“Die Reifeprüfung” im Theater Sommerhaus in Sommerhausen
Das Stück “Die Reifeprüfung” (engl. The Gratuate) aus dem Jahre 1967 kennen die meisten als amerikanischen Spielfilm mit Dustin Hoffmann als Ben Braddock, der auf der verglasten Kirchenempore das Äußerste zu verhindern sucht, nämlich die Hochzeit seiner Angebeteten. Obwohl er “zu spät” kommt (laut Mrs. Robinson), fährt er mit Elaine schnurstracks nach dem Ja-Wort (gegenüber Carl) fort in eine ungewisse Zukunft. “Die Reifeprüfung” nach dem gleichnamigen Roman von Charles Webb erfährt in den letzten Jahren ein Comeback auf den Theaterbühnen des Landes, wie derzeit im Theater Sommerhaus in Sommerhausen.
Michael Fersch als Ben versteht es meisterhaft, den Naiven, Lebensunerfahrenen und Unbeholfenen zu geben. Er lässt sich bei allem in die Karten schauen, sogar während der gekonnten Verführungsattacke von Mrs. Robinson (Brigitte Obermeier). Er macht vor ihr einen Seelenstriptease, sie vor ihm einen echten. Zwei Welten, die um unterschiedliche Sonnen kreisen, versuchen sich anzunähern, was letztendlich nicht einmal körperlich wirklich gelingt: “Es war wie Händeschütteln”, beschreibt Ben später Mr. Robinson (distinguiert gespielt von Heiko Schnierer) die Affäre mit Mrs. Robinson. Im Gegensatz zum Verhältnis zu Elaine, der Tochter der Robinsons. Gezwungen von seinen Eltern (Hannes Hirth und Babs Trahndorff) mit ihr (Luise Weber) auszugehen, wendet sich plötzlich das Blatt und Ben verliebt sich unsterblich in Elaine – das Unglück für alle nimmt seinen Lauf!
Babs Trandorf als seine Mutter bleibt vielfach außen vor, da sie den Zugang zu seiner Welt nicht findet, im Gegensatz zu seinem Vater, Hannes Hirth, der sowohl mit seiner Rolle in diesem Stück als auch mit der Regie einen Parforceritt sondersgleichen hinlegt. Tempogeladen, stringent und ohne Längen erzählt er eine Geschichte mit Tiefgang, die bisweilen komisch-skurril anmutet (Applaus!). Die Paraderolle belegt in diesem Stück jedoch die Prinzipalin des Sommerhauses Brigitte Obermeier, die souverän sich durch alle Betten spielt – angezogen und ungezogen die Fäden bis zum Schluss in der Hand behält. Selbst als Elaine sie ihr am Schluss aus der Hand nimmt – “Mäuschen probt einen Aufstand” –, bleibt sie hoch erhobenen Hauptes zurück. Luise Weber als Elaine ist ebenso spielfreudig wie ihr Pendant Michael Fersch als Benjamin und daher geben und nehmen sie sich nichts auf der Bühne. Eine perfektes(eingespieltes) Paar!
“Der Himmel steckt im Detail” – das gilt auf jeden Fall auch für diese Inszenierung, nicht nur fürs Leben!
Weitere Termine: 1., 4., 6., 7., 20., 21. November,
Karten unter 09333.9049867
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