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Überblick: Antisemitismus, Mauerfall, Rabin-Gedenken

Sonntag, den 8. November 2009 um 16:08 Uhr von Lukas Lehmann

Antisemitismus im 21. Jahrhundert: Was sind die bedeutensten und signifikantesten Eigenschaften der derzeitigen Angriffe gegen den Staat Israel und jüdische Gemeinden weltweit? Robert Wistrich, Direktor des Vidal Sassoon International Center for the Study of Antisemitism an der Hebräischen Universität Jerusalem stellt Schlüsseleigenschaften dieses Wandels und dieser Bedrohung heraus, welche auf den neuen Antisemitismus beruhen, inclusive dessen Verbindung zum globalen Islamismus. Er schlägt zudem mögliche Antworten und Strategien vor, um mit dieser Bedrohung umzugehen.


Bizarres Mauerfall-Gedenken

Pünktlich zum 20 jährigen Jubiläum des Mauerfalls darf auch in den Medien der Vergleich zwischen der Berliner Mauer und der „Mauer in Palästina“ nicht fehlen. Gestern abend nach Wetten dass…?, also zur besten Sendezeit, strahlte das ZDF-Heute-Journal einen Bericht über ein bizarres Mauerprojekt des Goethe-Instituts aus mit dem Namen Mauerreise aus, welches künstlerisch gestaltete Mauern aus den Orten der Welt für eine Ausstellung nach Berlin holt, wo auch heute noch Mauern stehen. Zu diesen, so Klaus Kleber, gehörten Mauern aus „Zypern, Yemen, Palästina und Korea“. Am 9. November sollen diese wie Dominosteine in sich zusammen fallen. Es sei eine „schöne Idee und eine Gelegenheit unsere eigene Geschichte mit den Augen Anderer zu sehen“, so Kleber weiter.

Der Bericht fängt mit einer Ortsbesprechung in Südkorea an und geht weiter nach Palästina, wo die Mauer für die Palästinenserin Rana wie ein Gefängnis sei, die sie von den Dingen trennen würde, die sie liebe. „Es ist etwas, das wir nicht mögen und dem wir nicht zustimmen“, so Rana. „Unser Konzept war es, Ähnlichkeit zwischen der Mauer in Palästina und der Mauer in Berlin zu zeigen, die bereits gefallen ist“. Die Reporterin resümiert, dass Rana und ihre Freunde den Stein nach Berlin schicken, da sie sich wünschen, dass die Mauer, die sie umgibt fällt und es keine Grenzen zwischen ihren Familien mehr gäbe.

Ein Blick auf die Projektseite des Goethe-Instituts deckt auf, dass die Berichte von ZDF und Goethe-Institut sehr ähnlich sind. Nicht nur wurde das Bildmaterial des Instituts verwendet, sondern auch die politische Botschaft, die in dem Video vermittelt werden soll: Reisst die Mauer in Palästina ein. Man kann davon ausgehen, dass das ZDF keine eigene Recherche zu dem Projekt eingeleitet hat und unkritisch die verzerrten „Liebesgrüße aus Palästina“ übernahm. Doch über die Konsequenzen solch einer Forderung waren sich weder die Verantwortlichen von ZDF und Goethe-Institut bewusst.

Rabin-Gedenken

Hier ist die Wahrheit, und es gibt keine andere: Von dem Tag an dem drei Schüsse in den Rücken von Premierminister Yitzhak Rabin abgeschossen wurden, hat Israel sich in fast allen Bereichen verschlechtert.

Sie wollen Fakten? Here you go: Das Wirtschaftswachstum in der Mitte der 1990er Jahre stand während der Tage Rabins bei 6% pro Jahr. Was war es seitdem und was ist es heutzutage? Über 80 Könige, Präsidenten und Ministerpräsidenten kamen damals nach Israel für offizielle Besuche. Wie viele sind seither gekommen und wie viele kommen in diesen Tagen?

Über 200 multinationale Unternehmen (ja, wie McDonald’s) traten dem israelischen Markt zu dieser Zeit bei. Wie viele tun es heute? Der israelische Ministerpräsident besuchte Länder, die für Dutzende Jahre sich weigerten solche Besuche zu unterstützen. Dutzende von Staaten anerkannten Israel und eröffneten hier Botschaften.

Israel, erstaunlich genug, eröffnete in sieben arabischen Staaten (Tunesien, Marokko, Oman, Jordanien, Mauretanien, Katar und Dubai) Botschaften. Die Arbeitslosigkeit ging drastisch nach unten. Das Bildungs-Budget wurde verdoppelt. Neue Autobahnen wurden gepflastert, die Bauarbeiten am Cross-Israel Highway sind in Gang gekommen, und so auch der Bau des neuen Ben-Gurion International Airport. Was wollten wir mehr?

Dennoch würden einige Leute sagen, dass die Mission des verächtlichen Mörders, sein Gedächtnis sei verflucht, gelungen ist. Tatsache ist, dass der Friedensprozess mit den Palästinensern und anderen arabischen Staaten ins Stocken getreten ist, zu sterben droht, und am Rande seinen letzten Atemzug zu machen.

Hat der Mörder also gesiegt?

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16 Reaktionen zu “Überblick: Antisemitismus, Mauerfall, Rabin-Gedenken”

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  1. Rolf Ehlers

    am 8. November 2009 um 19:25 Uhr | Link | Kommentar melden

    Die Ablehnung der Besetzung Palästinas, der von der Regierung geduldeten oder gar geförderten Siedlungspolitik in der Westbank, die Isolierung Gazas und die Mauer quer durch palästinensische Gebiete hat unmittelbar mit einem neuen Antisemitismus nichts zu tun. Natürlich versuchen die Rassisten daraus Honig zu saugen. Die radikale Abkehr von der Einigungspolitik Rabins entschuldigt das aber nicht.

    Niemand weiß, wie es weiter gehen soll. Am Ende stehen der Krieg und die Vernichtung der einen oder der anderen Seite. Warum schauen Europa, die U.S.A. und Russland nur zu?

  2. Lukas Lehmann

    am 8. November 2009 um 19:47 Uhr | Link | Kommentar melden

    Lieber Herr Ehlers,

    haben Sie sich den Beitrag bis zum Schluss angeschaut oder wollen Sie hier nur Ihre Meinung zum Nahostkonflikt abgeben? Ich denke, wenn man das Phänomen des Modernen Antisemitismus und auch des Antizionismus verstehen will, sollte man sich ernsthaft mit der Materie auseinandersetzen, ohne vorgesponnene Denkmuster schon im Vorraus nur nochmal bestätigt wissen zu wollen. Zudem haben Ihre Bemerkungen nichts mit dem Vortrag von Prof. Wistrich zu tun.

  3. Lukas Lehmann

    am 8. November 2009 um 20:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    vielleicht wurde mein Beitrag von den Redakteuren auch ein wenig unglücklich formatiert. Je Überschrift beginnt ein neuer Beitrag, der sich von den anderen Beiträgen inhaltlich unterscheidet.

  4. Anna Luehse

    am 8. November 2009 um 22:08 Uhr | Link | Kommentar melden

    “Die Palästinenser”, WER soll das sein? Hamas oder Fatah?
    Bekanntlich bekämpfen sich diese “Palästinenser” bis aufs Blut.
    Im GAZA-Streifen wütet die Scharia. Gibt’s da Kritik, oder sieht man Zwangsheiraten kleiner Schulmädchen “weltoffen-tolerant”?

    Antisemitismus in Deutschland:

    »Hitler gefällt mir«
    Viele muslimische Jugendliche in Deutschland denken antisemitisch. Und ihre Gewaltbereitschaft wächst … ”
    http://www.zeit.de/2007/24/Muslim-Antisemitismus

  5. Lukas Lehmann

    am 8. November 2009 um 22:37 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Anna…es ist nicht nur die muslimische Bevölkerung, die teilweise antisemitisch denkt, sondern auch die Linke - genau diejenigen, die morgen zum 9. November vor den Synagogen stehen, aber z.b. bei antiisraelischen Protesten die ersten sind und “Tod Israel”, “Israel, Kindermörder” etc. schreien…

  6. Guillaume

    am 9. November 2009 um 09:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    Das Problem ist doch das der Staat Israel ist auf Unrecht gegründet ist, die weltweiten operierenden Organisationen der jüdischen Weltgemeinschaft extrem einflussreich und mächtig sind, die Geschichte des Zweiten Weltkrieges ( Ursache und Wirkung) massiv gefälscht wurde oder im besten Fall sehr einseitig dargestellt wird.

    Die heutige Generation kennt Geschichte nur aus den manipulierten und selbstgerechten Geschichtsbüchern unserer Zeit. Wer es wagt zu widersprechen wird als NAZI tituliert. Die faschistischen ( Fasch. = antiliberal und antidemokratischen) Umtriebe der ANTIFA und anderer Spinnerten Vereine sind dafür Beweis genug.

    Antisemitismus entsteht weil die Medien und die Politik sich weigern Geschichte ohne ideologische Scheuklappen zu vermitteln.

    60 Jahre nach dem Krieg ist es immer noch nicht möglich die Kriegsverbrechen der Alliierten aufzuarbeiten oder ohne persönliche Nachteile im Beruf auf das begangene Unrecht und die Aggression des Jüdischen Staates hinzuweisen.

    Aber wahrscheinlich geht es einfach um zu viel Geld für einige Leute!

  7. Rolf Ehlers

    am 9. November 2009 um 10:20 Uhr | Link | Kommentar melden

    Lieber Herr Lehmann,

    ich habe mir jetzt die 59 minütige Aufzählung der Vorfälle neuen Antisemitismus in vielen Teilen der Welt von Herrn Wistrich in wesentlichen Teilen angesehen. Das braucht schon viel Geduld und Interesse an den Details. Habe ich eine Kritik am Vorgehen Israels im Palästina-Konflikt übersehen? Ohne Frage wütet in weiten Bereichen der islamischen Welt ein hasserfüllter Antisemitismus, der mit der Selbstgerechtigkeit und der Selbstisolierung der Fundamentalisten gegenüber aller Welt einhergeht. Es gäbe kaum Protestler in der westlichen Welt an der Seite dieser gefährlichen Bewegungen, wenn es nicht das in meinen Augen offenbare Unrecht in Palästina gäbe. Die islamistischen Fundamentalisten gewinnen innerhalb des Islam auch immer mehr Zulauf, weil nach Rabin der Friedensprozess von israelischer Seite her bewusst vernachlässigt worden ist.

  8. Lukas Lehmann

    am 9. November 2009 um 11:08 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Guillaume/ Ehlers: Und genau diese einseitige und beschränkte Schuldzuschiebung auf die Seite Israels ist Teil dieses Phänomens des modernen Antisemitismus, bzw. des obskuren Phänomens eines Antizionismus oder Antisemitismus ohne Antisemiten nach dem Zweiten Weltkrieg. Denn im Endeffekt sind es wieder die Juden bzw. der jüdische Staat, der am eigenen Schicksal Schuld sei. Entschuldigung, aber dies ist genauso verzerrend, perfide und verfälschend, wie die Behauptung die Juden wären am Holocaust selbst Schuld gewesen.

  9. Guillaume

    am 9. November 2009 um 12:50 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ Lehmann…

    1.einseitige Schuldzuweisung auf die Seite Israels
    2. ” denn am Ende sind es wieder die Juden die an ihrem eigenen Schicksal schuld sind ”
    ———————————–

    zu1.

    Genau dem versuchte ich ja zu widersprechen.
    In der westlichen Medienwelt wird ja fast immer auf den Palästinensern herumgehackt.

    Ein Volk das von den Briten und den Vereinten Nationen um sein Land betrogen wurde.

    Geschichtsschreibung im Westen ist und bleibt getürkt.

    Geschichtsglitterung bis hin zu den immer üblicheren Lüge hat aber noch nie zu Lösungen beigetragen.

    Die Scheinheiligkeit des Westens, die Lügen der PolitikerInnen haben den Hass der Palästinenser auch erst möglich gemacht.

    Frieden, echten Frieden wird s erst geben wenn auch das Unrecht der Israelis geächtet wird.

    Auch der zweite Weltkrieg kann erst zu den Akten gelegt werden, wenn auch die Verbrechen der Alliierten gesühnt wurden!

    zu 2.

    ” denn am Ende sind es wieder die Juden die an ihrem eigenen Schicksal schuld sind ”

    Da höre ich doch die ” Geschichts LK ” , oder ? Dafür eine 2+

    Wenn ich hier den Umkehrschluss anwende, wären ja auch die Deutschen nicht Schuld am Zweiten Weltkrieg.

    Wow… oder nur einfach die Selbstgerechtigkeit der später geborenen…..???

  10. Lukas Lehmann

    am 9. November 2009 um 13:21 Uhr | Link | Kommentar melden

    Zu 1: Sie widerlegen nichts, sondern folgen dem gleichen Argumentationsmuster weiter, welches Israel einseitig für den Konflikt im Nahen Osten beschuldigt. Was sie verschweigen ist der Terror der Hamas, des islamischen Juhad, der Hisbollah, die politischen Ziele Irans sich des Nahen Ostens (ohne Israel) zu ermächtigen, die ethnischen Konflikte innerhalb Israels, der Palästinenser und der islamischen Staaten. Sie verschweigen auch den Antisemitismus in der arabischen Welt, wie auch den Antisemitismus und Antizionismus in Unserer. Genau dieses Verschweigen ist Indiz ihrer einseitigen und verblendeten Weltsicht. Der Gipfel dessen ist die Behauptung, wenn der Nahostkonflikt gelöst wäre, würde es Frieden in der Welt geben. Guten Nacht, Genosse!

  11. Guillaume

    am 9. November 2009 um 13:51 Uhr | Link | Kommentar melden

    @Lehmann

    …wovon reden Sie?

    Sie ereifern sich…kommen Sie wieder runter?

    Ich glaube ich kenne die meisten Aktivitäten der Hamas und anderer Extremistischer Organisationen. Dem ZDF ( mit einem Auge sieht man besser) sei Dank!

    Israel hat aber mindestens genauso viel Dreck am Stecken, ohne das in unserer Presse viel darüber geredet wird.

    Was hat das mit Antisemitismus zu tun. Nichts!

    Ich glaube aber auch , dass erlittenes Unrecht ( die Juden WKII) nicht dazu berechtigt selber Unrecht zu begehen.

    Manchmal habe ich das ungute Gefühl der angebliche Antisemitismus ist nur Vorwand um die Kriegsgegner ruhig zu halten.

    ++

    ” Die politischen Ziele des Iran sich des mittleren Ostens zu bemächtigen”

    In welcher Geheimpostille stand denn dieser Quatsch ?

    Die einzigen die versuchen sich den mittleren Osten einzuverleiben sind die Amerikaner.

    Ist das vielleicht auch ein Grund warum der Palästina Konflikt noch immer nicht gelöst wurde ???

  12. Jan van Winried

    am 9. November 2009 um 16:38 Uhr | Link | Kommentar melden

    Woher kommen denn die ewigen Konflikte? Die sind nicht vom Himmel gefallen, sondern werden immer weiter von Hardlinern auf beiden Seiten geschürt. Diese ewigen Hetzer sollten aus allen Ämtern gejagt werden! Die Jugend auf beiden Seiten hat das enlose Leiden satt und wünscht sich endlich eine Zukunft in Frieden!!!

    Sie, Herr Lehmann, tragen mit Ihren Beiträgen dazu bei, dass die Gräben offen bleiben. Kritik ist für Sie immer auch gleich Antisemitismus. Und ja - die Befriedung des Nahostkonflikts würde uns dem Weltfrieden alle ein großes Stück näher bringen. Seltsam ist, dass alle Nationen einen solchen Frieden begrüßen würden - nur Israel nicht!

  13. Lukas Lehmann

    am 9. November 2009 um 21:11 Uhr | Link | Kommentar melden

    Die Worte an Guillaume gelten auch Ihnen Herr Winfried. Möge auch Ihre Mauer in Ihrem Kopf einstürzen.

  14. Guillaume

    am 9. November 2009 um 22:14 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ Lehmann

    …das Problem scheint mir weniger eine Mauer als ein Brett vor Ihrem Kopf zu sein.

    Lassen Sie es gut sein, da Sie zu den Menschen gehören die anderen grundsätzlich nicht zuhören.

    Die Grundvorraussetzung um Hass zu überwinden ist andere zu akzeptieren.

    Ich vergebe Ihnen Herr Lehmann!

  15. Lukas Lehmann

    am 10. November 2009 um 07:42 Uhr | Link | Kommentar melden

    Es ist schon sehr merkwürdig, wie das alte Phänomen der Xenophobiebildung bis heute weiter wirkt. Man redet über Menschen und Länder so, als ob man sie wirklich kennen würde, dabei projiziert man im Endeffekt nur eigene Probleme auf sie und überspitzt sie mit Legendenerzählungen, die die Grausamkeit oder Fremdheit einer Person/ eines Landes von sich selbst ausdrücken sollen. Die Frage ist nur, inwieweit man sich selbst entfremdet, wenn man seine eigenen Probleme/ Krisen immer nur auf andere schiebt, anstatt sie zu lösen?

  16. Guillaume

    am 10. November 2009 um 08:00 Uhr | Link | Kommentar melden

    @ Lehamun

    wie gesagt lassen Sie es gut sein, Sie befriedigen nur noch Ihr eigenes Ego.

    Schönen Tag auch….

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