Er ist der Hauslatsch unter den Ministerpräsidenten, ein Diktator aus Nachgiebigkeit und wirrem Grauhaar. Die DDR überlebte Sachsen-Anhalts Ministerpräsidenten Wolfgang Böhmer im inneren Exil eines christlichen Krankenhauses, die Demokratie gestaltet der hobbygärtnernde Greis hingegen seit Jahren gestaltend mit. Böhmer hob das westlichste der östlichen Bundesländer eigenhändig vom letzten Platz in allen Bundesland-Vergleichsranglisten, mit dem vielbeneideten Motto “Wir stehen früher auf” schuf er in einem Moment kompletter Umnachtung einen Werbeclaim, um den die ganze Welt Sachsen-Anhalt beneiden würde, hätte sie ihn jemals gehört.
Seines Platzes in den Geschichtsbüchern sicher, nimmt Böhmer nun Kurs auf Höheres.
Der 73-Jährige, der sich angesichts der Schwäche möglicher Nachfolger in der eigenen Partei und bei der Konkurrenz aus der SPD sicher bald vorstellen können wird, im Dienst der Menschen noch eine Amtszeit als Ministerpräsident dranzuhängen, hat im “Hamburger Abendblatt” einige seiner berühmten wagen Andeutungen zu den von der schwarz-gelben Koalition geplanten Steuersenkungsplänen gemacht. Böhmer, staturmäßig und charakterlich der Buddhist unter den deutschen Politikern, sorgt damit “für Unruhe in Berlin”, wie Deutschlands erste Mutmaßungsadresse dpa sicher weiß. Böhmer habe gesagt: “Wenn ein Bundesland durch Steuergesetze des Bundes gezwungen wird, gegen die Schuldenbremse zu verstoßen, sollte man über eine juristische Überprüfung nachdenken.”
Damit ist erstens klar, dass Böhmer plant, 2015, wenn die Schuldenbremse in Kraft tritt, noch im Amt sein möchte – mit dann 79 Jahren. Vorerst, so Böhmer, sei eine Klage noch kein Thema, da im Koalitionsvertrag “vor allem Absichtserklärungen” stünden. Im Koalitionsvertrag, der Böhmer seinerzeit unter dem oben musikalisch umgesetzten Motto “Zielloses Wünschen” mit der SPD abgeschlossen hatte, war das ebenso gewesen. Zuletzt nicht umgesetzt wurde davon der Plan, ab 2010 keine neuen Schulden mehr zu machen.
Quelle: politplatschquatsch.com
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