“Opium für das Volk” – dieser Revolutionsslogan diente Lenin zu seiner sozialistischen Propaganda. Von Karl Marx abgewandelt sollte er die kommunistische Idee plakativ vor der demokratisch-kapitalistischen Indoktrination warnen. Das war im vorigen Jahrhundert und ist seit dem Ende des Kalten Krieges endgültig nur mehr in Geschichtsbüchern zu lesen. Ironischerweise steht die Phrase nun für die Sicherheit westlicher Demokratien. Der Kampf richtet sich jedoch nicht mehr gegen den post-stalinistischen Kommunismus – er richtet sich gegen den islamistischen Terrorismus.
Die UN-Agentur für Drogen und Kriminalität, kurz UNODC, hat am Donnerstag in Wien ihren neuen Bericht zum Wechselspiel zwischen Opiumhandel und Terrorfinanzierung vorgelegt. Auf 152 Seiten belegt die Untersuchung, wie die radikalislamische Taliban vom exorbitanten Anbau und Handel von Opium finanziell profitiert. Alleine der europäische Markt für Heroin aus Afghanistan beträgt jährlich etwa 20 Milliarden US-Dolar – das entspricht 26 Prozent des globalen Marktwerts. Dahinter folgt Russland mit einem Marktanteil von 20 Prozent. Mittlerweile belaufen sich die Einnahmen aus dem Opium-Geschäft für die Taliban zwischen 90 und 160 Millionen US-Dollar pro Jahr. Diese Zahlen erlauben es der Taliban, “eine Kriegsmaschinerie zu finanzieren, die technologisch immer komplexer und umfassender wird”, so UNODC-Direktor Antonio Maria Costa gegenüber der dpa.
Die Zusammenhänge stellen einerseits ein Risiko für die Sozial- und Gesundheitssysteme westlicher Länder dar.
So sterben in den NATO-Ländern jedes Jahr 10 000 Menschen an einer Überdosis afghanischer Drogen. Das sind fünfmal mehr als alle in Afghanistan gefallenen NATO-Soldaten zusammen – in acht Jahren. Die Explosion der Opiumproduktion seit 2006 in Afghanistan (2005: 4000 Tonnen; 2009: 7000 Tonnen) drängt dem Westen jedoch auch ein sicherheitspolitisches Problem auf. Vereinfacht ausgedrückt gefährden Drogenabhängige in Frankreich, Deutschland, Großbritannien oder Polen das Leben ihrer Soldaten in Afghanistan – möglicherweise sogar die eigene innere Sicherheit ihrer jeweiligen Länder. Sie finanzieren einen Gravitationspunkt des islamistischen Terrorismus mit: die Taliban – und damit auch das mutierte Terrornetzwerk Al-Qaida.
Seit Wochen und Monaten debattieren Politiker allerorts über Truppenstärken – im Irak, in Afghanistan. Tatsächlich könnte damit die Hochburg des Opiumanbaus im Südwesten der wackelnden Demokratie zumindest eingedämmt werden. Beliebt machen sich die westlichen “Befreier” bzw. “Besatzer” damit bei der Bevölkerung allerdings nicht. Immerhin leben viele afghanische Bauern vom Geschäft mit dem Mohn.
Doch es gibt keine Alternative: Der Drogenhandel muss eingedämmt werden.
Das geht weniger durch Verbote, als vielmehr durch die nachhaltige Schaffung einer legitimen Alternative für die Menschen, ihre Familie ernähren oder mit sauberem Wasser versorgen zu können. Obwohl das afghanische Bruttoinlandsprodukt seit dem Sturz der Taliban 2001 marginal zugenommen hat, leiden zu viele Menschen an mangelnder Stromversorgung, Wohnqualität, medizinischer Versorgung und schlichtweg Arbeit.
Natürlich muss die militärische Option mit einbezogen werden – das steht außer Frage. Mindestens gleich wichtig für eine nachhaltige Demokratisierung des Clan-Staates ist jedoch die zivile Stoßrichtung des (Wieder-) Aufbaus. Die Arbeitslosenrate liegt bei 40 Prozent – damit sind sie im Ranking der CIA 10 Prozent über dem Weltdurchschnitt und nehmen den 185. Platz ein, vor Swasiland. Der viel zitierte “Krieg gegen Terror” darf den weniger oft zitierten “Kampf für Perspektive” in der politischen und öffentlichen Auseinandersetzung nicht von der Agenda stoßen. Ansonsten läuft der Westen Gefahr, die terroristische Schlagkraft weiterhin indirekt fremd zu finanzieren.
Es gibt Alternativen. Mit massiven Truppenverstärkungen den Mohnanbau bekämpfen zu wollen, ist illusorisch. Wir können aber den Mohnanbau zurückfahren, wenn wir das “Ertragsgefälle” zwischen Nahrungsmittel- und Drogenanbau für den Bauern egalisieren.
Wie das ?
Großflächige Verteilung von morphinarmen europ. Mohnsorten (natürliche Züchtung, 200 ppm/Morphin) über den afghanischen Mohnanbaugebieten. (20.000 ppm /Morphin)
Kurzfristige Wirkung:
Mangels Unterscheidbarkeit bis zur Kelchbildung kann der Bauer nicht erkennen, welche Pflanze er “vereinzelt”. Reduzierung des Ertrages je nach “Kontaminationsgrad”.
Mittel- langfristige Wirkung:
Einkreuzung in das Saatgut. Allgemeine Reduzierung des Morphingehaltes.
Effekt:
Dezimierung des Ertrages aus dem Drogenanbau, die Bauern wenden sich wieder der Nahrungsmittelproduktion zu, bzw. werden zu “Treibstoff-Produzenten”.
Konventionelle Bekämpfung wird obsolet.
Den bisherigen Schriftwechsel mit der UNODC, dem AA, dem
BMZ, der GTZ etc. kann ich Ihnen ebenfalls zur Verfügung stellen.
Eine der größten Tageszeitungen Kanadas veröffentlicht zudem
folgenden Artikel auf der Titelseite:
“UN plans to take bloom off opium trade”
http://thestar.ca/news/world/article/695236
-einige Aspekte sind erläuterungsbedürftig-
Veröffentlichung der Zeitschrift “Politische Ökologie” -Die Alternative fällt vom Himmel-