Lyrileison – Neue Lyrik und deren kritische Betrachtung: Teil 38

Heimat Ich habe mir einen Baum gepflanzt Im rauchigen Dorf, Wo der Eisvogel fliegt Und der rote Milan schwebt über dampfenden Wiesen. – . Bunte Schilder am Maibaum, Der mir fremd ist Und der Horizont ist dunstig, Wenn ich aus dem Dorf gehe Und eine Wolke steht immer über dem

jenpho11111111111111121111111111111.jpgHeimat

Ich habe mir einen Baum gepflanzt

Im rauchigen Dorf,

Wo der Eisvogel fliegt

Und der rote Milan schwebt über dampfenden Wiesen. -

.

Bunte Schilder am Maibaum,

Der mir fremd ist

Und der Horizont ist dunstig,

Wenn ich aus dem Dorf gehe

Und eine Wolke steht immer über dem Kernkraftwerk

Unten am Fluss. -

Ich habe mir meinen Tag gezäumt

Mit wildem Wein.

Wie Eva nehme ich Äpfel mit

Auf meinem Rundgang zu mir.

Ich habe mir einen Ort gesucht

Am sprechenden Bach mit den Armen einer alten Frau,

Die zitternd den Rain umfangen,

Mit der Straße,

Auf dem Bauern ihre Ernte heimfahren. -

Da nun Erntezeit ist, wird der Traum zu Gold.

Abends beim Tanz

Die gleichen Gesichter

Wie auf dem Wagen, lehmbespritzt.

Abends beim Tanz

Das haltlose Jodeln,

Hüpfende Bäuche im seltsamen Glück.

Abends beim Tanz

Die steinalten Bräute,

Staubige Witze,

Wimpern aus Stahl. -

Ich habe mir einen Baum gepflanzt,

Am Hang, wo das Schaf grast zu Mittag

Und er rote Milan schwebt über gemähte Felder -

Klaus Grunenberg

Kritik

Eine erdige, eine ländliche Situation wird beschrieben. Ein Dorf ein Städtchen, vielleicht in Franken, das zur Heimat wurde.

Es gibt ja Menschen, die können nur in ländlicher Umgebung leben. Und wenn sie in einer Stadt leben, brauchen sie zumindest etwas Grünes in ihrer nächsten Umgebung, egal ob in Hamburg oder Berlin.

Was wird aber geboten in diesem Gedicht?

Erst einmal die Einsamkeit der Gegend, die lebende Natur. Doch schon bald tritt als Gegenüber das drohende Kernkraftwerk ins Bild. Arbeitende Menschen, die abends ihrem ländlichen Vergnügen nachgehen, jedoch nach einer Art, die einwenig befremdet. Und trotzdem geschieht das Pflanzen eines Baumes, ein heimatliches Gefühl kommt auf trotz allem Ungewohnten, Seltsamen.

So also kann Heimat entstehen. Wenn nur ein kleiner Raum da ist, in dem man sich geborgen fühlt.

Ed Moercke

Ich für meinen Teil bin nicht so romantisch, das ich mir Heimat räumlich nur vorzustellen vermag.

Nein, Heimat finde ich in meiner SPRACHE !!!

Ich bitte gnädig, meine Lieben, die feuchte Aussprache zu entschuldigen!

Mark Beil-Ritzi

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Photo Quelle/Copyright: Jenzig71, via pixelio.de


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