Der Landwirt Reinhard Dennerlein hat ein Problem. Dieses Problem ist der etwa 2 cm große Kleinschmetterling Ostrinia nubilalis, besser bekannt als Maiszünsler. Das nachtaktive Insekt beginnt Mitte bis Ende Juli damit, etwa 30 Eier auf der Blattunterseite der Maispflanzen abzulegen. Aus diesen schlüpfen die Raupen, die sich durch die Frucht hindurch in die Stängel fressen, und an ihren Wirtspflanzen, das sind Hopfen, Hanf, Kartoffeln und vor allem der Mais, erheblichen Schaden anrichten.
Dabei werden die Stängel der Pflanzen durch den Befraß der Schadinsekten durchlöchert und knicken so bei der kleinsten Belastung um. Das kann dazu führen, dass ganze Felder in sich zusammensacken. Die Raupen fressen sich bis zum Herbst durch die Stängel weiter nach unten, wo sie im Wurzelbereich überwintern und zerstören dadurch die Leiterbahnen der Pflanzen, wodurch diese nicht mehr ausreichend Wasser und Nährstoffe aufnehmen können. Die Ertragseinbußen können über 50 Prozent betragen. Bei besonders starkem Befall werden sogar ganze Ernten vernichtet.
Schimmelpilze setzten Giftstoffe frei
Ein weiteres gravierendes Problem ist der Befall mit dem Schimmelpilz Fusarium, der durch die Löcher, die die Raupen in den Mais fressen, in die Pflanzen eindringen kann und zu erheblichen Schäden führt. Dieser Pilz kann das Wachstum erheblich beeinträchtigen und sogar zum Absterben der Pflanzen führen. Aus diesem Grund wurden bestimmte Fusarium Arten auch als Mittel der biologischen Kriegsführung und auch Vernichtung von Koka-Plantagen in Kolumbien eingesetzt (Agent Green). Doch selbst wenn nicht die gesamte Pflanze vernichtet wird, stellt der Befall mit Fusarium ein erhebliches Problem dar, schließlich produziert dieser Pilz äußerst potente Giftstoffe, so genannte Mykotoxine.
In geringen Dosen führen diese Gifte im Futtermais dazu, dass das Futter für Tiere nahezu ungenießbar wird, höhere Mengen würden zu ernsthaften Vergiftungen führen, so dass stark befallener Mais sich allenfalls noch für Biogasanlagen eignet.
Schädlingsfrei ohne Pestizide
Nachdem Landwirt Reinhard Dennerlein im Jahr 2006 erhebliche Ertragseinbußen, verursacht durch den Maiszünsler, hinnehmen musste, hat er sich entschieden im Jahr 2007 einen großflächigen Versuch durchzuführen. Auf einem Drittel seiner Fläche ließ er der Natur ihren Lauf, auf dem zweiten spritzte er ein Pestizid gegen die gefräßigen Raupen, und auf dem dritten pflanzte er gentechnisch veränderten Bt-Mais. Der Bt-Mais ist eine Variante, bei der ein Gen des Bakteriums B. thuringiensis eingebaut wurde. Dieses, auf der ganzen Welt heimische, Bodenbakterium produziert einen Giftstoff (Bt-Toxin), der nur für bestimmte Insekten tödlich ist, weil das entscheidende Gift erst in deren Darm gebildet wird. Durch die Gen-Veränderung ist der Mais in der Lage, das Bt-Toxin selbst zu produzieren und so eine Resistenz gegen den Maiszünsler zu entwickeln. Auf den Einsatz von Schädlingsbekämpfungsmitteln von außen kann dadurch verzichtet werden. Das Bt-Toxin selbst ist für andere Tiere und den Menschen völlig unschädlich und auch für den Ökolandbau zugelassen [BVL]. Allerdings werden beim Ausbringen des Bt-Toxins mehr Insektenarten abgetötet als beim Bt-Mais, wo nur solche betroffen sind die den Mais auch fressen.
Das Ergebnis des Experiments war eindeutig. Die unbehandelte Parzelle war völlig zerfressen, auf der mit Pestizid behandelten waren 38 Prozent befallen. Doch der gentechnisch veränderte Mais war komplett zünslerfrei. “Und das Beste”, sagt Dennerlein, “auf den Blättern krabbelte es. Überall lebten Käfer und andere harmlose Insekten. Es war wirklich nur der Maiszünsler verschwunden.”
Als er im Frühjahr 2008 Bt-Mais anbauen wollte, versammelten sich 1000 Demonstranten aus ganz Deutschland vor seinem Hof. Die Aktivisten gingen zu jedem seiner Verpächter, agitierten und drohten. Nachts zerstörten sie mit Motorsensen zwei Hektar Mais (allerdings den falschen). “Der Rummel hat mich nicht sehr beeindruckt”, sagt er. “Ich wollte gesünderes Futter für meine Schweine.” Doch im April 2009 untersagte Landwirtschaftsministerin Ilse Aigner (CSU) den Anbau von Bt-Mais. So musste Dennerlein dieses Jahr wohl oder übel wieder auf die Giftspritze zurückgreifen und dennoch mit mehr Pilzbefall im Futter rechnen [Welt.de].
In den letzten Jahren hat der Maiszünsler enorm davon profitiert, dass immer mehr Mais für Biogasanlagen in immer größeren Monokulturen angebaut wird. Im diesem Jahr beträgt die Fläche für Energiemais geschätzte 3700 km² [agrarheute.de], das sind drei Prozent der deutschen Ackerfläche und mehr als die Fläche des Saarlandes. Aufgrund der Förderung durch das Erneuerbare-Energien-Gesetz wird in den nächsten Jahren ein noch stärkerer Zuwachs erwartet.
Populismus ersetzt Rationalität
Jetzt sollte man meinen, eine Bundeslandwirtschaftsministerin aus der eher als bauernfreundlich angesehenen CSU würde sich auch für deren Interessen stark machen. Dass gerade Ilse Aigner aber dieses Verbot ausgesprochen hat, liegt unter anderem daran, dass konservative Bauernverbände und auch die in Bayern starken Kirchengruppen sich für das Verbot eingesetzt hatten. So ist ihre Entscheidung nicht rationalen Gründen geschuldet, der Bt-Mais ist nachweislich für Mensch und Umwelt weit weniger schädlich als der Pestizideinsatz, sondern kann als rein populistische Maßnahme angesehen werden. Es geht dabei um Wählerstimmen in einer verunsicherten Bevölkerung. Jahrzehntelange grüne Angstpropaganda hat in Deutschland dazu geführt, dass vielen schon der Angstschweiß auf die Stirn tritt, wenn sie nur das Wort Gen hören.
Dabei wissen die meisten Deutschen nicht einmal was Gene überhaupt sind und dass sie als elementarer Bestandteil in sämtlichen Lebewesen eine Schlüsselrolle einnehmen. Und auch, dass nahezu alle heute genutzten Kultursorten ebenfalls das Produkt einer genetischen Veränderung sind, ist kaum einem bekannt. Denn auch bei der konventionellen Züchtung geht es ja darum, aus bestimmten Pflanzen jeweils die Genvarianten herauszufischen, welche die nützlichsten Eigenschaften haben. Diese Variationen entstehen auch in der Natur durch Genmutationen. Allerdings kann dieser Vorgang äußerst langwierig sein und daher wurde schon früh nach Möglichkeiten gesucht, die Mutationsraten für Züchtungen zu beschleunigen.
Strahlende Züchtungserfolge
Diese wurde mit der Entdeckung der ionisierenden Strahlung gefunden, wie sie in Kernkraftwerken entsteht. Praktisch sah das so aus, dass Saatzuchtunternehmen ihr Saatgut säckeweise in Lieferwagen zu Atomkraftwerken schafften und es dort bestrahlen ließen. Die so behandelten Samen wurden anschließend in möglichst rauen Klimaten wie dem Fichtelgebirge ausgesäht, um sicherzustellen, dass nur die kräftigsten Pflanzen überlebten. Aus den unzähligen Mutationen wählten die Züchter dann jene seltenen Exemplare aus, die besondere Eigenschaften versprachen. Auf diese Weise sind die meisten unserer heute gängigen Obst- und Gemüsesorten “veredelt” worden und auch die meisten modernen Zierpflanzen wären ohne diese Technik nicht denkbar gewesen.
Nach wie vor bedeutend ist die Mutationszüchtung im Bereich der industriellen Mikrobiologie. Durch UV- und Röntgenstrahlung entstanden unter anderem unsere heutigen Bier- und Bäckerhefen, unsere Starterkulturen für Wurst und Käse sowie zahlreiche weitere Mikroben, die biotechnologisch zur Erzeugung von Zusatzstoffen wie Säuren, Vitaminen oder Enzymen, aber auch Antibiotika genutzt werden [EU.L.E.n-Spiegel 03/2004].
Unterstützung bekam Frau Aigner für ihren Vorstoß auch von Gruppierungen, die bislang nicht als erklärter Freunde der CSU Ministerin aufgetreten sind. Beifall kam von Umweltschutzgruppen wie BUND und Greenpeace, von der Linken und natürlich von den Grünen. Nun ist jedoch bekannt, dass gerader Vertreter dieser Gruppen sich selten um die Belange der Landwirte kümmern und meist noch weniger davon verstehen. Wie wenig ausgeprägt das Wissen grüner Politiker von den praktischen Problemen der Landwirte ist, hat Renate Künast in der SWR-Dokumentation “Abgeordnet – Der Politiker Praxistest” eindrucksvoll bewiesen (Hier treffend kommentiert von David Harnasch).
Dass Frau Künast in diesem Beitrag dem ohnehin arg gebeutelten Landwirt den schwarzen Peter zuschieben will und damit von einer jahrelangen verfehlten Agrarpolitik abzulenken versucht, grenzt schon an Zynismus. Ähnliche Beispiele für völlig praxisferne Vorschläge der grünen Politikerin finden sich in sämtlichen Folgen der Doku-Serie.
Technologiefeindliches Deutschland
In Deutschland ist, was die grüne Gentechnik anbelangt, die Diskussion inzwischen an einem Punkt angekommen wo Sachargumente kaum mehr zählen und politische Entscheidungen mehr und mehr von diffusen Ängsten beeinflusst werden. Wo Züchtungen, die durch Zufallsmutationen in Atomreaktoren entstanden sind, völlig ungeprüft überall angepflanzt werden dürfen, da wird Pflanzen die geplant und gezielt gentechnisch verändert wurden die Zulassung auch nach ausgiebigsten Studien die deren Unbedenklichkeit unter Beweis stellen verweigert. Das ganze erinnert stark an die Auseinandersetzungen um die sogenannte rote Gentechnik, als die Grünen zusammen mit Umweltschutzgruppen lange erfolgreich die Produktion von Insulin mit Hilfe von genetisch veränderten Bakterien verhindern konnten. Als die Produktion schließlich doch erlaubt wurde, hatten ausländische Hersteller ihren Wettbewerbsvorteil jedoch längst gewinnbringend umgesetzt. Der damals von den hessischen Grünen zum Feindbild erklärte Chemiekonzern Hoechst ist inzwischen ein Teil der französischen Sanofi-Aventis Gruppe.
Eine ähnliches Schicksal, nämlich das Verschwinden von Betrieben aufgrund von Wettbewerbsnachteilen wegen einer in Deutschland immer mehr um sich greifenden Technologiefeindlichkeit, könnte auch den deutschen Landwirten bevorstehen. Viele hochrangige Wissenschaftler haben die Konsequenzen aus dieser Entwicklung derweil schon lange gezogen. Sie forschen jetzt im Ausland.
InnoPlanta
Welt.de: Die Feinde des Fortschritts
Zuerst erschienen im Science Skeptical Blog
Ach Herr Kipp,
wagen Sie sich in nun ein Feld vor, wo Sie noch weniger Ahnung haben und Ihr Credo von der Technologie-Feindlichkeit von Grünen verbreiten meinen zu müssen.
Dieses stimmt schon nicht bei den Technologien der Erneuerbaren Energien, wie Ihnen von mittelständischen Betrieben bis hin zu den großen Technologiekonzernen wie Siemens & Co unzählige Ingenieure und Wissenschaftler belegen können.
Genausowenig ist dies in diesem Fall so, wie mir sehr lange und detailliert bekannt ist, von den Anfängen von Btt, den Bestrebungen von Monsanto bis heute.
Vielleicht hätten Sie sich ein wenig über die Erfahrunge der Bauern weltweit mit Monsanto und seinen Produkten informieren sollen, um beurteilen zu können was es mit diesem Produkt auf sich hat.
Vielleicht wäre Ihre einfaches Weltbild ins Schwanken gekommen, wenn Sie wneigstens zur Kenntnis genommen hätten, dass der Bauernverband das Genmais-Verbot von Agrarministerin Luise Aigner, CSU begrüßt hat.
http://www.mdr.de/nachrichten/6284797.html
Als Hintergrundinformation bitte ich sich mal bei dem Arte-Film zu informieren: http://www.arte.tv/de/1912794.html
http://video.google.com/videoplay?docid=-7781121501979693623&ei=PDnaSanhFIPO-AbDzPmlAg&q=monsanto
Weitere Informationen können Sie von den Landwirten in den USA und Indien erhalten. Auch dort gibt es ausführliche Dokumentationen über sowohl ökologische als auch soziale und ökonomische Auswirkungen der Geschäftspolitik von Monsanto. Aber auch den hiesigen Vertretern des Bauernverbandes ist mitlerweile die Problematik der Abhängigkeit von den Monsanto-Produkten bis hin zum ökonomischen Ruin bekannt, so dass sie nicht auf die kurzfristigen Verlockungen hereinfallen.