Gruppe Piratenpartei: Am morgigen Dienstag, 17. November, ist es soweit: Zum zweiten Mal in diesem Jahr finden Aktionen an Hochschulen, Demonstrationen und vieles mehr im gesamten Bundesgebiet statt. Nach Österreich sind auch in zahlreichen Städten Deutschlands bereits Hörsäle besetzt und ständig kommen neue Standorte hinzu. Denn: “Trotz großer Aufmerksamkeit und kleinen Zugeständnissen hat sich nichts geändert – unsere zentralen Forderungen wurden nicht erfüllt.” Auch die StudiVZler diskutieren über den morgigen Tag und die damit zusammenhängenden Forderungen.
Schon kurz nach der Eröffnung des Threads am 30. Oktober melden sich die ersten Kommentatoren zu Wort. So schreibt ein Diskutant: “versteh nicht, das hier leute gibt die das thema schweinegrippe wichtiger finden als bildung. beteiligt euch. unterstütz besetzter in eurer nähe.” Ein anderer zieht das Thema Bildung versus Epidemie durch den Kakao und gibt Folgendes zum Besten: “OMG, Freidenkeralarm!!! Sperrt diesen Menschen weg! Bildung? Es herrscht Schweinegrippe Leute! Habt ihr schon mal in die Ukraine geschaut? Und ihr wollt Kinder in die Schule schicken? Noch schlimmer, ihr wollt Kinder auf die Straße schicken? Menschenansammlungen erhöhen das Ansteckungsrisiko und der Impfnachschub stockt. Deshalb fordere ich:
- Streiks verbieten
- Schulen schließen
- das Recht auf Bildung bis auf weiteres aussetzen
- Vermeiden Sie Menschenkontakte – vor allem zu den Klitschkos”
Neben humoristischen Zeilen, gibt es jedoch auch Kritik. So schreibt ein VZ-Nutzer: “Schade, dass einige vernünftige Forderungen in völlig irrealem linken Gutmenschen-Pathos untergehen. Alles gratis für Alle, aber Fordern darf vom Niemandem Nichts. Beim Bildungsstreik gehts eindeutig ums tolle Protesthappening, nicht um Politik. Damit kann ich mich nicht identifizieren.” Solche Intentionen werden von anderer Seite allerdings vehement abgestritten. Ein Student berichtet hierzu aus seinen persönlichen Erfahrungen. Gerade jene, die kein Elternhaus hätten, welches unterstützend zur Seite steht, bleibt so mancher arbeitsintensiver Studiengang derzeit verschlossen, denn jobben nebenher sei zum Beispiel im Studiengang Maschinenbau so gut wie unmöglich. Der Mit-Diskutant unterstreicht: “ein bildungssystem sollte für die menschen da sein und nicht mehr und mehr auf wirtschaftsinteressen ausgerichtet werden.” Von G8 oder Bachelor und Master hält der Kommentator wenig. Das sieht auch der nächste Schreiberling so: “Es war eh ne Frechheit, glaichzeitig zu ‘Vollzeitstudiengängen’ (Bachelor/Master) Studiengebühren einzuführen. Ein Schelm wer hier böses denkt.”
Allerdings sind nicht alle gegen Studiengebühren. Vielmehr kann so manch StudiVZler das sprichwörtliche “Gejammer” nicht so ganz nachvollziehen. In ausführlichen Beschreibungen der eigenen Situation zeigen sie: Auch mit BaFöG und Kindergeld muss das Studentenleben gar nicht schlecht sein. Ebenso steht es um die Forderung, Aufnahmeanforderungen und Leistungserbringungen abzuschaffen. Es ist zu lesen: “(…) Keine Konkurrenz? Wohin soll das bitte führen? Die einzigen sinnvollen Forderungen sind die ‘Reform der Bologna Reform’ so wie die Förderung (bzw. Sicherung) der Mobilität zwischen den Hochschulen – dass es da bisher ziemlich hakt bekomme ich auch von ein paar Bekannten mit.”
Ein VZ-Nutzer legt in der vergangenen Woche seine Abneigung ausführlich dar. Er schreibt. “Warum ich nicht streiken werde: Ich finde, dass die meisten Forderungen der Streikenden vollkommen überzogen und unrealistisch sind. Eine der Forderungen ist Bildung, statt Ausbildung. Aber wer soll die denn geben? Der Staat? Die Wirtschaft? ein Studium ist dazu da, dass man auf dem Arbeitsmarkt Leistung erbringen kann. Das will der Staat und auch die Wirtschaft. Eine staatliche Universität ist also der falsche Adressat für diese Forderung. Außerdem werden weniger Zugangsbeschränkungen gefordert. Warum? Warum sollte man BWL nicht beschränken? Es gibt ganze heere an wirtschaftlern, aber auf dem Arbeitsmarkt ist kein platz für die alle. Warum brauchen wir einen freien Hochschulzugang für alle? Inzwischen dürfen doch schon alle das Abitur machen, und wozu hat es geführt? Dass das Abitur abgewertet wurde und nicht mehr ausreicht um gute chancen auf dem arbeitsmarkt zu haben. So wird es auch sein, wenn jeder den Bachelor bekommt. (Stichwort Zusatzqualifikationen) Die Studenten mit ihrer Schmarotzermentalität erkennen wohl nicht, dass das alles Geld kostet. Heutzutage bezahlt die Krankenschwester indirekt über Steuern die Ausbildung ihres Chefarztes. Das finde ich ungerecht und ohne Studiengebühren und Zulassungsbeschränkungen würde sich diese Ungerechtigkeit noch verschärfen. Manche Studenten fordern auch 50% Frauenquote in allen Bereichen des studentischen Personals. Vollkommen überzogen und weltfremd.”
Am vergangenen Sonntag macht ein Diskutant dann auf das “Führungstreffen Wirtschaft 2009” aufmerksam, das vom 20. bis zum 21.11. im Adlon stattfindet. Gleichzeitig zu dieser Veranstaltung gibt es am 20.11. um 16.00 Uhr vor dem HU-Hauptgebäude eine Kundgebung, das so genannte “ENT-Führungstreffen”. Hiermit soll dem Berliner Bildungsstreik ein lautstarker und entschlossener Ausdruck verliehen werden.
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