Gruppe Bündnis 90/Die Grünen: Der Tod Robert Enkes beschäftigt nicht nur die rund 300 eigens gegründeten Gruppen innerhalb des sozialen Netzwerks. Auch inmitten politischer Diskussionsforen wird dieser thematisiert. Bei den Grünen liegt der Fokus jedoch etwas anders. Trauer steht hier nicht im Vordergrund. Sie beschäftigen sich mit der medialen Berichterstattung rund um das furchtbare Ereignis. Über allem scheint die Frage zu schweben: Wie weit dürfen Medien gehen?
Die Diskussion beginnt am vergangenen Samstag. Ein User verweist auf zwei Artikel von Stefan Niggermeier. Die Titel: “Das Geschäft mit den Bildern” und “Lebt er noch“. Sein Kommentar zum Vorgehen der Medien: “Einfach nur noch widerlich.” Den Thread überschreibt er deshalb mit: “Deutschlands perverse Medienlandschaft”. Ein anderer versucht zu relativieren und führt aus: “Das hat wohl nichts speziell mit Deutschland zu tun. Ich will jetzt hier keine Werbung für die freien Medien nach dem GG machen. Mir ist diese Kultur aber lieber, als die aus China oder sonstwo in der Welt, in der es keine freien Medien gibt. Da die Medien auch Bestandteil der Wirtschaft sind, zählt hier, dass die Nachfrage das Angebot bestimmt. Es zwingt mich keiner, mir solche Berichte anzusehen! Das hat nichts mit pervers zu tun.” Für einen Mitdiskutanten ändert das jedoch nichts daran, dass man hier zu weit gegangen ist. Ein Vergleich mit China helfe hier nicht. Für ihn steht fest: Die Medien würden die Moral im Land herunterziehen. Hierzu wird ergänzt: “Berichte sind also nur pervers, wenn man dich zwingt sie anzusehen? Und was bringt es den Opfern, dass du diese Berichte nicht anschaust? Macht das die Verletzung der Privatsphäre entschuldbarer?” Doch handelt es sich hier überhaupt um eine solche? Ein VZ-Nutzer meldet im Fall von Robert Enke Zweifel an. Er sagt: “Eine Verletzung der Privatsphäre ist doch ein heikles Thema hier. Eine öffentliche Person, welche sich in der Öffentlichkeit suizidiert, gibt seine Privatsphäre in bestimmten Maßen wohl auf. Ob in diesem Fall eine Verletzung der Privatsphäre vorliegt, wage ich eher zu bezweifeln.” Im Falle seiner Frau Teresa sieht ein Mit-Diskutant jedoch sehr wohl eine Verletzung. Seine Schlussfolgerung: “Jedenfalls ist es kein Wunder, dass Robert Enke Angst vor der Öffentlichkeit hatte und deswegen seine Krankheit verschwiegen hat.”
Wenig später findet ein StudiVZler klare Worte. Er schreibt: “Also ich finde ganz klar: Dieser Journalismus geht hier zu weit. Das ist dann Todes-Voyeurismus pur und eben in der Tat pervers. Brauchen wir da strengere Regeln? Ich weiß es nicht, Pressefreiheit ist ein hohes Gut, andererseits scheint sich keiner mehr an moralische Grenzen zu halten, ob in der Wirtschaft oder in Medien, traurig so was.” Es wird jedoch die Frage aufgeworfen, ob dies überhaupt das Problem der Medienlandschaft sei. Ein User meint, nein. Denn diese bediene ein Bedürfnis. Verbiete man eine solche Berichterstattung, suche sich dieses zwangsläufig andere Kanäle wie zum Beispiel im Fall des Amoklaufs von Winnenden. Die Nachrichten gaben weder vollen Namen noch Bilder der Toten preis. Im Internet seien sie an anderen Orten jedoch sehr wohl zu finden. Der Kommentator fasst zusammen: “Die Lösung ist daher nicht die Journalismusrüge, sondern die Menschenrüge. Erst wenn der Mensch dieses Bedürfnis selber als unmoralisch erkennt und auch als unmoralisch annimmt, erst dann hat diese Sensationsgeilheit ein Ende. Und dann werden – mangels Nachfrage – die Medien da auch mit aufhören. Es liegt an jedem von uns, einen solchen Zeitgeist zu erschaffen.”
Wenig später wird darüber hinaus geraten: “Es gibt eine einfache Kontrollfunktion, denn Marktwirtschaft ist basisdemokratisch: Zeitung nicht kaufen/Sender nicht schauen! Brief an die verantwortliche Redaktion aufsetzen und die Kritik an die Stellen tragen, die es angeht. Meinungen zutragen, die aus Bilanzen und Medienplänen nicht ersichtlich sind.”
Typisch grün. Sophistisch über die Massen lästern, die sich von der sichtbaren Trauer von Bierhoff und vielen anderen bekannten Leuten haben anstecken lassen, enthebt sie davon, sich selbst emotional ansprechen zu lassen. Die Grünen sind im Kern noch immer ein sich intellektuell gebender Haufen. Den Weg zu den Menschen und ihren Gefühlen haben sie nie gefunden. Heute sind sie sozial so blind, dass sie selbst mit Ole von Beust und Peter Müller in die Regierung gehen. Ihr unbedingter Wille, mit an den Hebeln der Macht zu sitzen, raubt ihnen am Ende auch noch ihren intellektuellen Touch.