Schamloses Spektakel

Liegt er wirklich da im Mittelkreis, der Rest von Robert Enke? Sind da wirklich noch Pätze frei unter der Anzeigetafel? Präsentiert von AWD, dem großen Finanzoptimierer, und moderiert von Johannes B. Kerner, der zur Feier des Tages übernächtigten Dreitagebart angelegt hat, nimmt Deutschland Abschied von Robert Enke, den unscheinbarsten Nationalmannschaftstorwart,

Liegt er wirklich da im Mittelkreis, der Rest von Robert Enke? Sind da wirklich noch Pätze frei unter der Anzeigetafel? Präsentiert von AWD, dem großen Finanzoptimierer, und moderiert von Johannes B. Kerner, der zur Feier des Tages übernächtigten Dreitagebart angelegt hat, nimmt Deutschland Abschied von Robert Enke, den unscheinbarsten Nationalmannschaftstorwart, den der dreimalige Weltmeister je hatte. Ungeschlagen ist er geblieben in allen seinen acht Einsätzen, dann hat er Selbstmord begangen und damit die Welt verändert.Eigentlich gilt hierzulande das ungeschriebene Gesetz, dass Medien über Selbstmorde nicht groß und breit und lang berichten, weil große, breite und lange Berichte über Selbstmorde Selbstmörder produzieren. Depressive neigen zur Nachahmung, allerdings nur, bis sich der Keeper von Hannover 96 letzte Woche vor einen Zug stellte. Seitdem ist Staatstrauer: Länderspiele werden abgesagt, Fußballarenen zu Trauerhallen umfunktioniert.

“Mehr Spiele, mehr Tore, mehr Netto”, verspricht Hauptsponsor AWD auf der Werbebande, während DFB-Präsident Theo Zwanziger Sätze voller schwergewichtiger Worte wie “Nachdenken” und “Werte” ins Mikrophon heuchelt. Vier Sender übertragen den “Volltreffer für ihre Finanzen” (Werbebande) live, die Kamera fährt immer wieder ganz nah ins Gesicht der Witwe. Die gesamte Nationalmannschaft ist zur größten deutschen Trauerfeier seit dem Tod von Joseph Stalin gekommen, angemessen betroffen tun auf der Tribüne neben Ex-Kanzler Gerhard Schröder Schweini und Poldi, die Mannschaftskameraden von 96, Bayern-Präsident Franz Beckenbauer, DFB-Generalsekretär Wolfgang Niersbach und Steffi Jones, Präsidentin des WM-OK für die Frauen-WM 2011.

“Wir alle spüren in den letzten Tagen auch das unbändige Bedürfnis, innezuhalten”, säuselt Niedersachsens Ministerpräsident Christian Wulff ohne innezuhalten. Er schließe daraus, dass sich “in unserem Land etwas ändern muss”.

Ein Selbstmord als Reformanreiz, ein schamloses Trauerspektakel als Neuanfang für Moral und Anstand?

Robert Enke ist dem “Druck” der medialen Dauerbewachung entflohen, den ihn seine Krankheit nicht mehr ertragen ließ. Ersatzweise richten sich die Kameras nun auf den im Mittelkreis aufgebahrten Sarg. Auch der Tod ist kein Entkommen.

www.politplatschquatsch.com

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  1. Ich kann diese Ansicht nicht teilen. Der Umfang der Trauer war ganz gewiss nicht geplant. Natürlich hat er sich von Schritt zu Schritt aufgeschaukelt, was mit einer
    vernünftigen Entwicklung nichts zu tun hat. Die Gefühle der Trainer und der Mitspieler waren aber nicht vorgetäuscht. Und was spricht dagegen, wenn sich Tausende selbst ans Auge fassen, wenn Sie sehen, dass ein gestandener Mann wie Oliver Bierhoff seine Tränen nicht zurückdrängen kann? Wenn ein bekanntes Gesicht nach dem anderen eine deutliche Betroffenheit ausdrückt, ist da kaum jemand, in dem sich nicht das Mitgefühl regt.

    Noch ist diese öffentliche Trauer nichts im Vergleich zur Volkstrauer in Großbritannen und der Welt als Lady Di ums Leben kam – oder als Fohn F. Kennedy meuchlings ermordet wurde (viellelicht wirklich auf Betreiben der Verasntwortlichen der privaten amerikanischen Notenbank?).