Werden in Kopenhagen zwei unterschiedliche Abkommen beschlossen?

Je näher die Entscheidung über eine neues weltweites Klimaabkommen in Kopenhagen rückt, umso unwahrscheinlicher wird es, dass die Nationen sich auf einen verbindlichen Vertrag einigen werden. Schließlich endete auch die letzte Vorbereitungskonferenz in Barcelona ergebnislos. Für die Staatschefs der westlichen Länder indes wäre das sich ankündigende Scheitern der Verhandlungen vor

koeph.jpgJe näher die Entscheidung über eine neues weltweites Klimaabkommen in Kopenhagen rückt, umso unwahrscheinlicher wird es, dass die Nationen sich auf einen verbindlichen Vertrag einigen werden. Schließlich endete auch die letzte Vorbereitungskonferenz in Barcelona ergebnislos.

Für die Staatschefs der westlichen Länder indes wäre das sich ankündigende Scheitern der Verhandlungen vor allem ein Problem für deren Glaubwürdigkeit, hatten viele von ihnen doch in den vergangenen Monaten verstärkt darauf hingewiesen, wie wichtig ein Nachfolgeabkommen für das 2012 auslaufende Kyoto-Protokoll für das globale Klima ist. Höhepunkt war die Einigung der G8 Staaten auf das “2 Grad Ziel von l’Aquila” im Juli dieses Jahres. Spötter haben schon damals angemerkt, dass Regierungen, die nicht einmal die Kosten für die Gesundheit im eigenen Land in den Griff bekommen können, sich nun anmaßen das Wetter beeinflussen zu wollen.

Durch ihre Ankündigung jedenfalls haben sich die Staatschefs selbst dermaßen unter Druck gesetzt, dass in Kopenhagen irgendein Beschluss gefasst werden muss. Wenn schon keine neuen verbindlichen Ziele, dann zumindest ein Kompromiss, der dann publikumswirksam als Erfolg verkauft werden kann.

Kompromiss in Kopenhagen?

Wie ein solcher Kompromiss aussehen könnte beschreibt der Telegraph in seiner heutigen Ausgabe. Nach Angaben der Zeitung liegen zwei Optionen auf dem Verhandlungstisch. Falls die Länder sich nicht auf eine der beiden einigen könnten, wäre es auch möglich, dass zwei unterschiedliche Abkommen beschlossen würden und die Staaten jeweils das für sie genehme unterzeichnen.

Option eins wäre die Fortführung des Kyoto-Protokolls über 2012 hinaus. Diese Möglichkeit wurde auf der Klimakonferenz in Bali 2007 mit der Vorgabe beschlossen, dass man sich dann auf neue Ziele für die entwickelten Länder einigen müsse.

Zweite Option wäre nach Angaben des Telegraph ein so genanntes Langfristiges Kooperatives Handeln  (Long-term Co-operative Action, LCA). Dieses ebenfalls in Bali beschlossene Konzept sieht vor, dass neben den Industrienationen auch die Entwicklungs- und Schwellenländer einen Teil der CO2-Reduzierungen zu leisten hätten.

Damit wird vor allem der Forderung der USA Rechnung getragen, Schwellenländer wie China und Indien stärker in die Verpflichtung zur Emissionsreduktion einzubeziehen. Ein durchaus sinnvolles Anliegen, wenn man Emissionen reduzieren will, denn unabhängig ob man glaubt, dass CO2 einen maßgeblichen Anteil auf das Klima hat oder nicht, eine Reduktion würde ohne Einbeziehung der Schwellenländer, wie gestern bereits dargestellt, wenig bis keinen Effekt zeigen. Diese werden jedoch einen Teufel tun, sich auf verbindliche Ziele festlegen zu lassen. Hängt doch deren wirtschaftliche Entwicklung vor allem von der weiteren Bereitstellung günstiger Energie ab.

Außer Spesen nichts gewesen

Der Stand der Verhandlungen ist jetzt also ziemlich genau dort angekommen, wo er schon nach der Bali-Konferenz 2007 war. Als Fazit kann man demnach bereits jetzt ziehen, dass die unzähligen wissenschaftlichen und politischen Vorbereitungskonferenzen für Kopenhagen außer einer Menge heißer Luft (und noch mehr CO2-Emissionen) absolut nichts bewirkt haben. Seit Jahren reisen Delegationen aus aller Herren Länder um die Welt, halten eine Konferenz nach der anderen in Luxushotels ab und können sich lediglich darauf einigen, wann und wo sie sich das nächste Mal treffen werden. Die spannendste Frage wird so auch diesmal sein, welcher Ort auf der Welt sich demnächst auf den publicityträchtigen Besuch mehrerer tausend Diplomaten, ausgestattet mit großzügigen Spesenkonten, freuen darf.

Kommentare

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  1. @Rudolf Kipp

    (und noch mehr CO2-Emissionen)

    Ich bin jetzt mal böse und sage “Na und”.
    Solange Demokratien Demokratien bleiben, sollen sie doch des Jetlags erfreuen. Wenn diese ganzen alten Herren sich an sonst nichts mehr erfreuen können.
    Nur der Pachauri muß aufpassen, weil ihm irgendwann mal 6 Reinkarnationen nicht mehr reichen, um seinen “CO2 Fußabdruck” zu entfernen.