Suizidforschung. Nach dem Tod von Robert Enke

Robert Enkes Tod macht ein verschwiegenes gesellschaftliches Problem bewusst Der traurige Tod des Nationaltorwarts Robert Enke  hat das öffentliche Interesse auf ein meist verschwiegenes Thema gelenkt. Gerade weil niemand gern über den Selbstmord eines nahen Angehörigen oder Freundes spricht, ist wichtiges Wissen über das Phänomen der Selbstentleibung nicht weit verbreitet.

Robert Enkes Tod macht ein verschwiegenes gesellschaftliches Problem bewusst

Der traurige Tod des Nationaltorwarts Robert Enke  hat das öffentliche Interesse auf ein meist verschwiegenes Thema gelenkt. Gerade weil niemand gern über den Selbstmord eines nahen Angehörigen oder Freundes spricht, ist wichtiges Wissen über das Phänomen der Selbstentleibung nicht weit verbreitet. Dabei gibt es kaum jemanden unter uns, der in seinem Leben nicht mit diesem allgemein-menschlichen Problem konfrontiert worden ist.

Beachtenswerte statistische Zahlen

Zwar sind laut Statistik die erfolgreichen Suizide in Deutschland nach kontinuierlichem Anstieg bis 1977 auf  20.000 Fälle wieder deutlich zurückgegangen. Heute sind es jährlich “nur” noch rund 8000 Opfer, immerhin noch immer deutlich mehr als Verkehrstote. Männer sind deutlich stärker betroffen als Frauen. Auf einen erfolgreichen Suizid kommen übrigens ungefähr fünf Versuche. Meist kündigen die Suizidgefährdeten ihre Absicht an, oft auch nur versteckt, manchmal wie auch Robert Enke in seinem Abschiedsbrief erklärte, halten sie ihr Vorhaben bewusst geheim. In vielen Fällen wollen die Betroffenen auch von ihrem Vorhaben abgehalten werden. Wenn ein Mitmensch daher auffallend depressiv ist, sollte sein Umfeld sich seiner annehmen und die Wahnehmung von Hilfen vorschlagen.

Die fundamentale Wirkung des Suizidkontrollhormons Serotonin

Zweifellos wird der Rückgang auch mit der Verfügung über die von der Pharmakologie immer weiter enwickelten Antidepressiva zusammenhängen, die im Fall der Unterversorgung mit dem Schlüsselhormon Serotonin, am besten bekannt unter dem Namen “Wohlfühlhormon”, dafür sorgen, dass dieser Zauberstoff nach seiner Arbeit an seinen Rezeptoren nicht wie von der Natur vorgesehen wieder abgebaut und in den Körper zurüpckgenommen wird, sondern immer und immer wieder seine Funktionen ausübt. Dieser Transmitter Serotonin wird nach den gesicherten Kenntnissen aus der Endokrinologie zu Recht auch das Suizidkontrollhormon genannt. In seiner Macht steht es u.a. Belastungen im Leben besser zu ertragen.

Vermehrte Suizide bei der Jugend

Junge Menschen begehen weit häufiger Suizid als ältere, was angesichts der Überalterung der Bevölkerung einen weiteren Grund für den Rückgang der Suizide abgibt. In der großen Mehrheit ernähren sich ältere Menschen aber auch viel gesundheitsbewusster als die gegenüber richtiger Ernährung oft sehr unbekümmerte Jugend. Auch das ist wisenschaftlich hinreichend gesichert: nur eine vitalstoffreiche Ernährung ermöglicht den körpereigenen Aufbau von Serotonin im Gehirn. Bekanntlich verhindert die Blut-Hirn-Schranke, dass Serotonin aus dem Körper, wo täglich die große Menge von ca. 10 mg verbraucht wird, ins Hirnwasser eindringen kann. Im Gehirn selbst braucht es am Tag durchschnittlich nur o,1 mg dieses Lebenselixirs, das nicht nur den Suizid kontrolliert, sondern auch für die Kontrolle einer Unzahl weiterer mentaler und körperlicher Phänomene zuständig ist:

Hunger, Wachheit, Schlaf, Schmerz, Angst, Zwang, Aggression, Sexualität und Sucht, um nur die wichtigsten zu nennen. Bausteine für den Aufbau von Serotonin sind neben der essenziellen Aminosäure L-Tryptophan, die in vielen Lebenmitteln ausreichend enthalten ist, eine lange Reihe von Vitalstoffen, auf deren Versorgung besser genau geachtet wird, insbesondere die Vitamine C, A, E, B 1, B 6, B 12 und Folsäure sowie eine Reihe von Mineralstoffen und auch die essenzielle Fettsäure Omega 3. Fehlt ein Faktor, wird das zentralnervös verfügbare Serotonin knapp und psychische Störungen kommen auf.

Regional unterschiedliche Suizidhäufung

Seit langem ist bekannt, dass im lichtarmen winterkalten Norden viel mehr Menschen ihrem Leben selbst ein Ende setzen als im sonnigen Süden. Geradezu spektakulär sind die Selbstmordraten bei den Innuit. In den neuen Bundesländern sind die Zahlen höher als in den alten. Auch in den osteuropäischen Ländern bringen sich mehr Menschen um als im Westen. Der Gedanke liegt nahe, dass sich Menschen im dunklen kalten Winter weniger im Freien aufhalten und sich weniger körperlich ausarbeiten. Auch ist das Nahrungsangebot im Winter weniger vitalstoffreich als in den warmen hellen Jahreszeiten. Eine plausible Erklärung für das Nord-Süd-Gefälle ist der Umstand, dass einer der Wege, auf denen sich Serotonin im Gehirn auf körpereigene Weise bilden kann der ist, vitalstoffreich zu essen und sich dann körperlich stark auszuarbeiten. Dies führt zur Erschöpfung des Angebots an Energieträgern aus Kohlenhydraten und Eiweißen im Blutstrom, insbesondere der Aminosäuren, die den Hauptbaustein L-Tryptophan von Serotonin aufgrund größerer Stabilität Ihres molekularen Gefüges regelmäßig von der Besetzung der Transportwege durch die Blut-Hirn-Schranke verdrängen. Da L-Tryptophan aufgrund seiner räumlichen Struktur aber auch nicht in das Aufnahmemuster der Mitochondrien, der Verbrennungskammern unserer Körperzellen passt, erhält es in dieser Situation sogar eine Alleinstellung an der Blut-Hirn-Schranke. Jeder hat schon vom “runners high” gehört, dem großen Wohlgefühl, das sich nach langem Lauf einstellt. Bisher wurde diese Erscheinung immer auf die Lockung von glücklich machenden Endorphinen zurückgeführt. Das ist aber ganz sicher falsch, weil Endorphine keine lange Wirkungsdauer haben, das Hochgefühl nach ausgiebiger körperlicher Arbeit aber den ganzen folgenden Tag anhält. Ohne Zweifel ist die Besserung des Wohlbefindens nur auf den Anstieg zentralnervös verfügbaren Serotonins zurückzuführen, das ja eine “Halbwertzeit” von 21 Stunden hat.

Es muss die Frage erlaubt sein, ob Robert Enke so depressiv geworden wäre, wenn er nicht regelmäßig als Torwart im Tor hätte stehen müssen, sondern sich als Außenläufer regelmäßig die Seele aus dem Leib hätte rennen dürfen.

Besondere Suizidgefährdung durch brutalen Sport?

In der Sportberichterstattung wird darauf hingewiesen, dass sich unverhältnismäßig viele Sportler selbst das Leben genommen haben, so allein in diesem Jahr der belgische Radprofi Dimiti De Fauw, der irische Box-Olympiadritte Darren Sutherland, der ehemalige italienische Boxweltmeister Arturo Gatti, der amerikanische Beachvolleyballer Mike Whitmarsch und der ehemalige französiche Mountainbike-Weltmeister Christophe Dupouey. Wie soll man das erklären, werden Sie fragen, wenn doch Ausdauerleistung die Synthese des Suizidkontrollhormons Serotonin fördern soll.

Der Dozent Dr. Bodo Kuklinski aus Rostock hat die Wirkungen von Störungen der Halswirbelsäule eingehend erforscht. Nach seinen heute nicht mehr bezweifelbaren Erkenntnissen führt die Reizung des großen parasympathischen Nervs, des nervus vagus, der die Wirbelkörper durchläuft und unmittelbar danach das Stammhirn, zu einer Störung des körpereigenen Aufbaus von Serotonin. Dieses wird nämlich im Stammhirn gebildet, um dann über das Zwischenhirn durch ungezählte Axone auf die Millionen von in allen Teilen des Gehirns befindlichen Serotoninrezeptoren abgefeuert zu werden. Dr. Kuklinski rechnet mit einer im Lauf der Jahre fast epidemisch gewordenen Zunahme solcher Störungen, weil diese einfach nicht weggehen, wenn sie nicht fachgerecht behandelt werden. Hauptquelle solcher Störungen sind Schleudertraumata, wie man sie nicht nur bei Verkehrsunfällen häufig sieht, sondern gerade beim Sport.

Torhüter, die sich oft die Beine in den Leib stehen müssen, wenn die eigene Mannschaft ein großes Übergewicht auf dem Platz erkämpft hat, werden bei Angriffen der Gegner aber oft heftig angegangen. Das sind die Vorfälle, bei denen der Genickbereich leicht zur gesundheitlichen Schwachstelle wird, ähnlich wie beim Sturz vom Rad, beim Boxhieb in den Nacken (der zu Recht verboten ist) oder beim knochenharten Kampf von Mann zu Mann beim Hallenhandball. Diese Sportarten sind im Grund genommen zu gefährlich um noch gesund genannt werden zu können.

Die Fußballverbände sollten den traurigen Tod von Robert Enke zum Anlass nehmen, schwere körperliche Fouls viel stärker als bisher zu ahnden. Der Zuschauer eines Fußballspiels will ja nur spannende Spielzüge sehen und keine Körperverletzungen.

Kausalitätsgefüge von Suizidalität?

Es hat den ersten Anschein, dass auch eine bessere soziale Absicherung eine Verringerung der Selbstmordrate herbeiführt. Schließen lässt sich das möglicherweise aus der Beobachtung, dass in der Zeit der hohen Arbeitslosigkeit in der großen Inflation des letzten Jahrhunders nach dem 1. Weltkrieg die Selbstmordzahlen hochschnellten, während sie in der heutigen Zeit des durch Hartz IV wenigstens existenziell abgefederten Sozialabbaus weiter fallen. So spekuliert jedenfalls die Deutsche Gesellschaft für Suizidptävention. Angesichts der vielen möglichen ursächlichen Faktoren ist dieser Schluss aber nicht sicher.

Die Deutsche Gesellschaft für Suizidprävention spricht davon, dass es drei kausale Ebenen für die Entstehung der Suizidalität gibt, die sich individuell mehr oder weniger überlagern können:

Ebene 1: Basale Suizidalität

innere Variante; relativ überdauernd, medizinisch beinflussbar:

Psychische Erkrankungen (inklusive Sucht)

Altersprozesse

Geschlechtervariabeln

=“genetisches Potential“

Ebene 2: Personale Suizidalität

Gemische Variable; kurzzeitig veränderbar, medizinisch bedingt beeinflussbar:

Existenziell bedrohlich Erlebnisse

Körperliche Erkrankungen

Persönlichkeit, Charakter(-störungen)

Werther-Effekt (Modellnachahmung)

=“reagibles Potential“

Ebene 3: Epiphänomenale Suizidalität

äußere Variable; relativ überdauernd, medizinsch nicht beeinflussbar:

Gesellschaftliche Strukturen

Religiöse Traditionen

Methodenverfügbarkeit

Suizidkohorten (?)

= „tradiertes Potential“

Bezeichnend für den nicht ausreichenden Stand des Wissens ist die Tatsache, dass in der Fülle der angegebenen Kausalfaktoren die richtige Ernährung nicht mit einem Wort erwähnt wird. Wenn wenigstens eine Auseinandersetzung mit der Verfügbarkeit über das Suizidkontrollhormon vorläge, könnte der Interessent wenigstens auf Umwegen zur Erkenntnis gelangen, dass die richtige Ernährung die unabdingbare Voraussetzung für die zentralnervöse Synthese dieses die Suizidalität kontrollierenden Stoffes ist.

Unter Fachleuten herrscht eine hartnäckige Ablehnung, sich mit den gesicherten Erkenntnissen der Endokrinologie überhaupt zu befassen. Da dort aber die Lösung für viele Fragen zu finden ist und sonst nirgendwo, fehlt es auch am richtgen Verständnis dafür, was die im zentralnervösen Einsatz befindlichen Hormone und Botenstoffe bewirken. Wie soll die Allgemeinheit verstehen, dass dem Erleben jedes einzelnen Gefühls in unserem Innersten ein bestimmtes Hormon zugeordnet ist. Bezogen auf den Aufgabenkatalog von Serotonin gibt es eben keine Beendigung des Hungers ohne das Esskontrollhormon Serotonin, kein Einschlafen ohne seine Arbeit als Schlafkontrollhormon, keine richtige Wacheit ohne es, keine Kontrolle von Schmerz und Körpertemperatur, u.s.w. – und eben auch keine Beherrschung suizidaler Gedanken. Nicht personale Probleme oder gar gesellschaftliche Gegegenheiten führen zum Suizid. Allein die “basale Suizidalität”, die bedingt ist durch das Fehlen des Suizidkontrollhormons Serotonin ist der Grund dafür, dass jemand Hand an sich legt.

Kommentare

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  1. Wenn es so einfach wäre, für alles und jedes nur die Ernährung haftbar zu machen. Das ist in meinen Augen sehr primitiv. Zur Info: Ich ernähre mich nicht gerade gesund. Obwohl niemand wirklich so richtig sagen kann, was gesund ist. Das variiert, wer gerade von wem gesponsert wird. Ich bin ein glücklicher, kerngesunder Mensch, der schlemmt, und genießt. Richtig gesagt: ein barocker Mensch. Und Serotonin ist nicht der Knackpunkt von allem. Auch dieser Stoff oder allgemeiner gesagt, die Antidepressiva können Suizid auslösen.