Heimat
Ich habe mir einen Baum gepflanzt
Im rauchigen Dorf,
Wo der Eisvogel fliegt
Und der rote Milan schwebt über dampfenden Wiesen. -
.
Bunte Schilder am Maibaum,
Der mir fremd ist
Und der Horizont ist dunstig,
Wenn ich aus dem Dorf gehe
Und eine Wolke steht immer über dem Kernkraftwerk
Unten am Fluss. -
Ich habe mir meinen Tag gezäumt
Mit wildem Wein.
Wie Eva nehme ich Äpfel mit
Auf meinem Rundgang zu mir.
Ich habe mir einen Ort gesucht
Am sprechenden Bach mit den Armen einer alten Frau,
Die zitternd den Rain umfangen,
Mit der Straße,
Auf dem Bauern ihre Ernte heimfahren. -
Da nun Erntezeit ist, wird der Traum zu Gold.
Abends beim Tanz
Die gleichen Gesichter
Wie auf dem Wagen, lehmbespritzt.
Abends beim Tanz
Das haltlose Jodeln,
Hüpfende Bäuche im seltsamen Glück.
Abends beim Tanz
Die steinalten Bräute,
Staubige Witze,
Wimpern aus Stahl. -
Ich habe mir einen Baum gepflanzt,
Am Hang, wo das Schaf grast zu Mittag
Und er rote Milan schwebt über gemähte Felder -
Klaus Grunenberg
Kritik
Eine erdige, eine ländliche Situation wird beschrieben. Ein Dorf ein Städtchen, vielleicht in Franken, das zur Heimat wurde.
Es gibt ja Menschen, die können nur in ländlicher Umgebung leben. Und wenn sie in einer Stadt leben, brauchen sie zumindest etwas Grünes in ihrer nächsten Umgebung, egal ob in Hamburg oder Berlin.
Was wird aber geboten in diesem Gedicht?
Erst einmal die Einsamkeit der Gegend, die lebende Natur. Doch schon bald tritt als Gegenüber das drohende Kernkraftwerk ins Bild. Arbeitende Menschen, die abends ihrem ländlichen Vergnügen nachgehen, jedoch nach einer Art, die einwenig befremdet. Und trotzdem geschieht das Pflanzen eines Baumes, ein heimatliches Gefühl kommt auf trotz allem Ungewohnten, Seltsamen.
So also kann Heimat entstehen. Wenn nur ein kleiner Raum da ist, in dem man sich geborgen fühlt.
Ed Moercke
Ich für meinen Teil bin nicht so romantisch, das ich mir Heimat räumlich nur vorzustellen vermag.
Nein, Heimat finde ich in meiner SPRACHE !!!
Ich bitte gnädig, meine Lieben, die feuchte Aussprache zu entschuldigen!
Mark Beil-Ritzi
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