Atom- und Klimakrieg bei Google und Wikipedia

Die Badische Zeitung teilte in der Ausgabe von 25.6.2008 mit: “Monatelang befand sich Axel Mayer, Geschäftsführer von Bund Freiburg, mit der Wikipedia-Community im Krieg. Monatelang kämpfte er in einem so genannten Edit-War um die Souveränität über die Verlinkung von Lexikonartikeln mit den AKW-kritischen Seiten der Ortsgruppe. Mayer stellte dafür eigens

Klimakrieg
Die Badische Zeitung teilte in der Ausgabe von 25.6.2008 mit:

“Monatelang befand sich Axel Mayer, Geschäftsführer von Bund Freiburg, mit der Wikipedia-Community im Krieg. Monatelang kämpfte er in einem so genannten Edit-War um die Souveränität über die Verlinkung von Lexikonartikeln mit den AKW-kritischen Seiten der Ortsgruppe. Mayer stellte dafür eigens einen Zivildienstleistenden des Bund ab, der allein die Aufgabe hatte, auf Wikipedia Links zu setzen. Das Problem: Kaum war er am Ende der langen Liste angelangt, konnte er gleich wieder von vorne beginnen. ‘Manchmal wurden die Links binnen Stunden, manchmal binnen Minuten wieder gelöscht’ berichtet Mayer. Der Grund: Viele Wikipedia-Nutzer stuften die verlinkten Seiten als unseriös ein.

Zu reißerisch erschienen ihnen Passagen wie ‘Der Krebskamin und das radioaktive Abwasser’, zu hetzerisch wirkten auf sie die Grafiken – etwa der Vergleich der Atomkraft mit einer Zeitbombe. ‘In der derzeitigen Aufmachung verstößt die Bund Seite gegen die internen Richtlinien’, sagt Wikipedianer Rainer Lippert. ‘Sie sind einfach nicht neutral.’ (…) Lipperts Einschätzung nach wurde der umstrittene Link knapp 100-mal eingefügt und von wechselnden Personen wieder gelöscht.” (Vermutet wird von den Aktivisten dahinter natürlich die Atomlobby).

“(…) Schon vor mehr als 30 Jahren war Mayer als Wyhl-Aktivist aktiv. Damals sei es um die Besetzung des AKW-Geländes gegangen. Heute gehe es um die Besetzung des Netzes.”  “(….) ‘Bestand hat, was von der Gemeinschaft akzeptiert wird’ (…) Mayers Link-Offensive in Wikipedia hatte keinen Bestand. Die atomkritischen Seiten wurden schließlich sogar auf die sogenannte schwarze Liste verbannt. Seither können sie nicht mehr eingefügt werden.

Lippert zufolge ist dieser Schritt vorher von den Wikipedia-Nutzern intensiv diskutiert worden. Die Mehrheit habe sich für die Sperrung ausgesprochen. Für Umweltschützer Mayer nur fadenscheinige Argumente. Er geht sogar noch weiter: Seiner Meinung nach besteht ein Zusammenhang zwischen der Ankündigung des Schweizer Stromkonzerns Atel, im Juni nahe der deutschen Grenze ein neues AKW zu bauen und der Sperrung des Links im April. ‘Die Atomlobby hat bereits vorgesorgt’, glaubt Mayer. Doch Lippert widerspricht: ‘Der Ausschluss des Links hat in keiner Weise mit dem Bau irgendeines Kraftwerks zu tun.’

Allein der Edit-War habe dazu geführt. Ein Edit-War, der bereits vor einem Jahr begonnen hat, als der Neubau des Schweizer AKW noch nicht öffentlich diskutiert wurde. Das beweisen die internen Verlaufsprotokolle auf Wikipedia. Mayers Argumentation gerät dadurch ins Wanken. Für den Bund Freiburg ist besonders bitter, dass die Homepage seit der Sperrung nicht mehr von Google gefunden wird. Die Klickzahlen des Verbandes, die sich vor allem aus der Suchmaschine speisen, sind eingebrochen: Hatte die Seite am 4. Juni noch 2230 Besucher, waren es zehn Tage später nur noch 882. Doch wer einen Großangriff der Atomwirtschaft auf Wikipedia und die Internetsuchmaschine vermutet, ist voreilig. Laut Google-Experte Sebastian Erlhofer besteht kein Zusammenhang zwischen schwarzer Liste und Suchmaschine.” [1]

Mein Resümee

Als Außenstehender finde ich es reichlich fragwürdig was der BUND hier betreibt. Ein Zivildienstleistender wird abgestellt, um die Meinungshoheit bei Wikipedia zu gewinnen. Das Feld soll nicht der angeblich beteiligten Atomlobby überlassen werden. Dabei werden zweifelhafte Links 100-fach immer wieder neu eingestellt. Für die Löschung der umstrittenen und keineswegs neutralen Links wird dann die Wikipedia-Gemeinschaft verantwortlich gemacht, welche natürlich, wie sollte es auch anders sein, von der Atomlobby unterwandert sein muss. Zudem scheint Wikipedia dazu genutzt werden, um die Besucherquote aufzubessern.

Aber nicht nur die Atomseiten werden unterwandert, selbiges geschieht mit den Klimaseiten.

Klimakrieg auf Wikipedia

Neben Al Gore ist William Connolley vielleicht die einflussreichste Person der Welt in der Treibhauseffektdebatte. Er hat in Mathematik einen Doktor der Philosophie und arbeitete einst als Klimamodellierer. Williams Connolleys Meinung zählt bei Wikipedia (der größten Informationsquelle der Welt) eine ganze Menge.

“Er nimmt an, dass es über Themen wie Klima, Treibhauseffekt, etc. einen Konsens in der wissenschaftlichen Gemeinschaft gibt, und dass die verschiedenen Berichte vom Weltklimarat (IPCC) diesen Konsens zusammenfassen”. Dieses kann man zumindest seiner Wikipedia-”Biographie” entnehmen.

Connolley ist ein großer Wurf für Wikipedia: ein Administrator mit außergewöhnlicher redaktioneller Schlagkraft. Diese Schlagkraft benutzt er dazu, den AGW-Konsens widersprechende Wissenschaftler und Kritiker zu demontieren.

Ein solcher Wissenschaftler ist Fred Singer, der Erste Direktor vom U.S. Nationalen Wettersatellitendienst, geehrt vom Weißen Haus für sein Design der Weltraumsatelliten; geehrt von der NASA für Forschung auf Partikel-Wolken, kurzum, ein Wissenschaftler mit überwältigenden Leistungen, alles Verdienste, die Connolley selber nicht hat. Unter Connolleys Aufsicht wird Singer mitleidslos beschmutzt, als ein Spinner, der an Marsmenschen glaubt, man wirft ihm u.a. Bezahlung durch die Erdölindustrie vor, etc..

Wikipedia ist voll von Regeln, die die Redakteure befolgen müssen, und hat auch einen Kodex. Jene Regeln und Kodizes gelten aber offenbar nicht für Connolley und seine Unterstützer.

“Peiser’s (ein Autor bei Wikipedia) Scheiße sollte nicht hier drinnen sein”, schrieb Connolley, als er einen Wikipedianer während eines sog. “edit-war” abmahnte. In so einem Krieg ändern die Rivalen den Inhalt einer Wikipedia-Seite von einer konkurrierenden Version in eine neue, und zwar oft mit verrückter Geschwindigkeit. (Zwei Leute, die gleichzeitig auf einer bestimmten Seite landen, können völlig andere Inhalte erhalten.) Im Peiser-Fall sperrte ein Wikipedianer wegen eines solchen Edit-War eine sich ständig ändernde Seite, um diese Änderungen zu verhindern, bis der Streit geregelt wurde. Bei einem solchen Streit hatte ein Autor eine bestimmte Seite eingefroren. Zu Connolleys Ärger bezweifelte aber diese eingefrorene Version, den behaupteten Klimakonsens. Obwohl dies innerhalb der Wikipedia-Regeln möglich ist, griff Connolley ein, um die Seite zu revertieren und sicherzustellen, dass Wikipedia-Leser nur die Version zu sehen bekamen, die er wollte.

“Peiser”, das ist Benny Peiser, ein angesehener U.K.-Wissenschaftler, der überzeugend eine Studie von Naomi Oreskes widerlegt hatte, die behauptete, keine wissenschaftlichen Dokumente zur Klimaänderung gefunden zu haben, die von der herrschenden Meinung abweichen. Die Oreskes-Studie, die sogar in Al Gores Film “Eine unbequeme Wahrheit” zitiert wird, ist ein Artikel voll auf der Linie der Klima-Alarmisten und schützt somit auch Connolley et al. vor Kritik. Inzwischen werden Peiser und andere Kritiker von Oreskess Studie bei Wikipedia diskreditiert.

Connolley und seine Unterstützer bearbeiten nicht nur Seiten von Wissenschaftlern, die aktiv in die Treibhauseffektdebatte involviert sind. Wissenschaftler, die auf anderen Feldern arbeiten, aber indirekt Kritik an der orthodoxen Klimalehre äußern, werden ebenfalls diskreditiert. Ebenso ergeht es Nicht-Wissenschaftlern und Organisationen, die nicht übereinstimmen. Jeglicher Hinweis, irgendwo in Wikipedias 2.5-Million englischsprachigen Seiten, der Zweifel an den Folgen der Klimaerwärmung hegt, wird auf Connolleys Gebot zurechtgebogen.

Connolley arbeitet nicht mehr als ein Klimamodellierer. Er arbeitet jetzt für eine Cambridge Silizium Radio genannte Gesellschaft als Softwareingenieur und als “Ingenieur der Meinungen” bei Wikipedia. [2]

Mein Fazit

Immer und immer wieder wird uns Glauben gemacht, dass alleinig die “konservative und rechtsgerichtete” Atom-, und Kohlelobby der “ewig Gestrigen” das Meinungsbild unterwandern würde. Das mag teils auch so sein, aber ebenso aktiv ist die Anti-AKW- und Klimalobby. Mit dem Finger auf die anderen zu zeigen und sich dann selbst der kritisierten Methoden zu bedienen und das weitaus radikaler, erscheint jedenfalls äußerst fragwürdig.

Quellen
[1] Manipulation von BUND-Atomseiten bei Google und Wikipedia?

[2] Der Meinungsmacher: Wie man mit Wikipedia Meinung macht!

Kommentare

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  1. @ Michael Krüger

    Sehr schöner und aufschlussreicher Artikel. Vielen Dank dafür. Können wir von Ihnen auch noch etwas zur Behandlung des Klimawandels im deutschen Wikipedia erwarten? Da soll es ja auch so sein, dass einige wenigen die Meinungshoheit übernommen haben.

    MfG
    Rudolf Kipp