Ein Hauch von Zauber über’m Wasserhaus

Die bekannte Hamburger Band Emmy Moll ließ den Zuschauern warm ums Herz werden “Experiment geglückt, der Organisator hat 100 Punkte!”: Zu derart lauten Ausrufen, waren die Gäste zum Ende des Konzerts am Abend des 23. Oktobers auf Grund der soeben gehörten Klänge zwar noch nicht in der Lage. Doch die

Emmy1.jpgDie bekannte Hamburger Band Emmy Moll ließ den Zuschauern warm ums Herz werden

“Experiment geglückt, der Organisator hat 100 Punkte!”: Zu derart lauten Ausrufen, waren die Gäste zum Ende des Konzerts am Abend des 23. Oktobers auf Grund der soeben gehörten Klänge zwar noch nicht in der Lage. Doch die Gesichter der zahlreichen Zuhörer verrieten schon zu diesem Zeitpunkt: Das gemeinsame Erlebnis, das von der hauseigenen Band Other Generation’s Anthem noch verstärkt wurde, hat nicht nur das Programm der Musikinitiative Hammelburg e.V. bereichert, sondern vielleicht auch den ein oder anderen musikalischen Horizont. Die Hamburger Band Emmy Moll war im Zuge ihrer Tour durch Deutschland und die Schweiz zu Gast in der Weinstadt. Und neben einer außergewöhnlichen Darbietung gab es obendrein noch einen Gitarren-Workshop mit MainPop BandCamp-Dozent und Bandmitglied Ingo Hassenstein.

Um es vorweg zu nehmen: Ganz gleich ob mit “Drifted”, “Swallow the bird” oder “Chamber” – Emmy Moll, dem Quartett aus dem hohen Norden ist etwas gelungen, was sich vor der Bühne des Wasserhauses bis dato nur selten abgespielt haben mag. Da sind sich Organisator Jens Schneider, Gitarrist bei Other Generation’s Anthem und seine ehrenamtlichen Helfer, die dieses “Experiment über den Tellerrand” gemeistert haben, sicher. Bei Kerzenschein und fast ausnahmslos auf dem Boden sitzend, lauschte das Publikum geradezu sphärischen Tongebilden, die gleich den Wellen des Meeres mal zu-, mal abschwellend in den Raum strömten.

Emmy2.jpgEine Stimmung, die kurz zuvor noch in weiter Ferne lag. Denn am späten Nachmittag wehte im Vereinsheim der Musikinitiative noch ein völlig anderer Wind. Zusammen mit insgesamt elf Teilnehmern aus der Region durchlief Ingo Hassenstein seinen Gitarren-Workshop rund um Skalen, Pentatonik und sonstige Tricks und Kniffe, die die begeisterten Gitarristen wohl ein ganzes Stück weitergebracht haben dürften. “Das war eine sehr gute Sache, trotz der knapp bemessenen Zeit. Das Feedback der Teilnehmer war sehr gut”, freut sich Hassenstein, der auch an der Rock und Pop Schule Kiel unterrichtet. Es sei toll zu sehen, dass es hier in Hammelburg viele Leute gäbe, die sehr gut Musik machen würden. Beweisen konnten das die Jungs von Other Generation’s Anthem kurz nach dem rund zweistündigen Workshop mit Bravour. Ihre “Kleinstadtpoesie mit Großstadtambition” bildete den gelungenen Auftakt, bevor es dann mitten hinein ging in die heimelige Atmosphäre, die einen wahrhaften Hauch von Zauber über dem Wasserhaus erstrahlen ließ.

Denn die Nordlichter von Emmy Moll hatten “all the monsters are small and soft and scared” mit im Gepäck. Der Titel ihrer im Jahre 2008 erschienenen Debüt-Scheibe hielt, was er versprach. Ergänzt durch Stücke, die noch nicht auf CD gebannt sind, sorgten sie an diesem kalten Herbstabend für Empfindungen, die vielen sicher noch lange im Gedächtnis bleiben werden. Diese Künstler gaben sich vor allem in einer Manier – ausgesprochen ruhig: Die Vier Musiker brauchten nicht viel. Kein brachiales Krachen, keine lauten Schreie, keine Bühnenperformance, die sich durch spektakuläre Akrobatik auszeichnete. Lediglich halb mit Wasser gefüllte Weingläser sollten zu Beginn die Aufmerksamkeit des Publikums erregen. Und wer sich einmal auf ihre ganz spezielle Musik, die sie unter dem Oberbegriff „Independent Rock“ nur schwerlich zusammen fassen können, eingelassen hatte, der blieb, um nicht nur die Geschichte rund um einen verschluckten Vogel zu erfahren, sondern vor allem, um Nadja Rüdebuschs bezaubernder Stimme zu lauschen.

„Es hat etwas andächtiges. Es ist Musik zum Zuhören und in sich kehren“

Emmy3.jpgEs sei nun schon das zehnte Konzert ihrer aktuellen Tour, verrieten die Musiker noch während der Show. Angetan waren sie aber nicht nur von der größten Bühne, die sie innerhalb dieser in Hammelburg zur Verfügung hatten, sondern auch vom Publikum. Sie freuten sich über die ruhigen Momente, die sich im Laufe der Zeit im Club ausbreiteten. Entsprach dieser Zustand doch ganz der Intention, die sie mit ihren, an skandinavischer Musik orientierten Kompositionen, erreichen wollten. „Es hat etwas andächtiges. Es ist Musik zum Zuhören und in sich kehren“, erklärt Sängerin Nadja die Idee von Emmy Moll. „Das wichtigste ist jedoch, dass wir ein Gefühl vermitteln wollen, getragen von Harmonien und Texten, mit denen sich die Zuhörer identifizieren und sich eine schöne Zeit machen sollen.“ Oft erginge es ihnen wie an diesem Abend in Unterfranken. Das Publikum sitze am Boden, rede nicht und verfolge ganz aufmerksam das Vorgetragene. Dabei seien sie meist so in sich gekehrt, dass man fast eine Stecknadel fallen hören könnte.

„Es kommt einfach aus uns heraus“

Natürlich polarisiert ihr Spiel auch zuweilen. Doch das sei völlig in Ordnung, meint Ingo Hassenstein. Wichtig sei ihnen, dass ihre Zuhörer etwas davon mit nach Hause nehmen würden. Man merkt ihnen an: Hier wirkt nichts erzwungen, nichts in ein Pop-Schema gepresst. „Es kommt einfach aus uns heraus“, gestehen Nadja und Ingo im Chor. Einen vorgegebenen Plan hätten sie bei ihrem Schaffen nicht. Es gebe Phasen, in denen leichtere und dann mal wieder schwerere Stücke entstünden. Auch seien sie nicht immer nur ruhig, sondern hätten von Zeit zu Zeit auch den Drang zu laufen. Gradmesser, das sei jedoch klar, wäre immer die persönliche Stimmung. Weite Landschaften, Orte, fernab der Heimat dienen ihnen zur Inspiration. Immer wieder probieren die erfahrenen Musiker Neues aus. „Wir sind nicht dogmatisch“, betont Nadja. „Wir machen einfach zusammen Musik und dann entstehen solche Dinge.“

Wie sich das anfühlen kann, das haben die Hammelburger an diesem Abend erfahren dürfen. Und vielleicht gibt es schon bald mehr von Emmy Moll zu hören. Gerade sind sie dabei, sich ein Label zu suchen, wollen im Frühjahr ins Studio gehen und haben für den nächsten Herbst ihr zweites Album anvisiert. „Es dauert lange, bis ein Album rund ist. Vorher probieren wir viel live aus“, meint die zarte Frontfrau. Für alle steht fest: Ins Wasserhaus kommen sie gerne wieder. Auf das die gemeinsame Entdeckungsreise weitergeht.

Kommentare

Schreibe den ersten Kommentar für diesen Artikel.

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*