Jürgen Rieger ist tot: Wenn Extra3 das geahnt hätte…

Als am 13. September dieses Jahres der Song “Ab in die Tonne” in Deutschlands Haushalte dröhnte, sollte es lediglich die überaus gelungene Verballhornung eines steinreichen und höchst umstrittenen Neonazis sein. Jürgen Rieger, NPD-Funktionär und vermögender Anwalt, wurde von der Satiresendung Extra3 mit einer Hommage der besonderen Art bedacht. Am gestrigen

Als am 13. September dieses Jahres der Song “Ab in die Tonne” in Deutschlands Haushalte dröhnte, sollte es lediglich die überaus gelungene Verballhornung eines steinreichen und höchst umstrittenen Neonazis sein. Jürgen Rieger, NPD-Funktionär und vermögender Anwalt, wurde von der Satiresendung Extra3 mit einer Hommage der besonderen Art bedacht. Am gestrigen Donnerstag ist dieser an den Folgen eines Schlaganfalls gestorben und hat dem kleinen Lied dadurch zu ungeahnter Prominenz verholfen.

“‘Ab in die Tonne’ hat sich wohl erfüllt.”

Bucanero007, Youtube-User und nur einer von vielen, die diesen Clip hochgeladen haben, kann derzeit auf fast 11.000 Aufrufe des einschlägigen Videos blicken (Stand heute 16.30 Uhr). Darunter finden sich mittlerweile knapp 160 Kommentare. Zunächst nur spärlich mit einigen Zeilen bedacht, schießen die Wortmeldungen seit der Nachricht vom Schlaganfall und erst recht nach dem Tod Riegers sprunghaft nach oben. Neben unzähligen Beschimpfungen, die an dieser Stelle nicht wiedergegeben werden, finden sich auch Meinungen wie Folgende: “Leute wie Rieger haben weder Mitgefühl noch Respekt verdient, ob tot oder lebendig. Es gibt einen Unterschied zwischen menschenverachtend und ‘Menschenverachter-verachtend”‘. (…)” Ein anderer sinniert: “Der geisteskranke Hitlerist und bekennender Rassist und Antisemit Rieger, der seit Jahrzehnten wohl die wichtigste Führungsperson der rechtsextremen Szene ist, und dessen Gelder zahlreiche Nazi Veranstaltungen finanzierten, ist tot. Und jetzt soll ich mich nicht freuen?!” Ein weiterer mahnt, die schärfe der Äußerungen zu zügeln und sagt vor zwei Tagen: “Hey Leute, so geht das nicht! Ich bin Antifaschist und würde gegen Rieger und seine unglaublich dumme Weltanschauung jederzeit auf die Straße gehen. Aber der Mann liegt nun im Sterben. Ein wenig Empathie und menschliches Mitgefühl kann mensch doch bitte auch wohl von der antifaschistischen Szene verlangen!” Gestern wurden diese Zeilen hinzugefügt: “Es sah immer so abgehärmt aus, als so alter Mann noch soviel Hass. Deshalb ganz ohne Hass: Jeder Tag, an dem ein Nazi weniger in Deutschland ist, ist ein guter Tag. ABER über die Toten nichts Schlechtes, das gilt auch für ihn. Möge er Frieden finden.” Vor gut zwei Stunden fasst ein User zusammen: “‘Ab in die Tonne’ hat sich wohl erfüllt. Das Schicksal kann manchmal echt grausam sein.”

Der “Geldgeber” ist gegangen – und nun?

In der Zwischenzeit gibt es nach dem Tod des 63-jährigen Riegers auch eine erste Einschätzung des niedersächsischen Verfassungsschutzes. Wie charivari.com berichtet, wird vorerst nicht mit einem Nachfolger, der vergleichbaren Einfluss in der rechtsextremen Szene habe, gerechnet. Focus Online spricht heute von einem “Schlag für die rechte Szene“. “Er war über lange Zeit der Leuchtturm – sowohl was seine Biografie, als auch was seine finanziellen Möglichkeiten angeht”, zitiert das Medium den Chef des Hamburger Verfassungsschutzes, Heino Vahldieck. NPD-Experte und Buchautor Toralf Staud rechnet nun sogar mit einem wieder aufflammenden “Machtkampf innerhalb der NPD”. Als “Reizfigur” auch innerhalb der NPD bezeichnet ihn hingegen die Rechtsextremismus-Expertin Andrea Röpke. “Das Nazi-Museum und andere rechtsextreme Projekte dürften ohne Riegers Geld nun vor dem Ende stehen”, fasst derweil ZEIT Online Spekulationen über sein Erbe zusammen.

Kommentare

Dieser Artikel hat einen Kommentar. Was ist Deiner?

Hinterlasse eine Antwort

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind markiert *

*

  1. Hat die Staatssicherheit noch keinen Nachfolder ernannt, meine Güte!

    Da hat die Presse und die ganzen selbsternannten GutmenschInnen ja nichts mehr zum plaudern, beim Stehempfang…..