Bevor Deutschland den Anschluss verliert…

“Die Piratenpartei, wo ist sie geblieben?“, fragte Autor Helmut Rohe noch am 6. November. Still sei es um sie geworden, so sein Eindruck. Etwas enttäuscht klingt sein Resümée, dem er wenig später seine Analyse “Die Piraten und die Medien” folgen lässt. Das jüngste Engagement der Partei dürfte daher nicht nur

oerut.jpg“Die Piratenpartei, wo ist sie geblieben?“, fragte Autor Helmut Rohe noch am 6. November. Still sei es um sie geworden, so sein Eindruck. Etwas enttäuscht klingt sein Resümée, dem er wenig später seine Analyse “Die Piraten und die Medien” folgen lässt. Das jüngste Engagement der Partei dürfte daher nicht nur ihn interessieren. Denn die Unterstützung der ePetition “Wissenschaft und Forschung – Kostenloser Erwerb wissenschaftlicher Publikation” geht so gut wie alle an.

Hauptpetent Lars Fischer hat sein Anliegen am 20. Oktober eingereicht und mittlerweile rund 7500 Mitzeichner gefunden. Bis zum 22. Dezember können alle zeichnen, die daran interessiert sind, künftig mehr darüber zu erfahren, welche Ergebnisse mit den jährlich zwölf Milliarden Euro, die in Bildung und Forschung investiert werden, erzielt wurden. Denn bisher erfährt der Leser diese nur, wenn er einen Blick in teure Zeitschriften wirft. “Es ist nicht angemessen, dass der Steuerzahler für die von ihm finanzierten Forschungsergebnisse erneut bezahlen muss”, kritisiert Fischer die derzeitige Praxis. “Wegen der hohen Kosten und der Vielzahl wissenschaftlicher Zeitschriften sind Forschungsergebnisse nur in wenigen Bibliotheken einsehbar. Den meisten Bürgern ist der Zugang zu der von ihnen finanzierten Wissenschaft dadurch nicht nur erschwert, sondern de facto ganz verschlossen.” Mit einem Wink Richtung National Institutes of Health zeigt er auf, dass es durchaus anders geht. Die Behörde verlangt, “dass alle von ihr finanzierten Publikationen binnen 12 Monaten an einem zentralen Ort öffentlich zugänglich sind.”

Das sieht auch die Piratenpartei so. Deshalb unterstützt sie die Petition für freien Zugang zu wissenschaftlichen Ergebnissen. “Allein die Universitäts- und Landesbibliotheken haben 2008 fast 220 Millionen Euro nur für den Erwerb von Fachzeitschriften ausgegeben. Das ist Geld, das in Forschung und Lehre sicher besser angelegt wäre”, betont Bastian Greshake, Koordinator der Arbeitsgruppe Open Access der Piratenpartei. Bereits zur Bundestagswahl sei die Partei daher mit der Forderung nach freiem Zugang zu öffentlich geförderten Forschungsergebnissen angetreten. Dass dieses Modell funktioniere beweise das US-Beispiel, welches auch schon Fischer angeführt hat.

Piraten fordern zur Zeichnung auf

“Wenn Deutschland den Anschluss an die Wissensgesellschaft nicht verlieren will, ist es zwingend notwendig, dass wir unsere Wissenschaftler nicht weiterhin künstlich dumm halten. Besonders wenn es an so einer Kleinigkeit mangelt wie der Bezahlung von Zeitschriften-Abonnements”, mahnt Greshake. Aus diesem Grunde fordert die Piratenpartei jetzt alle Bürger auf, die Petition zu zeichnen. 50.000 Unterstützer sind auch hier nötig, damit sich der Petitionausschuss des Themas annimmt.

Es muss mehr kommen als nur eine Unterstützung

Doch kann damit wirklich etwas bewirkt werden? Ein Kommentator auf der Seite der Piratenpartei ist sich da nicht sicher. Er gibt zu bedenken: “Spätestens seit der Petition (…) gegen das Aufstellen sinnloser Stoppschilder sollte auch der Piratenpartei klar sein, dass eine Petition reines Stillhalte-Werkzeug für das Volk ist. Petitionen werden ignoriert oder es wird so damit umgegangen, dass letztendlich nichts passiert. Oder warum gibt es trotz jahrelanger Bemühung immer noch keine Volksabstimmung?” Das Vorhaben bezeichnet er zwar als “lobenswert”, schätzt es aber selbst nicht als “realitisch” ein. “Ich bin *für* Mitgestaltung und Einmischung, aber ohne (friedliche) Revolution wird sich hier nichts mehr ändern können”, schreibt er weiter. Er fordert die Partei auf, sich “endlich” auch zu “globaleren und außenpolitischen Themen” wie etwa dem Lissabon-Vertrag oder illegaler Atomwaffen-Lagerung in Deutschland Stellung zu beziehen, um nicht als “kleine Oppositionspartei” zu enden.

Photo Quelle/Copyright: humanoid23, cc creative commons, Bestimmte Rechte vorbehalten, via flickr

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  1. Der freie Zugang für alle zu den Ergebnissen der wissenschaftlichen Forschung und
    Diskussion macht den Weg frei zu Potenzialen in der Gesellschaft, die bisher brach liegen. Er ist ein wichtiger Schritt zu dem dringend benötigten Aufbrechen der engen Grenzen, in denen sich heute fast ausnahmslos die einzelnen Sparten der Wissenschaften bewegen. Man könnte auch sagen: die sorgsam in einzelne Abteilungen aufgeteilten Wissenschaftsbereiche müssen ihre Scheuklappen ablegen. Denn viele wichtige Ergebniss sind nur in der Zusammenschau vieler Disziplinen zu erhalten. Ich vergesse nie das Erstaunen eines Professeors der Rechtswissenschaften mit der Fachrichtung Strafrecht und Strafprozessrecht, dem ich eine Zeitlang als Wissenschaftlicher Assistent dienen durfte, als er im Gespräch mit seinen Mitarbeitern erfuhr, dass sich in der Zeit nach dem 2. Weltkrieg mit dem Besonderen Verwaltungsrecht eine ganz neue Fachrichtung gebildet hatte. Besonders die Ärzte stehen immer in der Gefahr, zu Fachidioten zu werden, indem die, diesich um den Hals oder den Uro-Genitaltrkt kümmern. nichts wissen von den Gefahren der Parodontose oder der Wichtigkeit kluger Ernährung.

    Der Rostocker Dozent Dr. Bodo Kuklinski, der auf den Gebieten Stoffwechsel, Endokrinologie, Onkologie, Geriatrie, Gastroenterologie, Intensivtherapie, Ernährung, Vitamin- und Spurenelementenhaushalt, oxidativer Stress, Umweltmedizinische Diagnostik und Therapie zugleich geforscht hat und
    nur so viele entscheidende Erkenntnisse hat sammeln können (u.a.”Schwachstelle Genick”), formuliert das so:

    „Es ist höchste Zeit, die Gesundheit des Menschen als das Zusammenwirken komplexer Prozesse zu begreifen, die ganzheitlich funktionieren, anstelle streng geordnet nach Fachrichtungen zu diagnostizieren und zu behandeln.“

    Wir alle sind Laien in der ganzen Breite der Wissenschaften – außer auf dem kleinen Sektor, auf dem wir eine Ausbildung erhalten und Erfahrung gesammelt haben. Was ist das aber für eine erbärmliche Wissenschaft, die ihre vernunftbegabten Aktuere bewusst davon abhält, die Gesamtzusammenhänge in der Welt zu sehen und auch mit kritisher Distanz zu den eingefahrenen Wegen von Forschung und Lehre an die Probleme heranzugehen!

    Das Thema des freien Zugang zu den wissenschaftlichen Ergebnissen darf sich nicht beschränken auf die Forschungen, die mit öffentlichen Mitteln gefördert worden sind. Bei ihnen ist das Versteckspiel nur umso unverständlicher. Noch haben wir in Deutschland das Humankapital, um wieder eine große Kultur- und Wissenschaftsnation zu werden. Wenn wir es aber nicht schaffen, so wichtigen
    Aktionen wie die Öffnung der wissenschaftlichen Ergebnisse aus aller Welt zum Erfolg zu verhelfen, werden die täglichen Bemühungen zur Verblödung der Massen
    durch Politik und Medien greifen und es wird keine Substanz mehr da sein.