Vista Social Club und Orishas lassen im Geiste grüßen. “Das Ganze klingt so dermaßen nach 40° im Schatten, dass man relativ schnell vergisst, wo man eigentlich ist”, schreibt auch die raplounge über diese ersten vier Stücke, die Mil Santos – übersetzt “Tausend Heilige”, den Musikfreunden in diesen Tagen gleich in drei verschiedenen Sprachen schenkt. “Creo” berührt die Seele, aber auch die Hüften. Mauro selbst drückt es jedoch etwas anders aus: “Nicht beeindrucken sondern ausdrücken, die Menschen berühren, die Welt aus einer anderen Perspektive zeigen, Muster in Frage stellen”, das sei ihm persönlich wichtig. Und so erzählen “El Caminitio”, “Familia”, El Diluvio” und “Razon del Corazon” genau davon. Familie, Herz, Sehnsucht und alles, was dazugehört.

Gemeinsam auf Tour mit Culcha Candela

Sonnig und lebensbejahend geht es auf diesem kurzen musikalischen Spaziergang unter südlicher Sonne zu. Gerade einmal knapp 15 Minuten verbleiben dem Sehnsüchtigen sich mit Mil Santos hinüber zu flüchten. Unterstützung erhält der Newcomer dabei sogar von einem Prominenten der Musikszene. Lafrotino, ebenfalls aus Kolumbien, von Culcha Candela featured den Titel “El Caminito”. Und das hat natürlich seinen Grund. Zusammen mit der seit 2001 bestehenden Formation befand sich der junge Künstler seit Ende September auf “Schöne Neue Welt“-Tour, um sein Gefühl von Familie zu leben.

Ziehen wir also Resümee. Der kurze gemeinsame Weg, den ich an einem trüben Nachmittag mit “Creo” gehen durfte, ist zu Ende und das wärmende Gefühl ist verflogen. Das triste Grau tritt wieder in den Vordergrund, der dicke Pullover ist wieder fühlbar. Es war ein angenehmer Ausflug. Musikfreunde, die von Culcha Candela oder Jamaram nicht genug bekommen können, sind auch bei Mil Santos goldrichtig. Die Mischung stimmt. Vier gut gemachte und wirklich abwechslungsreiche Stücke sind entstanden, die mir Einblick in ein vorher unbeachtetes Genre geboten haben. “Das ist nur der anfang ja?”, schreibt derweil ein Fan in sein Myspace-Gästebuch und auch ich bin mir sicher, dass wir in Zukunft noch mehr von Mil Santos hören werden.

Wem das jedoch zu lange erscheint, dem sei bis dahin ein Stück Live-Performance an die Hand gegeben…

Kommentare

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  1. Interessant, wohin einen die Google Blogsuche führt: da sucht man nach “Kleid für den Mann” und landet hier. ;-) Naja, als Mann trage ich Kleider und Röcke auch noch im Winter!

    Gruß
    Jürgen