Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Einen interessanten Vorschlag macht derzeit ein StudiVZler im Forum der Grünen. Er fordert: “Die Pendlerpauschale muss für Autofahrer abgeschafft werden. Die für Bahnfahrer kann vorerst erhalten bleiben. Stattdessen sollte es eine Umsiedlungspauschale geben.” Gemeinsam wird diese Idee nun kontrovers diskutiert.
Der Thread-Eröffner führt zunächst seine Gedanken weiter aus. Er schreibt: “So sollte der Staat ca. 50 -75% der Grundstückskosten übernehmen (maximal 100.000 €). Ausgezahlt wird nur, wenn das Haus eine Solaranlage aufs Dach bekommt. Als Grundstücke kommen nur welche von Großstadtgebieten und maximal 15 km Enfernung Umland in Frage.” Beantragen dürfe seiner Meinung nach die Umsiedlungspauschale jeder, der mehr als 50 km vom Arbeitsplatz weg wohnt, ganz gleich, ob er zur Miete oder in einem Eigenheim wohnt. Das Ziel, das hiermit erreicht werden soll: “Wege zum Arbeitsplatz (…) minimieren (Energieeinsparung) und Menschen in Großstädten zu akkumulieren, so dass Natur wieder mehr Raum gewinnt.”
Grundsätzlich kann sich ein Diskutant dieser Idee anschließen. Intuitiv erscheint sie ihm gut, doch gleichzeitig viel zu kostenintensiv. Hierauf wendet der Ideengeber allerdings ein: “Also um Kosten mache ich mir seit diesem Jahr keine Sorgen mehr. Wenn die Politiker wollen, dann können sie Geld ausgeben.” Ein anderer Kommentator befürwortet das vorgeschlagene Modell hingegen ohne Einschränkung und sagt: “Ja, dieses ewige Hin- und Herpendeln kann’s ja nicht sein. Ich denke auch, dass es falsch ist, wenn man weit von seinem Arbeitsplatz entfernt wohnt.”
Doch es gibt auch ausführliche Stimmen, die damit so ganz und gar nichts anfangen können. Die vorgeschlagene “Umsiedlungspauschale” mache kaum einen Sinn. Denn gerade Hauseigentümer werden ihren Besitz sicher nicht aufgeben und ein Neubau ist mit der Pauschale ohnehin nicht zu stemmen. Auch die Prämisse, mehr als 50 Kilometer vom Arbeitsplatz entfernt wohnen zu müssen, um Nutznießer zu sein, erscheint fragwürdig. Alle, die darunter liegen, würden so auf der Strecke bleiben. Das Ziel an sich wird jedoch als ehern erachtet. In diesem Zusammenhang drängt sich jedoch die Frage auf, warum die Zahl der Pendler überhaupt steigt. Dazu ein Diskutant: “Dies liegt nicht daran, dass die Leute grundsätzlich unwillig sind in die Nähe ihres Arbeitsplatzes zu ziehen. Die Hauptursache hierfür hat zwei Gründe:
1) Mietspiegel:
In Ballungszentren und deren Umfeld sind die Mietspiegel deutlich höher als im ländlicheren Gebiet. Die Kosten für eine Wohnung, insbesondere für Familien, können sich ‘Normalverdiener’ kaum noch leisten bzw. Wohnungen zu ‘erschwinglichen’ Mieten sind äußerst rar.
2) Wohneigentum / Mietwohnung:
Der eigentlich noch entscheidendere Grund liegt in den immer unsicheren Arbeitsplatzbedingungen. Wer kann denn heute überhaupt noch darauf hoffen, von der Lehre bis zur Rente in ein und demselben Unternehmen beschäftigt zu sein oder auch nur im selben Ort?
LEIDER, wird von dem Arbeitnehmer in immer weiter zunehmendem Maße Mobilität und die Bereitschaft zum Ortswechsel gefordert. Dies ist jedoch aus finanziellen und sozialen Gründen keineswegs immer möglich. Eltern, die in absehbarer Zeit oder bereits aktuell auf Unterstützung oder Pflege der Kinder angewiesen sind. Die Zerstörung sozialer Netze, eigene Verwandtschaft, Bekanntschaft, Freundeskreis, Schule der Kinder, Vereine. Auf all dies wird keine Rücksicht, seitens der wirtschaftsorientierten Gesellschaft, mehr genommen.” Die eigentliche Lösung des Problems sieht er in der Schaffung bezahlbaren Wohnraums in Großtstädten und Ballungszentren sowie in einer Stabilisierung und Sicherung der Arbeitsverhältnisse. Ein nachfolgender Diskutant schließt sich dieser Argumentation an. Er fügt hinzu: “eine pkw-maut wäre da gar nicht so blöd (…) ein radikalerer schritt wäre beispielsweise auch die schrittweise demontage von parkhäusern usw… immer vorausgestzt, der transport ist auf anderem wege gewährleistet… ich glaube, in berlin gabs mal eine autofreie zone… sowas würde echt helfen…” Hierzu wird jedoch auch auf das Problem der mangelhaften Verkehrsanbindungen abseits großer Zentren verwiesen: “der drastische Ausbau und die Förderung des ÖPNV (ist) ein ganz wichtiges Unterfangen” Dazu meint ein weiterer Kommentator: “Vielleicht sollte man auch mal das Schienennetz ausbauen und Bahn Fahren subventionieren. Kann doch nicht sein, dass auf ein Bahnticket mehr Steuern erhoben werden als auf ein Flugticket. Mir kommt es immer so vor als wolle die Politik mit aller Macht verhindern, dass mehr Leute Bahn fahren. Man will ja schließlich der hiesigen Automobilindustrie nicht weh tun.”
Die ganze Sache hat weitaus mehr polemische Substanz als sachliche. Wer wird sich denn heute noch auf einen Umzug einlassen wenn er niemals sicher sein kann, daß sein Arbeitsplatz auch morgen noch besteht ? Da diese Idee von einem Grünen stammt ist es durchaus berechtigt mal zu fragen, ob der Betreffende selbst in der freien Wirtschaft arbeitet oder dort schonmal gearbeitet hat.