Der Selbstmord des deutschen Fußball-Nationaltorwarts Robert Enke erschüttert dieser Tage nachhaltig die Nation.
Es scheint unfassbar, dass sich jemand in dieser Position und im jungen Alter von 32 Jahren das Leben nimmt – und dabei eine Frau und ein Kind zurück lässt. Robert Enke litt an der „Volkskrankheit Depression“. Bei einem depressiv erkrankten Menschen Selbstmordabsichten festzustellen ist auch für Fachleute schwierig. Dennoch gibt es Anzeichen, die auf einen bevorstehenden Suizidversuch hindeuten.
Zunehmend mehr Menschen von Depressionen betroffen
Depressive Erkrankungen stellen inzwischen mit eine der häufigsten Formen psychischer Störungen überhaupt dar und betreffen zwischen sieben und 15 Prozent der Bevölkerung. Das Krankheitsbild entwickelt sich nach Einschätzung der Weltgesundheitsorganisation (WHO) perspektivisch zur häufigsten Diagnose nach den Herz-Kreislauferkrankungen und gehört zu den Hauptursachen der durch Behinderung verlorenen Lebensjahre. Nach neueren Erkenntnissen nehmen 20 bis 35 Prozent aller Depressionen einen chronischen Verlauf, d.h. die Betroffenen leiden über Jahre an wiederkehrenden Phasen der Erschöpfung, tiefer Mutlosigkeit, psychosomatischen Symptomen und schweren Selbstvorwürfen – die in Bezug auf die tatsächliche Lebenssituation höchst unangemessen sind.
Risiko des Suizids
Schätzungen zufolge beenden etwa 15 Prozent der depressiv Erkrankten ihr Leben durch Selbsttötung, während nahezu alle Erkrankten angeben, zumindest zeitweise Suizidgedanken zu haben. Jährlich gibt es in Deutschland 150.000 Suizidversuche von denen etwa sieben Prozent (cirka 11.000) tödlich enden. Männer verwenden dabei überwiegend so genannte „harte Methoden“ wie etwa den Einsatz von Schusswaffen, einen Sprung aus großer Höhe oder vor bewegte Objekte. Frauen greifen dagegen häufiger zu weichen Mitteln wie etwa der Selbstvergiftung durch Medikamente. Dies könnte eine Ursache dafür sein, dass Männer drei Mal häufiger bei einem Suizidversuch sterben. Da die Krankheit mit Antriebslosigkeit, Hoffnungslosigkeit und Schuldgefühlen einhergeht, nehmen viele Betroffene keine Hilfe in Anspruch, da sie die Erkrankung als persönliches Versagen erleben. Unerkannte oder nicht ausreichend behandelte Depressionen können daher bei 50 bis 80 Prozent aller Suizide vermutet werden.
Risikoeinschätzung
Eine diagnostizierte Depression, vor allem wenn diese wie im Fall Enkes wiederkehrend akut depressive Schübe auslöst, kann als ein Risikofaktor aufgefasst werden – insbesondere dann, wenn es bereits schon einmal oder mehrfach Suizidversuche in der Vorgeschichte gab. Auch die Äußerung von Selbstmordgedanken oder Absichten ist – entgegen der häufig vertretenen Ansicht, „Wer es ankündigt, tut es nicht“ – stets ernst zu nehmen, da etwa 70 Prozent aller Suizide vorher angekündigt werden. Besonders brisant ist es, wenn die Person bereits sehr konkrete Vorstellungen davon hat, wie sie einen Suizid unternehmen würde und auch dann, wenn solche Mittel für die Person unmittelbar verfügbar sind (Waffen oder geeignete Medikamente). Personen mit Selbstmordabsichten fühlen sich häufig völlig allein. Jemand, der einen Suizid andeutet, sollte deshalb keinesfalls allein gelassen werden: Einfühlsames Zuhören kann die Verengung aller Gedanken auf einen Selbstmord als einzige Lösung aufbrechen.
Versteckte Hinweise
Da einige Menschen mit Selbstmordabsichten diese sorgfältig vor Fachleuten und Angehörigen verbergen, ist es wichtig auch indirekte Warnhinweise richtig zu deuten. Solche versteckten Hinweise können beispielsweise die beständige Beschäftigung mit dem Thema Tod und Selbstmord, sozialer Rückzug und der Abbruch von Freundschaften, die Vernachlässigung des eigenen Erscheinungsbildes sowie das plötzliche Begleichen von Schulden bzw. das Verschenken von Dingen sein. Auch wenn alte Beziehungskonflikte bereinigt werden und über das eigene Leben bilanziert wird, ist besondere Aufmerksamkeit geboten. Nicht zuletzt zeigen viele Betroffene unmittelbar vor dem Suizid Anzeichen einer starken Erleichterung und einer sehr plötzlichen Besserung der depressiven Symptomatik – vermutlich weil der Entschluss zum Suizid als generelle Lösung Erleichterung zu versprechen scheint. Liegen solche Hinweise vor, sollte die Person direkt darauf angesprochen werden.
Linktipp: Deutsches Bündnis für Suizidprävention
Bildquelle: pixelio.de (Boscolo)
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