Nach mehr als 80 Jahren seit seiner ersten Veröffentlichung ist aus Hitlers “Mein Kampf” eine Manga Version geworden. Der 190 Seiten starke Band, von der rund 45.000 Exemplare in der ersten Auflage verkauft wurden, erzählt auf sehr einfache Art und Weise die Geschichte von Adolf Hitler, von seiner Kindheit bis zu seinem Aufstieg als der Führer der NSDAP.
Dies ist Teil einer Serie des ‘East Press‘ Verlags, der in der Vergangenheit die Manga-Versionen einiger gewichtiger literarischer Werke veröffentlichte, wie die Brüder Karamasow von Dostojewski und Marx ‘Das Kapital’. Da weitere Veröffentlichungen von ‘Mein Kampf’ in mehreren Ländern, darunter Deutschland und Österreich, verboten sind, hat die Manga-Waga Toso (我が闘争), wie sie auf Japanisch übersetzt wird, zu sehr unterschiedlichen Reaktionen im Ausland und in Japan geführt, wie der Blogger Zoffy gut zusammenfasst.
“Was die Aufmerksamkeit der ausländischen Medien erregte, war die Tatsache, dass der Autor des Buches der Nazi-Diktator Adolf Hitler war.
- Die Tatsache, dass die Veröffentlichung in Deutschland noch verboten ist.
- Die weitverbreitete Angst, dass der Inhalt Neo-Nazi-Gefühle fördern könnte.
Auf der anderes Seite nennt der Verlag als Grund für seine Wahl die Tatsache, dass “es ein berühmtes Buch sei, das nur von wenigen Menschen gelesen wurde. Wir glauben, dieser Manga wird Hinweise auf Hitler sowohl als Mensch als auch auf seine Denkweise geben, die zu einer solchen Tragödie geführt hat, obwohl er jetzt als ein ‘Monster’ abgetan wird.”
Als Kommentar zu dieser speziellen Manga entschieden sich viele Blogger einen Artikel, der am 20. September in der Tageszeitung Asahi Shimbun mit dem Titel ‘Die Manga-Version von Mein-Kampf ist ein Hit’, erschien, zu kopieren. Die Reaktionen reichen von kritisch bis hin zu der Bezeichnung “eine historische Quelle” (売れる”わが闘争”漫画版苦言も”歴史资料”の声も) [ja].
Derselbe Artikel, von der gleichen Zeitung ein paar Tage später ins Englische übersetzt, erwähnt, die Ursache für das Verbot sei, dass das “Finanzministerium des Freistaates Bayern, welches das Urheberrecht an dem Buch hält, sich weigert einen Nachdruck zu erlauben, aus Rücksicht auf die Opfer der nationalsozialistischen Gräueltaten”.
Der Journalist Yoshio Kisa (木佐芳男), ehemaliger Korrespondent in Deutschland für die Tageszeitung Yomiuri Shimbun und Autor von Essays wie ‘Fragen über die Kriegsverantwortung – Deutschlands ungeklärte Vergangenheit”(戦争责任”とは何か-清算されなかったドイツの過去) sagt jedoch, dass er mit der Erklärung von Asahi nicht einverstanden sei.
“Der wahre Grund für das Verbot des Buches ist nicht so rücksichtsvoll. Das große Problem ist, dass es die politische ‘Bibel’ jener Nazi-Vereine werden könnte, die es in jedem Land, angefangen mit Deutschland, gibt.
Wenn Sie sich einen Kiosk in Bayern ansehen könnten, würden Sie feststellen, dass dort rechtsextreme Zeitungen verkauft werden. In Deutschland gibt es mehrere Neo-Nazi-Gruppen, zu denen einige Tausend Rechtsextremisten gehören. Die Behörden sind sehr vorsichtig, sie nicht zu provozieren […]”
Kisa, der das Vorhandensein und die tatsächliche Gefahr der rechtsgerichteten Gruppen in Japan im Vergleich mit denen in Deutschland und anderen europäischen Ländern als unerheblich bezeichnet, reflektiert auch über die Veröffentlichung eines solchen Titels in Japan.
Ich bin mir nicht sicher, welche Bedeutung und Einfluss die Manga-Version von Mein Kampf heute in Japan haben könnte. Die Absicht derjenigen, die sie vor 40 Jahren übersetzt haben und derjenigen, die sie jetzt veröffentlichen, kann nicht so unterschiedlich sein.
[Übersetzer] Hirano benutze diese Worte:
“Diese Generation, die den Krieg nicht mehr erlebt hat, sind eigentlich die Leute, die dieses Buch lesen sollten. Diese Generation braucht einen klaren Verstand und einen objektiven Ausblick um einen solchen Text zu lesen. Jeder, der nach dem Krieg eine Bildung erhalten hat, sollte in der Lage sein dieses Buch richtig zu beurteilen; hoffe ich wenigstens.”
Dieser Beitrag erschien zuerst auf Global Voices. Die Übersetzung erfolgte durch Hans H. Knauf, Teil des “Project Lingua”. Die Veröffentlichung auf der Readers Edition erfolgte mit freundlicher Genehmigung von Global Voices.
Pingback: Hitler als Manga-Comic : Burks' Blog