Freude und Trauer liegen so nah beianander. So auch auf dem SPD-Parteitag am Samstag in Dresden. Ex-Bundesumweltminister Sigmar Gabriel wurde mit 94,2 Prozent zum neuen SPD- Vorsitzenden gewählt. Für ihn ein freilich ein schönes Erlebnis – es war ihm anzusehen, Emotionen pur, Tränen konnte er gerade noch verhindern.
Doch einen Haken hatte die Wahl wiederum – Franz Müntefering verlässt die Bühne. Und das ist wiederum kein gutes Erlebnis, für Gabriel. Das konnte man den Worten des 50-Jährigen entnehmen. “Ein großer Sozialdemokrat verlässt die Brücke, aber nicht das Schiff”. Der Niedersachse stellte auch klar, dass der 69-jährige Müntefering nicht für das schlechte Wahlergebnis bei der Bundestagswahl verantwortlich gemacht werden kann. Es sei Müntefering immer darum gegangen, dass er seine SPD nach vorne bringen wollte. Bei seinem letzten Auftritt als Partei-Vorsitzender ermutigte der Witwer seine Partei zu kämpfen und nicht aufzugeben. Anschließend wurde der gebürtige Westfale mit mehrminütigem Applaus von den Delegierten verabschiedet.
Die Wahl eines neuen Parteichefs bedeutet im Grunde nichts anderes, als dass sich die SPD neu aufstellt.
Nach elf Jahren Regierung, müssen die Genossen nun die bittere Pille schlucken und zur Opposition abtreten. Genau darin besteht die Chance, der Partei ein neues Gesicht zu geben. Der Vorsitzende Müntefering ist Geschichte, die SPD wird von Grund auf saniert.
Trotz der Neuformierung der Parteispitzen, bleibt der erwartete Linksruck bei den Sozialdemokraten vorerst aus. Grund: Andrea Nahles wurde mit nur 69,6 Prozent zur Generalsekretärin gewählt. Die frühere Sprecherin der Parteilinken musste einen herben Dämpfer hinnehmen. Trotzdem ist sie jetzt die mächtigste Frau in der gesamten Partei. Sie sendete gleich Signale aus: “Geschlossenheit, Zusammenhalt und dann nach vorn.” Das braucht die SPD, ihrer Meinung nach am dringendsten.
Nebst Nahles und Gabriel, wurden noch die neuen Partei-Vizen gewählt. Ex-Bundesarbeitsminister Olaf Scholz konnte 85,7 Prozent auf sich vereinen. Der regierende Bürgermeister von Berlin, Klaus Wowereit, erreichte gute 89 Prozent der Delegierten. Für Manuela Schwesig stimmten 87,8 Prozent. Hannelore Kraft schenkten 90,2 Prozent das Vertrauen.
Eine Person schlüpfte bei dem Parteitag in Sachsen in eine Nebenrolle.
Vor zwei Monaten noch im politischen Rampenlicht, jetzt eher im Hintergrund. Ja, die Rede ist von Frank-Walter Steinmeier. Der vorherige Außenminister spielte nur die zweite Geige. Er wurde zum neuen Oppositionsführer gewählt. Den rund 500 Delegierten überbrachte er gleich seine Botschaft: “Wir dürfen den Schwarz-Gelben jetzt keine Ruhe lassen”. Die Politik der CDU-FDP habe keine Zukunftsidee, so der 53-Jährige. Zum Schluss seiner Rede kam ein Satz, der kämpferisch nicht hätte besser kommen können: “Wir lassen uns nicht kleinkriegen. Das ist die Botschaft”. Geredet wurde viel an diesem Samstag. Jetzt müssen die Taten folgen. Sonst hat Gabriel am Ende zwei weinende Augen.
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Namen wie Nahles und Wowereit sind Garanten dafür daß die SPD genau jenen Weg beschreitet, der sie ans Ziel bringen wird. Möge es schnell gehen.