Unterstützung der Erziehung kann Gewalt reduzieren und den Generationenvertrag stärken
TRIER. (www.infotrier.de) Nach einer Umfrage der Apothekenrundschau meinen sieben Prozent aller befragten Männer und Frauen, “dass der Jugendkriminalität nicht allein mit härteren Strafen beizukommen ist“, auch bessere Betreuung und Erziehung würden dabei eine große Rolle spielen. Nach Angaben der Zeitschrift “Baby und Familie” kann die gewaltlose Konfliktbewältigung schon in den frühen Kindeheitsjahren mit Hilfe der Eltern trainiert werden. Bezüglich der Eltern spricht sich das Kolpingwerk für eine bessere finanzielle Unterstützung und berufliche Integration aus und plädiert für einen Ausbau der Kinderbetreuungsstätten. Die DGSPJ fordert zusätzlich einen Erhalt der Sonderpädagogischen Einrichtungen.
Bei einer repräsentativen Umfrage im Auftrag der “Apotheken Umschau”, die kurz nach dem brutalen Mord an dem fünfzigjährigen Dominik Brunner in Solln durchgeführt worden ist, seien deutlich mehr als acht von zehn Bundesbürgern (82,1 Prozent) der Ansicht, unsere Justiz wäre “viel zu nachgiebig” gegenüber jugendlichen Straftätern. Noch vor etwas mehr als einem Jahr hätten rund fünf Prozent weniger diese Meinung geäußert (Juli 2008: 78,2 Prozent). Gleichzeitig würden sieben von zehn aller Befragten Männer und Frauen meinen, dass der Jugendkriminalität nicht allein mit härteren Strafen beizukommen sei, auch bessere Betreuung und Erziehung würden dabei eine große Rolle spielen.
Wie die Vermittlung von Konfliktlösungsstrategien an Kinder aussehen kann, erklärt Wilfried Griebel, Diplompsychologe am Staatsinstitut für Frühpädagogik in München der Zeitschrift “Baby und Familie”. Er rät ab von einer Intervention der Erziehungsberechtigten in Eigentumskonflikten des Nachwuches. Käme eine Streitigkeit nicht zum Ende, solle man die Kinder gemeinsam aufs Zimmer schicken mit der Aussage: “Ihr kommt erst wieder raus, wenn ihr euch vertragen habt.” Würden Eltern den Blick auf die Konfliktlösung legen, anstatt zu schimpfen, sorge dies für Streitkompetenz – eine Fähigkeit, auf die Kinder über kurz oder lang mächtig stolz wären. Brüllen und beschimpfen sollte man unbedingt unterbinden.
Um sich erzieherischen Aufgaben wie beispielsweise der Vermittlung von Konfliktlösungsstrategien an Kinder widmen zu können, ist Zeit nötig. Das Kolpingwerk fordert von der deutschen Regierung mehr berufliche Unterstützung für Eltern. Darunter würden eine das Elterngeld ergänzende einheitliche Leistung bis zum dritten Lebensjahr des Kindes fallen. Zudem seien unter anderem eine weitere Etablierung der Vätermonate, familienfreundlichere und flexible Arbeitszeitmodelle wichtig. Das Kolpingwerk Deutschland betont, dass in Familien ein Beitrag zur Alterssicherung erbracht werde, welcher für das Funktionieren des Generationsvertrages von unverzichtbarer Bedeutung sei.
Bei der Erziehung spielt nach Angaben des DGSPJ auch die Integration von sozial benachteiligten, armen, chronisch kranken und behinderten Kindern und Jugendlichen eine wichtige Rolle. Die Sozialpädiater fordern die Politiker auf den Worten, Taten folgen zu lassen. Damit die von der CDU angesprochene “Integrationskraft von Kindergärten und Schulen verstärkt” werden könnten, wären frühzeitige Maßnahmen zur Sprachförderung (Elterntraining, Gruppentherapien) und kostenfreie Kindertagesstätten besonders wichtig. Im Bezug auf Kinder mit chronischen Krankheiten und Behinderungen hatten sich die Sozialpädiater schon länger für eine Inklusion in alle deutschen Schulen ausgesprochen. Auch Migrantenkinder sollten mehr Unterstützung erhalten.
Photo Quelle/Copyright: Tanja Hentschel, via pixelio.de
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